Am BER (Quelle: imago-images/Frederic Kern)
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Einbruch des Flugverkehrs - Bei BER-Flughafengesellschaft soll jeder vierte Job wegfallen

Der erlahmte Flugverkehr macht den BER-Betreibern weiter schwer zu schaffen. Um Kosten zu sparen, sollen in den nächsten Jahren 535 Arbeitsplätze abgebaut werden - deutlich mehr als noch im Sommer angekündigt.

Die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB) will in den nächsten Jahren jeden vierten Job streichen: Bis 2025 sollen 535 der 2.170 Arbeitsplätze sozialverträglich abgebaut werden, wie Finanzchefin Aletta von Massenbach am Montag im Flughafenausschuss des Brandenburger Landtags ankündigte. Hintergrund ist der Einbruch des Flugverkehrs in der Corona-Pandemie.

2021 nicht mehr Fluggäste erwartet

Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hatte bereits im Juli einen Stellenabbau angekündigt und damals von 400 der rund 2.170 Jobs gesprochen. Am Montag betonte er, die FBB könne die Verluste gegenwärtig nur mit harten Einsparungen auffangen. Neben Kurzarbeit in erheblichem Umfang könnten mit der zeitweisen Schließung der derzeit nicht benötigten Südbahn und des Terminals Schönefeld-Alt weitere Personalkosten eingespart werden.

"Nur wenn wir Fluggäste generieren, können wir unsere Kosten decken oder gar Gewinne machen", sagte Lütke-Daldrup. In diesem Jahr habe es an den Berliner Flughäfen nur neun Millionen Fluggäste gegeben. Auch wenn man nach Beginn von Impfungen im zweiten Halbjahr 2021 wieder auf Besserung hoffe, würden im kommenden Jahr insgesamt nicht mehr Fluggäste erwartet. Zu den Ausfällen bei den Flughafengebühren kämen Verluste wegen der Umsatzeinbußen des Einzelhandels. Dieser mache ein Drittel der Einnahmen aus.

Riesige Finanzlöcher durch die Coronakrise

Die Corona-Krise hat die Flughafengesellschaft in eine prekäre Finanzsituation gebracht. Allein in diesem Jahr werden zusätzliche 300 Millionen Euro Zuschuss der Gesellschafter benötigt, um die wirtschaftlichen Corona-Schäden auszugleichen. Für das kommende Jahr haben Berlin, Brandenburg und der Bund weitere 660 Millionen Euro zugesagt. Zuletzt hatte der Bund über einen Einstieg privater Investoren nachgedacht.

Sendung: Abendschau, 30.11.2020, 19.30 Uhr

17 Kommentare

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  1. 17.

    Da bin ich Corona sehr dankbar. Da es leider schwierig ist Kerosin anständig zu besteuern, um die Umwelt wirklich zu entlasten, hat Corona das Flugaufkommen auf ein vernünftiges Maß gebracht. Auch das Leben in der Einflugschneise ist dadurch viel lebenswerter. Danke Corona, Du hast der Natur eine Verschnaufpause gebracht. Unwirtschaftliche Flughäfen bitte schließen!!! Auch den BER.

  2. 16.

    Vorsicht! Die Anreise nach Leipzig als Postpaket im LKW, um dann mit der DHL zu fliegen, ist nicht besonders bequem. Ansonsten wäre die Zahl der Flugziele doch derzeit arg bescheiden. Morgen ist ein (!) Passagierflug ab Leipzig angesetzt, auch wenn Fuerteventura nicht gerade das schlechteste Reiseziel um diese Jahreszeit ist.

  3. 15.

    Wenn es nicht Corona geben würde, ja dann würden die politisch Handelnden die "Woidschke" Erfolgsgeschichte BER (das hat er wirklich gesagt, Eröffnungsrede) sicher so wie bisher weiter schreiben.

    Oder man müsste Corona erfinden, um dies zu kaschieren.

    Na ja, wenn die Südbahn geschlossen ist, hält sie länger und versinkt nicht so schnell im Moor, wie die A24 - Sperenberg halt dich bereit.

  4. 14.

    Das wird bestimmt nicht die letzte schlimme Nachricht des neuen BER sein! Weitere werden folgen! Davon kann man ausgehen! Jede Wette!

  5. 13.

    ... und im Januar hieß es noch "Jobmaschine BER" https://www.tagesspiegel.de/berlin/die-jobmaschine-so-soll-der-ber-die-regionale-wirtschaft-ankurbeln/25457722.html
    ... nun ist es eine "Jobvernichtungsmaschine"

  6. 12.

    Tja...es ist bleibt ein S***** Flughafen, aber zum Glück ist es bis Leipzig/Dresden nicht weit;)

  7. 11.

    Tja kostete viel mehr als erwartet und nun nachdem er endlich fertig ist erwirtschaftet er auch keinen Gewinn und kostet nur. Wäre dies ein Privatunternehmen müßte es Konkurs anmelden. Aber hier hat man ja Quellen die anscheinend bis ultimo (Steuer)Geld zuschießen.

  8. 10.

    Vielleicht weil die Betriebskosten der Südbahn höher sind als die der Nordbahn.
    Um die Südbahn sauber zu halten, muss wesentlich mehr Fläche gereinigt, beleuchtet und gepflegt werden. Unter anderem die Nordbahn selbst. Der Spareffekt bei Schließen der Nordbahn würde gegen Null tendieren.
    Meine Vermutung, wissen kann ich das natürlich nicht, aber ich denke die FBB weiß es besser als jeder rbb24 Leser.
    Flughafen ist nun mal keine Nationalmannschaft. Im Fußball wissen die Zuschauer natürlich alles besser als der Trainer.

  9. 9.

    Und da gibt es wahrhaftig Leute, die obendrein Tegel offen halten wollen.

  10. 8.

    "Südbahn entspricht dem BER???"
    Schauen Sie mal auf die Karte und Sie werden feststellen, dass diese Aussage Blödsinn ist.
    Ausserdem gibt es genehmigungsrechtliche Gründe für die Abmeldung der Südbahn, sowie einen höheren Bereithaltungsaufwand.
    Lustig auch die Typen, die vor Corona schon wussten, wie der Flugverkehr am 30.11.2020 aussieht. Wow

  11. 7.

    Die Südbahn ist weit weg vom Regierungsterminal. Der Bund wünscht deshalb mit Sicherheit keine Schließung der Nordbahn.

  12. 5.

    Ja, ja: Die Jobmaschine!
    Zum Glück kann man, nachdem die Provisionen sicher verstaut sind, das Ganze nun der Corona - Plage zuschreiben. Und das langsame Absinken der auf einer Torfblase errichteten Südbahn gleich mit.

  13. 4.

    na wenigstens ist am "nicht fliegen" noch keiner gestorben.

  14. 3.

    Warum wird die Südbahn geschlossen und das Terminal 5 der Nordbahn ? Macht keinen Sinn...

    Neuer Flughafen BER entspricht der Südbahn... sinnvoller wäre wenn schon der Terminal 5 schließt auch die Nordbahn zu schließen und mal die Anwohner zu entlasten die seid Jahren den Fluglärm ertragen.

  15. 2.

    Weiß momentan nicht so genau ob ich lachen oder weinen soll.

    Damals schon (vor Corona) hab ich gesagt es wäre ein Baustopp bzw. ein Rückbau des BER sinnvoll.

    Die Hälfte der Gelder in TXL investieren und gut ist. Viele wären zufrieden gewesen.

    Nun tritt ein was vorhersehbar gewesen ist.

    Alle Provisionen sind geflossen, somit wird der BER bis zur Unwirtschaftlichkeit am "Leben" gehalten um dann den Rückbau einzuleiten. 3 Flughafen-Ruinen in Berlin? Man gönnt sich ja sonst nix.

  16. 1.

    Was heißt sozial verträglich. Das glauben die doch selbst nicht. Hauptsache der Aufsichtsrat verdient sein Geld. Wieviel verlieren denn dort ihren Arbeitsplatz.

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