Symbolbild Berliner Schulhof (Quelle Archivbild: dpa/Robert Schlesinger)
Audio: Inforadio | 01.09.2017 | Leonard Wagenbreth | Bild: dpa/Robert Schlesinger

Überfüllte Grundschule im Wedding - Essen in vier, Pausen in zwei Schichten

Gegessen wird in der Erika-Mann-Grundschule in Berlin-Wedding in vier Schichten, auf den Schulhof geht's in zwei. Denn die Schule ist hoffnungslos überfüllt. Und jetzt kommt sogar noch eine weitere Klasse hinzu - symptomatisch für Berlin. Von Leonard Wagenbreth

Zu wenig Platz, zu wenig Lehrer, aber immer mehr Schüler: Das ist – wie an vielen anderen Schulen Berlins – auch das Problem der Erika-Mann-Grundschule im Wedding. Lehrer und Eltern protestierten schon vor zwei Monaten gegen die Überfüllung ihrer Schule. Vor zwei Jahren musste auf dem ohnehin schon begrenzten Raum zusätzlicher Platz für zwei weitere Klassen freigemacht werden. Jetzt soll eine dritte neue Klasse hinzukommen.

Die Auswirkungen auf den Schulalltag sind für Jan Krebs, den Vorsitzenden der Gesamtelternvertretung, fatal. "Wir sind ja schon jetzt in der Situation, dass in vier Schichten nacheinander in der Mensa gegessen wird, weil einfach nicht mehr Platz da ist. Und die Pause findet in zwei Schichten nacheinander statt, weil der Hof zu klein ist", sagt Krebs.

Neue Schulen sind geplant, aber nicht fertig

Das zeigt: Die Erika-Mann-Grundschule ist am Ende ihrer Möglichkeiten. Klassenübergreifendes Lernen ist für die neuen Klassen nicht mehr möglich. Für Tanz- und Theaterkurse fehlen Räume. Beides sind eigentlich Markenzeichen der Erika-Mann-Grundschule und Teil des pädagogischen Konzepts.

Lernwerkstatt, Computer- und Freizeitraum mussten bereits neuen Klassenräumen weichen. Neue Schulen sind zwar in Planung und zum Teil auch schon in Bau. Zum Start des Schuljahres werden sie aber noch nicht fertig sein. Jan Krebs fordert, "dass zumindest bis zum kommenden Schuljahr die fehlenden Schulplätze in irgendeiner Notfall-Variante bereitgestellt werden. Und da sind wir jetzt auch ganz konkret im Gespräch darüber, ob man das mit Containern irgendwie machen kann und was da möglich ist."

Genau das versucht Carsten Spallek (CDU), Bezirksstadtrat für Mitte, derzeit. Händeringend sucht er nach freien Flächen für Schul-Container. Wo es geht, soll an bestehende Grundschulen angebaut werden. Die Schulbezirke neu zuzuschneiden ist ein weiterer Ansatz. Denn während Schulen in Nord-Wedding besonders voll sind, ist in Alt-Mitte sogar noch Platz. Doch "nach dem Prinzip 'kurze Beine, kurze Wege' müssen die Schulen wohnortnah sein", sagt Spallek. "Man kann den Schulweg nicht beliebig weit zuschneiden – er muss immer noch zumutbar sein."

Entspannung könnte in vier bis fünf Jahren eintreten

Auch für die nächsten Jahre erwartet Spallek mehr und mehr Schüler. In die fertigen Häuser in der Europa-City am Hauptbahnhof beispielsweise werden neue Familien einziehen. Und auch der Wedding wächst weiter. Für Spallek, der erst seit zehn Monaten im Amt ist, hat man zu spät auf diese Entwicklungen reagiert. "Es war schon vor vielen Jahren klar, dass die Zahl der schulpflichtigen Kinder steigen wird. Deswegen hätte aus meiner Sicht auch geholfen, wenn man viel frühzeitiger entsprechende Maßnahmen eingeleitet hätte. Statt eben – wie vor bis vor einigen Jahren geschehen – einzelne Schulgebäude abzugeben, zu verkaufen, die wir jetzt gut brauchen könnten, aber nicht mehr haben."

An der Erika-Mann-Grundschule wird es wohl erst in vier bis fünf Jahren wieder weniger Schüler geben. Denn dann soll eine neue Schule an der Reinickendorfer Straße fertig sein.

Beitrag von Leonard Wagenbreth, Inforadio

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7 Kommentare

  1. 7.

    Ja genau. Die Kinder sind total überforder mit all dem Theater.
    Selbst wenn die Schule früher noch schlechter gewesen sein sollte sollen wir uns denn zurück entwickeln,?

  2. 6.

    Darf ich mal von "früher" erzählen? Meine Kindheit und Jugend lagen in den 70er und 80er Jahren. Die Klassenstärke schwankte meiner Erinnerung nach in den 10 Jahren immer zwischen 27 und 32 Schülern. Das war in Ordnung und ging auch ganz gut. Wenn ich mir den Artikel so durchlese und an die heutige Zustände denke, könnte ich mir gut vorstellen, dass der Einstieg ins Leben - besonders für die Kleinsten - ziemlich anstrengend, um nicht sogar "stressig" zu sagen, wird. Die heutige Zeit ist sowieso schon sehr mit Reizüberflutung beladen. Dazu kommt noch das ganze "Intergrationsgedöns". Ich bin kein Freund von Privat- oder Waldorff-Schulen, weil ich denke, dass diese Schulen nicht wirklich auf das wahre Leben "da draussen" vorbereiten. Aber Weddinger Zustände sind sind m.M.n. dann auch wieder zu heftig.

  3. 5.

    Gut, dann führen wir bitte auch wieder die Prügelstrafe ein und wer es sich nicht leisten kann, zur Schule zu gehen, der kommt halt nicht. Zusätzlich führen wir wieder Plumpsklos ein, geheizt wird nur noch mit Kohle, sofern sie welche bekommen. Das Essen wird rationiert und die Hälfe der Häuser werden zum Teil abgerissen und als Ruinen stehen gelassen. Die Regierung wird abgeschafft und wir bekommen wieder eine Besatzungsarmee, ein Teil der Bevölkerung geht zurück in Kriegsgefangenschaft.
    Hab ich noch etwas vergessen, um das Flair von vor 70 Jahren einzufangen?

    Wozu sollte sich denn unsere Gesellschaft weiterentwickeln, früher war doch alles so viel besser.

  4. 4.

    Nein, aber Frau Merkel hat die Länder mit den
    Folgen ihrer Flüchtlings Politik alleine gelassen.
    Ohne irgendein Konzept.

  5. 3.

    na und ?
    natürlich eine andere Zeit--ABER
    Klassen mit 45-50 Schülern waren normal
    Essen in Schulen--wie gut haben es die Kinder heute---
    Aber wirsind ja 70 Jahre weiter---aber die Schulen sind da sehr zurück m.M.nach-------
    Also am 24. die Richtigen wählen und es geht vorwärts------

  6. 2.

    Man Bildungspolitik ist Ländersache!
    Was hat das mit Fr. Merkel zu tun?

    Wie kann man schriftlich so einen Abfall produzieren?

    Unsinn quatschen kann hier jeder. Wohl an einer überfüllten Schule mit Lehrern als Quereinsteiger ohne Deutschkenntnisse gewesen?!

  7. 1.

    Na das ist aber erfreulich,da werden die Berliner Schüler ja bei der nächsten Pisa Prüfung noch besser abschneiden.
    Quereinsteiger die im Schnellverfahren Lehrer
    werden. Kinder die nicht richtig Deutsch sprechen können und nun noch überfüllte
    Klassen.
    Super Aussichten.
    Danke verehrte Frau Merkel wie gut das alles
    weitsichtig durchdacht ist.
    Aber wir schaffen das, fragt sich bloß auf wessen Kosten. In dem Fall unser Zukunft wie die Politik immer so schön sagt.

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