Schwangere, Hebamme und Arzt in einem Kreißsaal (Quelle: dpa/Waltraud Grubitzsch)
Audio: Antenne Brandenburg | 27.07.2017 | Eva Kirchner | Bild: dpa-Zentralbild

Lage sei nicht mehr zu verantworten - Hebammen-Mangel: Grüne fordern andere Versicherung

Die Zahl der Geburten steigt, aber es gibt immer weniger Frauen, die Schwangere begleiten. In Ost-Brandenburg ist der Hebammen-Mangel besonders eklatant. Die Grünen fordern daher, die für die Geburtshelferinnen verpflichtende Versicherung umzustellen.

Angesichts steigender Geburtenzahlen hat der Brandenburger Hebammenverband darauf hingewiesen, dass die Zahl aktiver Geburtshelferinnen immer weiter zurückgeht. Noch würden in den märkischen Kliniken zwar keine Frauen abgewiesen, aber auf eine Kollegin kämen mehr als drei hochschwangere Frauen, sagte Verbandschefin Martina Schulze am Donnerstag in Fürstenwalde (Oder-Spree). Die Lage sei inzwischen nicht mehr zu verantworten.

Immer mehr Hebammen gehen in den Ruhestand

Schulze bemängelte, dass immer mehr Hebammen in den Ruhestand gingen, aber zu wenig neue ausgebildet würden. Nach Angaben von Petra Budke, Landesvorsitzende von Bündnis90/Die Grünen, gehen alle drei Jahre rund 15 Hebammen verloren. Vor allem im Osten Brandenburgs sei die Lage bedenklich. Ende dieses Jahres gehe die letzte in Vollzeit arbeitende Hebamme in Frankfurt (Oder) in den Ruhestand. Dann werde es nur noch vier Kolleginnen geben, die nebenberuflich arbeiten.

Über 630 Euro Versicherungsprämie pro Monat

Im rbb forderte Budke eine Verbesserung der Rahmenbedingungen - darunter auch die Prämien in der Berufshaftpflichtversicherung. Wegen des vergleichsweise hohen Risikos, dass Mutter oder Kind unter der Geburt etwas zustößt, sind diese in den vergangenen Jahren stark gestiegen.

Im Rahmen der vom Deutschen Hebammenverband angebotenen Gruppenversicherung sind seit dem 1. Juli pro Jahr 7.639 Euro fällig - pro Monat also über 630 Euro. Bis 2020 werden die Prämien auf 9.098 Euro steigen - das steht laut Verband jetzt schon fest. Für viele Hebammen sind Prämien in dieser Höhe ein K.o.-Faktor. "Was unbedingt fallen muss, sind diese unerträglich hohen Versicherungsprämien", sagte Budke am Donnerstag. Damit die Versicherung für Hebammen bezahlbar bleibt, schlagen die Grünen "ein Modell analog der gesetzlichen Unfallversicherung" vor.

Auch in Berlin spitzt sich die Lage zu

Die Elterninitiative "Mother Hood e. V." hatte vor kurzem eine Karte veröffentlicht, die besonders für die deutsche Nord- und Ostsee-Küste, Bayern, Hessen und Berlin tiefrote Kreise anzeigt. Wer hochschwanger ist, sollte in diesen Regionen besser nicht Urlaub machen - denn laut Mother Hood sind das die Regionen mit den größten Engpässen. 

Der Mangel betreffe vor allem Beleghebammen, die freiberuflich tätig sind und von Krankenhäusern engagiert werden. Nach Angaben des Deutschen Hebammenverbandes (DHV) arbeiten in Deutschland rund 1.800 Hebammen als Beleghebammen (Destatis, Grunddaten der Krankenhäuser 2015).

In Berliner Kreißsälen müssen Hebammen immer häufiger bis zu fünf Geburten parallel betreuen. In der Hauptstadt sei die Zahl der Geburten in den vergangenen Jahren doppelt so schnell wie die Zahl der Hebammen gestiegen. Vor wenigen Wochen hatte Frau ihr Kind auf einem Parkplatz zur Welt gebracht, nachdem sie im Neuköllner Krankenhaus wegen Überfüllung der Kreißsäle abgewiesen worden war.

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2 Kommentare

  1. 2.

    Hallo und guten Morgen,

    Wie wäre es denn, wenn bei jeder Entbindung eine Pauschale von € 100 seitens der glücklichen Eltern an die Hebamme gezahlt würde - das sollte den Eltern das doch wert sein, das dürfte ausreichen die Kosten für die Berufshaftpflichtversicherung zu zahlen. Wenn das Risiko nunmal so gross ist, kann man noch soviel wehklagen.
    Mit freundlichen Grüßen
    Rainer Smieskol

  2. 1.

    Na auch schön aus dem Schlaf erwacht.
    Die Sache ist ja nicht neu.
    Aber es sind ja bald Wahlen, da muss man sich ja mal hervor tun.

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