Symbolbild - Demonstranten halten Luftballons mit der Friedenstaube (Quelle: dpa/Maurizio Gambarini)
Bild: dpa/Maurizio Gambarini

Kundgebung auf dem Breitscheidplatz - Friedensdemo: Verfassungsschutz beobachtet vier Vereine

Unter dem Motto "Religionen für ein weltoffenes Berlin" wollen am Donnerstag Vertreter mehrerer Religionsgemeinschaften auf dem Breitscheidplatz eine Friedenskundgebung abhalten. Es haben sich auch vier Vereine angekündigt, die wegen Kontakten zu Islamisten vom Verfassungsschutz beobachtet werden. Von Oliver Noffke

Am frühen Donnerstagabend wollen mehrere Berliner Vertreter von Religionsgemeinschaften auf dem Breitscheidplatz gegen religiös motivierte Gewalt demonstrieren. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) soll zu Beginn ein Grußwort sprechen. Eingeladen haben die Kirchgemeinde der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche sowie der Verein Neuköllner Begegnungsstätte e.V (NBS) und die Dar-Assalam-Moschee. Mehr als zwei Dutzend Gruppen haben sich angekündigt; sie vertreten Christen, Muslime, Juden, Hindus, Sikh und Buddhisten. Einziges Problem: Vier der teilnehmenden Vereine werden vom Berliner Verfassungsschutz beobachtet. Sie sollen Kontakte zu Islamisten haben.

Das Islamische Kultur und Erziehungszentrum Berlin e.V. (IKEZ), das Interkulturelle Zentrum für Dialog und Bildung e.V. (IZDB), das Teiba Kulturzentrum e.V. (TKZ) sowie der Veranstalter NBS sollen mit Anhängern der Muslimbruderschaft bekannt sein. Diese bezeichnet der Berliner Verfassungsschutz als älteste islamistische Gruppierung. Das IKEZ sei zudem der "Berliner Treffpunkt von Hamas-Anhängern", heißt es im jüngsten Berliner Verfassungsschutzbericht von 2015. Die Palästinenser-Organisation wird von der EU als Terrorgruppierung eingestuft, die ihre Ziele mit Gewalt durchsetze.

Anschlag am Breitscheidplatz mit keinem Wort erwähnt

Der jüdische Verein American Jewish Committee Berlin (AJC) nannte die Teilnahme dieser Vereine am Mittwoch "alarmierend" und kritisierte, dass weder auf den Veranstaltungsflyern noch im Kundgebungsaufruf an den Anschlag vom 19. Dezember auf dem Breitscheidplatz hingewiesen werde. "Es wird lediglich generisch zur Andacht an 'Opfer von Gewalt im Namen von Religionen' aufgerufen", heißt es auf der Webseite des Vereins.

Es sei zudem unverständlich, dass der NBS in seinem Aufruf davon schreibt, dass "Verfassungsfeinde den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft gefährden" und gleichzeitig von Islamisten unterstützt werde, die verfassungsfeindliche Ziele verfolgten, teilte AJC mit. Die Senatskanzlei war zu den Vorwürfen am Mittwochabend nicht mehr erreichbar.

Die Kundgebung soll am Donnerstag zwischen 18 und 19 Uhr stattfinden. Ab 17:30 Uhr soll schweigend Opfern religiös motivierter Gewalt gedacht werden.

Der tunesische Islamist Anis Amri war kurz vor Weihnachten mit einem Lkw in eine Menschenmenge auf dem Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz gefahren. Zwölf Menschen waren bei dem Anschlag gestorben, 65 weitere wurden zum Teil schwer verletzt. Die Terrororganisation Islamischer Staat hatte sich zu dem Attentat bekannt.

Beitrag von Oliver Noffke

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3 Kommentare

  1. 3.

    Es waren ja nur Vertretter der Chabad-Sekte, die ja auf keinen Fall stellvertretend für das Judentum.in Dtl. ist! und der R. Teichtal hat sich bereits auch distanziert.

  2. 2.

    Die Hinweise vom AJC sind ja richtig und wichtig. Es wäre aber schon interessant gewesen zu erfahren, wie jene jüdischen Religionsertreter, die an der Veranstaltung teilnehmen zum Sachverhalt stehen. Die haben sicher auch eine Meinung und einen Standpunkt, aber welchen?

  3. 1.

    Die Gepflogenheiten der Public Relation scheinen sich weiterverbreitet zu haben. Über Inhalte braucht nicht groß geredet werden, wenn nur die öffentichkeitswirksame Verpackung stimmt. Das betrifft privatwirtschaftlich-kommerzielle Unternehmen genauso wie politische und religiöse Vereine. Da wird dann - selbst von den Hartleibigsten - schon mal für kurze Zeit mit den Füßen stillgehalten,

    Wie es sich wirklich verhält, lässt sich wohl leider nicht an diesen an sich wohlklingenden recht kurzzeitigen Aktivitäten ablesen, vielmehr an den tagesübergreifenden Aktivitäten. Die Gefahr besteht wohl darin, dass irgendwann nahezu alle derartigen Aktivitäten unter einen Generalverdacht gestellt werden, es ginge hier nur um öffentlichkeitswirksame Zurschaustellung, was diesem Grundanliegen einen Bärendienst erweist.

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