Symbolbild - Eine Warteschlange steht am BER am Check In. (Bild: imago images/Frederic Kern)
Video: rbb|24 | 12.01.2021 | Material: Brandenburg Aktuell | Bild: imago images/Frederic Kern

Kontrollstellen für Handgepäck - Sicherheitspersonal am BER erleidet Stromschläge

Mitarbeiter der Sicherheitskontrolle am BER berichten von schmerzhaften Stromschlägen. Einige sind bereits krankgeschrieben. Laut der Bundespolizei handelt es sich lediglich um elektrostatische Entladungen. Verdi fordert den Stopp der Passagierkontrollen.

Mitarbeiter der privaten Sicherheitsfirma Securitas am Flughafen BER haben laut der Gewerkschaft Verdi Stromschläge bei der Kontrolle des Handgepäcks an den Sicherheitsschleusen erlitten. Insgesamt gab es laut Verdi seit Oktober bereits über 60 Unfälle. Einige Beschäftigte seien deshalb krankgeschrieben worden.

"Ich hatte die Anlage gar nicht berührt und trotzdem plötzlich so einen Einschlag in der rechten Hand gespürt", sagte eine Mitarbeiterin von Securitas - der Firma, die für die Abwicklung der Kontrollen zuständig ist, rbb|24. "Das hat einen richtigen Knall gegeben." Nach dem Vorfall sei sie mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht worden. "Als ich dort ankam, sagte eine Krankenschwester zu mir: 'Sie sind jetzt schon meine Zwanzigste vom BER, die ich hier habe'."

Betroffen sei die gesamte Anlage, die Röntgengeräte, die Monitore, alles und auch an allen drei Zugängen zu den Sicherheitskontrollen im Terminal 1, so die Mitarbeiterin. "Es macht wirklich keinen Spaß mehr, auf Arbeit zu gehen", sagte ein anderer Securitas-Mitarbeiter. "In Tegel und Schönefeld gab es diese Probleme nicht."

Bundespolizei hat "unverzüglich Maßnahmen ergriffen"

Die Bundespolizei, die für die Geräte verantwortlich ist, erklärte, es handele sich um elektrostatische Entladungen, die in der Regel zu keinen Verletzungen führen würden. Die Behörde habe nach Eingang entsprechender Hinweise am 12. Dezember "unverzüglich Maßnahmen ergriffen", teilte eine Sprecherin mit. Laut einem Sachverständigen-Gutachten entsprächen alle Anlagen "den gültigen Normen und anerkannten Regeln der Technik".

Als erste Maßnahmen vor Ort seien Gummimatten und Entladungsstangen im Einsatz. Außerdem seien Informationen zur Vermeidung elektrostatischer Aufladungen an die Mitarbeiter verteilt worden.

Einige Kollegen hätten bereits spezielle Schuhe erhalten, die elektrostatische Entladungen nicht weitergeben sollen, bestätigen Securitas-Mitarbeiter: Aber eben nicht alle, zudem bestehe das Problem weiterhin. "Die Bundespolizei hat sich wirklich sofort gekümmert", sagt ein Mitarbeiter von der Sicherheitskontrolle. "Trotzdem haben wir das Gefühl, dass das Problem nicht ernstgenommen wird. Wir merken doch, wenn es zuckt."

Verdi: Mehrere Strafanzeigen

"Die Bundespolizei versucht die Beschäftigten zu schützen, die Maßnahmen haben wir auch wahrgenommen, aber sie helfen nicht", sagt Verdi-Landesbezirksleiter für Berlin-Brandenburg, Benjamin Roscher. Allein am 6. Januar sei es zu elf dokumentierten Fällen gekommen, vier Fälle führten demnach zu einem Rettungseinsatz.

Mehrere Beschäftigte hätten Strafanzeige gestellt, auch zwei Passagiere seien bisher betroffen und hätten dies zur Anzeige gebracht, sagte Roscher am Montag dem rbb. Die Gewerkschaft fordert deshalb, Passagierkontrollen an den betroffenen Geräten im Terminal 1 des Flughafens auszusetzen und an den alten Flughafen Schönefeld zurückzukehren. "Aufgrund des ohnehin sehr niedrigen Passagieraufkommens käme es durch die Einstellung der Kontrolltätigkeiten im Terminal 1 noch nicht einmal zu Einschränkungen des Flugverkehrs", findet Roscher.

"Es hat ordentlich gepfeffert"

Roscher zufolge gab es sichtbare Verletzungen bis hin zu Bewusstseinsverlust und auffällige EKGs. "Ich habe nur noch einen Lichtbogen gesehen, und es hat ordentlich gepfeffert und geknallt. Ich hatte keine Verletzungen oder Verbrennungen, musste aber trotzdem ins Krankenhaus und ein EKG machen lassen", sagte ein Sicherheitsmitarbeiter dem rbb. Man habe jetzt schon Bauchschmerzen, wenn man an den Geräten arbeiten müsse. "Kindern stehen schon die Haare zu Berge, obwohl sie nicht dicht an der Anlage dran sind", so der Mitarbeiter.

FBB: keine Verlagerung der Passagierkontrolle

Eine Verlagerung der Passagierkontrolle steht für die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB) allerdings nicht zur Diskussion. Die FBB gehe davon aus, dass sich solche Vorfälle durch die Einhaltung entsprechender Verfahren und Vorkehrungen in Zukunft vermeiden ließen, teilte Sprecher Hannes Hönemann dem rbb mit.

"Ich finde es ein bisschen seltsam, dass die Flughafengesellschaft einfach auf die Bundespolizei und die Securitas zeigt und glaubt, das wäre nicht ihr Problem", so Roscher. Schließlich sei unklar, ob das Problem durch die Geräte verursacht werde oder bauliche Mängel etwas damit zu tun hätten, sagte er. "Aus unserer Sicht gibt es genug Alternativ-Ressourcen am Flughafen", so Roscher, "wie beispielsweise die Kontrollspuren im Terminal 5 am alten Flughafen Schönefeld oder eine Inbetriebnahme des Terminal 2."

Sendung: Abendschau, 11.01.2021, 19:30 Uhr

Die Kommentarfunktion wurde am 12.01.2021 um 12:13 Uhr geschlossen

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25 Kommentare

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  1. 25.

    Das einzige was hier fliegt sind die Haare... und das einzige was hier klappt sind die Türen... oder die etwa auch nicht? Sperenberg wir kommen ... so schnell schon... hoffentlich dürfen dann mal die Profis statt die verwaltenden Ideologen ran, die haben 30 Jahre lang Großprojekte mit unserem Geld "in den Sand gesetzt".

  2. 24.

    Fliegen ist eben nur mit entsprechender Schutzbekleidung gesundheitlich unbedenklich.

  3. 23.

    Wenn es wie geschildert zu verbrennungsmarken kommt, kann es sich keineswegs wie heute in einem Artikel behauptet. um elektronische Aufladudung halten. Bei Fehlerstroemen wuerden, wie im Haushalt, natürlich wenn vernünftig vorher gearbeitet worden ist die Fehler stromelemente auslösen. Aber bei der Anzahl von Personen kann man eigentlich nur noch????? Vieleicht doch etwas vorschnell eröffnet. Stellt sich nur noch die Frage nach der Qualität der Abnahme und der Arbeiten????

  4. 22.

    Vielleicht reicht es aber auch die Bekleidung der Mitarbeiter zu wechseln. Ick bin ich schon öfters elektrisch entladen worden. Schuld war des Öfteren ein Pulli aus Synthetik. Ick achte nu druff und es passiert nich mehr so oft.

  5. 20.

    Manchmal hilft es, mehr als nur die Überschrift zulesen!

    Naja Hauptsache man kann den Gleichschritt, gäh!

  6. 19.

    Da wird ein Fehler in der Erdung sein. Da hilft nur richtige aufwändige Fehlersuche, da sich auf Grund der Leitungslängen über Umwege wahrscheinlich eine sogenannte "Scheinerde" aufgebaut hat. Weiterhin müssen auch ortfeste und bewegliche Elektroanlagen und - Geräte nach DIN/VDE auf elektrische Sicherheit regelmäßig geprüft werden. Auch müssen bewegliche elektrische Geräte eine CE-Zulassung vor der Inverkehrbringung besitzen. Gummimatten und Erdungsstangen, Schlüsselanhänger bringen allein nichts, da scheinbar nicht spezielle EGB-Schuhe und Erdungsarmbänder mit Ableitwiderstand sowie EGB-Bekleidung getragen werden. Letztlich sollten die Verantwortlichen darüber im Klaren sein, dass hier billigend mindestens fahrlässige Körperverletzung in Kauf genommen wird. Was passiert, wenn jemand einen Herzschrittmacher trägt und danach nicht mehr aufsteht? Da steht fahrlässige Tötung im Raum. In beiden Fällen freut sich jeder Rechtsanwalt, die BG, aber nicht die Familien! Einfacher wäre, die betroffenen Geräte nacheinander außer Betrieb zu nehmen, komplett inklusive Gehäuseanschlüsse optisch (auch von innen) und elektrisch zu überprüfen.Danach die Anschlusspunkte der Geräte inklusive der Klemmung und Leitungsquerschnitte. Falls das nichts bringt, nachts die Fundamenterdung mit den entsprechenden Plänen komplett überprüfen. Hierzu gehört auch die jeweiligen ursprünglichen Prüf-und Abnahmeprotokolle zu checken. Bei dem Milliardengrab von BER und dem derzeitigen Passagierzahlen wird man doch in der Lage sein, mal vernünftig die Ursache zu finden!

  7. 18.

    Ach mein Tegel ! Du warst so sicher, kurze Wege, behindertenfreundlich, und die jetzigen Passagierzahlen hättest Du auch geschafft.
    Ich weine dir viele Tränen nach!!
    Aber es musste ja alles in den Osten geschafft werden.

  8. 17.

    Mir tun die Leute, die die Stromschläge abbekommen leid. Ich wünsche gute Besserung. T1 schließen wäre richtig, aber ich fürchte, das wird man aus Imagegründen nicht tun.

  9. 16.

    Wenn es Handgeräte sind, geht es schlecht, sollten es die großen Portalscanner sein, wurde wohl irgendwo vergessen, die Geräte oder gar den ganzen Bereich vernünftrig oder gar komplett zu erden. Und wer bezahlt für den offensichtlichen Pfusch? Die Mitarbeiter mit ihrer Gesundheit und der Steuerzahler als Melkkuh für unfähige Bauherren. Macht den Laden dicht oder widemt den als Regierungsterminal der alte SXF reicht bei den Zahlen eh völlig aus, TXL mit der langen Südbahn als Regionalflughafen mit anständigem Nachtflugverbotskonzept und nur für Turboprops für innerdeutsche Verkehre - wenn überhaupt wieder irgendwann mal, und dann bitte viel weniger, geflogen wird.
    Wenn ich betrachte, wie die Flughäfen in D heruntergefahren werden, maßt sich Berlin/BRandenburg diesen Moloch an? Wofür eigentlich noch? Abernilliarden für eine stillgelegte Südbahn, Terminals ohne Sinn und nur für Billigcarrier? Was ein unnützer Klotz. Schade ums ganze Geld - das täte den Schulen der beiden Bundesländer gut

  10. 15.

    Ich würde es SEHR begrüßen, wenn die Journalist*en hierzu mal technische Fachleute befragen: Seriöse Berichterstattung darf hier nicht nur auf Aussagen mutmaßlicher technischer Laien wie einem Gewerkschaftsfunktionär und einem Flughafensprecher basieren. Die Gerüchteküche brodelt, Halb- und Viertelwissen verbreiten sich und schräge Schlüsse werden gezogen. Irgendwas scheint an der ganzen Geschichte nämlich höchst seltsam: Normale elektrostatische Entladungen sind nur unangenehm, aber überhaupt nicht gefährlich. Sie machen keine deutlich sichtbaren Lichtbögen mit Rums und keine EEG-Probleme. Falls die von Hrn Roscher behaupteten sichtbaren Verletzungen und EEG-Auffälligkeiten tatsächlich auftreten, muss ein Defekt an den Geräten vorliegen! FALLS das aber zutrifft, sind weder Entladungsstäbe noch leitfähige Matten ausreichend. ((Einfache Gummimatten verstärken übrigens statische Aufladung noch, aber das nur nebenbei.)) Bitte mehr Klarheit wagen statt vagen Gerüchten!

  11. 14.

    Man erinnere sich an das Experiment im Physikunterricht mit dem Bandgenerator. Hier ließen die Physiklehrer gern mal ein unbeliebten Schüler den Effekt der elektrostatischen Entladung über den Körper live erleben. Entsprechender Gesichtsausdruck inklusive. Ein deutlich sichtbarer Lichtbogen erfordert aber mehrere 10-Kilovolt Spannung (Durchbruchsfeldstärke in Luft ca. 3kV/mm) und ein ein physiologische Wirkung wie Ohnmacht oder EKG-Auffälligkeiten sind mit "normalen" elektrostatischen Aufladungen kaum zu erreichen. Dafür müssen erhebliche Energien gespeichert sein, was tatsächlich für Metallteile ohne Potentialausgleich oder ein anderes größeres technisches Problem spricht. Konform ist eine solche Anlage sicher nicht. Hier kann man den Betroffenen nur empfehlen einen weiteren unabhängigen Gutachter hinzuziehen.

  12. 13.

    Milliarden Eiskalle, Milliarden! Aber wir können ja mal Herrn Landrat Loge vom abnehmendem Bauamt oder die Herren TÜV Prüfer fragen, die haben doch die Stempel verteilt! Das ist nur die Spitze des Eisberges, der Laden fliegt denen eh bald um die Ohren. Vielleicht kommen als nächstes die Decken runter unter denen man die falsch geknipperten Kabel und Plastikdübel "verstaut" hat. Na da wird ja Herr ELD morgen wieder in die Abendschau eingeladen und uns erzählen: Der BER ist sicher, das best geprüfteste Gebäude der Welt....und, Herr Landrat Loge, schon Panik?

  13. 12.

    Das sieht mir schon nach absichtlicher Körperverletzung aus, da wird die Erdung der Geräte nicht in Ordnung zu sein, da müsste mal geprüft werden ob der Erdungsdraht nicht durchtrennt ist. Weil sonst gibt keinen Grund warum sich die Geräte so statisch aufladen das sollte von der Erdung abgeführt werden.

  14. 11.

    Der BER ist schon eine Augenweihe. Richtig Großstadt mäßig. Wie in Malaga oder Madrid. Wenn man Terminal 5 wieder bediente wär fast alles wieder wie vorher. Fehlt dann nur noch die DDR.

  15. 10.

    Mal wieder Mängel beim Brandschutz ;) "Ich habe nur noch einen Lichtbogen gesehen" Das findet sich bei Wikipedia dazu: "Anlagenschutz: Im Niederspannungsbereich können Störlichtbögen zu Brandschäden führen. Verschiedene Sicherungen beugen solchen Schäden vor: Korrekt ausgelegte Leitungsschutzschalter, englisch Circuit-Breaker, oder Schmelzsicherungen können Kurzschlussströme selektiv abschalten und weitergehende Anlagenschäden verhindern.
    Fehlerlichtbogen-Schutzeinrichtungen englisch Arc-Fault-Detection-Devices, kurz AFDD, können Störlichtbögen im Niederspannungsbereich erkennen und den Stromfluss unterbrechen. Im Handel findet sich auch die Bezeichnung Brandschutzschalter. [!!!]
    Eine weitere Methode zur Detektion von Störlichtbögen sind Detektoren für UV-Strahlung. Ihr Einsatz setzt die Abschirmung der Anlage vom Tageslicht voraus. UV-Detektoren werden hauptsächlich bei leistungselektronischen Schaltungen, insbesondere Sendeeinrichtungen, verwendet."
    wiki/Störlichtbogen

  16. 9.

    Der Flughafen ist mir sympatisch. Erhebliche mängel führen zu erheblichen Verzögerungen der Eröffnung. Eröffnung dann in der Pandemie. Und jetzt Stromschläge.
    Es gibt Gerüchte Pinuine würden des nachts dort auftauchen diese Zustände herbeiführen. Angeblich wurden sie dort aber nie gesehen.

  17. 8.

    Und wieder ist ein Politiker mit bei, Herr Müller!

  18. 7.

    Dann hat doch jemand bei der Abnahme gepfuscht, oder gibt es da wie immer Ausreden, wie die, "ja, da haben wir Fehler gemacht"! Es wurde doch noch nie ein Verantwortlicher, der das 20 fache an einem Monteursgehalt bekommt und nicht verdient, zur Verantwortung gezogen! Was ist denn mit all denen, die für die sehr lange Verzögerung des BBR verantwortlich waren, geschehen? Alle diese Mehrkosten wird der Bürger stemmen müssen.

  19. 6.

    Was sagt denn die Berufsgenossenschaft ? Das Lageso hat bestimmt Fachleute die da gern mal drüberschauen um dem Betreiber an den Hintern zu fassen. Ganz zu schweigen von den Verbraucherschützern ... und der

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