Seyran Ates besucht die Kirche St. Johannes (Quelle: dpa)
Bild: dpa/S. Stache

Rund 100 Morddrohungen - Verschärfter Polizeischutz für Moschee-Gründerin Seyran Ateş

Nach der Eröffnung ihrer liberalen Moschee in Berlin-Moabit musste sie nicht nur viel Kritik einstecken, sondern sah sich auch vermehrt mit Morddrohungen konfrontiert. Deshalb bekommt Seyran Ateş nun verstärkten Polizeischutz.

Die Berliner Moschee-Gründerin Seyran Ateş wird nach zahlreichen Drohungen verstärkt von der Polizei geschützt. Wie aus ihrem Umfeld bekannt wurde, ist die Anwältin schon mehrfach bedroht worden, einmal auch auf offener Straße. Daraufhin sei der Personenschutz für die Frauenrechtlerin verschärft worden.

Ateş sagte der "Welt am Sonntag", es gebe bereits rund 100 Morddrohungen gegen sie. "Über die sozialen Medien habe ich wegen der Moscheegründung so viele Morddrohungen bekommen, dass das LKA zu der Einschätzung gelangt ist, mich rund um die Uhr schützen zu müssen", so Ateş, die bereits 1984 schon einmal Opfer eines Attentats geworden und dabei lebensgefährlich verletzt worden war.

Der Türkische Bund Berlin-Brandenburg (TBB) hat die Morddrohungen gegen Ateş verurteilt. TBB-Vorstandssprecherin Ayse Demir sagte am Montag, möglicherweise sei das Konzept der Moschee theologisch strittig. Aber sie zu gründen, gehöre zur Religionsfreiheit des Grundgesetzes.

Auch Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) verurteilte die Drohungen scharf. "Zu unserem Selbstverständnis von Berin als Stadt der Freiheit gehört, dass niemand für sein Engagement im Sinne des Grundgesetzes bedroht wird", sagte Müller dem Tagesspiegel. Hasskommentare und Morddrohungen gegen Ateş seien nicht hinnehmbar.  

Viele negative Reaktionen im Ausland

Die aus der Türkei stammende Anwältin setzt sich für einen säkularen und liberalen Islam ein. Jüngst hat sie im Berliner Stadtteil Moabit die liberale Ibn-Rushd-Goethe-Moschee gegründet. Dort können Frauen und Männer sowie Sunniten, Schiiten und Aleviten gemeinsam beten. "Mich hat es schon als Kind gekränkt, dass Männer und Frauen beim Beten getrennt wurden - dabei sind wir doch vor Gott alle gleich", erklärte Ateş bei der Eröffnung der Moschee Mitte Juni.  

Vor allem im Ausland hatte die liberale Moschee für Aufregung gesorgt. Ein vielbeachteter Bericht  des arabischen Programms der Deutschen Welle über die Moscheegründung wurde im Netz vorwiegend negativ kommentiert. "Das ist nicht die Religion unseres Propheten", schrieb etwa ein Kommentator.

Türkische Religionsbehörde wirft Ateş "Untergrabung der islamischen Religion" vor

Auch die Fatwa-Behörde in Ägypten sprach sich in scharfer Form gegen die Einrichtung aus. Es verstoße gegen die islamischen Glaubenspflichten, wenn sich Frauen gegen das Tragen eines Kopftuchs entscheiden, wie es in der neuen Moscheegemeinde üblich sei. Das Kopftuch sei keine Diskriminierung von Frauen, so die Fatwa-Behörde Dar al-Iftam auf ihrer Facebook-Seite, sondern entspreche den von Gott auferlegten Regeln.

Die türkische Religionsbehörde Diyanet, die direkt dem türkischen Ministerpräsidenten untersteht, erklärte, dass die Berliner Moschee "die Grundsätze unserer erhabenen Religion" missachte. Das Ziel von Ateş sei es, die islamische Religion "zu untergraben und zu zerstören". Zudem unterstellte die Behörde Ateş eine Verbindung zur Gülen-Bewegung, die vom türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan für den Putschversuch im Juli 2016 verantwortlich gemacht wird.

Ateş reagierte auf die Vorwürfe mit scharfer Kritik und wies jede Verbindung zur Gülen-Bewegung zurück.

Sendung: Inforadio, 02.07.2017, 6.00 Uhr

Kommentar

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22 Kommentare

  1. 22.

    Hut ab!!! die Gesellschaft benötigt vieeeeel mehr Frauen wie Sie! Bin wohl Atheistin aber finde diese Art der Moschee vorbildlich. Meines Wissens/Erinnerung wurde in der Kirche von Danzig, in der eine Reihe von Männern und in der anderen von Frauen gebetet, und.. Katholiken und Protestanten. Es muss einfach zeitgemässer werden! Wo sind die Männer die dies fordern........................................?

    Mit den besten Wünschen

  2. 21.

    "Martin Luther hat sich in seinen Predigten, Vorlesungen, Tischreden und Briefen in drei Jahrzehnten mannigfach zum Thema „Zauberei“ und „Hexen“ geäußert.[41] Luther war überzeugt von der Möglichkeit des Teufelspaktes, der Teufelsbuhlschaft und des Schadenzaubers und befürwortete die gerichtliche Verfolgung von Zauberern und Hexen.[42]
    Die Aussage des Alten Testaments „Die Zauberinnen sollst du nicht am Leben lassen“ (Ex 22,17 LUT) hatte für ihn Gültigkeit. [Siehe] Predigt vom 6. Mai 1526, WA 16, 551f.
    Zahlreiche lutherische Theologen, Prediger und Juristen und Landesherren, z. B. Heinrich Julius [...]beriefen sich [...] auf Luther."

  3. 20.

    Ich wünsche Frau Ates viel Erfolg und Durchhaltevermögen. Gut, dass auch für Sie in Deutschland die Religionsfreiheit gilt. Da es so viele Auslegungen des Islam gibt, warum lässt man Ihr dann nicht auch Ihren Raum? Alle die in Deutschland das Recht bekomme so zu beten und zu glauben wie sie wollen müssen dies auch anderen zugestehen. Ich bin nicht Religiös und meine Eltern kommen eher aus dem christlichen aber die Moschee würd ich mir rein aus Interesse mal ansehen.

  4. 19.

    Die aufgeklärte, moderne, gläubige muslimische Frau wird 100-fach mit dem Tode bedroht auf Basis der Religionsauslegung irgendwelcher islamistischer Irrer. Den zwei Lehreraspirantinnen, denen man schon beim ersten Vorstellungsgespräch mitteilt, dass sie mit einem Kopftuch hier nicht unterrrichten dürften werden daraufhin hohe Entschädigungen zugesprochen. Das alles ist Berlin 2017.

  5. 18.

    Das Rad der Geschichte ist in allen Ländern zurückgedreht worden, in denen man einen großen islamischen Bevölkerungsanteil zugelassen hat.

    Es ist auch bei uns schon zurückgedreht worden.

    Frauen können sich aus Angst vor übergriffen von Leuten mit islamischen Moralvorstellungen nicht mehr frei bezüglich ihrer Kleidung und ihrer Freizeitgestaltung abends entscheiden.

    Die gegenwärtige Politik, die diese islamisierung zulässt, ist ein totales, den Bestand der BRD in Frage stellendes Politikversagen.

  6. 17.

    Zitat:
    "Nach der Eröffnung ihrer liberalen Moschee in Berlin-Moabit musste sie nicht nur viel Kritik einstecken, sondern sah sich auch vermehrt mit Morddrohungen konfrontiert."

    Nun - Religion ist wenn man schlechtes tut - hier Morddrohungen - und dabei mit sich im Reinen ist, weil man ja nur im Sinne Gottes, im Sinne der Religion handelt.

    Ketzerverbennungen gab es bekanntlich auch.

    Oder Angehörige anderer Arten zu "Tieren" zu erklären, die selbstredend unter dem Menschen stehen.

    Religion ist eine Gefahr für die Menschheit und gehört entlarvt, wo man auf sie trifft.

  7. 16.

    @ Auweia
    >Welch v. Erleuchtung durchdrungener Einwand ..... Muss man tatsächlich daran erinnern, dass Frauen v. Christen (Kath. u. Prot.) jahrhundertelang unterdrückt, dämonisiert und gemordet wurden?<

    D. >Hexen< Verfolgung basierend auf d. manipulativen Malleus Maleficarum war überwiegend e. weltl. Angelegenheit (im Gegensatz zur Verfolgung d. religiös basierten Inquisition, v. d. beide Geschlechter betroffen waren u. welche d. Abweichen v. d. >wahren< Religionslehre verfolgte).

    .
    >Haben Männer ihre Pfründe je freiwillig hergegeben? Ja? Wann u. Wo???<

    Wobei im Neuen Testament, welches maßgeblich f. Christen ist, kein Hinweis darauf besteht, dass Jesus Frauen e. untergeordnete, passive, geringschätzige, ... Rolle nur zuerkannt hat.
    Es ist sogar d. Fall gewesen, dass d. christl. Ur-Gemeinden zum Teil >One Frau Gemeinden< waren u. d. Christentum als Religion f. Frauen d. bevorzugte war, da zu d. damaligen Zeit Ihnen dadurch d. selben Rechte zu teil wurden wie Männern.

  8. 15.

    100 Morddrohungen sollten 100 Ermittlungsverfahren nach sich ziehen. Die Geldstrafen könnten dann direkt in die neugegründete Moschee fließen.
    Vermutlich sitzen die meisten Täter jedoch im Ausland und fühlen sich daher unangreifbar.

  9. 14.

    Auch ich finde, dass es schon mehr als überfällig war, endlich ein Zeichen der Gleichberechtigung in dieser Religion zu setzen. Warum sollten Männer und Frauen nicht nebeneinander beten ? Und diese Muftis etc. und alle anderen Männer die etwas dagegen haben , sollten sich mal mit Frieden , Liebe und Gott, welchen Namen er auch bei den einen oder anderen von Menschengeist bekommen hat , nachdenken. Und was soll das mit Morddrohungen ? Wovor haben sie solche Angst ? Das diese Männermacker etwas Macht verlieren um Frauen zu unterdrücken ? Ich bin froh , dass das Christentum diese Entwicklungen hinter sich hat und ich habe kein Interesse zu viel Islam in unserer Gesellschaft zu haben, so lange diese nicht toleranter geworden sind. Ich kann in dieser Religion keine Toleranz finden.

  10. 13.

    Welch von Erleuchtung durchdrungener Einwand .....
    Muss man tatsächlich daran erinnern, dass Frauen von Christen (Kath. u. Prot.) jahrhundertelang unterdrückt, dämonisiert und gemordet wurden? Haben Männer ihre Pfründe je freiwillig hergegeben? Ja? Wann und Wo???

  11. 12.

    Erdogan und sein Demokratieverständnis, aber auch das der Saudis. Man kann über so viel Rückständigkeit nur den Kopf schütteln. Wäre mehr als wünschenswert wenn man dieses kriminellen Typen identifizieren und vor Gericht stellen könnte.

  12. 10.

    Ich hatte auf den Kommentar von Frau Heike Dormann geantwortet/kommentiert. Was ist los? Was passt Ihnen nicht?

  13. 9.

    Ich bewundere Frau Ates Mut für die erste liberale Moschee.

  14. 8.

    Ich glaube schon eher , dass andere Islamisten etwas gegen die liberale Moschee haben. Diese radikalen Muftis
    sind doch gegen Frauen und andere Islam. Gruppierungen in der Moschee. Da wird sich auch in 100 Jahren nichts ändern.

  15. 7.

    .... soviel zum sogenannten "friedliebenden Islam".

  16. 6.

    Immer diese Nazis die drohen...

  17. 5.

    Sehr mutige Frau und wenn sie sagt ...schon als Kind habe sie diese Trennung in Moscheen gestört...sagt mir das, das auch muslimische Frauen das Machtgehabe ihrer Männer und Väter nicht als gottgegeben hinnehmen. Hier mein Apell: Muslimische Männer...gewöhnt euch dran...Das Rad der Geschichte lässt sich nicht zurück drehen...Auch für euch nicht. Lasst euch auf emanzipierte Frauen auf Augenhöhe ein- ..Euch bleibt am Ende eh nichts Anderes übrig.

  18. 4.

    Ich selbst halte nichts von Religion, gleich welcher Couleur. Das sind Hirngespinste - oder mit Karl Marx gesprochen - Opium des Volkes. Immer nur als Machtinstrument mißbraucht.
    Trotzdem bewundere ich Frau Ates für ihren Mut. Ich wünsche ihr und all denen die um sie sind alles Gute und körperliche Unversehrtheit.

  19. 3.

    "... sondern entspreche den von Gott auferlegten Regeln." Solche Aussagen lassen einen erschaudern. Es gibt nur eines an das ich mich in Deutschland und Europa zu halten habe. Das sind staatliche Gesetze und Verordnungen. Religion hat hier nichts und niemand etwas vorzuschreiben. Die vielen Morddrohungen zeigen eine schlimme intollerante Haltung. Gerade wurde im Bundestag u.a. auch gegen die rückständige Auffassung der katholischen Kirche gestimmt. Nun macht sich hier eine altertümliche Auffassung gegen liberale moderne Muslime breit. Ich finde dies demokratiefeindlich.

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