Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) läuft am 28.07.2017 mit Polizeischülern zum Gebäude der Fachhochschule der Polizei in Oranienburg (Oberhavel) (Quelle: rbb/Dominik Lenz)
Bild: rbb/Dominik Lenz

400 Polizeianwärter - Brandenburg will so viele Polizisten ausbilden wie noch nie

Die veränderte Sicherheitslage in Europa bringt auch mehr Aufgaben für die Brandenburger Polizei mit sich - die Ausbildungszahlen steigen. Um ausreichend neue Polizisten zu rekrutieren, geht das Land auch neue Wege.

Nach Jahren des Personalabbaus bei der Polizei will die Brandenburger Landesregierung die Zahl der Beamten wieder deutlich aufstocken. Allein in diesem Herbst sollen 400 Polizeianwärter für den mittleren und gehobenen Dienst eingestellt werden - so viele wie noch nie in der Geschichte des Landes. Die Zeit des Personalabbaus bei der Polizei sei gestoppt, sagte Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) am Freitag in der Fachhochschule der Polizei in Oranienburg (Oberhavel). Ein Teil der Anwärter ist bereits im April eingestellt worden, der andere soll im Oktober folgen.

"Die Erwartungen an die Polizei sind in den letzten Jahren gewachsen, ebenso die Fülle der Aufgaben unserer Polizistinnen und Polizisten", sage Schröter laut einer Mitteilung seines Ministeriums in der Fachhochschule der Polizei. "Das hat mit der Veränderung der Sicherheitslage in ganz Europa zu tun."

"Polizisten vermittelt keine Arbeitsagentur"

In Folge der Polizeireform im Jahr 2010 war die Stellenentwicklung der Brandenburger Polizei durch Einparungen geprägt. Die Pläne sahen vor, die Zahl der Polizisten in Brandenburg von 8.900 auf 7.000 im Jahr 2020 zu verringern. Doch einige Jahre nach der Reform entschied die Landesregierung, 7.800 Polizistenstellen zu erhalten. Im November 2016 wurde beschlossen, die Stellenzahl bis Ende 2018 auf 8.250 zu erhöhen. Derzeit gibt es rund 8.000 Polizeibeamte in Brandenburg.

Um das Ziel erreichen zu können und weil in den nächsten Jahren zahlreiche Polizeibedienstete in den Ruhestand gingen, müsse das Land ausreichend Nachwuchs ausbilden, sagte Innenminister Schröter nun. "Denn Polizisten kann man nicht vom freien Arbeitsmarkt gewinnen und keine Arbeitsagentur vermittelt sie." Deshalb bilde man "nun in einem Umfang aus wie nie zuvor."  

Den Einstellungen gehe ein umfangreiches Bewerbungsverfahren voraus, erklärte Schröter und versicherte. Die Aufnahmekriterien würden nicht gesenkt, sagte er dem rbb. Im vergangenen Jahr wurden den Angaben nach bereits 350 Anwärter eingestellt. Im Jahr 2010 waren es dagegen gerade mal gut 100. Derzeit befinden sich 892 Anwärter an der Fachhochschule, davon 591 Studierende des gehobenen und 301 Auszubildende des mittleren Polizeivollzugsdienstes.

Ehemalige Feldjäger als Polizisten

Der Präsident der Fachhochschule der Polizei Brandenburg, Rainer Grieger, zeigte sich zufrieden mit der Anzahl der Bewerber: "Die Brandenburger Polizei ist ein sehr attraktiver Arbeitgeber. Das zeigen deutlich über 6.800 Bewerbungen jährlich. Wir können für die Einstellung im Oktober alle 224 Stellen besetzen", erklärte er. Für den Nachwuchs werde auch "ganz massiv" in den neuen Medien geworben. Auch in anderen Bundesländern versuche Brandenburg, Bewerber zu interessieren, sagte Innenminister Schröter. Zudem würden auch Anwärter aus Polen ausgebildet.

Um den Nachwuchs bei der Brandenburger Polizei zu sichern, will sich das Innenministerium auch um deren Unterkunft kümmern: Künftig will es Polizeianwärtern aus entfernteren Landesteilen Brandenburgs oder aus anderen Bundesländern Wohnraum anbieten. Vorübergehend sollen dazu Wohnungen in Oranienburg oder im Landkreis Oberhavel angemietet werden, wie Schröter ankündigte. Längerfristig werde aber der Bau eines eigenen Gebäudes angestrebt.

Eine weitere Maßnahme gegen den Personalmangel wird bereits praktiziert: Seit 2015 die Landesregierung auch auf ehemalige Feldjäger der Bundeswehr - 36 wurden inzwischen eingestellt. Sie absolvieren eine verkürzte Ausbildung von 18 Monaten. In einem Sonderprogramm können bis zu 75 Feldjäger der Bundeswehr für den Streifendienst bei der Polizei rekrutiert werden.

Sendung: Brandenburg aktuell, 28.07.2017, 19.30 Uhr

Kommentar

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2 Kommentare

  1. 2.

    Hoffentlich springen nicht wieder 20 % der Polzeischüler ab. Eine effektive Strafverfolgung ist bereits seit einigen Jahren in Brandenburg nicht mehr gewährleistet. Darüber hinaus ist das Wort "Motivation" ein Fremdwort in der Polizei Brandenburg!

  2. 1.

    Hoffentlich werden diese auch gut & tariflich bezahlt und nicht mit Mindestlohn, sonst war es das wieder.

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