Am Rande des Park am Gleisdreieck in Berlin-Kreuzberg werden Wohnungen gebaut. (Quelle: imago/Klaus Martin Höfer)
Video: Abendschau | 09.08.2017 | Rainer Unruh | Bild: imago/Klaus Martin Höfer

Genossenschaftsprojekt in Berlin-Kreuzberg - Der Möckernkiez feiert Richtfest

Vor einem Jahr stand Deutschlands größtes Genossenschaftsbauprojekt vor dem Aus, am Donnerstag feierte der Möckernkiez Richtfest. Knapp ein Drittel der 470 Wohnungen am Gleisdreieck sollen Anfang 2018 fertig sein – deutlich später und teurer als geplant. 

Der Möckernkiez, Deutschlands größtes genossenschaftliches Neubauprojekt, hat am Donnerstag Richtfest gefeiert. Noch vor einem Jahr stand das Wohnprojekt nahe dem S- und U-Bahnhof Yorckstraße kurz vor dem Aus. Die Finanzierung wackelte: Die Genossen hatten 2014 ohne ausreichendes Kapital mit dem Bau begonnen. Im vergangenen Jahr übernahm die Genossenschaftsbank GLS die Finanzierung.

Am südlichen Rand des Gleisdreieckparks in Berlin-Kreuzberg entstehen insgesamt 14 Wohngebäude auf 30.000 Quadratmetern. 20 Gewerbeeinheiten sind geplant. Mit dem Richtfest ist für die rund 1.000 künftigen Bewohner des Möckernkiezes das Happy End näher gerückt. Die ersten 140 der insgesamt 471 Genossenschaftswohnungen sollen bis Februar 2018 bezugsfertig sein.

An der Südsotecke des Parkes an der Yorckstraße sind Gebäude eingerüstet, die von der Möckernkiez-Genossenschaft errichtet werden (Quelle: rbb/Wolf Siebert)
Am Rande des Park am Gleisdreieck in Berlin-Kreuzberg. | Bild: rbb/Wolf Siebert

Aus Brache entsteht größtes Genossenschaftsbauprojekt – mit Abstrichen

Fast auf den Tag genau vor zehn Jahren hatten einige Berliner eine Idee: Sie sahen die Brache am Gleisdreieck in Kreuzberg und beschlossen: Hier wollen wir zusammen bauen und wohnen, Alt und Jung, im Kiez und mit dem Kiez. Sie gründeten eine Genossenschaft. Daraus wurde das größte genossenschaftliche Bauprojekt Deutschlands – zwischen Möckern- und Yorckstraße.

Der Anspruch der Genossenschafter: barrierefrei, autofrei, ökologisch und sozial leben. Aber das kostet. Die Gesamtkosten des Bauprojekts stiegen von 80 Millionen auf rund 130 Millionen Euro. Nach dem Baustopp im November 2014 drehte sich anderthalb Jahre lang kein Baukran mehr. Um an das nötige Geld zu kommen, mussten sie im vergangenen Jahr am Konzept schrauben: Sie verkauften Flächen, auf denen die Genossenschaft ein Hotel und einen Bio-Supermarkt bauen wollte. Aus der Kita wurde eine Mini-Kita.

Höhere Einlagen und Mieten machen Traum vom sozialen Wohnen zunichte

Außerdem wurde der Kapitalanteil der Genossenschaftsmitglieder erhöht. Außer den zwei Anteilen für je 500 Euro mussten sie nach erfolgtem Zuschlag für eine Wohnung pro Quadratmeter jeweils 920 Euro Einlage zahlen. Auch die Miete wurde erhöht, die neben den Anteilen jeden Monat fällig werden wird. Die Nettokaltmiete für die künftigen Wohnungen wird nun zwischen 8,62 und 13,04 Euro pro Quadratmeter liegen. 2027 sollen die Mieten um fünf Prozent angehoben werden.  

Hartz-IV-Empfänger hatten bei dem Projekt keine Chance mehr. "Wir hätten uns ein Entgegenkommen von der Politik erwartet", sagte Genossenschaftsmitglied Ulrich Thöne. Er wird einer der ersten Mieter in dem Modellprojekt sein und hätte sich staatliche Unterstützung gewünscht, um Sozialwohnungen zu ermöglichen.

So soll der Möckernkiez einmal aussehen (Quelle: rbb/Möckernkiez eG)
Blick auf den künftigen Möckernkiez vom Gleisdreieckpark aus (Quelle: Möckernkiez eG)Bild: rbb/Möckernkiez eG

Einzugstermin hängt noch vom Wetter ab

Die wenigsten Abstriche gibt es noch bei der Ökologie: Ein Blockheizkraftwerk, betrieben zu 100 Prozent mit Biogas, soll später für Ökostrom und regenerative Wärme sorgen.

Die Möckernkiez-Genossenschaft ist zuversichtlich, dass nun alles glatt geht. "Unser einziges Problem ist der starke Regen", hieß es aus dem Vorstand. Dadurch könne der Estrich nicht trocknen und der Pakettleger nicht loslegen.

Derweil packt Thöne bereits die ersten Umzugskartons. Am 1. Februar will er einer der ersten Mieter sein, die in den Möckernkiez einziehen. Ursprünglich war der kommende November als Einzugsdatum geplant. Zum 1. Juli 2018 sollen dann alle Wohnungen bezugsfertig sein – wenn denn das Wetter mitspielt.

Mit Informationen von Rainer Unruh und Wolf Siebert

Kommentar

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3 Kommentare

  1. 3.

    Ich bin auch völlig begeistert! Ich "kaufe" für immerhin fast 1.000 € pro qm und miete dazu noch zu marktüblichen Preisen, wenn ich es richtig verstanden habe? Also muss ich ein überdurchschnittliches Einkommen haben, um als Zielgruppe in Frage zu kommen. Genau das, was unser Senat möchte: nur die Gutverdiener zahlen die Steuern, die unser BER monatlich verbennt. So sieht nachhaltige Politik aus! Raus mit den sozial Schwachen (am besten ins Umland außerhalb der Stadtgrenzen, dann tauchen sie als Kosten im Haushaltspan auch nicht mehr auf!), rein mit den Gutbürgerlichen, ein Hoch auf die soziale Monokultur!

  2. 2.

    Tja, eine Genossenschaft schafft das wozu die Politik nicht in der Lage ist. Man hätte schon viel früher fertig sein können wenn etwas Unterstützung seitens des Senates damals vorhanden gewesen wäre. Ich glaube, ein Herr Müller war wohl damals (2014) der zuständige Senator.
    Viel Glück den Genossen beim beziehen ihrer neuen Wohnungen.

  3. 1.

    Das sind doch eigentlich gute Nachrichten für eine gute Zukunft in diesem Bezirk. Weniger soziale Problemfälle in dieser Gegend und neue gut verdienende Familien. Warum sollen überall in solch schöne neue Gebäude Leute einziehen, die sich ihren Lebensunterhalt nicht verdienen können und vor allem wollen?

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