Unterricht in einer 4. Klasse (Quelle: dpa/Ulrich Baumgarten)
Video: Abendschau | 13.10.2017 | Dagmar Bednarek | Bild: dpa/Ulrich Baumgarten

Mathe okay, Schreiben nicht - Berliner Kinder beim neuen Bildungstest fast immer Vorletzte

Nur die Bremer Viertklässler haben beim bundesweiten Vergleichstest noch schlechter abgeschlossen als die Berliner. Schulsenatorin Scheeres überrascht das nicht. Untersucht wurden Leistungen in Deutsch und Mathematik.

Die Berliner Schulsenatorin Sandra Scheeres (SPD) zeigt sich nicht überrascht von dem schlechten Abschneiden Berliner Grundschüler in Deutsch und Mathematik. Sie habe mit diesem Ergebnis gerechnet, sagte die SPD-Politikerin im rbb-Inforadio. Anders als in anderen Bundesländern hätten sich die Leistungen der Berliner Viertklässler aber nicht verschlechtert.

Bei einem bundesweiten Vergleichstest in Deutsch und Mathematik schneiden Berliner Viertklässler deutlich schlechter ab als Gleichaltrige in anderen Bundesländern. So verfehlte ein Fünftel der Schüler die Mindeststandards beim Lesen, bei der Rechtschreibung war es sogar ein Drittel. Das geht aus der Studie IQB-Bildungstrend hervor, die die Kultusministerkonferenz am Freitag in Berlin vorstellte. Mit den Anforderungen in Mathematik kam demnach etwa jeder vierte Berliner Grundschüler nicht klar. Etwas besser waren die Ergebnisse beim Zuhören im Fach Deutsch. Hier scheiterte nur knapp jeder sechste Viertklässler.

An der Spitze wieder Bayern und Sachsen

Im Vergleich zu anderen Bundesländern liegt Berlin damit fast durchgehend auf dem vorletzten Platz und signifikant unter dem Bundesdurchschnitt. Nur Bremer Viertklässler schnitten noch schlechter ab. An der Spitze liegen häufig Schüler aus Bayern und Sachsen.

Seit dem Vergleichstest vor fünf Jahren haben sich allerdings Viertklässler in ganz Deutschland in Mathe, Rechtschreibung und Zuhören verschlechtert. Nur die Lesekompetenz lag auf einem ähnlichen Niveau wie 2011, heißt es im Bericht. Gekoppelt blieb der Bildungserfolg nach wie vor an die soziale Herkunft. An der Studie hatten rund 30.000 Schülerinnen und Schüler der vierten Jahrgangsstufe aus allen 16 Bundesländern teilgenommen (zur Studie und Zusatzmaterialien).

Erstmals Vergleich innerhalb der einzelnen Länder

Die Kultusministerkonferenz der Länder hatte die Studie zu Leistungen von Grundschülern in Deutsch und Mathematik in ganz Deutschland beauftragt. Das Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen der Berliner Humboldt-Universität untersuchte das Kompetenzniveau der Viertklässler.

An der Studie hatten rund 30.000 Schülerinnen und Schüler der vierten Jahrgangsstufe aus allen 16 Bundesländern teilgenommen.

Die sogenannten IQB-Bildungstrends zeigen in diesem Jahr erstmals Entwicklungen in den einzelnen Bundesländern in einem Zeitraum von fünf Jahren.

"Den Lehrern zu sagen, 'macht mal', ist keine Lösung."

Der Berliner Bildungsforscher Klaus Hurrelmann macht heterogene Klassen und fehlende Qualifikation der Lehrer für das schlechte Abschneiden der Grundschüler verantwortlich.

Die Einstellung von mehr Lehrkräften allein reiche nicht aus, um das Problem zu lösen: "Es kommt nicht auf die Zahl der Lehrer an, sondern auf deren Qualifikation", so Hurrelmann.
"Ein gut strukturierter Unterricht mit klaren Konturen ist das Gebot der Stunde."

Die Integration von Flüchtlingskindern oder die Inklusion von Förderschülern - vieles in den vergangenen Jahren habe die Lehrkräfte verunsichert und überfordert meint der Bildungsforscher. Er fordert gezielte Weiterbildung und eine bessere Vorbereitung auf gemischte Lerngruppen. "Den Lehrern zu sagen, 'macht mal', ist keine Lösung."

Sendung: Inforadio, 13.10.2017, 16.30 Uhr

Kommentar

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19 Kommentare

  1. 17.

    HartzIV und Pseudo-Bildungspaket zeigen die wahren Absichten der Regierungsparteien auf.

  2. 16.

    Viele Lehrer sind auch einfach nur unfähig und manche sogar arbeitsunwillig, was der hohe Krankenstand in Berlin belegt.
    Wenn es nicht anders geht, sollte man sich von diesen Lehrern auch trennen dürfen und neue, arbeitswillige Lehrer einstellen.

  3. 15.

    Ich weiß noch, wie ich einst vollkommen fassungslos die Kunde von der neuen Schreib"lern"methode "Schreiben nach Hören" vernahm. Sie wird, wie ich kürzlich las, in vielen Berliner Grundschulen praktiziert. Die Kinder schreiben die Wörter so, wie sie sie hören bzw. wie sie sie sprechen.

    Bereits 2015 schreib die BZ: "Nach dieser Methode bekommen sie eine Tabelle mit Anlauten, auf der jedem Buchstaben ein Tier oder ein Gegenstand zugeordnet ist. Mittels der Bildchen sollen sie Buchstaben zusammensuchen und aus ihnen Wörter Wörter bilden.
    Die Wörter sollen sie aufschreiben, wie sie wollen, nach dem Motto: 'Schreibe, wie du sprichst, der Rest kommt von allein.'
    Die Schüler schreiben also in einer frei erfundenen Lautschrift. Man korrigiert sie im ersten Schuljahr nicht. Danach sollen sie korrekt schreiben lernen und das geht dann schief. 'Der Rest' kommt eben nicht 'von allein'."

    Die Politik hat alle Warnungen in den Wind geschlagen. Jetzt haben wir den "Buchstabensalat".

  4. 14.

    Schuld ist die anti-autoritäre Erziehung die immer mehr im Gesetz festgetackert wird.
    Kinder haben keinen Respekt mehr und lernen u.a. nur noch das was sie selber für spaßig erachten.
    Der RRG-Wust in Berlin begünstigt und fördert das "Kind sein", nach dem Motto das wird schon noch.
    Dabei heraus kommen Abiturienten und Studierende die am Ende im Ego-Alter sehen, dass sie eine Nullnummer sind.

  5. 13.

    Nachdem wir unsere Kinder groß gezogen haben, werden wir wohl nun in den/die Enkel investieren müssen.

  6. 12.

    Klar DER Senat - da kann es nicht nur um die oberen Positionen gehen wie z.B. eben Bildungssenatorin, sondern da sollte man auch mal bei den Ausbildern (Leiter der Schulseminare) schauen, die eben die Lehrer im Unterricht besuchen - auch Vorführstunden genannt. Hatte einen Film vor einigen Wochen darüber gesehen. Was man da gesehen hatte, war einfach zum Großteil gruselig. Die Schulen, die dort gezeigt wurden, kamen mir zudem von den Ausstattungen aus der Zeit herausgefallen vor. Kinder sind heute eben u.a. durch die "neuen" Medien/Elektronik ganz anderes gewohnt als solche Zustände.

  7. 11.

    "Sie habe mit diesem Ergebnis gerechnet, sagte die SPD-Politikerin im rbb-Inforadio. Anders als in anderen Bundesländern hätten sich die Leistungen der Berliner Viertklässler aber nicht verschlechtert." Frau Scheeres: Diese Äußerung ist eine Frechheit! Ich bin froh, dass ich keine Kinder habe, die in Berlin eine öffentliche Schule besuchen müssen. Ich würde eher umziehen, als ihnen das anzutun.

  8. 10.

    Das ist aber nichts Neues, wobei die politische Verantwortung seit vielen Jahren schon bei Spd bzw Grünen lag.
    Hatte vor einigen Wochen eine gute Dokumentation über die Ausbildung von Lehrern in Berlin gesehen:"Zwischen den Stühlen". Was man da schon alleine von den Seminarleitern zum Großteil (einer war ganz ok) gesehen hatte, ließ nichts Gutes ahnen. Derartige Ausbildungsleiter sind dann ein Verhängnis.
    Der unsympathischste Lehrerkandidat von den drei Porträtierten, der seine Schüler vor laufender Kamera runterputzte und sich aufspielte, hatte es dann auch entsprechend am leichtesten.
    Da sollte man an solchen Stellen ansetzen. In anderen Bundesländern läuft es besser: warum sollte gefragt werden mit entspr. Konsequenzen. Weiß nicht, warum man sich da in Berlin mit diesen jahrelangen letzten Plätzen so angefreundet hat. Gab mal einen Bildungssenator Zöllner, in den große Hoffnungen gesetzt worden waren, aber der dann auch entnervt aufgab.

  9. 9.

    Berlins und Brandenburgs Kids sind schwach im Rechnen, heißt es in einer Überschrift des Artikels. Denglisch fetzt. Kids klingt viel cooler als das alte blöde Wort Kinder. Thanks Börliener Zeitung, äh, newspaper, sorry.

  10. 7.

    Ich wundere mich überhaupt nicht mehr über unser Bildungssystem. Abi -Prüfungen wurden abgesenkt, schafft dadurch bessere Noten, ist aberl letztendlich ein Selbstbetrug. Ich kann Eltern verstehen welche ihre Kinder mehr und mehr in Privatschulen unterrichten lassen.
    Eines wäre auch interessant zu wissen: Wir schneiden die einzelnen Bezirke in Berlin bei Mathe`und Deutsch ab.

  11. 6.

    Das ist aber kein neues Problem.
    Berlin befindet sich seit JAHREN bereits auf letzten und allenfalls vorletzten Plätzen bei Bildungsstudien, Rankings und Vergleichen.
    Die Standards wurden ständig nach unten abgesenkt - eine 2 aus Berlin ist in Bayern allenfalls eine 4 wert.
    Dass da nicht mal grundsätzlich etwas geändert wird, ist unglaublich. Der Bildungssenat ist eine einzige Katastrophe.
    Irgendwann muss man doch mal aufwachen und an den Ursachen anpacken, die Konsequenzen ziehen statt einfach immer so weiterzumachen.

  12. 5.

    Eines muss man sagen der Senat schafft es in allen Belangen (Bildung, Besoldung, Wohnungsbau usw) am jedes Ranking zu landen. Dafür muss man auch mal Respekt zollen. Schließlich ist es eine positIve „Erfolgsgeschichte“ die Berlin mal schreibt.

  13. 4.

    Bildungs-Föderalismus halt, was soll man da noch sagen? Die Höhe des Stabes, über den man springen will, legt jedes Bundesland selber fest. In Berlin/Brandenburg liegt der Stab dank Schreiben-nach-Gehör/Methodenmix halt in Bodennähe, in anderen Ländern mit klassischer Methodik des Lesen-/Schreiben-Lernens ohne Schriftartwechsel (Druck-/Schreibschrift im 1. SJ) kann der Stab halt höher angebracht werden.

    Isso. Will keiner ändern. Kein Merkel, kein Schulz, kein Lindner und schon gar kein Toni. Bleibt halt so. Hoch lebe die Autokorrektur.

  14. 3.

    Ihrer war wirklich überflüssig, ja. Mit Logik haben sie es nicht so oder?

    Rot/Rot/Grün ist seit wie lange in der Lage unser marodes, kaputt gespartes Schulsytem zu reformieren?

    Ich sehe hier eine lange Liste von sPD Senatoren die dafür verantwortlich sind, Stahmer, Böger, Zöllner und Scheeres.

    Die meiste Zeit davon unter einer großen Koalition cDU/sPD.

  15. 2.

    Schade das Berlin es nicht gepackt hat genau wie Bremen in der Statistik nicht am Ende zu stehen.
    Die ausgewählten Kriterien belegen jedoch nicht das diese Kinder dumm sind sondern das im Test
    vergessen wird das Abenteuer Großstadt erleben die Kinder auch, so oder so jedoch auch als einen
    Beitrag zur persönlichen Bildung.
    Eine so große Stadt wie Berlin existiert nur einmal in der BRD und das ist auch nicht so ganz einfach diese zu vergleichen.
    Dem Senat egal ob dem alten dem uralten oder dem aktuellen die Schuld zu geben ist doch wirklich blöd.
    Politisch darf es durchaus verschiedene Meinungen geben doch wer glaubt denn tatsächlich das die Senatoren nicht möchten das Kinder eine gute Ausbildung bekommen ist tatsächlich auf dem falschen Weg.
    Übrigens was nicht getestet wurde wie die Auf- und Annahme der elektronischen Medien, dem Allgemeinwissen über die ganze Welt und die Achtsamkeit auf Schulwegen, da gibt es doch in Berlin sicherlich eine Steigerung in das Positive. 2

  16. 1.

    Logisches Ergebnis von Rot/Rot/Grün. Weiterer Kommentar wohl überflüssig.

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