Bei einer Demonstration gegen die Räumung eines Geschäfts in der Friedelstraße 54 ziehen Teilnehmer am 22.04.2017 durch Berlin. (Quelle: dpa/Jörg Carstensen)
Bild: dpa/Jörg Carstensen

Berliner Polizei mit vielen Beamten präsent - Hunderte demonstrieren für Kiezladen "Friedel54"

Immer wieder sorgen in Berlin Kündigungen angestammter Geschäfte oder sozialer Einrichtungen für Proteste. Auch der Neuköllner Kiezladen "Friedel54" soll weichen. Gegen die bevorstehende Räumung demonstrierten am Samstagabend hunderte Menschen.

Mehrere hundert Menschen sind am Samstagabend zu einer Demonstration gegen die mögliche Räumung des linken Neuköllner Kiezladens "Friedel54" zusammengekommen. Rund 300 Teilnehmer starteten gegen 21 Uhr in Friedrichshain. Im Laufe der Demo stieg die Zahl auf 900 bis 1.000 Teilnehmer an. Auf Transparenten stand "Gegen die Stadt der Reichen" und "Investorenträume platzen lassen".

Viele Demonstranten waren ganz in schwarz gekleidet, ein Großteil gehörte offenbar zur linksautonomen Szene. Die Stimmung war am Samstagabend teilweise aggressiv, einige Menschen warfen Böller oder Flaschen und zündeten Feuerwerkskörper. Ansonsten blieb es aber weitgehend "störungsfrei", wie ein Polizeisprecher nach dem Ende des Zuges gegen 23.15 in Neukölln sagte. Zwei Polizisten wurden leicht verletzt.

Indirekte Aufrufe zu Gewalt

Die Kundgebung führte über die Oberbaumbrücke, am Görlitzer Park vorbei, durch die Friedelstraße zum Hermannplatz. Die Polizei war mit rund 500 Einsatzkräften in den Seitenstraßen präsent. Die Landesvorsitzende der Berliner Gewerkschaft der Polizei, Kerstin Philipp, zog am Sonntagmorgen ein gemischtes Fazit: "Alles in allem ist die gestrige Soli-Demo ein gutes Zeichen, das Vorbild für den 1. Mai sein sollte. Von einer friedlichen Demo kann ich angesichts zweier verletzter Kollegen, Vermummungen, fliegenden Flaschen, Böllern und Beleidigungen nicht sprechen", sagte Philipp.

Im Internet hatte es zuvor indirekte Aufrufe zur Gewalt gegeben. "Es gibt ohne Friedel keinen Frieden! Tanzt den Trümmertango mit uns am 22.04 und behaltet den Rhythmus in den folgenden Wochen", hieß es auf der linksradikalen Plattform "indymedia".

Räumung droht seit Jahren

Dem Kiezladen "Friedel54" in der Neuköllner Friedelstraße droht bereits seit 2015 das Ende. Die frühere Eigentümerin, die "Citec GmbH" in Wien, hatte den Mietvertrag damals gekündigt und später eine Räumungsklage gegen den "Friedel54"-Verein eingereicht. Die neue Eigentümerin, die luxemburgische Firma "Pinehill s.a.r.l.", übernahm das Räumungsvorhaben im Oktober 2016 im Kaufvertrag.  

Dass die Räumung des Kiezladens tatsächlich unmittelbar bevorsteht, liegt nahe. Denn das Amtsgericht Neukölln sah sie als begründet an. Die Mieter der "Friedel54"-Räume haben einen Gewerbemietvertrag. Dieser kann viel einfacher vom Vermieter gekündigt werden, als ein Vertrag für eine Mietwohnung. Bis zum 31. März 2017 hätten die Mieter offiziell ausziehen müssen.

Sendung: rbb aktuell, 22.04.2017, 21.45 Uhr 

Kommentar

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8 Kommentare

  1. 7.

    Sie mögen recht haben aber ich glaube dass das die Aufgabe des Polizeisprechers ist zur Sicherheitslage Stellung zu nehmen und nicht einer Polizeigewerkschafterin.

  2. 6.

    Bis auf das Beispiel London,wo die kapitalistischen Auswüchse besonders deutlich zu sehen sind,ist dein Kommentar einfach nur Quark.

  3. 5.

    Sie dürfen gern hier in den Kommentaren widersprechen. Zur Einschätzung der Sicherheitslage bei einer Demonstration werden üblicherweise nicht die Demonstranten selbst befragt.

  4. 4.

    Entschuldigung aber der Hinweis, sie sei Vorsitzende einer Gewerkschaft beantwortet meine Frage nach der Legitimität leider übehaupt nicht! In diesem Beitrag darf eine Frau unwidersprochen ihre persönliche Meinung kundtun. Diese Gelegenheit hatte die Gegenseite nicht. Oder habe ich da was überlesen?
    Ausgewogener Journalismus geht anders.

  5. 2.

    Was legitimiert eigentlich Kerstin Philipp für die Berliner Polizei zu sprechen oder anders gefragt wieso bekommt diese Frau beim rbb eine Plattform ohne dass eine Gegenmeinung geäußert werden konnte?

  6. 1.

    Das linke Spektrum scheint es immer noch nicht zu kapieren. RRG will Vielfalt in Berlin. Vielfalt bedeutet aber auch, dass 66 % der Berliner nicht nur Berlin, sondern auch Deutschland auf lange Sicht verlassen müssen, um diese Vielfalt herzustellen. Ziele der Hauptstädte sind alle gleich: Hauptstädte möglichst nur für Bestverdiener. Und für Berlin gilt das gleiche, egal welche Farbe die Regierung hat. So ist es auch in London. Gebürtige Londoner sind dort prozentual kaum noch vorhanden.

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