Dietmar Bartsch, Vorsitzender der Linksfraktion im Bundestag (Quelle: imago/Alexander Pohl)
Bild: imago stock&people/Alexander Pohl

Nach Wahlerfolg der AfD - Landesgruppe Ost soll Protestwähler zurückholen

In der Linken gibt es Pläne zur Gründung einer "Landesgruppe Ost" im Bundestag. Damit wolle man auf den Wahlerfolg der AfD reagieren, sagte Fraktionschef Bartsch der "Rheinischen Post". Seine Partei habe die Protestwähler nicht mehr binden können.

Als eine Konsequenz aus dem starken Abschneiden der AfD in Ostdeutschland plant die Linksfraktion im Bundestag die Gründung einer Landesgruppe Ost. Seine Partei habe einen Teil der Protestwähler nicht mehr an sich binden können, sagte Linksfraktionschef Dietmar Bartsch der "Rheinischen Post" (Samstagsausgabe). Deren Sorgen müssten ernst genommen werden. "Ich unterstütze diejenigen, die eine Landesgruppe Ost in der Bundestagsfraktion bilden wollen", sagte er.

"Kulturell gibt es 'die Ostdeutschen' nicht

Die neue Bundesregierung müsse ein Ministerium bilden, das sich speziell um den Osten und die Infrastruktur wie Breitbandausbau und den Ausbau des Verkehrswegenetzes in Richtung Osteuropa kümmert, sagte Bartsch weiter. Kulturell gebe es "die Ostdeutschen" nicht. Aber die Unterschiede zwischen Ost und West seien weiter zu groß, etwa in der Wirtschaftsleistung, bei Löhnen oder bei den Renten.

Bartsch wies auch auf niedrigere Mindestlöhne im Osten in der Pflege hin. "Das heißt, Pflege und Zuneigung im Osten sind weniger wert als im Westen. Das kann einfach nicht sein." Bartsch sprach sich auch dafür aus, dass die Linken-Politikerin Petra Pau erneut für das Amt der Bundestagsvizepräsidentin kandidiert, das sie seit 2006 innehat.

Bei der Bundestagswahl am 24. September war die AfD mit 12,6 Prozent der Stimmen erstmals in den Bundestag eingezogen. Besonders stark schnitten die Rechtspopulisten in Ostdeutschland ab. Die Linke hatte bei der Bundestagswahl 9,2 Prozent erreicht und sich im Vergleich zu 2013 leicht verbessert.

Sendung: Inforadio, 07.10.2017, 10.30 Uhr

Kommentar

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18 Kommentare

  1. 18.

    Lieber werde ich wieder Nichtwähler, als einmal diese Partei zu wählen!

  2. 17.

    "Hinterherrennen" ist vielleicht die falsche Bezeichnung. Die Wähler müssen natürlich selbst entscheiden, wen oder was sie wählen. Es geht aber schon darum, die jeweils typischen Sorgen des bestimmter Schichten ernst zu nehmen. Gerade im Bereich der Protestwähler gibt es mit der AfD natürlich einen Wettbewerber. Deutlich zu machen gilt, dass nicht die noch Schwächeren schuld an ihrer eignen Situation sind; z.B. mit der nationalen bis internationalen Politik die Fluchtursachen zum Teil ihres eigenen Protests zu machen; damit wiederum Solidarität gegenüber eben dieser Politik.

  3. 16.

    Diese Ost-West-Unterteilung ist Unsinn! Vielleicht kann die Linke so ein paar Stimmen zurück holen, aber die Unterschiede sind doch eher Stadt-Land und allgemeine Infrastrukturprobleme in verschiedenen Regionen.

  4. 15.

    Hier sollte die Linke sagen: "wir rennen keinem nach rechts aussen hinterher. Wer glaubt er ist bei der AfD besser aufgehoben, der soll ruhig weg bleiben". Nennt es eine Bereinigung des politischen Spektrums. Sucht euch lieber links neue Wähler, bei den Nichtwählern muss es da doch noch Potential geben.

  5. 14.

    Ich mag den Begriff Protestwähler auch nicht,allerdings bezeichnet Bartsch auch die eigenen Wähler als Protestwähler und die Linke sich selbst auch als Protestpartei. Auch die AfD hat sich selbst schon als Protestpartei bezeichnet. Inahltlich ist das sicherlich richtig,ich mag den Begriff aber trotzdem nicht,da eben genug Wähler auch aus Überzeugung wählen.
    Kannst das Schmollen also wieder einstellen.

    @erich
    "sie sagen nicht,wer das alles bezahlen soll."
    Doch haben sie. Grundeinkommen wurde nicht gefordert,es wird diskutiert. Allerdings wird das niemanden interressieren,der ernsthaft glaubt die Partei ist dieselbe wie vor 25 Jahren.

    @Lore Ley
    "Allerdings hat sie bisher noch nicht ein einziges Mal ein Vorschlag vorgestellt, um einen Missstand abzustellen."
    Die Aussage wirft kein gutes Licht auf dein Politikwissen. Totaler Blödsinn.

  6. 13.

    Es geht mir hier nicht um die Versprechungen einzelner Parteien, sondern um die Benutzung eines solchen Vokabulars. Ein Wähler ist ein Wähler und es ist gut, wenn er wählt. Punkt

  7. 12.

    Sie haben noch die braun - blaue Flut (AfD mit teilweise rechtsextremer Führung) vergessen. Wie die sich öffentlich austobt, kann in den Pressemitteilungen der Partei vor allem seit November 2016 nachgelesen werden (www.alternativefuer.de/Presse/...).

    Dann gibt es auch noch die "Biosprit"-Flut. Hierzu habe ich am 6. 10. 2017 auf dem Politiksender Phoenix TV die Dokumentation "Wir tanken Regenwald - Die Lüge vom Ökodiesel" von Florian Schneider und Ines Rainder gesehen. Die in 1000 Zeichen darstellbare wichtigste Aussage der sonst kostenfrei unter www.youtube.com abrufbaren und sehr überzeugend gestalteten Dokumentation ist die Aussage des Sonderbeauftragten der Vereinten Nationen für das Recht auf Ernährung, Jean Ziegler, das ohne Biospritproduktion die Ernährung von 12 Millarden Menschen problemlos möglich sei. Die von ihm in Bezug genommenen Berichte sind auf der Internetseite des Welternährungsprogramms der VN unter www.fao.org nachlesbar.

  8. 11.

    Vielleicht sollten Linke und AfD einfach fusionieren, um das Potential der Protestwähler voll auszuschöpfen. In der Frage der Beurteilung der NATO, russischer Diktatoren und Freihandelsabkommen ist man bekanntlich d'accord. Auch bei der Staatsgläubigkeit liegen beide auf einer Linie. Prinzipiell wollen beide eine DDR 2.0

  9. 10.

    Arbeitsscheu und inkompetent? Das schreiben ausgerechnet Sie? Wenn Sie unter www.bundestag.de Bundestags-Drucksachen lesen würden, würden Sie nicht einen solchen Quatsch verfassen. Oder Sie wären ein Hetzer. Aber es ist immer dasselbe: Zu allem eine Meinung, von nichts eine Ahnung. Das ist der "Souverän".

  10. 9.

    Sie haben die Hetzsprache der Bildzeitung. Die Sondereinsatzgruppen der SS erschossen in den besetzten Gebieten der Sowjetunion hunderttausende Juden. Als das sogar diesen Bütteln zuviel wurde und die anfingen, zu saufen, wurde auf Befehl des Reichsführers SS, Heinrich Himmler, zur Vergasung über gegangen, um mehr räumliche Distanz zwischen Opfern und Tätern zu schaffen. Die Leichen aus den Gaskammern holen und verbrennen, mussten jüdische Häftlinge tun. Es gab in der DDR in Sachen Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Umweltpolitik gewaltige Defizite. Trotzdem sind Ihre SS-Vergleiche ahistorisch und widerlich.

  11. 8.

    Die SED-Nachfolgeorganisation "Linke" hatte ihre Chance ... und ... diese vertan.
    Es ist wie in der Realität. Dem Erdbeben(Zuwanderung) folgt der Tsunami(Wählerentscheid).

  12. 7.

    Wenn man Politik macht, um Wähler zu halten, ist man nicht glaubwürdig. Man muss mit Inhalten überzeugen.

  13. 6.

    Niemand kann ewig Protestpartei sein. Ich kenne keine Partei, die so treffend Fehlentwicklungen analysieren kann wie die Linke. Allerdings hat sie bisher noch nicht ein einziges Mal ein Vorschlag vorgestellt, um einen Missstand abzustellen. Zu so einem Vorschlag gehört neben der Finanzierbarkeit auch die Auswirkung auf andere, positiv sowie negativ.
    So gesehen, stellt sich die Linke-Führungsriege als inkompetent und arbeitsscheu dar.
    Nach so vielen Jahren Teilnahme an der Politik ist reines Brüllen nicht mehr angesagt, so langsam muß Qualtität her. Mit Bartsch und Kipping wird jedoch die Oberflächlichkeit des Parteigebarens weiter ausgebaut.

  14. 5.

    Der Zug ist abgefahren liebe Linke. Das hättet Ihr Euch früher überlegen sollen. Wenn ich allein an die Braunkohle denke, wird mir ganz anders

  15. 3.

    Sie fragen,"womit wollen sie locken"
    Mit: kostenlose Kita... günstiger preiswerter Wohnraum....kostenlose Tickets für den öffentlichen Nahverkehr..... .bedingungsloses Grundeinkommen.....und und und ..... .fehlt nur noch Freibier für alle.
    Es hat nur einen Haken.......sie sagen nicht,wer das alles bezahlen soll. Diese Partei hat schon mal ein Land gegen die Wand gefahren. Schon vergessen ??

  16. 2.

    Welch tolle Wortschöpfung - Protestwähler -. Ist das nun ein guter Wähler oder ein schlechter Wähler? Die Linke (PDS) waren die ersten, welche die "Ehre" hatten, von Protestwählern gewählt zu werden. Damals waren sie die "Bösen". Jetzt ist es die AfD. Also sind nun deren Wähler die Protestwähler. Leider protestieren die Wähler der AfD gegen Zustände, welche von den Linken mitgetragen werden. Womit wollen sie also locken? Letztendlich ist es die bewährte Methode von Parteien und Medien, ihnen nicht genehme politische Meinungen mit einem Begriff zu garnieren, der ihnen echte politische Argumentation erspart. Bei nationalen Parteien wie der AfD sind es die Rechtspopulisten, wenn das nicht reicht kommen noch ein paar Faschisten dazu und deren Wähler sind dann Protestwähler. Ich bin der Meinung, dass jeder Bürger, der in die Wahlkabine geht, ein Wähler ist. Es ist seine eigene Entscheidung, wen er wählt.

  17. 1.

    das wäre wichtig
    S onder
    E insatzgruppe
    D eutschland ( Ost )

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