Aktivisten der haben am 31.01.2017 in Berlin eine Atemschutzmaske der Statue auf der Siegessäule übergezogen (Quelle: dpa/ Paul Zinken)
Bild: dpa/ Paul Zinken

Neue Zahlen vom Umweltbundesamt - Stickoxide bleiben in Berlin ein Problem

Viel Verkehr und viele Dieselfahrzeuge: Die Belastung mit Stickoxiden ist in Berlin weiterhin hoch. Die Datenauswertung von rbb|24 zeigt: Auch im Juli 2017 wird der gesetzliche Grenzwert überschritten. In Brandenburg sind die Werte knapp im erlaubten Bereich.

Wenn sich am Mittwoch in Berlin Bundesminister, Landespolitiker, Gewerkschafter und die deutschen Autobosse zum Dieselgipfel versammeln, geht es eigentlich nicht um den Treibstoff sondern um ein geruchloses Reizgas: Stickstoffdioxide, die vor allem von Diesel-PKW ausgestossen werden. Auch in Berlin wird der Grenzwert für NO2 weiterhin deutlich überschritten. Das zeigt die Auswertung von Daten des Umweltbundesamtes durch rbb|24: Von Januar bis Juli 2017 wurden an sechs Berliner Messstellen die erlaubten Stickstoffdioxid-Grenzwerte von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft überschritten.

Traurigen Spitzenwert mit 50 µg/m³ im Durchschnitt wurde auf der Karl-Marx-Straße 76 und der Silbersteinstraße (beide Neukölln) gemessen. Zu dreckig war die Luft auch auf dem Mariendorfer Damm (49 Mikrogramm), der Schildhornstraße (48 Mikrogramm), am Hardenbergplatz (46 Mikrogramm) und auf der Frankfurter Allee (42 Mikrogramm).

Während die Messstellen in Wohn- und Grüngebieten Berlins im grünen Bereich sind, bleiben verkehrsnahe Zonen ein Problem. Erfreulich ist hingegen die Luftverbesserung in der Nähe des Busbahnhofs am Hardenbergplatz, wo einige Buslinien auf Erdgas- und Elektroantrieb umgestellt wurden. Im Jahresmittel 2014 hat das Land Berlin dort noch 62 Mikrogramm und 2015 noch 53 Mikrogramm gemessen.

Wie die Grafik zeigt, haben sich die Daten zur wärmeren Jahreszeit hin leicht verbessert. Denn wenn die Sonne mehr scheint, wird mehr Stickstoffdioxid natürlich aufgespalten. Eine längere Inversionswetterlage führte dazu, dass es im Januar und Februar kaum Luftaustausch und damit eine höhere NO2-Belastung gab. Die Osterferien und der damit einhergehende reduzierte Verkehr erklären auch die besseren Werte im April.

Die Senatsverwaltung Umwelt, Verkehr und Klimaschutz macht im aktuellen Luftschadstoffe-Jahresbericht klar, dass neuere Dieselmotoren der Grund sind, wieso sich die Luftqualität trotz Umweltzone nicht weiter verbessert. "Die emissionsmindernden Maßnahmen der letzten Jahre waren hinsichtlich des Stickstoffdioxids aber nicht ausreichend erfolgreich, weil bei Dieselfahrzeugen eine neue Motorengeneration eingeführt wurde, die verglichen mit der Vorgängergeneration einen höheren Anteil an NO2-Direktemission aufweist", heißt es in dem Bericht.

In Brandenburg wurde der Grenzwert zwischen Januar und Juli 2017 im Mittel an keiner Messstelle überschritten. Nur knapp unter dem Grenzwert lagen die Potsdamer Zeppelinstraße mit 37 Mikrogramm, die Leipziger Straße in Frankfurt (Oder) mit 35 Mikrogramm und die Potsdamer Großbeerenstraße mit ebenfalls 35 Mikrogramm. Die beste Luft Brandenburgs wurde im Spreewald mit 6 Mikrogramm gemessen. Mit 12 Mikrogramm Stickstoffdioxiden pro Kubikmeter Luft hat Frohnau die beste Berliner Luft.

Umweltaktivisten protestieren waehrend des Diesel-Gipfels vorm Bundesministerium des Innern. (Quelle: imago/Emmanuele Contini)
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"Dieselgipfel" in Berlin - Neue Software für fünf Millionen Dieselfahrzeuge

Um den Stickoxid-Ausstoß zu mindern, haben Autohersteller beim "Dieselgipfel" in Berlin zugesagt, fünf Millionen Fahrzeuge mit neuer Software nachzurüsten. Kritikern genügt das nicht. Doch gegen die aufwendigere technische Aufrüstung der Motoren sträuben sich die Hersteller. 

Beitrag von Dominik Wurnig

Kommentar

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8 Kommentare

  1. 8.

    Es müssen alle Belastungen vom Personenschiff auf der Spree, über Kamine ohne Filter bis Behördenfahrzeuge mit Ausnahmeregelung usw., usw. einbezogen werden.
    Wenn Abgaswerte der EU nicht eingehalten werden, müssen (haben) die Fahrzeuge ihre Betriebserlaubnis verlieren (verloren) und die Autobauer sind zu Schadensersatz verpflichtet.
    Es kann nicht sein, dass wieder nur der Normalbürger zahlt und die Gewinne von Betrieben und Aktionären unangetastet bleiben. Wenn Behördenvertreter*innen, Politiker*innen und Aufsichtsräte da mitgewirkt haben, sind sie persönlich haftbar zu machen.
    Keine Regelungen (wie Umtauschprämien) zu Lasten der Steuerzahler.

  2. 7.

    Ich möchte gerne wissen, weshalb in dieser Diskussion die enorme Zunahme an LKW, von Lieferfahrzeugen der Onlineversender und der Flugverkehr außen vor bleibt. Es kann doch keiner ernsthaft glauben, dass nur die Diesel-Pkw die Belastung erzeugen.

  3. 6.

    Natürlich ist die Luft schlecht, wenn 3,5 Mio. Menschen auf engem Raum zusammen leben. Aber diese 3,5 Millionen machen ein Teil des Problems selbst: sie erwarten an jeder Ecke einen gut gefüllten Supermarkt, der Handwerker mit dem Diesel-Auto soll auch sofort zur Stelle sein und natürlich der Flughafen Tegel. Ich wünschte, es würden alle, die im September ihr Kreuz für die Offenhaltung von Tegel setzen, vorher auch darüber nachdenken. Kerosin erzeugt bei seiner Verbrennung auch Stickoxide. Aber jeder biegt sich seine Wahrheit so zurecht, wie es ihm am besten passt.

  4. 5.

    "Aus Kosteneffizienzgründen" ist eine nette Umschreibung für intensive und erfolgreiche Lobbyarbeit der Autoindustrie in Berlin und Brüssel.

  5. 4.

    Heute wird sich zeigen ob die Politik wieder - wie bei der Atomindustrie, den Banken, der Schwächung der gesetzlichen Rentenversicherung - die Interessen von Konzernen vertritt oder einmal für Wohlergehen und Gesundheit der Bürger eintritt.

  6. 3.

    Vielleicht auch mal Experten hören oder lesen...
    http://m.dnn.de/Dresden/Lokales/Dresdner-Professor-fordert-ideologiefreie-Debatte-ueber-Schadstoffe-durch-Autoverkehr

  7. 2.

    Die aktuell geltenden EU Grenzwerte liegen bereits - aus Kosteneffizienzgründen - weit über den von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen. "Die in der EU geltenden Grenz- und Zielwerte werden derzeit überprüft. Die im Jahr 2008 festgelegten Grenz- und Zielwert der EU orientieren sich zwar an den von der WHO vorgeschlagenen Werten, berücksichtigen aber gleichzeitig auch die Kosteneffizienz der Minderungsmaßnahmen, was häufig zu weniger ambitionierten Werten führte. Zum Beispiel wurden von der WHO für PM10 ein Kurzzeitwert (Tagesmittel) von 50 µg/m3 und ein Langzeitwert (Jahresmittel) von 20 µg/m3 vorgeschlagen. Die EU hat sich mit ihrem Kurzzeitwert an den Luftqualitätsleitlinien der WHO orientiert, erlaubt aber für das Jahresmittel einen Wert von 40 µg/m3, also einen Wert, der doppelt so hoch ist, wie von der WHO vorgeschlagen."
    https://www.umweltbundesamt.de/themen/luft/wirkungen-von-luftschadstoffen/wirkungen-auf-die-gesundheit#textpart-4

  8. 1.

    Wer das Berlin der siebziger und achtziger Jahre (üb)erlebt hat, kann über die heutige Aufregung um Stickoxide nur lächeln. Damals lag immer die gesamte Heizperiode über Schwefelgestank in der Berliner Luft - wegen der in den vielen Kachelöfen verfeuerten, teils stark schwefelhaltigen Kohle. Und das war nur die Verschmutzung, die man riechen konnte.

    Aber ich freue mich auf die Probleme und Preiserhöhungen, die es geben wird, wenn künftig alles nur noch mit Elektrokarren durch die Stadt befördert werden soll und die BVG ausschließlich mit Elektrobussen (in der Anschaffung dreimal so teuer und noch immer nicht so zuverlässig wie ein Diesel, weshalb man mehr Fahrzeuge als Reserve vorhalten muß - oder eben Fahrten ausfallen) herumkurvt. Natürlich alles gespeist mit Strom aus diesen Windrädern, über die deren Anwohner dann herumjammern.

    P.S.: Was ist eigentlich aus Ozon geworden? Davon hört man fast gar nichts mehr.

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