Wohnungen auf dem Flughafen Tempelhof (Quelle: rbb)
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Video: Abendshow | 12.10.2017 | Bild: rbb

Gibt's doch Wohnraum am Tempelhofer Feld? - Wohnungen auf dem Flughafengebäude? "Eine schöne Vision!"

Wohnungen auf dem Tempelhofer Feld? Per Volksentscheid abgelehnt. Aber Wohnungen auf dem früheren Flughafengebäude? Diese Vision hatte ein Architekt vor ein paar Jahren - am Donnerstag traf er auf Berlins Bausenatorin. Und die findet die Idee nicht so schlecht.

Ja, es ist eine Binsenweisheit: Berlin braucht dringend Wohnungen. 14.000 "Fertigstellungen" habe es im vergangenen Jahr gegeben, sagte Berlins Bausenatorin Katrin Lompscher am Donnerstag in der rbb-Abendshow. Zudem baue man heute fünfmal so viel wie vor zehn Jahren. "Enorm viele Bauarbeiten sind in der Vorbereitung", so die Linke-Politikerin weiter.

Ein Problem beim Bauen ist der verfügbare Platz. So viel gibt es davon nicht in der Stadt, weshalb der Senat tausende Wohnungen auf dem Flughafen Tegel bauen will. Doch das Projekt liegt nach dem Volksentscheid erst einmal auf Eis. 

Auch auf dem früheren Flughafen Tempelhof wollte der Berliner Senat Wohnungen bauen, doch auch dieses Vorhaben wurde durch einen Volksentscheid torpediert. Doch während der Senat und Investoren nun ihre Fühler in andere Ecken der Stadt ausgestreckt haben, hat der Architekt Arno Brandlhuber das Tempelhofer Feld weiter im Blick. Oder genauer: das Dach des früheren Flughafengebäudes. Vor Jahren schon präsentierte er die Idee, auf dem denkmalgeschützten Gebäude tausende Wohnungen zu errichten. 

"Ist der Deal gemacht, wenn ... ?"

Diese Idee brachte er am Donnerstagabend in der rbb-Abendshow erneut ein. Neben ihm saß: Bausenatorin Lompscher. "Das ist eine schöne Vision, die gefällt mir wirklich gut. Wie ich weiß, müssen wir das mit dem Denkmalschutz besprechen" sagte sie nach einem Blick auf das Bild (siehe oben). Und nicht nur das: "Das können wir ja mal versuchen", zeigte sie sich offen. 

Diese Chance wollte sich der Architekt nicht nehmen lassen: "Ist der Deal gemacht, wenn ich den Denkmalschutz überzeuge, dass wir aufstocken dürfen, dann habe ich den Auftrag?", fragte Brandlhuber mit einem Augenzwinkern. "Das entspricht natürlich nicht den Vergaberegeln, aber wir sollten darüber reden", sagt Lompscher unter dem Gelächter im Studio. Ebenfalls mit einem Augenzwinkern.

Im Tagespiegel präsentierte Brandlhuber bereits vor zwei Jahren seine Vision: 3.500 Wohnungen, sechs bis acht Geschosse. Auch beim Denkmalschutz sah er kein Problem. "Bedingung für jeden Umbau ist, dass das historische Gebäude geachtet wird. Durch das freie Geschoss wäre ein gebührender Abstand zwischen dem historischen Flughafengebäude und dem Aufbau gegeben. Und unten im Flughafen könnten die Wohnfolgeeinrichtungen untergebracht werden – vom Kindergarten bis zum Lebensmittelmarkt." Denn: "Das Schlimmste für ein Denkmal ist, wenn es nicht genutzt wird und Stück für Stück verfällt."

"Visionen und Überlegungen erlaubt"

Und was bleibt nun von dem verbalen Schlagabtausch? Auf Anfrage teilt die Pressestelle der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen am Freitag mit, dass "Stadtentwicklungspolitik in der Regel nicht in Talkshows gemacht wird". Es gebe "zur Zeit keine Pläne, Wohnungen auf dem Flughafengebäude Tempelhof zu erreichten". Visionen und Überlegungen, wo mehr Wohnungen gebaut werden könnten, seien "natürlich" erlaubt.

Herr Brandelhuber und die Senatorin seien ins Gespräch gekommen. "Wir werden sehen, was sich daraus ergibt - aber ganz sicher keine schnelle Beauftragung für Wohnungen auf dem Dach des Flughafengebäudes."

Kommentar

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13 Kommentare

  1. 13.

    Stimmt, jeder Mist wird heute unter Denkmalschutz gestellt. Ich würde diverse um 1900-Bauten sofort wegkloppen und ordentliche zeitgemäße Bauten durch Investoren errichten lassen und die können das dann auch privat vermieten.
    Einige Altbauten sind die Mietpreise nicht mehr wert, der Tech-Standard ineffizient, Steckdosen sind in der 60-Logik sinnlos an den Wänden. Altbauten mit Keller riechen immer vermodert wenn man sie betritt. Ob das so gut ist? "Grundsaniert" wäre hier das Schlagwort, aber das ist auch alles Augenwischerei. Es bleibt Altbau. Der Denkmalschutz ist Quark, hindert die Neubebauung.

  2. 12.

    Es gibt genügend Wohnungen, z.B. immoscout24 liste im Exposé ohne Ende Wohnraum auf.
    Sie reden von bezahlbar, 95% der Wohnungen oder Häuser zur Miete sind dort gelistet und bezahlbar.
    Natürlich nicht für Studenten und Jobber. Ich gehöre keiner Klasse an.

  3. 11.

    Es gibt keine sozialgerechten Wohnsiedlungen die nicht zu Ghettos und Problemgegenden geworden sind. Fakt.

  4. 10.

    Tja, investitionen durch Denkmalschutz verhindert ?
    Investoren wollen in den allermeisten Fällen Profit rausschlagen, und das nicht zu knapp, und denen auch noch unsere Berliner Geschichte Opfern ???
    Das hat gar nicht mit sozialverträglich Wohnen zu tun, aber der AHA-Effekt kommt bei vielen leider erst, wenn es zu spät ist.
    Vielleicht mal 15-20 Jahre zurückdenken, wie der Wohnungsmarkt da aussah und was in der zwischenzeit passiert ist, das alles hat gar nichts mit Denkmalschutz zu tun. Es ist nur fehlgeleitete Politik, nicht mehr, nicht weniger. Aber die Investoren haben die Tasche voll, wenn sie aus Berlin gehen.

  5. 9.

    Das Frage ich mich manchmal auch.Doch vergessen wir nicht was der Denkmalschutz auch verhindert hat u.noch leistet.Viele schöne Gebäude gäbe es nicht mehr u.Spekulanten hätten Narrenfreiheit.Beim Tempelhofer Feld täte eine Randbebauung sichtlich gut.

  6. 8.

    Warum eigentlich musste man einen Flugplatz überhaupt unter Denkmalschutz stellen? Luftbrücke hin oder her.
    Wieviele Investitionen sind eigentlich schon in Berlin durch übertriebenen Denkmalschutz verhindert worden??

  7. 7.

    Sie stempeln Menschen gleich von deren Wohnsituation ab. Welcher Klasse gehören Sie an? Menschen kommen sozialverträglich unter. Der Bildungsstandart spielt hierbei eine untergeordnete Rolle.Aber i.bin sicher das aus einer solchen Anlage ruhig beides miteinander harmoniert.Großzügiges Wohnen zusammen mit preiswertem Wohnraum.

  8. 6.

    Fast alle Sozial-Wohnsiedlungen sind zu Ghettos geworden.
    Wenn die Siedlungen bezogen werden, wissen Sie was für eine Klientel dort wohnt:
    Unterster Bildungsstand. Natürlich nicht jeder, aber die Mehrheit mit entsprechendem Nachwuchs.
    Kennen Sie Gropius-Stadt, Wilhelmsruh, Staaken/Heerstr.Nord, um nur einige zu nennen?
    Wenn das sozial vermietet werden soll, wird es Ghetto.

  9. 5.

    Woher wissen Sie denn jetzt schon das dieses Projekt welches erst einmal nur auf dem Papier steht ein Ghetto wird?Sind i.Ihren Augen wenig Verdienende Menschen mit Anrecht auf bezahlbaren Wohnraum Menschen zweiter-dritter Klasse?Oder sind Sie Hellseher?

  10. 4.

    Vollste Zustimmung.
    Einen Teil des Tempelhofer Feldes mit bezahlbaren Wohnungen bebauen.
    Dabei viele Bäume pflanzen und einen Park errichten bzw. eine Frischluftschneise erhalten.
    Wer hätte da etwas dagegen?

  11. 3.

    Das virtuelle Bild sieht so richtig nach "Mein Block" aus von dem Rapper mit S.
    Ich würde aber noch mehr in die Höhe bis zum 25 Stockwerk einen drauf setzen. Wenn Ghetto - dann richtig.

  12. 2.

    Steht d.Kleiderbügel nicht unter Denkmalschutz? Andererseits keine so schlechte Idee wenn denn keine Luxuswohnungen entstehen.

  13. 1.

    Bausenatorin Lompscher baut nicht nur am Bedarf vorbei - sondern Sie baut überhaupt nichts - jedenfalls nichts was bezahlbares Wohnen und Bauen in Berlin zulässt . Sollen die Berliner Bausenatoren doch endlich mal aufhören die Lobby Architektur und pulikumswirksame Sonderarchitektur zu zu fördern - sollen Sie doch endlich mal die " Umsetzung der Wohnungsbau-Offensive der " Bundes Architekten Kammer " befolgen und konkrete praktische Schritte zur Beseitigung des Wohnungsnotstand angehen - aber da werden wir in Berlin wohl noch Jahrzehnte warten müssen -- Wann startet Berlin endlich mal eine Offensive und lässt Berliner Architekten ran ?

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