Flüchtlingshelfer steht mit Flüchtlingen auf einem Bahnhof (Bild: imago/Lars Berg)
Video: Abendschau | 10.04.2017 | Norbert Siegmund | Bild: imago stock&people

Berliner Ehrenamtliche - Flüchtlingshelfer werden häufiger Opfer rechter Gewalt

Anschläge auf Autos, eingeworfene Scheiben, Pöbeleien: Menschen, die sich für Geflüchtete engagieren, werden immer häufiger zur Zielscheibe Rechter. Selbst im liberalen Berlin steigen die Fallzahlen. Kein Grund zur Panik, sagen Experten - zur Wachsamkeit aber sehr wohl.

Flüchtlingshelfer werden in Berlin offenbar immer häufiger von Rechtsextremen angegriffen und eingeschüchtert. Die Spanne reiche von Beleidigungen, Hassmails, Attacken auf Wohnungen bis hin zu gezielten Brandanschlägen, sagte Bianca Klose von der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus (MBR) am Montag in Berlin.

Allein zwischen Mai 2016 und April dieses Jahres zählte die MBR 43 rechte Angriffe gegen Privatpersonen. Die meisten Fälle ereigneten sich in Neukölln, aber auch in Wedding, Kreuzberg und Schöneberg gab es Attacken.

Bedrohung durch Rechte auch im "liberalen Berlin"

Laut Klose ist diese Entwicklung seit etwa vier Jahren zu beobachten. Inzwischen erkenne man aber eine neue Qualität, sagte Klose. Es reiche oft, ein antirassistisches Plakat ins Schaufenster des eigenen Ladens aufzuhängen, um von Rechtsextremen attackiert zu werden.

Das Thema Bedrohung durch Rechte sei selbst im "liberalen Berlin hochaktuell", sagte dazu auch Justizsenator Dirk Behrend (Grüne). Umso wichtiger sei es, dem entschieden entgegenzutreten. Auch der Justizsenator sieht in dem Rechtspopulismus, wie er von der AfD verbreitet wird, den Boden für zunehmende Gewalt bereitet. Aus hasserfüllten Haltungen würden gewalttätige Handlungen, warnte Behrend.

Kostenlose Handreichung zum Schutz Gefährdeter

Gefördert von der Senatsjustizverwaltung hat die MBR eine kostenlose Handreichung erstellt, wie sich potenziell gefährdete Menschen besser davor schützen können. Die Broschüre mit Tipps wie man beispielsweise einen öffentlichen Infostand absichert, Telefonnummern und Adressen aus den Registern streichen lässt oder auf Störungen von Rechten bei Veranstaltungen reagiert sei eine "Anleitung zum Wachsam sein", sagte Klose. Man wolle weder entmutigen noch Panik schüren.

Der bislang letzte Brandanschlag traf in der Nacht des 9. Februar das Auto von Christian von Gélieu. Gemeinsam mit seiner Ehefrau engagiert sich der Richter gegen Sexismus und Rassismus.

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