Blick von oben auf Berlins Mitte mit den Hochhäusern in der Leipziger Straße (Quelle: imago/imagebroker)
Video: Abendschau | 11.10.2017 | Iris Marx | Bild: imago/imagebroker

Kampf gegen Stickoxide - Hier könnten neue Tempo 30-Zonen entstehen

Auch Berlin hat den Warnschuss aus Baden-Württemberg gehört: Dort hatte ein Gericht Diesel-Fahrverbote für Stuttgart erlaubt, wenn die Luftverschmutzung nicht weiter sinkt. Der Berliner Senat sucht nun einen Weg, um die Luft in der Hauptstadt zu verbessern.

Der Berliner Senat will die Auswirkungen von Tempo 30 auf die Schadstoffbelastung der Luft an fünf Hauptstraßen genauer untersuchen. Das teilte Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos) am Mittwoch mit.

Mitte November solle die Versuchsreihe starten, und zwar abschnittsweise auf der Leipziger, der Potsdamer, der Haupt- und der Kantstraße sowie dem Tempelhofer Damm. 

Ausstoß bei Tempo 50 wird gemessen

Auf den betroffenen Straßenabschnitten ist den Angaben zufolge dabei weiter Tempo 50 erlaubt. Spezielle Messfahrzeuge sollen Daten zum Verkehrsfluss und - aufkommen erheben, auch die Stickstoffdioxidbelastung wird gemessen.

Nach rund einem halben Jahr werden die Ergebnisse ausgewertet und so die Luftverschmutzung bei Tempo 50 genau festgestellt. Die Daten sollen dann u.a. mit denen von Straßen abgeglichen werden, in denen bereits Tempo 30 angeordnet wurde, z.B. Beusselstraße, Schildhornstraße und Silbersteinstraße. Hier hatte eine Reduzierung der Fahrgeschwindigkeit teils deutliche Stickoxid-Senkungen gebracht.

Günther will Rechtssicherheit

Verkehrssenatorin Günther kündigte an, sollten die Experten zu dem Schluss kommen, dass Tempo 30 und bessere Ampelschaltungen an den jetzt ausgewählten fünf Straßen zu weniger Schadstoffbelastung führen, werde es dort Geschwindigkeitsbegrenzungen geben.

Zur Begründung für die geplanten Versuchsreihen bei Tempo 50 sagte Günther: "Ich glaube, wenn man etwas aus einem Grund macht - und für mich ist der Grund Luftreinhaltung - dann muss das auch rechtssicher und solide sein." Natürlich könne man Tempo 30 auch aus Lärmschutzgründen rechtssicher verhängen. "Aus Luftreinhalte-Gründen ist es so nicht, das wollen wir nachweisen. Dann haben wir eine andere Rechtsgrundlage, vielleicht auch in anderen Straßen aktiv zu werden."

Grafik: Mögliche Tempo-30-Zonen in Berlin (Quelle: rbb-Abendschau)
| Bild: rbb

In Berlin wird der Grenzwert für NO2 weiterhin deutlich überschritten. Das zeigt die Auswertung von Daten des Umweltbundesamtes durch rbb|24: Von Januar bis Juli 2017 wurden an sechs Berliner Messstellen die erlaubten Stickstoffdioxid-Grenzwerte von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft überschritten.

In Brandenburg wurde der Grenzwert zwischen Januar und Juli 2017 im Mittel an keiner Messstelle überschritten. Nur knapp unter dem Grenzwert lagen die Potsdamer Zeppelinstraße mit 37 Mikrogramm, die Leipziger Straße in Frankfurt (Oder) mit 35 Mikrogramm und die Potsdamer Großbeerenstraße mit ebenfalls 35 Mikrogramm. Die beste Luft Brandenburgs wurde im Spreewald mit 6 Mikrogramm gemessen. Mit 12 Mikrogramm Stickstoffdioxiden pro Kubikmeter Luft hat Frohnau die beste Berliner Luft.

Erklärung

Stickstoffoxid ist eine Sammelbezeichnung für verschiedene gasförmige Verbindungen, die aus den Atomen Stickstoff (N) und Sauerstoff (O) aufgebaut sind. Vereinfacht werden nur die beiden wichtigsten Verbindungen Stickstoffmonoxid (NO) und Stickstoffdioxid (NO2) dazu gezählt.

Kommentar

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18 Kommentare

  1. 18.

    Die wenigsten Schadstoffe werden ausgestoßen wenn Verkehr gleichmäßig fließt.
    Warum ist Tempo 40 kein Thema?
    Am meisten Kraftstoff wird beim Kurzstreckenverkehr verbraucht. Am meisten Schadstoffe werden beim Kurzstreckenverkehr ausgestoßen. Aber diesen zu unterbinden ist unmöglich.
    Zeitlich und räumlich undifferenzierte Verbote und Bevormundungen erhöhen nur den Widerstand gegen unerläßliche Massnahmen zur Luftreinhaltung.
    Das Fahrrad ist und bleibt für viele Menschen ein Saisonfortbewegungsmittel.
    ALLE Verkehrsmittel müssen ihren Schadstoffausstoß drastisch reduzieren. Technisch ist dies bereits heute möglich. Politik und Behörden müssen hier mit gutem Beispiel vorangehen.

  2. 17.

    Sie haben natürlich vollkommen recht.

    Aber Fahrverbote für die komplette Innenstadt sind nicht gegen die Autolobby durchsetzbar.

    Und "Freie Fahrt für freie Bürger" erscheint den meisten Autofahrern wichtiger als die Gesundheit und lebenswertes Wohnen in der Stadt obwohl diese in Berlin eine Minderheit sind.

  3. 16.

    Ich finde die Pläne für den Ausbau der Fahrradwege SEHR sinnvoll. Und es gibt glücklicherweise immer mehr Menschen hier in der Stadt, die ebenfalls dieser Meinung sind.

  4. 15.

    Jeder, der ein bißchen Ahnung von der Welt hat, weiß, daß Tempolimits keineswegs 'idiotisch' sind, sondern höchst sinnvoll, sowohl für die Vermeidung von Absagen wie für die Sicherheit und auch für die Fließgeschwindigkeit des Verkehrs. Aber davon scheinen Sie noch nichts gehört zu haben.

  5. 14.

    Tempo-30 ist mir egal, die Leute fahren sowieso immer 15 km/h schneller. Ich fahre eher etwas unter zugel. Höchstgeschwindigkeit und mich nerven die ganzen Stressmaker. Also mich würde es nicht jucken.
    Für die Umwelt (also die Todeszone im Innenring):
    Am besten nur noch diejenigen in Berlin fahren lassen die nachweislich mit dem Kfz arbeiten, oder von und zur Arbeit(!) fahren. Nicht-Berliner Pendler müssen an der Stadtgrenze Kfz stehen lassen ODER eine TÄGLICHE Maut abdrücken (20 EUR+). Rentner, Studenten und Langeweilefahrer würde ich 15-fache Steuern zahlen lassen. Ist einer aufs Auto angewiesen, kann er/sie ja einen Krankentransport rufen. Außerdem würde ich 83% aller Lichtzeichenanlagen demontieren, gibt schließlich ne STVO. Die Sinnloshalts sind eine Zumutung. Fußgänger gehen sowieso bei rot.
    Dann wäre die Luft schon viel sauberer. Oder etwa doch nicht? ;-)

  6. 13.

    Mal wieder blinder Aktionismus des Chaos-Senats. Wer mit dem Auto in der Stadt unterwegs ist, würde sich auf den angedachten Straßen über Tempo 30 freuen, denn z.B. zur Rushhour ist doch eher Stop and Go angesagt.
    Weiter fahre ich bei 50 im 5.- manchmal im 6. Gang. Bei Tempo 30 im 3.- manchmal im 4. Gang. Die Drehzahl ist also quasi gleich und damit auch der Schadstoffausstoss.
    Die einzige Zweckmäßigkeit für solche 30. Zonensehe ich nur als erneute Einnahmequelle für Bußgelder, durch Blitzer.

  7. 12.

    Ist schon lustig, wieviele Leute sich auf den Schlips oder woandershin getreten fühlen, wenn sie Begriffe wie Fahrrad oder Tempo 30 hören.

  8. 11.

    "Luftreinhaltung" ist ein politischer Euphemismus. Dieser impliziert, dass die Luft sauber ist und wir alles dafür tun, dass es so bleibt. Ist das denn der Fall? Wir müssen hier von Luftverschmutzung sprechen, wie es auch an anderen Stellen im Artikel anklingt. Man kann diese verringern - saubere Luft haben wir letzten Endes trotzdem nicht.

  9. 9.

    Für was sitzen eigentlich hochbezahlte Leute im Senat und vergeben Studien an externe Dienstleister die richtig Geld kosten. Sind sie nicht in der Lage dies selbst zu bewerkstelligen???

  10. 8.

    Ja, macht mal hinne! "Hier hatte eine Reduzierung der Fahrgeschwindigkeit teils deutliche Stickoxid-Senkungen gebracht." Wenn nur da die Schadstoffbelastung reduziert wird, wo gemessen wird?! DANN bitte überall messen, zumindest an allen stark befahrenen Hauptverkehrsstraßen! Bisher gibt es ja nur ein paar Meßstellen pro Bezirk in drei Meter Höhe ;) Ist so ähnlich wie mit den Giften aus der Industrie oder dem Braunkohletagebau - einfach weiter weg messen - Flußabwärts oder eben weit über den Köpfen der Berliner (Kinder!). Und bloß nicht flächendeckend, besser nur punktuell genau hinschauen und dann - noch 10 mal nachmessen...
    Bei dem Tempo dürfen wir trotz seit Jahren geltender Luftreinhalteverordnung nochmal 10 Jahre warten, --- und dann messen wir erstmal, ob die Meßwerte stimmen. Saubere Luft? Pustekuchen!

  11. 7.

    Einfach vernünftige E-Autos bauen und zu vernünftigen Preisen verkaufen statt die Mobilität in Berlin adabsurdum zu machen. Ist doch vollkommen Idiotisch dieses Tempo 30.

  12. 5.

    Die Stickoxid-Belastung ist im Winter wesentlich höher als im Sommer, gerade bei noch nicht betriebswarmen Motoren.
    Jetzt werden also im Winter die Daten bei "bösen" 50 km/h erhoben, um diese dann zu vergleichen mit dem Ausstoß bei "nicht ganz so bösen" 30 km/h.
    Es wird spannend, ob dann auch wirklich die gleichen Zeiträume zwischen 30er und 50er Zonen verglichen werden.

  13. 4.

    Warum nicht einmal konsequent Verstöße gegen die STVO ahnden. Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht mehrfach Rotlichtverstöße (1-2 Punkte) beobachte und auch das Telefonieren ohne Freisprecheinrichtung (1 Punkt) wird selten geahndet. Würde man hier mal wirklich durchgreifen hätten wir in einem Jahr 25% weniger Fahrer und damit Fahrzeuge auf den Straßen. Das würde auch der Umwelt nutzen und die Staus abbauen.

  14. 3.

    Man müsste ja nur die ganzen Touristenhorden dazu zwingen mit der Bahn nach Berlin anzureisen und schon hat man nicht nur mehr Platz auf den Straßen sondern auch eine deutlich bessere Luft . Man sollte auch erwähnen ,das Berlin gesehen an seine Einwohnerzahl , relativ wenige Berliner ein Auto besitzen . Außerdem verstehe ich nicht warum noch eine Studie für viel Geld gemacht werden muss wenn es schon einige Studien über das Thema gibt !?

  15. 2.

    Also nur weil immer noch zu viele Leute mit ihren stinkenden Verbrennern in der Stadt unterwegs sind, muss ich mit meinem Elektroauto dann auch 30 km/h fahren, ja?

  16. 1.

    Wenn es nach dem Staatssekretär Kirchner ginge, würde man in der ganzen Stadt nur noch mit dem Fahrrad fahren dürfen.
    Anstrengungen dieser Art machte er schon in Pankow, wo unter seiner Regiede als Bezirksbaurat, die Baustelle um die S-Bhf Pankow nie enden lassen wollte und den Niedergang des Kleingewerbe forcierte.
    Noch irrwitziger sein Vorhaben, eine wichtige Durchgangsstraßen, die Gleimstr. In Prenzlauer Berg, zu einer Fahrradstraße umzudestalten.

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