(Quelle: rbb/Christoph Henkel, Laurence Thio)
Video: Trailer zur Webdoku

Webdoku "Berlin Trans Istanbul" - "Gott hat mich gehasst, als er mich nach Istanbul geführt hat"

Sie stecken im falschen Körper: Männer, die lieber Frauen wären. Und Frauen, die gefühlt schon immer Männer waren. Sie werden sichtbarer in der Politik, der Mode und in den Medien. Und es gibt zwei Orte in Europa, wo besonders viele Trans-Menschen leben: in Berlin und Istanbul. Was heißt es heute trans zu sein – in einer deutschen und in einer türkischen Metropole? Eine multimediale Webdoku von Laurence Thio und Christoph Henkel

Am Anfang stehen viele Worte. Einige sagen Transe und transsexuell, andere transident, transgeschlechtlich oder kurz trans. Sie alle versuchen etwas einfach auf den Punkt zu bringen, was so einfach nicht ist. Was heißt es, wenn man als Mann oder Frau geboren wurde, aber tief im Inneren fühlt, dass man es nicht ist. Was heißt es, wenn man als Trans-Mensch in Berlin oder Istanbul lebt?

Männer können heute Männer lieben und Frauen andere Frauen. Daran haben sich viele in der Gesellschaft gewöhnt. Aber wer sein Geschlecht mithilfe von Hormonen und Operationen ändert, der fällt auf. Der wird missverstanden und ausgegrenzt.

Trans-Menschen werden sichtbarer

Es gibt viele Trans-Menschen, die das ändern wollen: Der frühere Olympiasieger Bruce Jenner hat sich kürzlich auf dem US-Magazin Vanity Fair als Caitlyn Jenner ablichten lassen. Die Schauspielerin Laverne Cox aus der Erfolgsserie "Orange is the new black" wird weltweit verehrt. Und Anfang dieses Jahres hat Papst Franziskus den ersten Transsexuellen im Vatikan empfangen.

Trans-Menschen werden sichtbarer, sie rücken ein Stück mehr in die Mitte der Gesellschaft. Das ist nirgendwo so gut zu beobachten wie in Berlin und Istanbul.

Wer will, kann in Berlin Genderwissenschaften studieren, Transgender-Radio hören und Trans-Toiletten benutzen. So weit, so offen. Auf der anderen Seite: Istanbul. Die Stadt ist wahrscheinlich der bunteste und weltoffenste Fleck in der Türkei. Aber ist die Stadt auch tolerant genug für Männer mit Brüsten und Frauen mit Penis?

37 Morde an Transsexuellen in Istanbul – und Trans-Menschen als Superstars

Die Zahlen sagen: nein. In Berlin wurde in den vergangenen sieben Jahren kein einziger Mord an einem Transsexuellen registriert. In Istanbul waren es in der gleichen Zeit 37. Nirgendwo in Europa gab es mehr. Und doch greift die bloße Statistik zu kurz.

Es gibt Transsexuelle in der Türkei, die sind Superstars, so wie die Pop-Diva Bülent Ersoy. Und andere werden als Model gefeiert, so wie Yankı Bayramoğlu. Gleichzeitig ist es aber auch so: Viele arbeiten in der Prostitution, so wie Mesha, die dabei jedes Mal ihr Leben riskiert. Sie sagt: "Wenn Gott dich liebt, führt er dich zu guten Dingen. Wenn Gott dich hasst, dann führt er dich zu Problemen und schlechten Dingen. Ich denke, Gott hat mich gehasst, als er mich nach Istanbul geführt hat."

(Quelle: rbb/Christoph Henkel, Laurence Thio)
Rappt über Probleme, die Trans-Menschen haben: die Berlinerin Faulenza

Berlin ist auf den ersten Blick offener, aber auch  hier finden Trans-Menschen nur schwer Arbeit oder eine Wohnung. Wie das ist, darüber macht die Transrapperin Faulenza Songs. Aber Trans kann auch 08/15 sein. Jedenfalls wenn es nach Laura geht, die in Berlin ein ganz normales Studentenleben führt, ohne dass jemand merkt, dass sie einmal ein Junge war.

Was es heißt, in Berlin und Istanbul als Trans-Mensch zu leben, haben die rbb-Reporter Laurence Thio und Christoph Henkel beobachtet. Ihre Webdoku-Reportage finden Sie hier.

Das Projekt Berlin Trans Istanbul wurde von der Robert-Bosch-Stiftung im Rahmen des Programms "Journalisten vor Ort" gefördert.

Sendung: Abendschau, 26.6.2015 19.30 Uhr  

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