Auf dem Tempelhofer Feld wird ein Containerdorf für Flüchtlinge gebaut (Quelle: rbb abendschau)
Video: Abendschau | 27.03.2017 | A. Taegner, D. Knieling | Bild: rbb Abendschau

Temporäre Flüchtlingsunterkunft - Wenig Begeisterung für Containerdorf auf Tempelhofer Feld

Die Bedenken gegen das Containerdorf auf dem Tempelhofer Feld sind groß. Kritiker  befürchten, dass das Bebauungsverbot auf dem Feld ausgehebelt wird. Mit einer Bürgerversammlung hat der Senat nun versucht, die Skepsis zu zerstreuen. Von Nina Amin

Kaum jemand ist begeistert über das Containerdorf für Geflüchtete, das seit Februar aufgebaut wird. Am deutlichsten zeigten das Symphatisanten und Initiatoren des Volksentscheids 100% Tempelhofer Feld. Mareike Witt hat Sorge, dass das Wohndorf der Anfang einer Feldbebauung ist:

"Wir sind mit dem Bedenken hergekommen, dass bei diesem Bebauungsprojekt darum geht, das Tempelhofer-Feld-Gesetz auszuhebeln. Es gibt nämlich Alternativen wie zum Beispiel das Vorfeld oder warum werden die Menschen nicht dezentral untergebracht?"

Dem Senat fehlen Wohnungen

"Integration statt Ghetto" stand auf einem großen Plakat, das der Verein in dem sehr gut gefüllten Theatersaal des Heimathafens Neukölln aufgehängt hatte. Ein umzäuntes Containerdorf am Feldrand mache es den Geflüchteten weiterhin schwer in Berlin anzukommen, meinte eine Anwohnerin bei der dortigen Bürgerversammlung. Sie wünsche sich, dass die Flüchtlinge lieber Wohnungen und Häuser bekämen. Dadurch seien sie leichter zu integrieren.

Dafür zeigte die zuständige Sozialsenator Elke Breitenbach Verständnis. Zwei Stunden informierte sie mit anderen Senatsvertretern und zwei Bezirksbürgermeisterinnen die Anwohner. Sie würde die Geflüchteten auch lieber in Wohnungen unterbringen, so Breitenbach: "Diese Übergangslösung wurde im letzten Jahr vom alten Senat entschieden. Wir müssen diese Menschen aus den Turnhallen und den prekären Unterkünften rausholen und dafür haben wir jetzt erstmal nur die Tempohomes und die modularen Unterkünfte."

17 Millionen Euro für zwei Jahre wohnen

Fast 17 Millionen Euro kostet das temporäre Wohndorf für rund 1100 Menschen. Zu viel Geld, fanden die meisten im Saal. Ende 2019 müssen die Container nämlich schon wieder abgebaut werden. Und dabei bleibt es, versprach Breitenbach dem skeptischen Publikum:

"Wir haben sehr lange bei den Koalitionsvereinbarungen darüber diskutiert. Und dann wurde entschieden, dass das Tempelhofer-Feld-Gesetz nicht angefasst wird und die Tempohomes Ende 2019 wieder abgebaut sein müssen."

Auf dem Tempelhofer Feld werden Containerunterkünfte für Flüchtlinge gebaut (Quelle: imago/ZUMA Press)Das Dorf soll bis 2019 genutzt werden

Wenig Platz, aber besser als die Hangars

Die jetzigen Bewohner der Hangars hatten ganz andere Bauschmerzen mit dem gerade im Aufbau befindlichen Conatinerdorf. Eine junge afghanische Mutter wohnt seit anderthalb Jahren dort. Nach einem Umzug würde sie gerne Besuch in ihrem neuen Zuhause empfangen können. Sie hat Sorge, dass das unmöglich ist: "Vielleicht wohne ich da für zwei oder drei Jahre. Aber es ist zu klein. Ich habe Freundinnen in der Stadt, aber die können  mich dort nicht besuchen kommen."

Ein Schlafraum, angrenzend an eine kleine Küchenzeile und einen kleinen Sanitärbereich. Mehr Platz wird die Afghanin mit ihrem Mann und Kind für die nächsten drei Jahre vermutlich nicht bekommen. Und doch, so die junge Frau, ist alles besser als die Hangars. 

Beitrag von Nina Amin

Kommentar

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3 Kommentare

  1. 3.

    Es ist schlimm, wie man als Bürger dem Treiben der Politik nur noch ohnmächtig zusehen kann. Kritik oder Forderungen der Leute vor Ort zählen nichts mehr, es wird durchgedrückt was politisch opportun ist ohne Rücksicht auf Verluste. Ich kann soviel nicht fressen wie ich kotzen möchte.

  2. 1.

    Ja, so ist das. Verlegt doch slle Flüchtlinge im die Ostbezirke der Stadt. Eventuelle Gegner können Sie dann prima als Rechte beschimpfen. Arm gehört nun msl zu arm.

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