Neonazis tragen bei einem Aufmarsch am 19.08.2017 ein Banner mit der Aufschrift "Ich bereue nichts - Nationale Sozialisten Berlin" (Quelle: rbb/David Donschen)
Video: Abendschau | 19.08.2017 | Kerstin Breinig | Bild: rbb/David Donschen

Knapp Tausend stellen sich Heß-Aufmarsch entgegen - Demonstranten blockieren Neonazis in Spandau

Neonazis sind zum 30. Todestag des Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß am Samstag durch Berlin-Spandau marschiert. Ihr eigentliches Ziel erreichten die Neonazis nicht. Sie wurden von rund tausend Gegendemonstranten blockiert.

Etwa tausend Menschen aus linken Gruppen haben am Samstag eine Neonazi-Demonstration in Berlin-Spandau weitgehend blockiert. Die Gegendemonstranten waren in der Nähe des Bahnhofs gestartet, wo sich auch die Rechtsextremisten zu einem Aufmarsch für den Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß versammelt hatten. Während des Aufmarsches wurden die Neonazis immer wieder durch Blockaden von den Gegendemonstranten gestoppt. Laut Polizei hatten sie deswegen ihre Route geändert.

Gegendemonstranten protestieren gegen einen Neonazi-Aufmarsch für Ruolf Heß. (Quelle: rbb/David Donschen)
Demonstranten protestieren gegen Neonazi-Aufmarsch | Bild: rbb/David Donschen

Eigentlich wollten die rund 800 Rechtsextremen vom Bahnhof Spandau über die Klosterstraße in die Wilhelmstraße laufen. Dort stand das ehemalige Kriegsverbrechergefängnis der Alliierten, in dem Heß inhaftiert war und sich am 17. August 1987 im Alter von 93 Jahren selbst tötete. Allerdings wurden sie von Demonstranten an dieser Route gehindert und erreichten ihr Ziel letztendlich nicht. Der Aufmarsch endete gegen 17 Uhr mit einer Kundgebung am Bahnhof Spandau.

In der Spandauer Altstadt läuteten Kirchenglocken, um damit ein Zeichen für Frieden und Toleranz zu setzen.

Zu größeren Zusammenstößen kam es laut Polizei zunächst nicht, wohl allerdings zu einzelnen Zwischenfällen und auch Festnahmen. 

Neonazis wurden vorab kontrolliert

Laut Polizei nahmen an den Gegendemonstrationen rund tausend Menschen teil. Die Zahl der Neonazis wurde zunächst ebenfalls mit "mehreren hundert Teilnehmern" beziffert. Angemeldet worden war der rechte Aufzug zuvor mit rund 500 Teilnehmern. Die Polizei kontrollierte die Teilnehmer des Aufmarsches vorab in Zelten nach verfassungsfeindlichen Symbolen. So sollte laut Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) die "Verherrlichung dieses Kriegsverbrechers" ausgeschlossen werden.

Die verschiedenen Demonstrationen sollten noch bis zum Samstagabend andauern. Rund
1.000 Polizisten waren im Einsatz, um Zwischenfälle zu verhindern.

Rund 250 Rechtsextreme hatten es wegen Störungen im Bahnverkehr aufgrund von Bränden an Kabelschächten nicht zum Demonstrationsort geschafft. Sie hielten eine spontane Kundgebung im benachbarten Falkensee ab. Der Aufzug verlief laut Polizei störungsfrei. Gegen 17:15 Uhr sei es in Falkensee "durch Unbekannte zur Beschädigung einer Scheibe mittels Steinwurf am Büro der Partei BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN. Ein Sachzusammenhang wird im Rahmen der Ermittlungen geprüft", so die Polizei weiter.

Vor dem Aufmarsch hatten zahlreiche Gruppen wie das Spandauer Bündnis gegen Rechts und Parteien wie SPD, Grüne und Linke Proteste gegen die Neonazis angekündigt. Auch auf der linksextremen Internetseite Indymedia waren Gegendemonstrationen angekündigt worden. Ein Naziaufmarsch zum ehemaligen Kriegsverbrecher-Gefängnis müsse mit allen Mitteln verhindert werden, heißt es dort.

Geisel: "Demokratische Grundordnung gilt auch für Arschlöcher"

Forderungen nach einem Verbot der Demonstration hatten sich nicht durchsetzen können. Eine Sprecherin der Senatsinnenverwaltung verwies auf die grundlegende Bedeutung der Versammlungsfreiheit. Geisel sagte dem rbb am Samstag: Zwar wäre ihm ein Verbot der Demonstration sehr sympathisch gewesen, aber die "freiheitlich-demokratische Grundordnung" gelte "leider auch für Arschlöcher". Demokraten müssten das aushalten.

Neonazis beim Aufmarsch zum 30. Todestag von Rudolf Heß in Berlin-Spandau am 19.08.2017 (Quelle: rbb/David Donschen)
rbb/David Donschen

Video: rbb|24 | 19.08.2017

Kommentar

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230 Kommentare

  1. 230.

    Lotte Lass es Dir gut gehen, wir sehen uns auf der nächsten Gegendemonstration! Es werden immer mehr, auch aus der bürgerlichen Mitte, da bin ich mir sicher, weil diese Dummheit und emotionale Unterbelichtung einfach unterträglich ist.

  2. 229.

    Recht so und bloß nicht die Klappe halten vor diesem Braunem Gesockse.
    Alles weitere hast Du schon wunderbar,ehrlich beschrieben.

  3. 228.

    Lotte Danke! Es gibt Menschen, die wollen das nicht so sehen. Es gibt Menschen, die wollen einfach andere Menschen zu Sündenböcken machen, weil sie mit ihrem eigenen Leben unzufrieden sind. Ich habe mich schon mit Menschen unterhalten, die eine sehr rechte Gesinnung hatten. Da geht es um nichts - nur stänkern und sich besser fühlen als andere. So empfinde ich die Diskussion hier auch. Wer mit diesen Nazis sympathisiert und sie dazu noch in der Opferrolle sieht, ist für mich kein Demokrat! Der Nationalsozialismus ist schleichend gekommen, ganz unauffällig und dann sehr gewalttätig. Es ist unser gutes Recht dagegen auf die Straße zu gehen und, dass werde zumindest ich weiter wahrnehmen. Diese ganzen plumpen Vergleiche und Beschimpfungen überzeugen mich überhaupt nicht in ein andere Richtung zu denken. Ich habe mich genug mit der Geschichte diese Landes befasst und weiß, was hier leider möglich war und wieder möglich sein könnnte. Und deshalb sage ich es ganz laut: Währet den Anfängen!

  4. 227.

    Sie können es einfach nicht lassen mich zu schurigeln.Ihrem Kommentar23 nach.Diese Rechten Demonstranten werde ich weiterhin so bezeichnen.

  5. 226.

    Nein, es sind Menschen die anderen Menschen absprechen Menschen zu sein.

    Und deren Sympathisanten hier und anderswo sind auch nicht viel besser.

  6. 224.

    Danke gerngeschehen. Auch an Sie gerichtet: lesen Sie meinen Kommentar 217 einfach mal richtig durch b.zum Ende.Was ist daran beleidigend?

  7. 222.

    Das was sie beleidigend 'Geschreibsel' nennen (tun ... - sorry, der musste sein), gehört zu den wenigen Beiträgen hier, die den Sachverhalt objektiv auf demokratischer Weise -ich würde fast sagen liberal- von allen Seiten beleuchtet. Im Gegensatz dazu schaffen sie es, mit wenigen Worten (wie andere vor ihnen auch) die Thesen von Aggresivität und Beleidigung voll und ganz zu bestätigen - Glückwunsch !

  8. 221.

    Lotte, haben Sie sich da nicht verschrieben ?! ... mit der Wortwahl "Unmenschen" ?!
    Diese Formulierung hinterlässt bei mir die Interpretationsmöglichkeiten, Sie wollten eigentlich "Untermenschen" schreiben, oder haben Sie es noch schlimmer gemeint, nämlich, das sind gar keine Menschen ?!

  9. 219.

    Schön das Sie i.d.Mitte unserer Gesellschaft stehen.Aber auch Sie gehen voll am Thema vorbei.
    Hier geht es darum das Aufrechte Bürger eine Gegendemonstration veranstaltet haben um dem Braunem Mobb/Rassisten gehörig i.d.Suppe zu spucken.Ob da wie hier ständig angeführt wird "nur Linke Chaoten"drunter waren stimmt nicht einmal.

  10. 217.

    Im Kontex haben Sie ja recht u.eine offene u.faire Diskussion halte i.auch f.wünschenswert.Aber letztendlich ist u.bleibt eine derartige" Gesinnungsdemo"v.Seiten dieser Unmenschen nicht mehr zeitgemäß.Diese Leute sind Rassisten u.gehören nicht zum allgemeinem Gesellschaftbild i.Deutschland u.anderswo.
    Was d.Gegendemonstration bei einer Erdogan Veranstaltung betrifft so halte i.diese Problematik für weitaus weniger beängstigend als das der Rechte Pöbel wieder i.Land fussfassen tut.Ich gehe sogar so weit zu behaupten das auch hier nicht alle Türkischen Landsleute mit diesem Despoten einer Meinung sind u.auch unsere Verfassung achten tun.Nach Recht u.Gesetz hier mit uns gerne zusammenleben.

  11. 216.

    Es geht in meinem Beitrag in erster Linie um die Beobachtung, welche offenkundige politische Seite sich hier und anderswo wie darstellt. Aggressivität bis zur Gewalt, Intoleranz und Beleidigungen kommen hier wie auch auf der Straße in den letzten Jahren besonders von linker Seite, die der rechten eben dieses vorwirft - das dokumentiert diese Diskussion perfekt - Not gegen Elend sozusagen, und das betrifft halt auch die Vergangenheit und die Gegenwart politischer Systeme, die weltweit nach diesen Ansichten verfahren. Und wenn Antidemokraten sich als Retter der Welt aufspielen, weil sie gegen Antidemokraten demonstrieren und sich dabei hinter neutralen Organisationen verstecken, dann habe ich tatsächlich ein Problem damit.

  12. 215.

    Was für eine leidige diskussion!
    eine gedenkveranstaltung in form einer angemeldeten demonstation ist doch in unserer demokratie mehr als legitim!
    vielmehr sollte man sich fragen warum der mythos Hess erschaffen, nie aufgearbeitet, und warum er ermordet wurde?!
    sollen doch die paar gestelten da eben demonstrieren, eine gegendemonstration sehe ich eher als kontraproduktiv weil so das eigentliche thema in völlig falsche richtungen geht, wie auch an den zahlreichen kommentaren hier zu sehen ist!
    eine sachliche aufarbeitung wäre wünschenswerter als dieses ständige Anti-gehabe....
    immerhin sollen wir uns doch ewig der vergangenheit erinnern, nicht wegschauen und verdrängen sondern eben auch aufarbeiten, oder sollen wir uns nur an die eine seite der medaille erinnern, der greul und der morde?
    auch finde ich das es einiges anderes wichtigeres gibt, wo man demonstrieren sollte.
    bzw. frag ich mich auch warum gibt es keine gegendemonstration wenn erdokhan anhänger ihre demos zelebrieren?

  13. 214.

    Ja, Sie sind der Übermensch. Meinungsfreiheit und Demokratie interessiert Sie nicht, denn Sie sind das Maß aller Dinge. Was nicht in ihr Weltbild passt wird automatisch zum Rechten oder zum Nazi. Zu viel rot macht braun!

  14. 213.

    Ich bin weder Neofaschistin noch Linksradikale. Ich lebe in der Mitte der Gesellschaft. Im übrigen haben genau die Kommunisten Gleichmacherei betrieben, was letzten Endes gründlich in die Hose gegangen ist. Ich habe das 23 Jahre lang erlebt und bin froh, dass es vorbei ist. Von den Folgen des Faschismus haben mir meine Verwandten erzählt. Und auch hier bin ich froh, dass es vorbei ist. Ich möchte weder Faschisten noch Linksradikale um mich herum haben.

  15. 212.

    Das hat eben genau damit zu tun.... Extremismus hat immer die selben Folgen. Und dabei ist es völlig gleichgültig, ob dieser von rechts oder von links kommt. Sie selbst haben die Argumente geliefert. Gemordet wurde in den KZ der Faschisten ebenso wie in den Arbeitslagern der Kommunisten. Das hat nichts mit Gleichmacherei zu tun.

  16. 211.

    Sie können so einiges nicht verstehen, wahrscheinlich auch nicht warum man diese Nazis stoppen muß(te).

    Was dass dann wiederum mit "Folter und Verfolgung der SED-Diktatur oder die Arbeitslager kommunistischer Systeme für politisch Andersdenkende - wieviele Sozialisten wurden Opfer kommunistischer Gewalt" zu tun hat erschließt sich mir nicht.

    Es sei denn Gleichmacherei, dies ist ein deutlicher Hinweis auf die Vorgehensweise der neurechten Rechtspopulisten.

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