Bodo Mende (r) und Karl Kreile (l) kuessen sich nach ihren Eheschliessung (Quelle: imago stock&people/Emmanuele Contini)
Video: Abendschau | 01.10.2017 | Marcel Trocoli Castro | Bild: imago stock&people/Emmanuele Contini

Ehe für alle - Erste homosexuelle Ehepaare in Berlin getraut

Bodo Mende und Karl Kreile sind das erste verheiratete homosexuelle Paar Berlins. Am Sonntagmorgen gaben sie sich das Jawort. Der Bezirk Tempelhof-Schöneberg hatte sich bewusst für das Paar entschieden.

Unter großer öffentlicher Aufmerksamkeit ist am Sonntag in Berlin das erste gleichgeschlechtliche Paar getraut worden. Im Rathaus Schöneberg gaben sich am Morgen Bodo Mende und Karl Kreile das Jawort. Möglich war dies, weil am Sonntag das Gesetz zur Ehe für alle in Kraft trat. Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD) sagte gegenüber der rbb-Welle Radioeins, dass sich der Bezirk Tempelhof-Schönefeld für Mende und Kreile entschieden habe, da es sich um ein "besonderes Paar" handele.

Das Paar ist seit 38 Jahren zusammen und engagiert sich seit Jahrzehnten für die Gleichstellung homosexueller Paare. Bereits 1992 nahmen Mende und Krelle an der bundesweiten "Aktion Standesamt" teil. Die Aktion des damaligen Schwulenverbands in Deutschland (SVD) und die Bundesarbeitsgemeinschaft der Schwulen Juristen (BASJ) markiert den Beginn eines Kampfes um die Ehe für alle in Deutschland.

"Da sind Hunderte von lesbischen und schwulen Paaren in ganz Deutschland auf die Standesämter gegangen und haben das Aufgebot, das es damals noch gab, bestellen wollen. Wir wussten natürlich, dass das juristisch nicht geht, es war aber eine sehr wichtige symbolische Aktion", sagte Mende dem rbb-Inforadio. Das aus dem Kirchenrecht stammende Aufgebot wurde 1998 abgeschafft und durch die Anmeldung zur Ehe ersetzt.

Erste Lebenspartnerschaft, erste Ehe

Schon im Jahr 2002 waren Mende und Kreile Vorreiter. Sie waren das erste homosexuelle Paar, das sich seine Lebenspartnerschaft im Roten Rathaus eintragen ließ. Jetzt sind sie das erste Berliner Paar, das aus seiner eingetragenen Lebenspartnerschaft eine anerkannte Ehe gemacht hat. Dies sei ihnen wichtig gewesen, um nicht länger vom Staat diskriminiert zu werden.

"Unsere Beziehung ist nicht mehr eine Beziehung zweiter Klasse. So wurden Lesben und Schwule bislang immer behandelt in Abgrenzung zu einer heterosexuellen Ehe", sagte Mende dem rbb. 25 Jahre Hartnäckigkeit seien notwendig gewesen, um auch in Deutschland die Ehe für alle endlich voran zu bringen, so Mende weiter.

Das erste homosexuelle Ehepaar Deutschlands sind Mende und Kreile aber offenbar nicht: Berichten nordrhein-westfälischer Medien zufolge kamen ihnen Bernd Göttling (61) und Dieter Schmitz (66) in Frechen 15 Minuten zuvor. Die beiden hätten das erste schwule Hochzeitspaar in Deutschland sein wollen, berichtete der WDR. Deshalb sei ihr Termin von 10 Uhr kurzerhand auf 9:15 Uhr vorverlegt worden, nachdem bekannt geworden war, dass in Berlin bereits für 9:30 Uhr eine Eheschließung geplant ist.

Insgesamt elf gleichgeschlechtliche Paare heirateten in Berlin am Sonntag. Neben dem Standesamt Schöneberg boten auch die Standesämter in Friedrichshain-Kreuzberg einen außerordentlichen Trautag an. Weitere Eheschließungen waren etwa auch in Hamburg und Hannover geplant.

Gleichstellung, auch bei der Adoption

Der Bundestag hatte im Juni die historische Gesetzesänderung beschlossen. SPD, Grüne und Linke, aber auch etliche Unionsabgeordnete stimmten der Ehe für alle zu. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) votierte mit Nein. Schwule und Lesben konnten bislang nur eingetragene Lebenspartnerschaften eingehen.

Damit verbunden waren lange Zeit Benachteiligungen im Miet-, Erb- und Steuerrecht. Zwar wurden einige über die Jahre geändert und der Ehe angeglichen, jedoch nicht alle. Seit Sonntag steht in Paragraf 1353 des Bürgerlichen Gesetzbuchs: "Die Ehe wird von zwei Personen verschiedenen oder gleichen Geschlechts auf Lebenszeit geschlossen." Konkret bedeutet die Gesetzesänderung die volle Gleichstellung in der Ehe, etwa auch bei der Adoption von Kindern.

Hinweis: In diesem Artikel war urprünglich die Rede davon, dass Bodo Mende und Karl Kreile das bundesweit erste homosexuelle Ehepaar sei. Am Abend des 1. Oktober stellte sich aber heraus, dass ihnen offenbar ein Paar in Frechen bei Köln um eine Viertelstunde zuvorgekommen war.

Kommentar

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15 Kommentare

  1. 15.

    Ja, es gibt da schon recht abenteuerliche und absurde Konstruktionen: So, als ob die Rechte wie Tortenstücke vergeben werden und wenn da jetzt ein paar mehr "zu Tisch" sind, die Bisherigen weniger und damit einen Nachteil gegenüber jetzt hätten.

    Rechte sind immateriell und an keine konkrete Personenzahl gebunden.

    Niemand, der gegengeschlechtlich heiraten will, wird abgehalten das zu tun, wenn gleichgeschlechtlichen Menschen die gleichen Rechte eingeräumt werden wie ihm. Ich bin kein Spieler, doch nur das als Vergleich: Hat derjenige, die 4 Richtige im Lotto gewonnen hat, weniger von seinem Geld, wenn er weiß, dass sein Nachbar 5 Richtige hatte oder ist das Geld das Gleiche, unabhängig davon, wer sonst noch alles (nicht) gewonnen hat?

    Ich ende auch damit: Glückwunsch!. Das war überfällig und nur das ständige Vergleichen des Unvergleichlichen hat dazu geführt, dass es solange gedauert hat, bis es jetzt - endlich - gut geworden ist.

  2. 14.

    Oh ja liebe Henriette das haben wir,das haben wir.Es war ein langer harter u.beschwerlicher Weg.Nun darf Mann u.Frau sich endlich richtig freuen.

  3. 13.

    Ich schließe mich den Glückwünschen an! Bei der Liebe ist das Geschlecht doch wirklich ganz egal.
    Wirklich toll, dass so viele unterschiedliche Menschen so lange dafür gekämpft haben!

  4. 12.

    @homophobe Kommentatoren: Wovor habt Ihr den Angst? Niemand nimmt euch etwas weg. Menschen, die ihre sexuelle Identität anders ausleben als ihr, wollen einfach die gleichen Rechte haben. Nicht mehr aber auch net weniger. Glückwunsch an alle homosexuellen Paare, dass diese Selbstverständlichkeit endlich auch Deutschland erreicht hat!

  5. 10.

    Da koennt ihr sehr stolz sein, die erste "Ehe" von Schwulen in Berlin zuhaben.

  6. 9.

    Dreimal dürfen Sie Raten.Ich Wette Sie kommen immer noch nicht drauf.Kann passieren wenn man nicht ü.den Tellerrand hinausschaut u.nur auf eigene Bedürfnisse Fixiert ist.

  7. 8.

    @Wladimir Du hast wohl nicht so Recht verstanden worum es hier geht. Deine homophobe Einstellung ist antiquiert und Geschichte.

  8. 7.

    Warum wird eigentlich hier so ein groß "Geschrei" drum gemacht??
    Um andere Ehepaare geschieht das nicht.

  9. 6.

    Der Name Ehe ist von Menschen gemacht. Somit ist die Behauptung Quatsch. Schön, das Homosexuelle endlich gleichgestellt sind. Die Homophobie hier ist ja erschreckend. Wahrscheinlich immer der Gleiche.

  10. 4.

    Wen interessiert das eigentlich? Wenn Heteros heiraten, steht es ja auch nicht in der Zeitung!

  11. 3.

    Ehe ist etwas anderes. Der Name "EHE " ist schon vergeben.

  12. 2.

    Herzlichen Glückwunsch!

    Nach 38 Jahren Wartezeit sollte der heutige Tag bestens in Erinnerung bleiben.

    Weiterhin alles Gute!

    [Der Artikel auf ARD gefällt mir aber eine kleine Idee besser als hier auf rbb]

  13. 1.

    Interessant, womit man alles mal erster sein kann, passiert Berlin ja nicht so oft.

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