Muslimische Frau mit Kopftuch (Quelle: imgao/Winfried Rothermel)
Bild: imago stock&people

Entschädigung wegen Diskriminierung gefordert - Neuer Fall: Lehrerin mit Kopftuch klagt gegen das Land Berlin

Weil sie nach ihrem Bewerbungsgespräch keine Antwort bekam, ist in Berlin erneut eine Lehrerin mit Kopftuch vor Gericht gezogen. Sie fühlt sich diskriminiert und fordert vom Land eine Entschädigung.

Das Berliner Arbeitsgericht hat sich am Montag mit einem weiteren Fall einer kopftuchtragenden Lehrerin befasst. Die türkischstämmige Mathematik- und Deutschlehrerin hatte, nach einem Auswahlgespräch Ende Mai, zunächst kein Anstellungsangebot für eine staatliche Schule erhalten. Nun fordert sie eine Entschädigung vom Land Berlin wegen Diskriminierung.

Die Frau hatte nach einem so genannten Casting vor Schulleitern zunächst keine Benachrichtigung oder Jobangebot erhalten, obwohl diese zeitnah erfolgen sollten. Erst auf Nachfrage durch eine Rechtsanwältin bei der Senatsschulverwaltung habe sie Mitte Juli ein Anstellungsangebot in einer Berufsschule erhalten. Dies habe sie aber abgelehnt, weil sie in der Zwischenzeit ein Arbeitsverhältnis an einer Privatschule eingegangen sei.

Durch die fehlende zeitnahe Benachrichtigung fühlte sich die Klägerin diskriminiert. Die Tatsache, dass sie beim Casting ein Kopftuch trug, sei bei dem Auswahlgespräch nicht thematisiert worden, sagte die Mutter von drei Kindern.

Bislang keine gütliche Einigung

Die Klägerin verwies auch darauf, dass sie nicht für den Unterricht vor Berufsschülern ausgebildet worden sei und an den staatlichen Grundschulen Lehrermangel herrsche. Dagegen verwies der
Vertreter der Senatsbildungsverwaltung darauf, dass kein Lehramtsanwärter einen Anspruch auf Einstellung an einer bestimmten Schule habe.

Das Gericht bot im Rahmen einer gütlichen Einigung der Klägerin für das erfolglose Casting 500 Euro Aufwandsentschädigung an. Dieser Vorschlag wurde zunächst von beiden Seiten abgelehnt. Sollte der Vorschlag nicht innerhalb von zwei Wochen doch noch akzeptiert werden, ist für kommenden April eine weitere Verhandlung angesetzt.

Weitere ähnliche Verhandlungen

Das Berliner Neutralitätsgesetz verbietet das Tragen von religiösen Symbolen an allgemeinbildenden Berliner Schulen - mit Ausnahme von Berufsschulen. Zuletzt gab es deshalb eine steigende Zahl von Rechtsstreitigkeiten.

Im vergangenen Juni hatte sich das Land Berlin nach einem Vergleich dazu verpflichtet, einer muslimischen Lehramtsbewerberin, die aufgrund ihres Kopftuchs an einem Gymnasium abgelehnt worden war, eine Entschädigung in Höhe von zwei Monatsgehältern zu zahlen.


In einem weiteren Fall hatte das Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg im Februar einer abgelehnten Lehramtsbewerberin nach deren Klage Recht gegeben. Wegen Benachteiligung erkannten die Richter ihr eine Entschädigung in Höhe von ebenfalls zwei Monatsgehältern (8.680 Euro) zu.

Zwischen Januar und April 2018 kommenden Jahres sind nach Angaben des Berliner Arbeitsgerichts mindestens vier weitere "Kopftuchfälle" angesetzt.

Sendung: Abendschau, 23.10.2017, 19.30 Uhr

Kommentar

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46 Kommentare

  1. 44.

    Ob wir uns da nicht schon bald selber hassen werden und nicht erst unsere Kinder - das befürchte ich nämlich !

  2. 43.

    Es sind ja auch ALLE relig. Symbole im Beamtendienst verboten, nur Bayern macht meines Wissens eine Ausnahme .....
    Das ist ja das Problematische an den Frauen, die auf ihr Kopftuch bestehen, sie wollen nicht begreifen, dass es eben nicht allein um ihre Kopfbedeckung geht, sondern dass das Neutralitätsgesetz auch alle anderen Formen demonstrativer Religionszugehörigkeit verbietet. Sie wollen also eine Extra-Wurscht. Das gibt zu denken.

  3. 42.

    Wer hat eigentlich die Dame zur Klage angestiftet? Zur Bemerkung des RBB bezüglich der Anzeige bei der Polizei, das hatten wir doch schon mal zu Reichsrundfunkzeiten?

  4. 40.

    Nee, wir werden unser Land nicht dem rechten Mob überlassen.

    Nebenbei gesagt bin ich für das Verbot ALLER religiösen Symbole im öffentlichen Dienst.

    Lehrer dürfen demnach keine Kreuze, Davidsterne, Kippa oder das Kopftuch tragen.

    Der Religionsunterricht, egal welcher Konfession, gehört ebenso verboten.

  5. 39.

    Nach meine Meinung Kopftuch hat nicht zu suchen in der Schulen und und der Ämter.Deutschland ist kein Islamischer Staat. .

  6. 38.

    Sie haben nicht verstanden, wofür das Neutralitätsgebot steht. Es geht um religiöse SYMBOLE, nicht um religiöse Überzeugungen! Beides gehört in die Privatsphäre.

  7. 37.

    Liebe Agnes, daß wir ein säkularer Staat sind stimmt so nicht. Die Trennung von Staat und Religion ist in diesem Land eine Illusion. Wenn die konstituierende Sitzung des neuen Bundestags heute mit einem ökumenischen Gottesdienst eröffnet wird, frage ich mich: was hat die Religion da zu suchen? Aber da sieht man, wieviel Macht die Christen hier haben. <Mir wäre ein echter säkularer Staat auch lieber.

  8. 36.

    Ich empfehle allen christlichen oder unchristlichen Islamfreunden und -freundinnen hier mal einige Zeit in einem vom Islam geprägten Land zu verbringen. Nicht als Touristen, sondern im richtigen Alltag. Anscheinend haben das die wenigsten hier, wenn überhaupt jemand, getan. Ich habe. Und wenn sie mir dann immer noch erzählen, daß man diesen Menschen hier unsere Kultur schmackhaft machen kann, dann ist ihnen nicht zu helfen.

  9. 35.

    Warum wird über einen solchen "Fall" eigentlich in den Medien berichtet? Eine Bewerberin hat auf eine Bewerbung keine zeitnahe Antwort erhalten. Ein leider alltäglicher Vorgang. Aber weil jetzt ein Kopftuch dahinter steckt, meinen Medien, dem hinterher laufen zu müssen, wie der Hund dem Stöckchen. Die immer gleiche muslimische Opferrolle. Aus meiner eigenen aktiven Bewerbungszeit könnte ich über eine Vielzahl solcher Fälle berichten. Bin ich deshalb diskriminiert worden? Habe ich etwa viel Geld verschenkt?

  10. 34.

    Wir sind ein säkularer Staat und da gehört das Kopftuch einfach nicht hin, weil es ein religiöser Ausdruck ist. In Baden-Württ. wurde das Kopftuch von unserer ehemaligen Kultusministerin Schavan verboten und das Gericht gab ihr recht.
    Die Frauen, die Lehrerinnen sind und meinen, sie müßten unbedingt ihre religiöse Überzeugung auch noch in den Unterricht tragen, können ja versuchen, in einer Privatschule unterzukommen, die nicht staatlich subventioniert ist oder aber in einem islmamischen Land unterrichten, wo ein Kopftuch häufig sogar gefordert wird. Es hält sie niemand.
    Ich möchte jedenfalls keine Lehrerinnen mit Kopftuch für meine 4 Enkel haben.

  11. 33.

    "Neutralitätsgesetz"
    Ich persönlich bin für sekuläres Parlament, aber auch für religiöse Freiheit (bzw. Toleranz). Daher finde ich es systematisch als angebracht Preuß. Staatskirche wieder einzuführen, welche nicht als oberste rel. Authorität zu verstehen ist aber als wer bissel mitreden kann wenn es zu Fragen kommt wie Registrierung rel. Organisationen (wo leider nicht jede solche keine Sekte) und als jemand wer vom Staat sozusagen befehlt werden kann z.B. Bestattung eines Obdachlosen zu halten (statt dass irgendwelches Amt vielleicht nur in Graben schmeißt) oder Friedhof zu betreiben, was Sachen welche man nicht wie privaten Organisation befehlen kann - während Unsinn dass Parlament Sachen auftischt wie "national-identitäre Taufe" da indiv.spirituelle (Gemeinschafts)traditionen als solche zu verstehen sind und nicht als ob Volkskultur. Und ein Beispiel von Unsinn scheint mir das genannte Gesetz bzg. dass ein Tuch eben nicht ein Symbol, und z.B. Jeans nicht polit. Stellungnahme.

  12. 32.

    Lesen Sie einfach das Buch und versuchen es zu verstehen.
    Dann wird Ihnen klar werden, dass wir von dieser Fiktion nicht weit entfernt sind.
    Natürlich gibt es Menschen, die die Wirklichkeit niegieren, nicht wahrhaben wollen, aber dieser Roman deutet auf einen Weg den wir gehen werden, oder auch nicht. Dazu bedarf es aber, sich der Realität zu stellen.
    Sie, wie auch andere Schreihälse, die das "Gute" sehen wollen/sehen müssen, die alles Fremde, nicht Begreifbare mit "Nazi" titulieren (da sind Sie im übrigen keinen Deut besser, als die, deren Gesinnung Sie nutzen)werden kläglich scheitern und der Lächerlichkeit zum Opfer fallen.
    Das ist kein Rassismus, noch beleidigend. DAS ist die Realität!

  13. 31.

    Auweia, dazu werde ich mich jetzt nicht äußern.
    Nur soviel, sie sollten überlegen ob sie im für sie richtigen Land leben.

  14. 30.

    Lieber Nutzer "Neutralität",
    Ja.
    Christliche Bewerber_innen, die sich nachweislich aufgrund ihrer Religion Diskriminierungen ausgesetzt sehen, können dagegen klagen.
    Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz ist tatsächlich neutral.
    Und richtig: Das Neutralitätsgesetz ist nicht verhandelbar, weil in mehreren Urteilen als diskriminierend eingestuft.
    Ich hoffe, ich konnte aufklären.

  15. 28.

    Was mich interessieren würde ist: Was passiert denn mit beleidigenden Kommentaren. Wenn diese nicht veröffentlicht werden, fühlt sich auch niemand beleidigt und es hat keine Konsequenzen für den Kommentator.

    Das wäre zwar besser, als die Beleidigungen zu veröffentlichen, doch optimal wäre das nicht.

    Oder irre ich mit dieser Annahme und es gibt entsprechende Konsequenzen im Hintergrund?

  16. 27.

    Liebe Sofia,
    weshalb nehmen Sie an, dass sich die junge Frau über unsere Kultur hinwegsetzen mag?
    Sie hat sich entschieden, Mathematik (was sonst kaum junge Frauen auf Lehramt studieren) und Deutsch(!) zu unterrichten.
    Beide Fächer sind Grundlage unserer Kultur.
    Es gibt zu Recht ein Antidiskriminierungsgesetz: Sie selbst können - und werden - sich mit Recht darauf berufen, wenn Ihnen eines Tages gesagt wird: "Sie sind zu alt für den Job. Oder zu krank. Oder zu weiblich. Oder zu christlich.".
    Es sollten Leistung und Qualifikation zählen.
    Ich weiß meine Kinder lieber im fundierten Mathematikunterricht bei einer bekennenden Muslimin als den Unterrichtsausfall kompensieren zu müssen.
    Ein Machtzeichen ist das Kopftuch beileibe nicht: Machtzeichen sind m. E. n. die in jeder Kleinstadt alle 15 Minuten lang bimmelnden Kirchturmglocken, die ohne Rücksicht (auch nachts) das eigene Einflussgebiet markieren.

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