Berliner AfD-Kandidat Andreas Wild (Quelle: rbb/Tina Friedrich)
Audio: Inforadio | 18.07.2017 | Nina Amin

Politiker darf in Partei bleiben - Berliner AfD-Fraktion schließt Andreas Wild aus

Immer wieder ist der Berliner AfD-Politiker Andreas Wild durch rassistische Äußerungen aufgefallen. So forderte er zum Beispiel für Neukölln "wieder eine deutsche Bevölkerung". Am Dienstag warf ihn die Berliner AfD aus der Fraktion. In der Partei darf Wild aber bleiben.

Die Berliner AfD hat den umstrittenen Abgeordneten Andreas Wild aus ihrer Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus ausgeschlossen. Der Abgeordnete sei nicht mehr Mitglied der Fraktion, bestätigte der parlamentarische Geschäftsführer der AfD, Frank-Christian Hansel, am Dienstag dem rbb. Über die weiteren Inhalte habe man Stillschweigen vereinbart.

Am Mittwoch wurde aber zumindest bekannt, dass Wild in der Partei bleiben kann. Gegen ihn seien "Ordnungsmaßnahmen unterhalb eines Parteiausschlussverfahrens" eingeleitet worden, sagte Parteisprecher Ronald Gläser. Die Erfolgsaussichten für einen Parteiausschluss als "schärfstes Schwert", das eine Partei habe, seien ungewiss, das Verfahren langwierig. Deshalb wolle die AfD in dem Fall, im Gegensatz etwa zum Thüringer Partei- und Fraktionschef Björn Höcke, darauf verzichten.

Neukölln als Opfer einer "Umvolkung"

"Ich glaube, die Tatsache, dass Herr Wild nicht mehr Mitglied der AfD-Fraktion ist, ist Aussage genug", sagte Hansel. Die Abstimmung sei geheim erfolgt. Die große Mehrheit sei für Wilds Ausschluss gewesen.

Wegen abwertender Äußerungen über Migranten und Flüchtlinge war Wild in den vergangenen Monaten immer wieder in die Kritik geraten. So sprach Wild in der rbb-Dokumentation "Die Stunde der Populisten" in Bezug auf Migranten von einer "Umvolkung", die wieder rückgängig gemacht werden müsse. Neukölln, so der bekennende Katholik aus Steglitz-Zehlendorf, müsse "wieder eine deutsche Bevölkerung" bekommen. Dazu müsse man den Bezirk "ausmisten".

Allerdings glaubt der 53-jährige Unternehmer nicht, dass diese Äußerungen der Grund für seinen jetzt erfolgten Fraktionsausschluss sind. Zwar habe er "manche zugespitzte Formulierung" gebraucht, sagte Wild am Dienstag dem rbb. Dies liege aber schon länger zurück.

Der eigentliche Ausschlussgrund sei seine vom Fraktionsvorstand nicht genehmigte Reise in die Türkei, sagte Wild am Donnerstag. Dort traf er nach eigenen Angaben Anhänger der umstrittenen Partei des türkischen Präsidenten Erdogan, der AKP, sowie einen Vertreter der als rechtsextrem geltenden MHP. AfD-Fraktionspressesprecher Thorsten Elsholtz wollte das nicht weiter kommentieren. Auch Elsholtz betonte, man habe in der Fraktionssitzung Stillschweigen über die Inhalte vereinbart.

Wild will weitermachen und "wild bleiben"

Die Entscheidung der Fraktion bedauere er. Allerdings werde er als fraktionsloser Abgeordneter weiterhin parlamentarisch arbeiten. "Man muss das Ganze sportlich sehen", sagte der AfD-Politiker. Als "Vertreter des deutschen Volkes", aber auch "für die hier legal lebenden Migranten" werde er weiter sein Bestes tun. Dies sei außerhalb einer Fraktion zwar schwieriger, aber er werde "wild bleiben".

Kommentar

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10 Kommentare

  1. 10.

    Na vielleicht gibt es Menschen die keinen unterschied machen zwischen deutsch und deutsch ... Ich kenne türken, Russen, die hier geboren wurden vor über 20 Jahre, die perfekt deutsch sprechen, die hier ihr abi gemacht haben ... die ihren Beitrag zur Gesellschaft bringen und das sind nicht wenige. Ich habe 3 Jahre in Berlin Kreuzberg gelebt. Bekommen solche Familien mehr Kinder als klassische, wie sie benennt werden "deutsche Familien"? Klar! Und? Für mich sind die oben genannten Menschen die sich hier ihr leben aufgebaut haben genauso deutsche wie alle anderen auch. Daher sage ich klar, Deutschland kann nicht aussterben ... Und hört mir auf mit, diese Kulturen sind gefährlich und drohen uns. Keiner der oben beschriebene hier glücklich lebenden Menschen, die hier geboren wurden, fangen an uns den Kopf abzuschlagen. Dafür gehen aber deutlich mehr von unseren, ich muss sie wieder so nennen, "deutschen Kindern zum IS". Weil hier einfach zu wenig gemacht wird. Das ist den Populisten egal!!!

  2. 9.

    Nein, noch gibt es eine Mehrheit die sich gegen eine "Umerziehung" wie es ihnen und ihresgleichen vorschwebt stemmt.

    Das wäre auch nicht mehr mein Deutschland in dem ich aufgewachsen bin wäre es anders.

  3. 8.

    "Phantasiert" - wohl keine Augen im Kopf.
    Aber selbst wenn man es nicht sehen will, kann man sich mal die Geburtenstatistik in deutschen Großstädten zu Gemüte führen.
    Wer dann immer noch glaubt, es bleibt alles gut - dem kann man nicht mehr helfen. Bei denen hat die Umerziehung voll gefruchtet! Bravo!

  4. 7.

    Mir ist es ein Rätsel, wie man aus dem zurecht aufgestellten und begründeten Aufzeigen von nationalsozialistischer ideologie eines Herrn Wild auf eine Verharmlosung von Straftaten andernorts kommt.

    Herr Wild ist für sein Verhalten, seine Einstellung selbstverantwortlich - ganz so wie die AfD für die ihrigen insgesamt - und eben jene wurden als absurd, menschenverachtend und absolut undemokratisch kritisiert.

    Rassismus ist keine Meinung, Rassismus tötet. Am Tag des ursprünglich geplanten Beginns des Plädoyers der Bundesanwaltschaft im Fall der Hauptangeklagten Beate Zschäpe als Mittäterin und Teil des "NSU"-Netzwerks sollte das klar sein.
    Auch wenn es dabei um die Folgen des Rassismus von Wenigen geht, so ist Rassismus selbst genau wie Antisemitismus ein gesamtgesellschaftliches Problem: eben nicht nur individuell von Wenigen ausgehend, sondern auch strukturell, wie etwa in Teilen des Rechts- oder Bildungssystems, und institutionell, wie teils bei Behörden, weit verbreitet.

  5. 6.

    Seltsame Einstellung: da phantasiert ein AfD-Abgeordneter im 'NS-Jargon' von einer 'Umvolkung' Neuköllns... und Dir Derailer fallen dazu nur die Autonomen-Krawalle in Hamburg ein???
    Wie gefährlich solche 'AfD-Haltungen' gesellschaftlich sind, sieht man dann an Deiner Aussage.

  6. 5.

    Sind nicht eher die ferngesteuert die hier ihre eindeutige Gesinnung zum besten geben?

    Und jagen von Menschen passt auch eher zu Leuten mit eben dieser Gesinnung.

  7. 4.

    Seltsame Einstellungen, die hier zutage treten. In Hamburg wird ein ganzes Stadtviertel in Schutt und Asche gelegt, eine Woche danach redet niemand mehr über den Vorfall, aber solche Leute wie Wild, die weder in ihrer Anzahl noch in ihrer Virulenz jemals wirklich gefährlich werden können, werden hier gejagt. Ihr seid wie ferngesteuert.

  8. 3.

    Es bleibt wohl Strategie der religionsausgrenzenden "Alternative", Abgeordnete, die sich 'etwas zu weit rechts' aus dem Fenster lehnen, nur aus der Fraktion auszuschließen, sie aber in der Partei zu 'halten'.
    Wenn man erstmal das Ziel von '51% bei der BT-Wahl' erreicht ist, dürfen auch die 'Lautstarken' wieder in den Fraktionen mitwirken... bis dahin geht das 'nur' über den Umweg über die Partei...

  9. 2.

    Juhu! Jetzt gibt es keine Rassist*innen mehr in der Berliner AfD-Fraktion!...Hm, nee, Moment...

    Die Partei ist um Öffentlichkeitsarbeit bemüht, wird sich aber schwerlich von Leuten wie Wild, die rechtsextreme Einstellungen haben und verbreiten, nicht gänzlich distanzieren - das ist schließlich ein festes Wählerspektrum, das solche Leute ja auch anzusprechen versuchen. Das beste Beispiel in solchen Fragen ist immer noch Bernd (!) Höcke - der vermeintlich einzige Nazi der Partei, ohja.

    Was ich weniger unterhaltsam finde, ist, wie uneingeordnet und undistanziert hier rbb und inforadio rechtsextremen Einstellungen eine Bühne bieten. Man hat Wild ohne Not nochmal direkt aus der Doku sprechen lassen - wozu? Hätte es Paraphrasieren nicht getan? Vor allem aber die EInordnung in den Kontext - eben Wilds Aussagen über Neuköllner als Neuköllner Politiker - hätte viele Aspekte seiner Haltung als so rechtsextrem und undemokratisch darstellen lassen, wie es nötig gewesen wäre.

  10. 1.

    Es fehlt aber leider noch der (fällige) Parteiausschluss.
    Schlimm genug, dass uns der "wilde" Abgeordnete noch weitere 4 Jahre erhalten bleibt.

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