Obdachlose am kleinen Tiergarten in Berlin. (Quelle: imago)
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Interview | Berliner Caritas-Chefin Ulrike Kostka - "Wir brauchen einen Obdachlosen-Gipfel im Kanzleramt"

Nach dem Hilferuf aus Berlin-Mitte stehen Obdach- und Wohnungslosigkeit wieder ganz oben auf der Agenda. Eine vom Senat geleitete "Task Force" soll klären, wie sich die Lage im Tiergarten entschärfen lässt. Die Caritas dagegen fordert Gespräche auf höchster Ebene.

Die Caritas-Direktorin des Erzbistums Berlin, Ulrike Kostka, hat ein Gipfeltreffen von Politik, Wohnungshilfe-Experten und Wohlfahrtsverbänden im Bundeskanzleramt gefordert. Nach der Bildung einer neuen Bundesregierung müsse dieser Wohnungs- und Obdachlosen-Gipfel im kommenden Frühjahr stattfinden, sagte Kostka am Donnerstag dem rbb.

Die Direktorin des Caritasverband Berlin, Ulrike Kostka, und der Erzbischof von Berlin, Heiner Koch. (Quelle: dpa/Gregor Fischer)
Die Berliner Caritas-Direktorin Ulrike Kostka | Bild: dpa

Wohnungslosigkeit inzwischen auch in der Mittelschicht

Ein solches Treffen sei wichtig, um gegen die zunehmende Wohnungs- und Obdachlosigkeit vorzugehen, unter der große Städte wie Berlin, aber auch viele mittelgroße Städte litten, sagte die Berliner Caritas-Chefin. Vor allem in Berlin werde das Problem immer größer, wobei das Thema der Wohnungslosigkeit inzwischen auch in der Mittelschicht angekommen sei.

Schuld daran sei die weiter um sich greifende Verdrängung in den Innenstadt-Bereichen, die dazu führe, dass sich viele Menschen ihre Mietwohnung nicht mehr leisten könnten. Inzwischen seien mindestens 8.000 wohnungslose Menschen in Berlin ordnungsrechtlich untergebracht. Aus Sicht der Caritas würden aber mindestens 1.000 weitere Plätze mit qualifizierter Beratung benötigt, sagte Kostka. Wichtig sei dabei auch die Möglichkeit muttersprachlicher Beratung.

Untergebrachte Wohnungslose in Berlin 2013 - 2016 (Senatsverwaltung für Soziales)

Jahr 2013 2014 2015 2016
Wohnungslose 7.826 9.615 16.696 30.718

Laut Sozialverwaltung liegt die Steigerung im Wesentlichen an der hohen Zahl der anerkannten Geflüchteten, die inzwischen Anspruch auf eine Wohnung haben. Zur Zahl der Obdachlosen gibt es derzeit keine offzielle Statistik. Die Liga der Wohlfahrtsverbände schätzt die Zahl der Obdachlosen in Berlin aktuell auf 4.000-8.000.

Obdachlosenhilfe ist mehr als Kältehilfe

Auch die Obdachlosigkeit dürfe nicht immer nur aus dem Blickwinkel der winterlichen Kältehilfe betrachtet werden, sagte Kostka. Inzwischen lebten 1.000 bis 2.000 Menschen in Berlin dauernd auf der Straße. Zu ihnen gehörten zum Teil auch Armutsmigranten aus anderen EU-Staaten, die aufgrund der herrschenden Freizügigkeit nicht einfach abgeschoben werden könnten, unter ihnen auch die Menschen, die seit einiger Zeit im Tiergarten campierten.

Die kürzlich vom Senat einberufene "Task Force", die das Problem im Tiergarten lösen soll, bezeichnete Kostka als "reinen Aktionismus". Stattdessen bräuchte man eine gemeinsame Strategie aller Beteiligten, um Wohnungs- und Obdachlosigkeit nicht nur im Winter sondern das ganze Jahr über nachhaltig begegnen zu können.

Ein Obdachloser sammelt an der Friedrichstraße Pfandflaschen (Quelle: dpa/Steinberg)
Bild: dpa

Abschiebung obdachloser EU-Bürger rechtlich nicht möglich

Anfang Oktober hatte der Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte, Stephan von Dassel (Bündnis90/Die Grünen), über schlimme Zustände im Tiergarten berichtet. Dort würden inzwischen 50 bis 60 Obdachlose übernachten und sehr aggressiv auf Ansprache durch die Mitarbeiter des Bezirksamtes reagieren. Hinzu kämen Drogenmissbrauch und Prostitution. Der Tiergarten sei "außer Kontrolle", daher müsse der Senat die Abschiebung der überwiegend aus Osteuropa stammenden Menschen prüfen, hatte der Grünen-Politiker gesagt. Dies sei aber schon rechtlich nicht möglich, sagte Kostka im Interview mit dem rbb.

Hier das vollständige Gespräch mit der Berliner Caritas-Chefin. Das Interview führte Ute Schuhmacher.

rbb: Frau Kostka, was halten Sie davon, aggressive und straffällige Obdachlose abzuschieben?

Ulrike Kostka: Abschiebung von obdachlosen Menschen bringt aus meiner Sicht recht wenig. Außerdem ist es in vielen Fällen rechtlich gar nicht möglich, weil es EU-Bürger sind. Ihnen das Recht auf Freizügigkeit zu entziehen, ist ein recht komplexer Prozess. Entscheidend ist, dass an den Ursachen gearbeitet wird.

Und wie hoch schätzen Sie den Anteil von EU-Bürgern unter den Obdachlosen in Berlin?

Ich gehe davon aus, dass es deutlich mehr als 50 Prozent sind. Sie kommen aus unterschiedlichsten EU-Ländern, sind teilweise aber auch schon seit Jahren hier und leben in so einer Zwischenwelt. Mal haben sie Arbeit, mal nicht. Mal haben sie eine Unterkunft und mal nicht. Wir haben einfach eine Armutsmigration in den europäischen Ländern, und da ist Berlin auch ein Sehnsuchtsort, wo sich viele Menschen hinbegeben. Viele landen dann in Schwarzarbeit und werden auch von ihren Arbeitgebern ausgebeutet, erleben dann so eine Abstiegsleiter und kommen nie auf dem Arbeitsmarkt an.

Wie erklären Sie sich, dass die Zahl der Obdachlosen zuletzt so deutlich gestiegen ist?

Einmal hat die Armut in verschiedenen EU-Ländern zugenommen, das muss man ganz deutlich sagen. Außerdem hat die Wohnungsnot zugenommen, und so kommt es auch dazu, dass Menschen schneller ihre Wohnung verlieren und dann in der Obdachlosigkeit landen. Die Verdrängung auf dem Wohnungsmarkt ist ganz deutlich zu spüren. Und dann kommen vielleicht noch psychische Probleme oder Schuldenprobleme hinzu, und dann ist irgendwann auch die Wohnung weg, und dann landen Menschen in Notunterkünften. Dort halten sie es vielleicht nicht aus und werden dann obdachlos.

Hat sich auch die Flüchtlingskrise ausgewirkt?

Ja, es gibt auch Geflüchtete, die wohnungslos werden, das sind zum Beispiel Menschen, die aus Unterkünften immer wieder rausgeworfen werden, weil sie sich nicht an die Hausordnung halten, oder die auch aus irgendwelchen Gründen, auch aus psychischen Gründen, gar nicht in einer Unterkunft leben wollen. Die Gruppe ist nicht klein, aber auch nicht ganz groß. Aber auch diese Zahl ist bisher nicht erhoben. Daher können wir auch dort nur von Schätzungen ausgehen.

Und wie viele Menschen in Berlin leben dauerhaft auf der Straße?

Man geht davon aus, dass in Berlin ca. 1.000 bis 2.000 Menschen direkt auf der Straße leben – und diese Zahlen sind eher steigend. Und dann gibt es eben Menschen, die teilweise auf der Straße leben, einige Wochen oder Monate, aber eben nicht dauerhaft. Mal sind sie im Winter in der Kältehilfe, dann ziehen sie wieder nach draußen - das ist sehr, sehr unterschiedlich, und wir fordern seit längerer Zeit den Senat auf, endlich eine entsprechende Wohnungslosen-Statistik einzuführen – denn wir brauchen in der Obdach- und Wohnungslosigkeit endlich eine Strategie , die den unterschiedlichen Zielgruppen auch gerecht wird.

Welche Erkenntnisse ließen sich aus solchen Statistiken gewinnen?

Ganz entscheidend ist, dass wir erst einmal einen Ist-Stand haben – und wir können dann vor allen Dingen die Entwicklung beobachten. Das heißt, man kann Zahlen vergleichen, man kann schauen, wie entwickelt es sich in einzelnen Bezirken, und man kann ein Monitoring durchführen und sehen, woher die Menschen kommen. Nur mit einer solchen Statistik kann man den Bedarf für die Hilfen genau festlegen.

Es gibt ja schon einzelne Bundesländer, die eine solche Statistik haben, zum Beispiel Nordrhein-Westfalen, aber wir fordern, dass dieses Thema auf Bundesebene gehoben wird, denn wir beobachten in viele Großstädten und auch mittleren Städten, dass die Wohnungslosigkeit und - als Teilphänomen davon - die Obdachlosigkeit, deutlich zunimmt. Dabei ist Nordrhein-Westfalen eine Art Vorbild, auch von der Methodik her, denn oft sind ja Wohnungslose gar nicht ohne weiteres anzutreffen. Daher gibt es in NRW eine Stichtagsregelung, wobei an einem bestimmten Tag in allen Einrichtungen und überall, wo man Wohnungslosen begegnet, die Zahlen erhoben werden, und das funktioniert ganz gut.

Gibt es noch weitere Forderungen der Caritas, um das Thema Wohnungslosigkeit in den Griff zu bekommen?

Wohnungshilfe und Wohlfahrtsverbände müssen gemeinsam fachlich fundierte und nachhaltige Strategien entwickeln – und dazu kann ich mir vorstellen, dass wir als Wohlfahrtsverbände den Senat und alle Akteure an einen Tisch holen, um eine Agenda für Berlin zu entwickeln. Dazu können wir als Caritas auch gerne einladen - weil wir die Themen bei der Ursache packen müssen. Das, was wir gerade mit der Tiergarten-Task-Force erleben, ist reiner Aktionismus.

Dann brauchen wir natürlich Wohnungen, das ist ein ganz entscheidendes Thema, und gezielte Hilfen für unterschiedliche Zielgruppen. Wohnungslos und obdachlos ist schon nicht das Gleiche, aber auch unter den Obdachlosen gibt es große Unterschiede.

Zurzeit haben wir eine starke Konzentration auf die Kältehilfe und den Ausbau der Plätze. Das reicht aber nicht aus. Wir brauchen eine ganzjährige Strategie, und dazu gehört auch, dass sich das Land Berlin dringend an den Bund wenden muss. Wir brauchen einen Gipfel im Kanzleramt zu diesem Thema, denn EU-Politik, Bundespolitik und Landespolitik wirken hier gemeinsam.

Ich stelle mir vor, dass die neue Bundesregierung im nächsten Frühjahr zu einem Gipfel ins Kanzleramt einlädt, bei dem dieses Thema wirklich aus allen Richtungen beleuchtet wird, denn es ist ein wachsendes Thema, und ich erlebe wirklich bundesweit, dass immer mehr Städte damit überfordert sind und dass es zunehmend Konflikte gibt. Und wie gesagt: Ordnungsrechtlich allein wird man dem nicht begegnen können, sondern wer sich auf Europa eingelassen hat, muss sich auch auf die sozialen Themen Europas einlassen. Nur auf die Pauke hauen hilft nicht.

Da sich die Bundesregierung nun erst einmal neu aufstellen muss, würde es aber noch eine Weile dauern, bis ein solcher Gipfel zustande kommt.

Trotzdem ist das ein wachsendes Problem und wird auch im Winter ein zunehmendes Problem sein. Und ich sehe, dass bei einer solchen Diskussion in der Bevölkerung der Eindruck entsteht, dass wir das Problem nicht im Griff haben. Und ich würde mir wünschen, dass wir jetzt gerade diese Situation im Tiergarten zum Anlass nehmen, die zunehmende Wohnungslosigkeit und eine steigende EU-Armutsmigration zum Thema zu machen, und eine neue Bundesregierung könnte im Frühjahr auch gut dazu einladen – als Zeichen dafür, dass man diese Themen hört. Denn das bewegt ja ganz viele Menschen, auch, wenn sie gar nicht obdachlos sind, zum Beispiel, wenn sie nur eine kleine Rente haben.

Wenn man den Menschen Wohnungen und soziale Hilfen anbietet: Werden dann nicht noch mehr Menschen kommen?

Bei den Menschen, die hier sind und die auch bleiben, muss man gucken, dass sich soziale Probleme nicht potenzieren. Da ist es wichtig, die Menschen durch gezielte Beratung beispielsweise vor dem Schwarzmarkt zu schützen und dafür zu sorgen, dass sie eine vernünftige Perspektive bekommen. Dazu benötigen wir auch muttersprachliche Beratung.

Für viele ist es auch wichtig, dass sie darüber aufgeklärt werden, dass sie hier einfach keine Chance haben, und dass sie dann gegebenenfalls auch wieder zurückkehren. Dabei muss man den Leuten individuell weiterhelfen, auch in dem Sinn, dass sie zum Beispiel ohne Gesichtsverlust in ihre Heimat zurückkehren können oder dass sie in Hilfesystem hier in Deutschland weitergeleitet werden.  

Der nächste Punkt ist: Wir müssen viel stärker mit den Heimatländern zusammenarbeiten. Als Caritas sind wir ja weltweit tätig, und wir merken: Wenn wir die Heimatländer stärken, wenn wir dort zum Beispiel Bildung- und Arbeitsmarktchancen stärken, dann bleiben die Leute auch eher, denn wer verlässt schon gerne seine Heimat?

Jüngsten Zahlen zufolge ist nicht nur die Obdachlosigkeit ein großes Problem, sondern auch die Wohnungslosigkeit. Demnach gab es Ende 2016 rund 30.000 Menschen in Berlin, die keine eigene Wohnung hatten – deutlich mehr als noch vor drei oder vier Jahren.

Die Wohnungslosigkeit in Berlin hat deutlich zugenommen, weil einfach der Mietermarkt immer enger wird, das heißt: Es stehen weniger Wohnungen zur Verfügung, die bezahlbar sind, die Mieten steigen enorm, und wir haben natürlich auch eine wachsende Stadt, und viele Menschen geraten in die Situation, dass sie sich ihre Wohnung nicht leisten können, obwohl sie zum Beispiel eine Arbeit haben – es gibt also Verdrängungsphänomene.

Ich sehe mit großer Sorge, dass die Wohnungslosigkeit zunimmt – und sie ist auch schon in der Mittelschicht angekommen. Wir merken, dass das auch ein Thema ist für junge Familien, in denen zum Beispiel beide Eltern arbeiten, aber die Miete steigt, weil Investoren versuchen, mit der Immobilie doch mehr zu erreichen, und die bisherigen politischen Maßnahmen, wie zum Beispiel die Mietpreisbremse, nicht ausreichend greifen. Und wir haben noch immer zu wenig sozialen Wohnungsbau.

Die Senatssozialverwaltung sagt, dass in der hohen Zahl der Wohnungslosen auch viele Geflüchtete auftauchen.

Ja, natürlich steigt die Zahl der wohnungslosen Flüchtlinge, wenn sie eine Aufenthaltsgenehmigung haben und dann in die Zuständigkeit der Jobcenter und der Bezirksämter fallen und dann als wohnungslos registriert werden, wenn sie eben noch keine Wohnung haben. Wir merken auch, dass es für Geflüchtete sehr schwierig ist, eine Wohnung zu finden. Da befinden sie sich natürlich in Konkurrenz mit vielen anderen, und das bedeutet, dass die Menschen viel länger in den Unterkünften bleiben als eigentlich notwendig.

Können Sie sagen, wie groß der Anteil der Geflüchteten unter den Wohnungslosen ist?

Auch das sind nur Schätzungen. Es ist aber ein relativ niedriger Anteil. Der Anstieg kommt eher wegen der Verdrängung zustande, dass Wohnung verloren gehen, zum Beispiel nach Zwangsräumungen. Dann ist es ganz häufig so, dass dann die Wohnung weg ist, weil sie anschließend teurer vermietet wird. Deswegen ist die Prävention von Wohnungsverlust so extrem wichtig. Und wir erleben auch, dass Wohnung gekündigt werden, die wir als Wohlfahrtsverbände gemietet haben, und die wird dann nicht mehr belegen können.

Wenn jetzt die kalte Jahreszeit beginnt, wird auch die Kältehilfe wieder wichtig. Laut Sozialverwaltung stehen nach der Aufstockung im vergangenen Jahr rund 920 Plätze zur Verfügung. Ist das aus Ihrer Sicht ausreichend?

Im Prinzip ja. Rund 1.000 Kältehilfe-Plätze sind eine gute Zahl für Berlin. Damit sind wir im letzten Winter ganz gut zurechtgekommen. Allerdings ist es schwierig, diese Zahl auch wirklich zu erreichen, denn nicht immer stehen alle Plätze zur Verfügung. Gut wäre es, wenn das Angebot verlässlich wäre. In diesem Winter werden wir die Situation besonders beobachten müssen, denn überall in der Stadt gibt es mehr Wohnungs- und Obdachlose, und ich hoffe sehr, dass die tausend Plätze reichen. Ich finde es aber entscheidend, dass man das Kältehilfe-Modell, das  ein Notfall-System, nicht als Standardsystem für das ganze Jahr sieht – sondern wir brauchen verlässliche, ganzjährige Unterkünfte mit guter Beratung.  

Wie viele dieser Plätze gibt es denn bisher und wie viele werden aus Ihrer Sicht noch benötigt?

Bisher haben wir mindestens 8.000 Menschen, die in Berlin über die Bezirke ordnungsrechtlich untergebracht sind, zum Teil in Hostels. Wir brauchen aber sicherlich mindestens noch weitere 1.000 qualifizierte Unterkünfte mit Beratung – wenn nicht noch mehr. Das wäre wichtig, damit in diesen Unterkünften dann auch eine Beratung stattfindet, die die Ursachen der Wohnungslosigkeit oder der Obdachlosigkeit klärt und die Menschen weitergeleitet werden. Nur Unterkunft allein reicht nicht aus, sondern es braucht eine Wegleitung der Leute, eine Weiterleitung in andere Systeme oder vielleicht auch zurück in ihre Heimatländer.

Wie viele wohnungs- bzw. obdachlose Frauen mit Kindern gibt es denn in Berlin?

Ja, man geht davon aus, dass etwa zehn Prozent der Wohnungslosen in Berlin Frauen sind, einzelne davon haben auch Kinder, und wir sind froh, dass in den letzten ein, zwei Jahren auch der Senat dieses Problem erkannt hat und es inzwischen spezielle Einrichtungen gibt, in den auch obdachlose Frauen mit Kindern unterkommen können.

Der rot-rot-grüne Senat hat angekündigt, auch die Zahl der Unterkünfte für wohnungslose Familien aufzustocken, und zwar von 30 auf 100 Plätze. Das klingt nicht sehr viel …

Grundsätzlich sind wir erst mal sehr froh, dass die Plätze für wohnungslose Familien aufgestockt werden, denn wir erleben immer wieder, zum Beispiel bei „Evas Obdach“ vom Sozialdienst katholischer Frauen an der Hedwigs-Kathedrale, dass Frauen anfragen, ob sie auch mit Kindern kommen können. Das ist dort aber nicht möglich und in vielen anderen Einrichtungen auch nicht. Deswegen ist das erstmal positiv.

Aber natürlich sollten wohnungslose Familien so schnell wie möglich in Wohnungen vermittelt werden. Ganz viele Plätze zu schaffen, könnte dagegen dazu führen, dass Familien in solchen Übergangssystemen hängenbleiben, da muss man nach dem Motto verfahren „So viel wie nötig, aber so wenig wie möglich“.

Wir sind zumindest sehr froh, dass es jetzt diese Einrichtung für Familien gibt, denn wir hatten zum Beispiel in der Franklinstraße, der einzigen ganzjährigen Notübernachtung von der Caritas und der Stadtmission, auch Familien – und stellen Sie sich einen Drogensüchtigen vor, der sich auf der Toilette einen Schuss setzt, was man nicht so gut verhindern kann, und daneben geht ein Kind auf die Toilette. Das möchte ich einfach nicht erleben.

Beitrag von Ute Schuhmacher

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Antwort auf [IchMeinJaNur] vom 21.10.2017 um 19:08
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42 Kommentare

  1. 42.

    Nazikeule?

    Auch wieder so ein Unwort wie Gutmensch usw.

    Wenn ein Kommentator bewußt mit Naziparolen um sich wirft wie z.B. "Umvolkung" dann ist er ein Nazi!

    Wenn einer mit AfD Parolen um sich wirft wie z.B. "Multikulti hat die Aufgabe, die Völker zu homogenisieren und damit religiös und kulturell auszulöschen." dann ist er ein AfDler.

    Ich gebe zu, die Grenzen sind fließend und nicht immer einfach zu erkennen. Das mag daran liegen dass die Grenzen zwischen AfDlern und Nazis fließend sind.

  2. 41.

    Es gibt doch im Umfeld von Berlin viele ungenutzte Russen-Kasernen. Dahin kann man doch die Obdachlosen umsiedeln. Von Anspruch genügen die doch, wenn man sich die Lagerstätten im Tiergarten ansieht.

  3. 40.

    rbb24, danke für die erhellende Info.

  4. 39.

    Die Zahl kann man nur schätzen, niemand erfasst sie genau - dementsprechend schwankt sie auch. Die Liga der Wohlfahrtsverbände schätzt die Zahl der Obdachlosen in Berlin aktuell auf 4.000-8.000. Caritas Berlin geht von 1.000 bis 2.000 Menschen aus, die dauerhaft auf der Straße leben. https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2017/10/berlin-obdachlose-caritas-chefin-kostka-beginn-kaeltesaison.html

  5. 38.

    Selbst im Text spricht man von 4.000-8.000 Obdachlose. Ich glaube eher, es sind mehr als 10.000, die die Stadt bevölkern.

  6. 37.

    Da haste wohl bei den Obdachlosen eine "0" vergessen.

    Von denen gibt es eher 1.000 oder bedeutend mehr in Berlin und bloß nur 100.

  7. 36.

    Aus diesem Blickwinkel haben i.d. noch nie betrachtet. Ich finde diesen Denkanstoß sehr wichtig und i. nehme d. zum Anlass, auch meine Haltung zum Thema Obdachlose zu überdenken.

  8. 35.

    Das klingt ja, wie Baden im See ohne sich nass zu machen.
    Bevor Sie aber mit solchen gewaltigen Begriffen, wie Patriot*innin und Nationalist*innin herum werfen, sollten Sie diese erstenmal googeln.
    Gut, über Gauland brauchen wir und nicht zu streiten.

    Aber Unwissenheit, die allen Halben anzutreffen ist, ist hier weit verbreitet.
    Da wird dann eher die AfD- und/oder die Nazi-Keule ausgepackt.

  9. 34.

    Die Situation in Berlin ist wahrlich niht einfach.
    Warum werden die Menschen z.B. aus Osteuropa nicht in den Botschaften ihrer Heimatländer untergebracht!
    Warum muss Deutschland immer die ganze Welt retten!
    Warum kümmern wir uns nicht erst einmal um die eigenen Landsleute.
    Es kotzt mich an!!

  10. 33.

    2/2 In Regelung sehe ich kein Problem mit Mieterschutz inklusive dass Miete vertraglich geregelt ist und eine Seite nicht einfach so Vertragsbedingung (wie Miethöhe) ändern kann (aber Eigentümer kann sicherlich Angebot machen z.B. wenn das Haus abreißen will damit eins mit mehr Stockwerken gebaut wird) - und Sozialwohnung als Stufe auch ok. Wenn es aber zu Sachen kommt wo von Privateigentümern erwartet wird wie im öff. Dienst zu stehen, dass finde ich nicht gut (zum einen weil wenn wenig Nachfrage die Politik nichts für leerstehende Wohnungen zahlt und allen egal wenn Eigentümer pleite geht weil im Boom nicht was zur Seite legen konnte bzw. investieren konnte - zum anderen weil sich der Spaß nicht von selbst zahlt, lies, selbst wenn Politik alle Wohnungen im Land betreiben will, wenn Mieter ihr bissel Lohn in Kasinos im Ausland ausgeben, dass weitere Generationen Schulden abzahlen sollen ist nicht ok, und auch nicht dass z.B. Chirurg in lärmender Siedlung zu wohnen hat).

  11. 32.

    1/2 Sicherlich Themen da welche eine Kommune an für sich nicht einfach so lösen kann, von Sachen wie angelockte Arbeiter welche wenn auf die Straße gesetzt werden laut Bund keinen Anspruch auf Unterstützung haben (während aber EU aktiv damit es EU Bürgern im Vereinigten Königreich gut geht), über Sachen wie dass private Trägerhilfe kaum funktionieren kann wenn Wohnungsangebot (mit vernünftiger Miete) vermittelt über Trägerverein vom Amt nicht bewilligt wird, bis zu Sachen dass es auch interne Obdachlosigkeitsmigration gibt wo z.B. Berlin kaum tragen kann wenn München und weitere Städte alle deren dortige eigentlich ansässige Arme verdrängen und sich dann Berlin als Stadt gefälligst kümmern soll. Und bei dem letzten Punkt, wenn Obdachloser z.B. aus München hier, innerhalb der EU sollte da nicht wirklich ganz anders verfahren werden als wenn Obdachloser aus Warschau.

    Paar Punkte bzg. allgemeinem Konzept (in Preußen):

  12. 31.

    Ich liebe meine Heimat. Ich bin Patriotin.
    Gauland dagegen ist Nationalist. Den Unterschied kennen Sie hoffentlich.

  13. 30.

    Für Obdachlose ist kein Geld da. Man kann sich nur wundern.

  14. 29.

    Heimat ist ein Unwort, hab ich auch gestaunt.
    Meine Frau hatte als Schulkind früher Heimatkundeunterricht, den fand sie toll.

  15. 28.

    1 000 000 Flüchtlinge plus Familien Nachzug ist für Deutschland kein Problem.
    1 00 Obdachlose schon!
    Noch Fragen!!!

  16. 27.

    Ach begeben sie sich doch wieder zu mir herab?

    Und was sollen mir ihr etwas wirrer Beitrag sagen?

    Ja, ich habe begriffen dass sie min. AfD Wählerin sind aber trotzdem kann ich ihnen nicht wirklich folgen.

  17. 26.

    Ich bin leider sehr oft genau an solchen Orten. Und ja, es gefällt mir auch überhaupt nicht. Letztens hat einer direkt auf die Rolltreppe gemacht... War richtig toll, vor allem weil ich vorher schon einer Lache Erbrochenes ausweichen musste. Und nein, ich kann es auch nicht mehr hören, dass das nur gefühlte Unannehmlichkeiten und Ängste sind.
    Nur wird in ihren Heimatländern nicht nur härter gegen betrunkene Obdachlose vorgegangen, sondern sie werden auch oftmals schwer misshandelt. Daher kann ich nun mal verstehen, wenn sie dahin gehen, wo sie besser behandelt werden.

  18. 25.

    Ist der Begriff "Heimat" national besetzt?
    Ober ist etwas anderes, wenn der Winke-August oder Göring-Eckardt diesen Begriff vereinnahmt, als aus dem Mund von Gauland?

  19. 24.

    Keine Angst, ich bleibe wo ich bin. Müßte ihnen doch gefallen, ich liebe nämlich meine Heimat und die Leute hier.

    Also nicht alle, nur mach ich da andere Unterschiede. Mir ist es ziemlich egal ob einer Deutscher oder Russe oder sonst was ist. Wenn er z.B. ein Rassist ist, finde ich den schaize egal woher derjenige ursprünglich kommt.

    Interessant dass sie erwähnen dass man versucht hat sie zu vertreiben und wer ist "uns"?

    Ich will sie nicht vertreiben aber ich dachte so ein reaktionäres und diktatorisches Regime wie in der VR China könnte ihnen gefallen. Das war nicht dümmlich, das war aufgrund ihrer Äußerungen, nur logisch weiter gedacht.

    Sonst wäre ich ja nicht besser wie die Leute die früher immer gesagt habe: "Wenn dir hier watt nicht passt, jeh doch nach den Osten!"

  20. 23.

    Sie "vertüddeln" da was. Es handelt sich hier um Obdachlose und nicht um "Flüchtlinge".
    Nebenbei bemerkt, obdachlose "Flüchtlinge" hat es in DE nicht.

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