Ein Schüler meldet sich im Biologieunterricht einer 8. Klasse (Quelle: dpa)
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Studie zu Brandenburgs Begabungsklassen - Die Extra-Klassen für die ganz Schlauen

Soll man besonders gute Schüler extra unterrichten oder gemeinsam mit allen anderen? Darüber wird immer wieder gestritten. In Brandenburg gibt es seit acht Jahren an 35 Oberschulen so genannte Leistungs- und Begabungsklassen. Jetzt hat die Uni Potsdam untersucht, wie sie sich bewährt haben. Von Alex Krämer

Geografie-Unterricht in der Klasse 7s des Ernst-Häckel-Gymnasiums in Werder: Es geht um China. Die 28 Schüler hier hatten schon in der Grundschule besonders gute Noten und haben bei Intelligenztests gut abgeschnitten - so wie Helen aus der letzten Reihe.

Sie habe sich in der Grundschule gelangweilt und schon Extra-Aufgaben bekommen, sagt die Siebtklässlerin. "Deswegen finde ich es gut, dass ich schon früher aufs Gymnasium gehen konnte, wo es dann auch ein bisschen schwerer wurde."

"Man merkt schon, dass es ein Unterschied ist"

Sie haben mehr Unterricht als in den normalen Parallelklassen, und schwerer ist es auch, sagt Eiko, der zwei Reihen weiter vorn vor seinem aufgeschlagenen Atlas sitzt. Sein Freund sei nicht so gut in der Schule, aber in seiner Klasse besser als andere. Bei Eiko wäre das in einer normalen Klasse wohl auch so - in der 7s gehört er aber nicht zu den besten – "deswegen merkt man dann schon, dass es ein Unterschied ist", so der Schüler.

Sie finden es gut hier, sagen die Schüler der 7s. Das ist typisch. Die Schüler der Leistungs- und Begabungsklassen sind zufrieden, mögen den Unterricht, und sie bringen hervorragende Leistungen, hat die Uni Potsdam in einer landesweiten Studie festgestellt.

90 Lehrer für 35 LuBK-Klassen

Allerdings bekommen sie auch Extra-Förderung, insgesamt 90 Lehrerstellen landesweit. Und in den Klassen sitzen überwiegend Kinder von Akademiker-Eltern, viel mehr als in normalen Gymnasialklassen. Es ist also durchaus etwas ungerecht, das Ganze. Zudem fehlen den Grundschulen in Klasse 5 und 6 die besonders guten Schüler. In diesem Spannungsfeld bewegt sich die politische Diskussion.

Die Linke liebt die Extra-Klassen für die ganz Schlauen nicht gerade, will sie aber auch nicht abschaffen, das verbietet schon der Koalitionsvertrag mit der SPD. Von der guten Arbeit dort sollten andere Schulen lernen, meint Linken-Bildungsexpertin Gerrit Große: "Wir wollen nicht nur kleine Leuchttürme, sondern wir wollen, dass begabte Kinder überall gefördert werden können – mit den Erfahrungen, die in diesen Klassen gesammelt wurden."

Brandenburgs Sozialminister Günter Baaske (Quelle: dpa)
Bildungsminister Günther Baaske (SPD) will die Klassen weder ausweiten noch eindampfen | Bild: dpa-Zentralbild

Bildungsminister will Klassenzahlen erst einmal beibehalten

Mehr Leistungs- und Begabungsklassen will die CDU: In der Vergangenheit habe es immer knapp doppelt so viele Bewerber wie freie Plätze gegeben, sagte der bildungspolitische Sprecher Gordon Hoffmann. "Das würde sicherlich bedeuten, dass man auch die Zahl der Klassen verdoppeln müsste."

Bildungsminister Günther Baaske von der SPD dagegen ist für die bisherige Zahl von 35 Leistungs- und Begabungsklassen. "Die Studie kommt ja auch zu dem Ergebnis, dass nicht einmal die LuBK-Klassen, die da sind, überall voll nachgefragt werden. Also es gibt auch Standorte, die Probleme haben." Baaske will die Klassen weder ausweiten noch eindampfen.

Es bleibt also erst einmal alles beim Alten. Eine interessante Erkenntnis gibt es noch: Die Schüler der Spezialklassen sind, was ihre Schulleistungen angeht, nicht selbstbewusster als alle anderen. Trotzdem halten viele Schüler der Regelklassen sie für arrogant und ein wenig hochnäsig. Das scheint aber nicht überall so zu sein - sagt zumindest Eiko aus der 7 s in Werder. Der mit dem Freund in der ganz normalen Parallelklasse: "Zu mir wurde so etwas noch nie gesagt. So etwas gibt es nicht."

Beitrag von Alex Krämer