Flüchtlinge verlassen die Turnhalle in der Fritz-Reuter-Straße in Berlin-Pankow (Quelle: Jörg Carstensen/dpa)
Video: Abendschau | 31.03.2017 | Bild: dpa

Nacht eineinhalb Jahren - Letzte Flüchtlinge aus Berliner Turnhallen ausgezogen

Seit Freitag werden die Turnhallen in Berlin nicht mehr als Notunterkünfte für Flüchtlinge genutzt. Nun soll Schritt für Schritt saniert werden - die Kosten dafür gehen in die Millionen. Trotzdem leben noch immer Tausende Menschen in Berlin in Notünterkünften.

Nach etwa eineinhalb Jahren sind in Berlin die letzten Flüchtlinge aus einer Turnhalle ausgezogen. 78 Menschen konnten am Freitag ihr Notquartier in Pankow verlassen und wurden auf andere Unterkünfte im Bezirk verteilt. "Ich bin erleichtert, denn wir konnten nun endlich die elende Lebenssituation so vieler geflüchteter Menschen in den Turnhallen beenden", sagte Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke). Dem rot-rot-grünen Senat sei es mit einem "Kraftakt" gelungen, ihr im Dezember gegebenes Versprechen einzulösen.

Wegen des starken Flüchtlingsandrangs waren ab Herbst 2015 insgesamt 63 Berliner Turnhallen an 51 Standorten zeitweise als Unterkünfte genutzt worden. Die Folge waren erhebliche Einschränkungen für den Schul-, Breiten- und Leistungssport in der Stadt. Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise waren bis zu 10.400 Menschen in Sporthallen untergebracht. Da sich Bau und Bezug neuer Wohnanlagen verzögerten, mussten viele Flüchtlinge länger als geplant unter problematischen Bedingungen ausharren. Laut einer Statistik der Senatsverwaltung für Inneres und Sport gibt es in Berlin insgesamt 1.649 Sporthallen.

Sanierungskosten werden auf 15 Millionen Euro geschätzt

Ziel des neuen Senats war es, diesen Zustand bis Ende März zu beenden. Unter anderem wurden auf Grundlage einer ausgerufenen Notsituation Übergangsbetreiber für neue Wohnheime gefunden, noch bevor die eigentlichen Betreiber nach einer europaweiten Ausschreibung feststehen.

Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) sagte, parallel zum Freizug der Turnhallen hätten sich die Bezirke und das Land auf den erforderlichen Sanierungsbedarf verständigt. "Die Maßnahmen werden jetzt zügig umgesetzt." Der Gesamtumfang der Kosten steht noch nicht fest. Laut Finanzverwaltung liegt der Sanierungsbedarf von rund 40 bereits überprüften Hallen bei etwa 15 Millionen Euro.

Noch 12.000 Menschen in anderen Notunterkünften

In den kommenden Monaten sollen Flüchtlinge auch aus anderen Notunterkünften schrittweise ausziehen, etwa dem Kongresszentrum ICC oder den Hangars des früheren Flughafens Tempelhof. Derzeit leben noch rund 12.000 Menschen in Notquartieren, darunter auch in einem früheren Kaufhaus sowie in alten Kasernen-, Büro- oder Fabrikgebäuden.

2015 waren knapp 80.000 Flüchtlinge nach Berlin gekommen, 55.000 davon durchliefen beziehungsweise durchlaufen in der Hauptstadt ihr Asylverfahren. 2016 kamen nur noch rund 17.000 Asylsuchende.

Sendung: Inforadio, 31.03.2017, 16.03 Uhr

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1 Kommentar

  1. 1.

    Dieser Artikel ist interessant, weil er nennt konkrete Zahlen ... und führt mich zu Fragen.
    1) Zuzug in 2015 = 80.000 ... Zuzug in 2016 = 17.000 --> 97.000 gesamt.
    2) Turnhallen-Sanierung: für 40 begutachtete Hallen = ca.15 Mio. €.
    zu 1) Wohnraum kann nur 1x vergeben werden. Also für wen, und für wen nicht ?
    zu 2) Öffentl. Geld kann nur 1x ausgegeben werden. Also für wen, und für wen nicht ?
    Mein Eindruck --> Mehr und mehr glaube ich nicht der Formulierung "Bereicherung durch die NEUEN".
    Mein Fazit --> Aber wählen geh' ich !!!

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