Archiv: Eine Frau mit Kind in der früheren Luise-und-Wilhelm-Teske-Schule, einer Notunterkunft in Berlin-Schöneberg (Quelle: dpa)
Audio: Inforadio | 13.07.2017 | Kirsten Buchmann | Bild: dpa

Teske-Schule in Berlin-Schöneberg - Protest gegen geplante Sonderschule für Flüchtlingskinder

In Schöneberg soll eine Bildungseinrichtung für geflüchtete Jugendliche entstehen, die wegen ihrer schlechten Vorbildung nicht den Sprung aus Willkommensklassen in den regulären Unterricht schaffen. Gegen die Pläne gibt es massiven Protest.

In Berlin wird um eine geplante Sonderschule für Flüchtlingskinder gestritten. Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) will Medienberichten zufolge am Standort der ehemaligen Teske-Schule im Stadtteil Schöneberg eine Bildungseinrichtung eigens für bis zu 220 junge Flüchtlinge im Alter von 15 bis 16 Jahren schaffen, die wegen ihrer schlechten schulischen Ausbildung nicht am regulären Schulunterricht einer 9. oder 10. Jahrgangsstufe teilnehmen können.

Zur Begründung heißt es, die betroffenen Jugendlichen hätten so wenig Bildungserfahrung, dass sie höchstens in eine vierte oder fünfte Regelklasse aufgenommen werden könnten. Es sei aber für die Jugendlichen nicht zumutbar, zusammen mit Zehnjährigen zu lernen. Am Standort Teske-Schule könnten sie hingegen in altershomogenen Gruppen lernen und so bestmöglich auf den Übergang an eine Oberschule oder ein Oberstufenzentrum vorbereitet werden.

Massiver Protest gegen Senatspläne

Dagegen hat sich in den vergangenen Tagen massiver Protest erhoben. In einem am Donnerstag verteilten offenen Brief an den Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) und die Bildungssenatorin fordern unter anderem die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Berlin (GEW), der Flüchtlingsrat Berlin und der Landeselternausschuss einen unverzüglichen Stopp des Vorhabens.

Die geflüchteten Schüler würden sozial und räumlich vom Regelbetrieb ausgeschlossen, warnte der Berliner GEW-Vorsitzende Tom Erdmann. Dabei sei der Kontakt zu hier aufgewachsenen Schülern für die soziale und sprachliche Inklusion geflüchteter Schüler von zentraler Bedeutung. "Dieser Kontakt wird mit der geplanten räumlichen Isolation praktisch unmöglich gemacht", kritisierte Erdmann.

"Pädagogisch falsch und integrationsfeindlich"

Mitunterzeichner sind unter anderem das Berliner Netzwerk gegen Diskriminierung in Kita und Schule, der Türkische Bund Berlin-Brandenburg, die stellvertretende Vorsitzende des Landesbeirats für Integration und Migration, das Institut für diskriminierungsfreie Bildung oder die Initiative Schöneberg hilft. Sie fordern die sofortige Integration der jungen Migranten in den Regelschulen und Oberstufenzentren.

Die Initiative „Schöneberg hilft“ kritisierte das Vorhaben als „pädagogisch falsch und integrationsfeindlich“ und sprach in einer Mitteilung von einer „Sonderschule“ für geflüchtete Jugendliche.

Die ehemalige Luise-und-Wilhelm-Teske-Schule im Tempelhofer Weg war von August 2015 bis Februar 2016 Notunterkunft für Flüchtlinge.