Archivbild: Polizisten trainieren auf einem Schießstand in Berlin (Quelle: dpa/Rainer Jensen)
Video: Abendschau | 11.09.2017 | Gabi Probst | Bild: dpa/Rainer Jensen

Berliner Polizeipräsident will Zeichen setzen - Erkrankte Schießstand-Polizisten sollen entschädigt werden

Berliner Polizisten haben jahrelang in schadstoffbelasteten Schießständen trainiert – einige von ihnen sind deshalb erkrankt. Jetzt will die Landesregierung sie entschädigen. Polizeipräsident Kandt will sich dafür einsetzen, dass das so schnell wie möglich geschieht.

Berlins Polizeipräsident Klaus Kandt will sich persönlich für eine unkomplizierte Entschädigung von  Polizisten einsetzen, die im Zusammenhang mit schadstoffbelasteten Schießanlagen erkrankt sind. Das sagte er am Montag dem rbb.

Es stehe fest, dass die Schießanlagen nicht in Ordnung gewesen seien, so Kandt. Wer durch die Schießanlagen erkrankt sei, solle auch einen Schadenersatz bekommen. "Dafür setze ich mich ein, denn auf das Ergebnis der Studie müssen wir zu lange warten", sagte Kandt dem rbb. "Ich würde gern ein Zeichen setzen und auch deutlich machen, dass wir für die Kollegen da sind, unsere Verantwortung übernehmen und die Dinge zeitnah klären. Ich will die Beweispflicht umkehren."

Innensenator Geisel reicht Antrag ein

Innensenator Andreas Geisel (SPD) reichte dazu am Montag einen entsprechenden Antrag im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses ein. Nach Angaben des Grünen-Abgeordneten Benedikt Lux, einem Vorreiter in Sachen Entschädigung, sollen zunächst rund 3,4 Millionen Euro in den Haushalt eingestellt werden: "Das ist ein Durchbruch. Es wird noch einiges zu klären sein, doch die Entschädigung ist Regierungswille."

Der rbb hatte den Fall 2015 recherchiert und öffentlich gemacht. Interne Gutachten der Polizei belegen, dass die Abluftanlagen bei verschiedenen Schießständen nicht funktionierten und vor allem Schießtrainer und SEK-Beamte über viele Jahre die giftigen Pulverdämpfe einatmeten.

Schießtrainer "Begrüße es, wenn Verantwortung übernommen wird"

An der Seite der Polizisten kämpft seit mehr als zwei Jahren auch der Bund Deutscher Kriminalbeamter. Ihr Vorsitzender Michael Böhl sagte dem rbb: "Es ist ein Anfang und es wird Zeit, dass die betroffenen Kollegen auch rehabilitiert werden."

Der betroffene Polizist und Schießtrainer, Uwe S. (52) hegt nun endlich wieder Hoffnung. "Meine Gesundheit kann mir keiner zurückgeben. Die Schwermetalle in meinem Körper verursachen immer wieder Entzündungen. Trotzdem begrüße ich es, wenn endlich Verantwortung für uns übernommen wird und es etwas Gerechtigkeit gibt."

Sendung: Abendschau, 11.09.2017, 19.30 Uhr. Informationen von Gabi Probst.

Kommentar

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3 Kommentare

  1. 3.

    Man hätte auch "durch Schießstand erkrankte..." schreiben können. Schießstand-Polizisten ist eine ziemlich bekloppte Bezeichnung. In Streifenwagen verunfallte Polizisten nennt man ja auch nicht Streifenwagen-Polizisten...

  2. 2.

    Gild die neue Regelung auch für ehemalige Mitglieder der FreiwilligenPölizeiReserve?Von 1963-1975 dabeigewesen.Schiesstände Ruhleben-Schulzendorf-Kruppstrasse.

  3. 1.

    Das die betroffenen Polizisten wenigstens etwas entschädigt werden sollen ist sicherlich erfreulich, aber es deutet auch darauf hin, das die Behördenleitung wohl ein "schlechtes" Gewissen hat. Ich hoffe nicht dass sich dadurch die Verantwortlichen wie Herr Glietsch und Frau Koppers "freikaufen" wollen. Hier sollte die Staatsanwaltschaft sich nicht blenden lassen.

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