Teilnehmer an der Demonstration "Marsch für das Leben" stehen am 16.09.2017 in Berlin auf der Wiese vor dem Reichstag (Quelle: dpa/ Paul Zinken)
Bild: dpa/ Paul Zinken

Umstrittener "Marsch für das Leben" in Berlin - Gegner von Abtreibung und Sterbehilfe demonstrieren

Unter dem Motto "Die Schwächsten schützen. Ja zu jedem Kind" ziehen Abtreibungsgegner und sogenannte Lebensschützer am Samstag durch Berlin. Kritiker werfen den Teilnehmern religiösen Fundamentalismus vor.

Abtreibungsgegner und -befürworter haben sich am Samstag in Berlin zu mehreren Demonstrationen versammelt.

Rund 2.000 Feministinnen zogen am Vormittag für das Recht auf Abtreibung vom Wittenbergplatz zum Pariser Platz. Dort vereinigten sie sich mit dem Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung, das am Brandenburger Tor einen weiteren Demonstrationszug mit rund 1.000 Menschen bildete. Bunte Luftballons stiegen auf. Der Platz des 18. März wurde von Polizeikräften bewacht.

Parallel dazu setzten sich Abtreibungsgegner mit dem alljährlichen "Marsch für das Leben" vor dem Reichstag in Bewegung. Nach Polizeiangaben versammelten sich dort laut Polizei am Mittag mehrere tausend Menschen. Laut Katholischer Nachrichtenagentur waren es 7.500 Teilnehmer. Auf Plakaten waren Kommentare wie "Töten ist keine ärztliche Kunst" zu lesen. Kritiker werfen den Abtreibungsgegnern religiösen Fundamentalismus vor.

13. "Marsch für das Leben"

Der "Marsch für das Leben" steht in diesem Jahr unter dem Motto "Die Schwächsten schützen. Ja zu jedem Kind. Selektion und Abtreibung beenden". Zu dem Marsch hatte der Bundesverband Lebensrecht aufgerufen. In einem Grußwort dazu erinnerte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, an den Einsatz der Kirche mit dem Ziel, das Leben ungeborener wie geborener Kinder zu schützen.

In Berlin wird der "Marsch" zum 13. Mal vom Bundesverband Lebensrecht veranstaltet, einem Zusammenschluss von 13 Lebensschutzorganisationen. Im vergangenen Jahr hatten nach Angaben der Veranstalter mehr als 7.500 Teilnehmer aus ganz Deutschland an der Demonstration teilgenommen. Gegendemonstranten begleiteten den Zug. Abgesehen von Sitzblockaden war es nach Polizeiangaben friedlich geblieben.

 

Erzbischof bittet um angemessenen Stil

In diesem Jahr wird der "Marsch für das Leben" neben der Deutschen Bischofskonferenz und dem Berliner Erzbischof Heiner Koch auch von mehreren Bundestagsabgeordneten unterstützt. So schickten der Kirchenbeauftragte der Unions-Bundestagsfraktion, Franz-Josef Jung (CDU), der scheidende Bundestagsvizepräsident Johannes Singhammer (CSU) und der CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach Grußbotschaften.

Vor dem "Marsch" erklärte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, in der Gesellschaft werde es zunehmend "normal", Kinder während der Schwangerschaft auf ihre Gesundheit zu testen. Den vorgeburtlichen diagnostischen Möglichkeiten entsprächen jedoch nicht immer auch therapeutische Handlungsoptionen. Deshalb werde nicht selten eine Abtreibung an die Stelle fehlender Therapiemöglichkeiten gestellt. "Dem gilt es klar zu widersprechen", so Marx.

Der Berliner Erzbischof Heiner Koch bittet die Teilnehmer der Veranstaltung, ihren Einsatz für den Schutz des Lebens auch in Inhalten und Stil ihres Auftretens angemessen zu vertreten. In einem Gastbeitrag für eine Zeitung schrieb Koch: "Nur so werden Sie Verständnis bei denen wecken können, die sich - aus welchen Gründen auch immer - dieser Bewegung nicht anschließen wollen". Christen könnten sich nur dann glaubwürdig für den Lebensschutz einsetzen, wenn sie gleichzeitig "zur Lebensgefährdung etwa in der Flüchtlingsfrage nicht schweigen". 

Evangelische Kirche und katholische Laien auf Distanz

Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz beteiligt sich wie in den Vorjahren nicht an der Veranstaltung. Anders als der Bundesverband Lebensrecht stehe die Landeskirche nach Angaben einer Sprecherin für eine ergebnisoffene Schwangerschaftskonfliktberatung, die die Gewissensentscheidung der Frauen und Paare unterstützt. Die Kirchenleitung unterstütze die Arbeit oder Aktivitäten des Bundesverbandes Lebensrechts nicht und begründet dies mit "inhaltlichen Differenzen und der aggressiven Art und Weise, in der der Verband seine Positionen vertritt".

In diesem Jahr unterstützt auch der Diözesanrat der Katholiken im Erzbistum Berlin - die Laienvertretung der Berlin Katholiken - die Veranstaltung nicht uneingeschränkt. Man verstehe, "dass besonders plakative Formen des Protestes wie bei diesem 'Marsch' nicht jedermanns Sache sind und von manchem als der Sache nicht förderlich angesehen werden können", hieß es in einer Erklärung von Anfang der Woche. Bereits im Mai wurde ein Antrag, die Gläubigen des Erzbistums zur Teilnahme an dem Marsch aufzurufen, von einer großen Mehrheit der Vollversammlung abgelehnt.

Sendung: Inforadio, 16.09.2017, 10:30 Uhr

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Antwort auf [Benedetto05] vom 04.10.2017 um 23:25
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104 Kommentare

  1. 104.

    Wenn die Abtreibungsgegner christliche Fundamentalisten wären, würde ich kein Wort der Kritik verlieren.
    Das Dumme ist: Abtreibungen sind mit dem Christentum vereinbar, die Abtreibungsgegner VERFÄLSCHEN das Christentum.
    1.
    Die Katholische Kirche behauptet, ab Befruchtung der Eizelle sei ein mensch vorhanden und wer diesen Menschen abtreibe begehe "Mord im Mutterleib".-
    Das ist schon deshalb Quatsch, weil man, zu der Zeit, als Moses dem Volk Israel die 10 Gebote verkündete, die Eizelle nicht kannte, die wurde erst im 19. Jahrhundert entdeckt.
    Zwotens wäre dann Gott der schlimmste Kindermassenmörder, denn die Hälfte der befruchteten Eier wird "spontan abgetrieben"
    Allein schon deshalb verstossen Abtreibungen NICHT gegen den christlichen Glauben.
    In meinem weiteren leserkommentar fahre ich fort, darzulegen, warum Abtreibungen nicht gegen den christlichen Glauben verstossen.

  2. 103.

    Die Katholische Kirche verschweigt, dass sie es war, welche die von ihr jetzt bekämpfte Fristenregelung erfand und zwar in folgender Form:
    Von 1140-1869, unterbrochen von 1588-1591, gabs im röm.-kath. Kirchenrecht die Sukzessivbeseelung, welche beinhaltete, dass ein männlicher Embryo nach 40 Tagen, ein weiblicher nach 80 Tagen "beseelt" seien und da man damals das Geschlecht des Schwangerschaftsgewebes nicht feststellen konnte, durften Frauen bis zum 80. Tag der Schwangerschaft abtreiben, ohne exkommuniziert zu werden.
    Sowohl die damalige Sukzessivbeseelung als auch die heutige Fristenregelung hatten gemeinsam, dass zu Beginn der Schwangerschaft noch kein Mensch vorliege, sondern erst nach einer bestimmten "Frist".
    Googeln Sie unter "Sukzessivbeseelung" und "Simultanbeseelung".

  3. 102.

    Ich bin Gegner des Relativismus, der sich heutzutage vor allem in der Moral ausbreitet und dazu geführt hat, dass der moderne Mensch nahezu kein Sündenbewusstsein mehr hat (vor allem bei der Sexualmoral). Ihre Akzeptanz der Tötung des Menschen während seiner ersten Lebenswochen im Mutterleib ist das beste Beispiel dafür. Deshalb halte ich absolute Normen für die Menschen und ihr gedeihliches Zusammenleben für unbedingt erforderlich: Nicht töten, nicht lügen, nicht die Ehe brechen, nicht anderen Leuten Eigentum begehren. Das mag oft auch kein einfacher Weg sein, aber ich bin überzeugt: auf Dauer führt das eher zum Glück als „Sex and drugs and rock’roll“ oder „My body, my choice“ usw.
    Tschüss!

  4. 101.

    (Forts.)
    Das ist keine Relativierung sondern die Erkenntnis des Wesens der Schrift. Mir hat dabei folgender Reimvers in englischer Sprache geholfen, dieses Wesen zu erkennen. Gerne lasse ich ihn Ihnen, werte foolsgarden, zu Teil werden: Law war give for grace to seek and grace was give for law to keep. Auf deutsch: das Gesetz wurde gegeben, damit wir uns nach der Gnade (in Christus) sehnen und die Gnade wurde gegeben, damit wir das Gesetz halten können.
    Aber, wie gesagt: diese Gnade Christi, erworben durch sein Kreuzesopfer, ist absolut keine billige Gnade. Wer Christus ablehnt, nicht an ihn glaubt und seine Gebote nicht achtet, der wird das ewige Heil nicht erlangen.

  5. 100.

    Ach, wie möchte ich mit Jesus aufstöhnen („Oh du ungläubige Generation…Wie lange muss ich Euch noch ertragen [Mk 9,19]), wenn ich Ihre verstockten Zeilen lese. Natürlich ist das AT wichtig, aber doch nur als ein einziger Sehnsuchtsschrei nach Erlösung aus der Verstrickung in die Sünden-geneigtheit des Menschengeschlechtes. Es wird gezeigt und zwar sehr realistisch gezeigt, welche verheerende Folgen die Sünden für die einzelnen Menschen aber auch ganze Völker haben (Kriege, Vertreibungen etc.). Das von Moses gebrachte Gesetz allein konnte diese Erlösung nicht bringen. Und hier kommt das Neue ins Spiel: die Gnade Gottes in Christus Jesus. Nur wenn wir Christus nachfolgen, d.h. seine Gebote halten, werden wir Erlösung erlangen und ewiges Heil. Und dieses Neue des NT, also dessen was Christus gebracht hat, das ist das Wesen des christlichen Glaubens. (Forts. folgt)

  6. 99.

    Jetzt muss ich aber doch nochmal reagieren auf das, was Sie so keck daher schreiben.
    Also dann nennen Sie mir mal eine Stelle aus dem NT wo Christus oder ein Apostel (Apostelbriefe, Apostelgeschichte)
    aufruft Ungläubige oder Sünder zu töten. Wohl gibt es Stellen (und nicht zu knapp), wo Sünder gewarnt werden, wenn
    sie nicht rechtzeitig bereuen, Buße tun und umkehren, dann drohen schreckliche Höllenqualen. Ja normal ey, wenn es
    so ist, dann ist es doch die pure Seelsorge davor zu warnen!

    Dann nennen Sie mir bitte christliche Glaubensfanatiker unserer Zeit, die losziehen, um Andersgläubigen und Sündern
    die Köpfe abzuschneiden, sie in die Luft zu sprengen oder mit einem 20Tonner zu überrollen. Da werden Sie aber
    keine Hand voll zusammenkriegen. Und dann zählen Sie mal durch (und zählen bitte schön auch die Opfer), was der
    islamistische Terror seit den späten 90er Jahren bis in die heutige Zeit des IS so alles "geleistet" hat.

  7. 98.

    @Benedetto05: Eine Schrift, die im Kern durch Ihre Anhänger beansprucht, das Nonplusultra an "Liebe, Weisheit und Menschlichkeit - also die höchste moralische Instanz" zu sein, stelle ich mir ehrlich gesagt, deutlich "humaner" und differenzierter vor. Und diese Humanität gilt dann natürlich auch ggü. Andersgläubigen, Homosexuellen usw. Unabhängig davon sollte diese "Schrift der Weisheit" dann auch eineindeutig sein und nicht Auslegungen verschiedenster Art ermöglichen. Im Moment können sich auch christliche Glaubensfanatiker (so Sie das wollen und leider nicht so selten in der Geschichte) allerhand Zündstoff aus der Bibel ziehen, um sich vermeintliche Alibis für religiös motivierte Gewalt zu verschaffen.

  8. 97.

    @Benedetto05: Vielen Dank für die Ergänzung Ihrer Perspektive. Die Hoffnung zum Nachdenken angeregt zu haben, gilt übrigens beiderseits! Leider erschließt sich auch nach Ihrem letzten Kommentar nicht, was an Relativierungen nun eigentlich falsch sein soll? "Etwas mit etwas anderem in Beziehung setzen & es dadurch in seiner Geltung einschränken oder in seiner tatsächlichen Bedeutung klarer erkennen lassen." Das erscheint mir ein guter Ansatz für differenzierte Bewertungen und um diese bemühe ich mich. Dass Sie einerseits Relativierungen verteufeln und
    andererseits im gleichen Atemzug eine Relativierung des Relevanz des Alten Testamentes (AT) ggü. dem NT vornehmen, erscheint mir allerdings etwas inkonsequent. Soweit ich weiß, fusst das NT auf dem AT und bezieht sich oft darauf - schreckliche Strafszenarien gibt es aber auch im NT. So schön es wäre, ausschließlich "Love & Peace & Forgivness" findet man in der Bibel nur, wenn man mind. 1/4 Text ignoriert.

  9. 96.

    (Forts.)
    Sie zu töten oder anderweitiges Unrecht anzutun, wäre Sünde. Und es wäre übrigens auch Sünde, wenn man damit z.B.
    ein anderes Verbrechen verhindern würde. An diesem Gebot ist also, jedenfalls lt. Lehre der katholischen Kirche, nichts
    zu relativieren. Und es ist nur konsequent, dass das auch für Menschen gilt, die ihre Entwicklung im Mutterleib noch
    nicht abgeschlossen haben.

    Damit verabschiede ich mich aus unserem Diskurs, hoffe Sie wenigstens ein wenig zum
    Nachdenken gebracht zu haben und freue mich, dass Sie auch als nicht gläubiger Mensch Ihre "alte Studienbibel"
    noch besitzen. Hoffentlich nicht nur um gegen den Glauben zu arbeiten.

  10. 95.

    (Forts.)
    Ich erinnere nur an die Bergpredigt, wo Jesus eine ganze Reihe seiner Lehrsätze mit den Worten beginnt: "Ihr habt ge-
    hört, dass zu den Alten gesagt worden ist .... Ich aber sage Euch...." (Mt 5,21ff)Unter Bezug auf das Alte Testament (AT) formuliert er also hier seine (neue) Lehre, die das Tötungsverbot, das es auch im AT schon gab, so gar noch verschärft! Und da ich (katholischer) Christ bin, ist natürlich für mich, wie für alle Christen, CHRISTUS maßgebend. Sie können also getrost in Ihr Herz hinein memorisieren: Christentum = Liebe = "Du sollst nicht töten" und diesen Lehrsatz auch nicht wieder versuchen zu relativieren. Das wäre doch auch mal ein guter Kalenderspruch, finden Sie nicht?

    Im Übrigen wollte ich Sie mit meiner als Frage formulierten Annahme, dass Sie nicht gläubig sind, natürlich nicht dis-
    kreditieren. Sie haben natürlich auch als nicht-gläubiger Mitmensch die gleiche Menschenwürde wie der frömmste
    Christ, Moslem, Hindu usw.. (Forts. folgt)

  11. 94.

    Mit meinem Farbbeispiel will ich deutlich machen, dass es Wahrheit gibt und der Mensch sie erkennen kann und sie
    können ruhig davon ausgehen, dass ich dabei von festgelegten und immer wieder reproduzierbaren Bedingungen aus-
    gegangen bin. Und ich bin mir sicher, dass, wenn Physiker unter festgelegten Bedingungen festgestellt haben, daß ein
    Auto rot ist, daß auch Sie das ( unter den gleichen Bedingungen)als rot identifizieren können und eben nicht zu dem
    Ergebnis kommen, es wäre doch grün. Schade, dass Sie diese Conclusion auch wieder wegrelativieren wollen.

    Genau wie bei dem Glaubensgebot "Du sollst nicht töten". Hier verkürzen Sie die Bibel, wenn Sie das Neue Testament,
    also Christus und das Neue, das er gebracht hat, offenbar ignorieren. Und überhaupt die Bibel und den Koran in einen
    Vergleich zu bringen, um auch da wieder zu relativieren, ist nicht seriös.
    (Forts. folgt)

  12. 93.

    @Benedetto05: Und schließlich, um Ihre Frage (oder wollten Sie mich damit schlicht vermeintlich diskreditieren?)zu beantworten: Stimmt, ich bin nicht gläubig - das hatte ich an anderer Stelle bereits geschrieben. Meine Bewertungen resultieren aus einer wissenschaftlichen, humanistischen Sozialisation und natürlich auch aus meiner Lebenserfahrung. Dass der christliche Glaube sagt "du sollst nicht töten" ist, soweit ich weiß, auch nur ein Teil der "Wahrheit" Ihrer Auslegung der Bibel. Steht nicht in der Bibel auch allerhand Grausames (ähnlich wie im Koran)? Ich habe meine alte Studienbibel aufgeschlagen: [5. Mose, 21; 18 - 21] "Todesstrafe für ungeratene Söhne [...] So sollen Sie ihn steinigen alle Leute seiner Stadt, daß er sterbe, und du sollst so das Böse aus deiner Mitte wegtun, daß ganz Israel aufhorche und sich fürchte." Und was ist ff. mit den "Sündigen", die zu töten sind? Das ist wahrlich nicht mein Verständnis einer klug abwägenden und aufgeklärten Gesellschaft.

  13. 92.

    @Benedetto05: Was spricht gegen Kalendersprüche? Enthalten Sie nicht oft tolle Reflektionen? Und irre ich mich oder wird nicht auch die Bibel des Öfteren für Kalendersprüche zitiert? Natürlich kann ein Aphorismus (oder einzelner Satz) niemals als komplexe Wahrheit gewertet werden, per definitionem soll er das aber auch nicht. Es ist schlicht ein Weisheitsspruch, der idealerweise zum Nachdenken anregt. Dass Sie die Tragweite des Zitates nicht erfasst haben, suggeriert Ihr Kommentar mit dem unpassenden Vergleich bzgl. der Farbwahrnehmung. Im Übrigen ist gerade dieser Vergleich zugleich ein Wiederspruch Ihrer Aussage, denn gerade die simpel wirkende Wahrnehmung von Farben, ist eben nicht ganz so trivial und eine in Stein gemeißelte Wahrheit - wie Sie es hier behaupten wollen. Sie erinnern sich eventuell an die Social Media Debatte zur Farbe eines Ballkleides? Wahrnehmung hängt bekanntlich von vielen Faktoren ab und dieses Beispiel hat das kürzlich medial gepusht mehr als verdeutlicht.

  14. 91.

    (Forts.)
    Und eines noch: Sie sind kein gläubiger Mensch, stimmt’s? Und für Euch Atheisten oder Agnostiker gilt doch: Der Mensch ist das Maß aller Dinge, nicht wahr? Sehen Sie und das ist eben der wesentliche Unterschied. Für den Gläubigen gibt’s noch was Größeres, nämlich Gott und offensichtlich ist es doch so, dass Wahrheit nur im Licht des Glaubens erkannt werden kann. Wenn der Glaube sagt „Du sollst nicht töten“, dann gilt das eben auch für eine befruchtete Eizelle und darf nicht relativiert werden. Der Ungläubige aber setzt alles Mögliche dagegen und am Ende rinnen ihm auch noch die letzten Gründe gegen eine Abtreibung wie Sand durch die Finger, weil er nur sich, den Menschen, sieht und blind ist für die Wahrheit.

  15. 90.

    Hey, wo haben Sie denn diesen relativistischen Kalenderspruch aufgegabelt. Der haut mich ja richtig um!
    Da darf ich mit Jesus Christus entgegnen: "Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun."(Lk 23,34) Auf Sie adaptiert: Vater vergib ihr, denn sie weiß nicht, was sie sagt.
    Sie würden wahrscheinlich auch jemandem, der in seinem roten Auto vorfährt, entgegenhalten, dass es ja wohl ziemlich
    fundamentalistisch ist, die These, das Auto wäre rot, zur Wahrheit zu erklären und glatt behaupten, das Auto wäre grün
    und Sie hätten das Recht auf Ihre Meinung zu bestehen. Das würden Sie nicht tun? Aha, gibt's also doch Wahrheit?
    Gerade Ihr so modernen zu meist links gedrehten Mainstream-Menschen werft doch Euren Gegnern immer vor, sie
    würden die (harten) Fakten verschleiern bzw. erst gar nicht erkennen. Wenn diese Fakten aber Euer Weltbild ins Wanken bringen, dann wollt ihr nichts mehr von ihnen wissen. Kein redlich geführter Diskurs!
    (Forts. folgt)

  16. 89.

    @Benedetto05: Es geht also nicht um verschiedene Meinungen und Bewertungen? Wow, nun machen Sie mich ein wenig sprachlos, zumal Sie mir Ihre Meinung bzw. "das Verhältnis dazu" gleichzeitig als Wahrheit verkaufen möchten. Das ist interessant und dazu muss ich ganz und gar nichts mehr "drehen & wenden". Wenn Sie das einzig richtige "Verhältnis zur Wahrheit" für sich in Anspruch nehmen, dann führt unser DIskurs an dieser Stelle nicht weiter.

    Ich halte es bzgl. der sogenannten Wahrheit lieber mit G.C.Lichtenberg: "Die Entscheidung über Irrthum und Wahrheit muß nie, nie das Monopol eines Charakters werden, so wenig als eines Standes. Wahrheits-Monopole einem einzelnen Stande oder Charakter verliehen, sind Beeinträchtigungen für alle übrigen, und wahre Injurien für die Menschheit."

  17. 88.

    Es geht aber nicht um verschiedene Meinungen (wie bei verschiedenen Kunstgeschmäckern oder der Frage Rente mit 70 oder mit 67), sondern um das Verhältnis zur Wahrheit. In diesem Sinne sind Sie auf dem Holzweg, das können Sie drehen
    und wenden wie Sie wollen.

  18. 87.

    @Benedetto05: Es erscheint mir kindisch, dass Sie mir so vehement ein Nicht-Hinsehen-Wollen attestieren und daraus schlussfolgern, dass ich im Gegensatz zu Ihnen auf dem Holzweg bin. Wie so oft bei solchen Debatten und unterschiedlichen Meinungen geht es doch hier vielmehr um unterschiedliche Gewichtungen der Aspekte. Ich bewerte die einzelnen zu berücksichtigenden Interessen und deren Einordnungen schlicht anders als Sie das tun. Sie überhöhen dass "Lebens"-Recht einer befruchteten Eizelle (usw.) ggü. dem Selbstbesimmungsrecht einer Frau - grundsätzlich. Gleichzeitig ist Ihrer EInordnung zufolge ein Mensch ein Mensch, sobald er in der Anlage von Zellen besteht. Entsprechend hat er die gleichen Schutzrechte zu erhalten, wie ein "fertigausgebildeter/geborener" Mensch. Das werte und gewichte ich komplett anders. Für mich ist Zell-Leben, z.B. eine befruchtete EInzelle, keineswegs eins zu eins einem Menschen und mit dem entsprechenden Rechten gleichzusetzen.

  19. 86.

    Forts.
    Daher ist es so wichtig, dass in Lebensmärschen wenigstens ein paar Menschen dagegen auf die Strasse gehen und für das Leben demonstrieren.

  20. 85.

    Forts.
    Da man mit hoher Sicherheit ausschließen kann, daß Sie intellektuell nicht in der Lage sind, die in dieser Frage nötigen Abstraktionen zu vollziehen, kann ich nur zu dem Schluss kommen, dass Sie durch Nicht-Sehen-Wollen des Wesenskerns (also des wesensmäßigen Menschseins der befruchteten Eizelle) versuchen, Ihre Pro-Abtreibungshaltung moralisch zu rechtfertigen. Damit aber befinden Sie sich auf dem Holzweg. Ein Holzweg der in Deutschland werktäglich 15 Schulklassen (=400 Kindern, also Menschen) das Leben kostet.
    Somit kann man, bezogen auf die Ebene unserer Nation, einer wohlhabenen Nation, einer Nation, welche sich ohn’ Unterlass ihrer freiheitlichen Werte rühmt, nur von einer Schande sprechen, wenn sie es achselzuckend und bei den Feministinnen sogar mit großer Zustimmung akzeptiert, dass jährlich 100.000 Menschen im Mutterleib getötet werden.
    (Forts. folgt)

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