Das Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof (Quelle: dpa/Kay Nietfeld)
Bild: dpa/Kay Nietfeld

Kältehilfe am Ex-Flughafen Tempelhof - Obdachlosenhilfe im Hangar könnte sich verzögern

Obdachlose sollen im Winter wieder am früheren Flughafen Berlin-Tempelhof einquartiert werden. Doch ob dies zum Beginn der Kältesaison klappt, ist offen. Die Gemengelage zwischen Senat, Bezirk und dem Betreiber der dortigen Flüchtlingsunterkunft ist kompliziert.

Der Berliner Senat will im Rahmen der Kältehilfe wieder rund 100 Obdachlose in einem Hangar am ehemaligen Flughafen Tempelhof unterbringen. Das bestätigte Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke) am Donnerstag im rbb-Inforadio.

Man habe in der vergangenen Kältehilfesaison 2016/17 sehr gute Erfahrungen mit der Unterbringung gemacht, denn der Hangar liege verkehrsgünstig und biete Aufenthaltsräume und Duschmöglichkeiten. Das seien ausgesprochen gute Bedingungen, sagte die Linken-Politikerin.

Doch ob der vorgesehene Starttermin zum 1. November gehalten werden kann, ist offen. Am Freitag sollen bei einem klärenden Gespräch Querelen zwischen den verschiedenen Beteiligten beigelegt wereden, darunter der Senat, der Bezirk Tempelhof-Schöneberg sowie Träger der Obdachlosen- und der Flüchtlingshilfe.

In Berlin leben schätzungsweise mehr als 6.000 Menschen auf der Straße, viele kommen aus Osteuropa. Zuletzt hatten sich Beschwerden über aggressive Obdachlose in Berliner Parks und Grünanlagen gehäuft.

Mehrere Doppelstockbetten stehen am 09.12.2015 jeweils in den Familienquartieren in einem Hangar im ehemaligen Flughafen Tempelhof in Berlin (Quelle: dpa/Bernd von Jutrczenka)
Flüchtlinge im Hangar des ehemaligen Flughafens Tempelhof | Bild: dpa/Bernd von Jutrczenka

"Geflüchtete zumutbar unterbringen"

In den Hangars sind aktuell noch rund 200 Flüchtlinge untergebracht – Alleinstehende und Familien mit (Schul-)Kindern, darunter auch Menschen, die "ganz normal zur Arbeit gehen", wie Matthias Nowak, Sprecher des Betreibers Tamaja, rbb|24 am Donnerstagmorgen sagte.

Man sei grundsätzlich dafür, Obdachlose aufzunehmen, und zwar in größerer Zahl als bisher, so Nowak weiter. Zugleich betonte er die Dringlichkeit, dass die Flüchtlinge woanders untergebracht werden müssten: Sie lebten nun schon fast zwei Jahre in äußerst prekären Verhältnissen in den Hangars. Es sei nicht zumutbar, dass sie entgegen allen Versprechungen länger bleiben. Die Container, die auf dem ehemaligen Rollfeld vor den Hangars aufgebaut wurden, stünden noch nicht zur Verfügung. Sie seien baulich noch nicht fertiggestellt, ein Betreiber stehe noch nicht fest.

"Von Senatsseite heißt es immer, es gebe keine Plätze für Geflüchtete", kritisiert Nowak. An anderer Stelle bestünden es dann aber doch Möglichkeiten. Beispielsweise würden in Kürze fast 400 Geflüchtete von Spandau nach Pankow gebracht. "Darüber wundern wir uns sehr."

Betreiber würde bis zu 300 Obdachlose aufnehmen

Tamaja bot laut Nowak dem Senat schon vor Wochen an, bis zu 300 Obdachlose in den Hangars aufzunehmen und dort auf eigene Kosten - finanziert durch Spenden und Kooperationen - sozial zu betreuen. Doch diese Anzahl werde vom Bezirk Tempelhof-Schöneberg blockiert, der die Kältehilfe-Plätze finanzieren müsste, kritisierte der Sprecher.

Auch der Senat verweist auf rbb-Anfrage auf den Bezirk: "Welcher Träger letztendlich für die Kältehilfe in Frage kommt, obliegt der alleinigen Verantwortung des Bezirkes Tempelhof-Schöneberg", so die Sprecherin der Sozialverwaltung, Karin Rietz.

Jutta Kaddatz (CDU), Bildungsstadträtin Tempelhof-Schöneberg (Quelle: rbb Abendschau)Tempelhofs Sozialstadträtin Jutta Kaddatz (CDU)

Starttermin 1. November gefährdet

Der Bezirk wiederum sagt, man habe seit Mai in Gesprächen mit einer anderen Kältehilfe-Träger gestanden. Dieser Träger, der mit Tamaja kooperieren wollte, habe aber erst im Oktober abgesagt, so Sozialstadträtin Jutta Kaddatz (CDU) gegenüber rbb|24. Der Starttermin zum 1. November sei nun gefährdet. Ein neuer Träger müsse bestimmt, zahlreiche Genehmigungen müssten eingeholt, ein Zuwendungsvertrag unterschrieben werden. "Ich bedauere das außerordentlich", sagt Kaddaz.

"Nicht zu viele Kältehilfe-Suchende an einem Ort"

Hintergrund sind offenbar unter anderem verschiedene Auffassungen zur Zahl der Aufzunehmenden. Die Sozialstadträtin sagt, der vorgesehene Träger habe bis zu 250 Obdachlose im Hangar einquartieren wollen. Dagegen habe der Bezirk "fachliche Bedenken" gehabt und dies bei einem Treffen mit dem Senat und dem Träger auch deutlich gemacht.

"Mehr als 100 Kältehilfe-Suchende an einem Ort bieten ein zu großes Potenzial für Konflikte mit der Nachbarschaft", sagt Kaddatz. Es sei ein spezielles Klientel, das die Kältehilfe aufsuche. "Dort werden Menschen nicht gefragt, wer sie sind. Sie werden ohne Ansehen der Person mit einem Nachtlager versorgt, um eine Gefahr für Leib und Leben abzuwenden. Diese Menschen sind teils hoch aggressiv und alkoholisiert", so die CDU-Politikerin. Wie im vergangenen Jahr müsse dieses Klientel in den Tempelhofer Hangars streng getrennt von den Flüchtlingen untergebracht werden.

Die Kältehilfe sei im Übrigen ein freiwilliges Angebot der Bezirke. "Mit insgesamt 115 Plätzen wagen wir uns in Tempelhof-Schöneberg weit vor", betont die Stadträtin.

Sendung: Inforadio, 19.10.2017, 09:05 Uhr

Kommentar

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23 Kommentare

  1. 20.

    Dann lesen sie doch mal ihre Beiträge durch, überlegen einen Moment und antworten dann noch mal.

    Evt. kommen sie ja darauf wie ich zu meiner Meinung komme.

  2. 19.

    Scheinen Sie die Meinung Anderer nicht zu verstehen/zu begreifen, sind das für Sie "Rassisten" und "Nazis".
    Was sagt das über Sie aus?
    Ich sollte es den Anderen Gleich tun und mich nicht auf Ihre untere Stufe stellen.

  3. 18.

    Nö.

    Aber schade dass ich ihnen nicht erklären darf was ich davon halte.

    Mal abgesehen von dem ziemlich üblen Rassismus...

  4. 16.

    Ich glaube wir haben in Deutschland ein gesetzlich hausgemachtes generelles Problem damit, Menschen wieder nachhause zu schicken,wenn sie hier keinen Anspruch auf ein Bleiberecht mit gültigem Aufenthaltsstatus haben oder/und aus dem EU-Ausland kommen. Dazu kommt die Einstellung des aktuellen Senats NIEMANDEN abschieben zu wollen.
    Die Diskussion über einreisende Flüchtlinge wäre sicher entspannter,wenn all die zeitnah und konsequent abgeschoben würden,deren Anträge auf Asyl abgelehnt wurden. Ich würde das Asylverfahren auch mit dem Rechtsbehelf Widerspruch abschließen und nicht mit langen Klageverfahren künstlich verlängern. Dann gäbe es auch weniger Aufschreie,dass erst nach Jahren abgeschoben wird. EU-Bürger sind nachhause zu schicken,die sich hier strafbar machen. Hier und in der EU werden aber Gesetze verabschiedet,die diese Menschen zum Schaden des jeweiligen Gastlandes schützen.
    Verkehrte Welt.
    http://www.eu-info.de/leben-wohnen-eu/aufenthaltsrecht-eu/ausweisung-eu-auslaender/

  5. 14.

    So ist es, die EU ist das Problem. Sie nutzt nur den Konzernen. Der Steuerzahler ist naiv und freut sich ohne Pass vorzeigen zu müssen, nach Polen reisen zu können. Das zeigt die Hoffnungslosigkeit für uns. Die Verdrängung der Obdachlosen in den Ostteil der Stadt ist doch offensichtlich, ich war erschrocken, die Bilder vom Bahnhof Frankfurter Allee sehen zu müssen, dabei können die Menschen da doch am allerwenigsten für Probleme dieser vekommenen Stadt. Hier fehlt in der Stadt jemand, der die Dinge beim Namen nennt und handelt.

  6. 11.

    "Für die Obdachlosen sollte eine angemessene Einrichtung errichtet werden oder irgendwelchen leerstehenden 60er Jahre bauten genutzt werden."

    "angemessene" oder "irgendwelche". Widersprüchlich. Auch weil beide Unterbringungsorte "GhettSios zu schaffen" bedeutet. Was Sie wohl ablehnen.

  7. 10.

    Ich kann mir nicht vorstellen das dies eine Dauerhafte Lösung ist.Es geht aber darum Menschen eine Unterkunft ü.d.Winter anzubieten.Von Ghetto kann hier nicht d.Rede sein.

  8. 9.

    Was klappt denn jetzt schon wieder nicht mehr. Dann sollen sie überbezahlten Amtsinhaber nen Tausender springen lassen. Ist ja nicht mehr zum Aushalten...

  9. 8.

    Da gebe ich Ihnen Recht.
    Eine Abschiebung geht bei EU-Bürgern nicht, aber umsiedeln, umsiedeln an die EU Grenze ginge. Vielleicht nach Polen, Bulgarien oder Rumänien.

  10. 7.

    Genau zum einen mag ich Müller nicht und zum anderen bin ich absolut dagegen, die Hangars weiterhin zu'missbrauchen'. Das ist ja keine konstruktive Nutzung. Für die Obdachlosen sollte eine angemessene Einrichtung errichtet werden oder irgendwelchen leerstehenden 60er Jahre bauten genutzt werden. Statt Kulturerbe zu zweckentfremden und Ghettos zu schaffen.

  11. 6.

    Ihnen geht es also garnicht darum dass die Obdachlosen aus dem Tiergarten verschwinden sondern einzig und allein um diese abzuschieben.

    Was machen sie dann mit den EU Bürgern? Oder mit Obdachlosen mit deutschen Pass? Internierungslager?

  12. 5.

    Warum wird auf die Flüchtlinge mehr Rücksicht genommen als auf Obdachlose. Das ist überhaupt nicht einzusehen. Und warum ist es für Flüchtlinge nicht zumutbar, mit Obdachlosen zusammenzuleben?
    Die Flüchtlinge sind hier absolut sicher und haben ein Auskommen.

  13. 4.

    Der Flughafen Tempelhof ist ein Baudenkmäler und UNESCO-Weltkulturerbe. Das dort seiner Zeit Flüchtlinge untergebracht wurden "sollte eine Ausnahme sein und bleiben" (Müller, 06.01.2016).
    Jetzt dort Obdachlose unterzubringen, widerspricht den Aussagen.
    Wo bleibt da der Protest derer, die eine Randbebauung verhinderten, denn nachdem die Obdachlosen dort wieder ausgezogen sind, wird, wie eben der Tiergarten, neu gebaut werden müssen, um die aufgetretenen Schäden zu beseitigen.
    Da ist eine Abschiebung in deren Heimatländer preiswerter.

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