Polizisten sichern am 26.08.2015 in Berlin Spuren eines schweren Verkehrsunfalls (Quelle: dpa/B.v.Jutrczenka)
Video: Abendschau | 03.03.2017 | Kerstin Breinig | Bild: dpa/B.v.Jutrczenka

Unfallstatistik 2016 - Mehr Unfälle und mehr Tote auf Berlins Straßen

Berlin wächst, der Straßenverkehr wird immer dichter - und entsprechend steigt auch die Zahl an Unfällen. Die genaue Zahl für 2016 hat die Polizei am Freitag bekanntgegeben. Besorgniserregend: Es gab 2016 auch mehr Verkehrstote in Berlin.

Im letzten Jahr hat es in Berlin mehr Verkehrsunfälle gegeben. Das zeigt die Unfallstatistik für 2016, die Berliner Polizei und der Senat am Freitag vorgestellt haben. Aus den Zahlen geht auch hervor, dass mehr Menschen bei Unfällen in der Hauptstadt getötet wurden.

Die Zahl der Verkehrsunfälle lag demnach im vergangenen Jahr bei 141.155. Das war ein Anstieg von 2,5 Prozent gegenüber 2015. Grund sind den Angaben zufolge die steigende Einwohnerzahl und der dichtere Verkehr in der Stadt. 2016 seien 20.000 Fahrzeuge zusätzlich in der Stadt registriert worden, hieß es.

Die häufigsten Unfallursachen waren falsches Abbiegen und Missachtung der Vorfahrt. Dann folgten zu schnelles Fahren und Fahren unter Einfluss von Alkohol. Gerade bei den beiden letztgenannten Unfallursachen gab es deutliche Anstiege.

Zahl der Verletzten gesunken

Bei 90 Prozent der Unfälle entstand allerdings nur Sachschaden. Verletzt wurden im letzten Jahr bei Unfällen 17.394 Menschen - hier ist die Gesamtzahl leicht gesunken. Im Vorjahr gab es insgesamt 17.792 Verletzte. Angestiegen ist jedoch die Zahl derer, die schwer verletzt wurden: von 2.073 auf 2.086.

Zudem wurden mehr Menschen bei Unfällen getötet: Laut Polizei kamen im letzten Jahr 56 Menschen bei Unfällen ums Leben. 2015 starben 48 Menschen, 2014 waren es 52. Besonders häufig waren im Jahr 2016 Fußgänger (21) und Radfahrer (17) betroffen - bei den Radlern waren es sieben Getötete mehr als im Vorjahr. Ums Leben kamen zudem zehn Motorrad- oder Rollerfahrer, sieben Autofahrer und ein weiterer Verkehrsteilnehmer.

Die Polizei betonte jedoch, im bundesweiten Vergleich seien Verkehrsteilnehmer in Berlin - bemessen an der Anzahl der Einwohner - dem geringsten Risiko ausgesetzt, im Straßenverkehr getötet zu werden. In Großstädten kracht es grundsätzlich zwar oft im Straßenverkehr. Wegen der niedrigen Geschwindigkeit hat das aber weniger gravierende Folgen als auf Landstraßen.

Stadt will mehr für Radfahrer tun

Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos) nannte es dennoch "alarmierend", dass 17 Radfahrer getötet wurden. "Die Zahl ist in einem Maße eklatant, dass wir hier schneller handeln müssen." Als Konsequenz will Günther nun unter anderem den Bau von Radschnellwegen und abgetrennten Radspuren vorantreiben.

Innen-Staatssekretär Christian Gaebler (SPD) forderte auch, das Zuparken von Radwegen mit deutlich Bußgeldern von mehr als 100 Euro zu belegen. "Teilweise werden hier lächerliche Bußgelder und Ordnungsgelder genommen", sagte er. Für zu hohe Geschwindigkeiten oder Parken auf den Radwegen seien "nicht nur zweistellige Beträge sondern deutlich höhere Strafen" nötig, um "in abschreckende Bereiche zu kommen".

Die Senatorin für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, Regine Günther (parteilos), und Berlins Polizeipräsident Klaus Kandt (Quelle:dpa/Christina Sabrowsky)Senatorin Günther und Polizeipräsident Kandt bei der Präsentation der Statistik

Insgesamt will der Senat in Punkto Überwachung und härtere Strafen nachjustieren: Gaebler kündigte an, jährlich sollten bis zu sechs neue feste Blitzer installiert werden, um Raser zu stoppen und das Überfahren roter Ampeln zu ahnden.

Gaebler betonte auch den Erfolg der Fahrradstaffel der Polizei, die deswegen über die im Sommer auslaufende Testphase hinaus fortgeführt und ausgebaut werden soll. Künftig sollen die Polizisten auf Rädern nicht nur in Mitte sondern auch in anderen Bezirken unterwegs sein.

Mit Informationen von Jan Menzel

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11 Kommentare

  1. 11.

    Vieleicht lesen Sie die Statistik genauer durch.
    32% Tote wegen Geschwindigkeit= 76.
    Davon 21 Tote wegen Überschreitung der Höchstgeschwindigkeit und 55 wegen nicht angepasster Geschwindigkeit, also im erlaubten Bereich aber z.B. bei Glatteis oder Schnee. Demnach 8% wegen höherer Geschwindigkeit als zulässig und darin sind auch z.B. 5Km/h überschreitung enthalten. Ihre Forderung nach Beschränkung ist also effektiv nutzlos. Hier wird für mich ganz klar Augenwischerei betrieben um die Blitzer und weitere Beschränkungen zu rechtfertigen.

  2. 10.

    Permanente Aufmerksamkeit ist eine der wichtigsten Voraussetzungen, besonders für motorisierte Verkehrsteilnehmer. Aber selbstverständlich gelten rote Ampeln und Stoppschilder auch für Radfahrer. Was nützen abgetrennte Radwege wenn diese wenig genutzt werden. Es wird zu viel auf Fußwegen gefahren. Fahrräder sind Fahrzeuge und haben auf Fußwegen nicht zu fahren (Paragraph 2 StVO). Die vorhandenen Verkehrsregeln müssen umgesetzt werden.

  3. 9.

    Nach dem Bericht zur Verkehrssicherheitslage wurden 3,66 % aller Verkehrsunfälle von Radfahrern verursacht (PKW: 69,9 %). Der Bericht ist im Netz im Volltext veröffentlicht und leicht zu finden.

    Details zu den Ursachen von Unfällen mit Radfahrern können Sie auf S. 35 f. des Berichts nachlesen - falls Sie das wirklich interessiert. An dieser Stelle nur so viel: PKW- Fahrer sind nach wie vor als Unfallverursacher in der Mehrheit.

  4. 8.

    Permanente Aufmerksamkeit ist eine der wichtigsten Voraussetzungen, besonders für motorisierte Verkehrsteilnehmer. Aber selbstverständlich gelten rote Ampeln und Stoppschilder auch für Radfahrer. Was nützen abgetrennte Radwege wenn diese wenig genutzt werden. Es wird zu viel auf Fußwegen gefahren. Fahrräder sind Fahrzeuge und haben auf Fußwegen nicht zu fahren (Paragraph 2 StVO). Die vorhandenen Verkehrsregeln müssen umgesetzt werden.

  5. 7.

    Leider muss ich ihnen zustimmen. Immer mehr Mitmenschen fahren und parken wie und wo sie wollen. Dies gilt für immer mehr Autofahrer/innen und leider auch für immer mehr Radfahrer/innen die auf Fußwegen und auf Radwegen in falscher Fahrtrichtung auf einen zufahren. Es setzt sich immer mehr ein rücksichtsloser gesetzloser Egoismus durch.
    Ohne Kontrollen scheint es nicht zu gehen. Gesetze und Regeln müssen auch durchgesetzt werden.

  6. 6.

    Dreistellige Beträge als Strafe für zu schnelles Fahren halte ich für äußerst sinnvoll. Es setzt sich verstärkt eine "ich fahre das Tempo, was ich für richtig halte"-Mentalität durch. So werden die Straßen in unserer Wohngegend (Tempo 30) grundsätzlich mit Tempo 50 durchfahren; es ist bereits zum inoffiziellen Tempo geworden. Um eine nahegelegene Schule herum wird zwar verstärkt Radarkontrolle durchgeführt, aber das kennen die "Selbstbestimmer" schon. Da wird dann Strich 30 gefahrenen, um nach 100m wieder auf 50 zu beschleunigen. Bei Blitzerampeln ist das doch genauso. Verzweifelte Maßnahmen, die nichts bringen.
    Mit hohen Geldstrafen UND Führerscheinentzug für einen bestimmten Zeitraum wäre deutlich geholfen; die Kontrollen sollten gleichzeitig aber auch unvorhersehbarer sein. Aber dann wird der Polizei ja wieder "Wegelagerei" vorgeworfen, ein Vorwurf, der nicht nachvollziehbar ist. Tempo 30 heißt Tempo 30, dasselbe gilt für alle Tempolimits. Ohne Ausnahme.

  7. 5.

    @ #2: Frau Hoffmann, nach meinem Eindruck hat niemand das Ziel, die Situation im Strassenverkehr zu verschaerfen - im Gegenteil. Berlin steht vor der Aufgabe, dass immer mehr Personen von A nach B wollen. Der Blick in die Megastaus weltweiter (nahezu fahrradfreier) Metropolen zeigt, dass dieses Problem nur zu loesen ist, indem Oeffentliche Verkehrsmittel sowie sicherer Fuss- und Radverkehr gefoerdert werden: So wird mittelfristig der PKW- und LKW-Verkehr auf das unvermeidbare Masz vermindert. Im Verhaeltnis zur Zahl der transportierten Personen ist der Platzbedarf durch fahrende und geparkte PKW naemlich enorm gross; ebenso das Risiko schwerer Unfaelle sowie Abgas- und Laermbelastung. Eine Reduzierung vermeidbarer PKW- und LKW-Fahrten und -stehzeiten fuehrt also unter anderem dazu, dass Rettungswagen wieder Platz haben - nicht zuletzt aber, dass sie seltener gebraucht werden.

  8. 4.

    Die Zahl der Schwerverletzten mit Beteiligung einer STRASSENBAHN ist übrigens um 17% (!) gestiegen. Und das, obwohl sich die Gesamtzahl der Schwerverletzten sich kaum verändert hat.

  9. 3.

    Welchen Anteil haben rücksichtslose Radfahrer an der Unfallstatistik und den Unfalltoten?

  10. 2.

    Da unsere Landesregierung ja allen ernstes plant das schon bestehende Chaos noch zu vergrößern, wird sich diese traurige Statistik wohl noch deutlich erhöhen, da es noch enger werden wird auf Berlins Straßen. Bitte da auch alle Opfer mit einrechnen, die mangels schneller medizinischer Hilfe verstorben sind. Schon jetzt kommen Rettungswagen nicht durch die dreispirige Frankfurter Allee, mangels Rettungsgasse. Wie sieht es erst dann aus wenn es nur noch zwei Spuren gibt.

  11. 1.

    Bei innerstädtisch Tempo 30 gäbe es viel weniger Unfälle und viel weniger Tote und schwer Verletzte; sowie mehr ÖPNV Nutzer.

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