Polizeiwagen und ein Rettungsfahrzeug der Feuerwehr stehen am 12.09.2016 in Berlin in der Nähe der U-Bahnhaltestelle auf dem Alexanderplatz (Quelle: dpa/Paul Zinken)
Video: Abendschau | 13.11.2017 | Kerstin Breinig | Bild: dpa

Schwere Kriminalität nimmt zu - Kandt kündigt spezielle Ermittlungsgruppe am Alex an

Mehr Sexualdelikte, mehr Körperverletzungen, mehr Vorfälle mit Drogen: Die Lage am Berliner Alexanderplatz verschärft sich. Im rbb forderte Polizeipräsident Kandt, die Beamten am Platz nicht allein zu lassen.

Für den Kriminalitäts-Hotspot Alexanderplatz hat Polizeipräsident Klaus Kandt eine spezielle Ermittlungsgruppe angekündigt. Diese solle sich speziell auf die Gruppen fokussieren, die derzeit auf dem Platz auffällig wurden - "quasi wie ein Intensivtäterkonzept", sagte Kandt am Montag in der rbb-"Abendschau". Polizisten hatten dem rbb berichtet, auf dem Platz sorge eine Gruppe von rund 30 Syrern und Afghanen immer wieder für Probleme.

Kandt kritisierte zugleich, die anhaltenden Probleme mit Straftätern seien auch durch die aktuelle Rechtslage bedingt. "Viele denken ja, es sei so einfach, die Leute in Haft zu bekommen - so ist es nicht." Es werde noch eine Weile dauern, bis sich die Lage entspanne, zeigte sich Kandt überzeugt. Nötig sei dafür auch ein ganzheitliches Konzept, beispielsweise einschließlich der Umgestaltung des Platzes oder einer besseren Betreuung für die Flüchtlinge.

Seit Anfang November wird am Alexanderplatz bereits die Jugendsozialarbeit verstärkt mit einem "Jugendraum". Das neue Projekt soll helfen, ein Abrutschen weiterer Jugendlicher in die Kriminalität zu verhindern.

Zahl der Sexualdelikte doppelt so hoch

Neue Zahlen der Polizei belegen inzwischen, dass die Zahl der Körperverletzungen sowie der Drogen- und Sexualdelikte am Alexanderplatz deutlich gestiegen sind. Zuerst darüber berichtet hatte die "Bild"-Zeitung.

Danach hat sich im Zeitraum von Januar bis Oktober dieses Jahres die Zahl der Sexualdelikte im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt: 36 Delikte wie Vergewaltigung und schwere sexuelle Nötigung zählten die Beamten bis einschließlich Oktober auf dem Platz in Berlins Mitte; 2016 lag die Zahl noch bei unter 20 Delikten.

Im Bereich der Körperverletzung wurden 150 mehr Fälle registriert. Im ganzen Jahr 2016 waren es 564 Taten gewesen. Zudem registrierte die Polizei von Januar bis Oktober 425 Straftaten im Zusammenhang mit Betäubungsmitteln - im Vorjahreszeitraum waren es noch knapp über 165.

Bei den Diebstählen verzeichnete die Polizei am Alexanderplatz immerhin einen Rückgang. Demnach wurden in diesem Jahr bislang 58 gestohlene Fahrräder registriert (2016: 115 Fälle), 9 Trickdiebstähle wurden gemeldet (2016: 39) sowie 728 Taschendiebstähle (2016: 1.345).

Straftaten berlinweit rückläufig

In der gesamten Hauptstadt ist die Zahl der begangenen Straftaten eher rückläufig. Das geht aus Teilen der Kriminalitätsstatistik der Polizei zum ersten Halbjahr 2017 hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegen. Wurden im ersten Halbjahr 2016 noch 279.833 Straftaten gezählt, waren es im ersten Halbjahr dieses Jahres 253.044 Fälle.

"Dass die Zahlen insgesamt rückläufig sind bedeutet nicht automatisch, dass es nicht an einzelnen Orten in der Stadt zu mehr Kriminalität kommt", sagte Tino Brabetz, Sprecher der Innenverwaltung am Montag. Wie sich die Zahlen weiteren kriminalitätsbelasteten Orten wie der Warschauer Brücke oder dem Kottbusser Tor entwickelt haben, konnte die Behörde am Montag noch nicht mitteilen.

Kommentar

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13 Kommentare

  1. 13.

    "Umgestaltung des Platzes" gelingt bisher grandios! Die Kontainerwache ist das letzte highlight. Die Massen schieben sich jetzt zwischen StraBaSchienen und Kontainer hindurch. Super toll gemacht.

  2. 12.

    Darum geht es doch gar nicht, sondern um das Erstaunen, dass man über diese Straftaten nichts/wenig im rbb gehört hat!! Mein Vorschlag: weniger über Wildtiere (Wölfe, Wolfsmanagement..) berichten (gefühlt jede zweite "rbb-Aktuell" - Sendung ein Filmbericht, als ob es nicht wichtigere Probleme im Land gibt), das schafft Sendeplatz für die wichtigen Themen!!

  3. 11.

    da stimme ich dem rbb zu. Es bestünde natürlich die Möglichkeit nach Art der Schuldenuhr Zahlen laufen zu lassen oder wie ein Boulevardblatt täglich reißerische Schlagzeilen zu produzieren " erneute... schon wieder ... " . also ein enormer Einfluß der Medien auf die Bevölkerung , der Druck ausübt. Das ist natürlich nicht gewollt u. wohl auch nciht sinnvoll . Es gilt das Abwägen von Informationen u. übertriebener Verunsicherung , und da ist der rbb nach meiner Einschätzung ganz gut aufgestellt. Allerdings sind 8000 Fälle in 2016 doch immerhin 22 Fälle täglich , ist das für eine Millionenstadt zu vernachlässigen ? wie sehen die Zahlen für Paris, Rom , London , München oder Hamburg aus ? ein Vergelich wäre interessant

  4. 10.

    In Berlin wurden 2016 rund 8000 Fälle von Vergewaltigung und sexueller Nötigung registriert. Wenn wir über jeden dieser Fälle berichten würden, wären das rund 22 Artikel täglich.

  5. 9.

    " eine spezielle Ermittlungsgruppe am Alex " dürfte wohl kaum sonderlich wirksam sein. " "Viele denken ja, es sei so einfach, die Leute in Haft zu bekommen - so ist es nicht." dann müssen eben dafür die gesetzlichen Voraussetzungen geschaffen werden, das kann " man " ja sonst auch. Und viel wirkungsvoller als Haft wäre die nicht anfechtbare Abschiebung von Kriminellen, andernfalls müssten viele neue Haftanstalten erst gebaut werden, diese und deren Unterhaltung ist dann selbstredend vom Steuerzahler zu finanzieren ; jedenfalls nie u. nimmer von den fordernden Politikern, egal welcher Partei. Ein 24 Std. anwesendes Polizeiaufgebot mit weitreichenden Befugnissen u. Gerichte, die entsprechend urteilen, das könnte wirken. Der Kriminalität mit immer mehr Toleranz zu begegnen ist der falsche Weg.
    Auf einen groben Klotz gehört eben ein grober Keil.

  6. 8.

    Das erfährt man dann mal ganz nebenbei ... 36 Vergwaltigungen und schwere sexuelle Nötigung.!! Wann wurde davon berichtet!? Hallo RBB ...
    Für mich als Frau ist das unglaublich was hier passiert. Und dann hat man keine Handhabe, diese Leute dingfest zu machen ( ich drücke mich mal vorsichtig aus ... und nein.. ich wähle nicht die AFD!!!!)
    Da hilft auch kein Selbstverteidigungskurs wenn der aufgebrachte Mob von Underdogs um einen herumsteht.

  7. 7.

    Also, die Sexualdelikte z.B. haben sich fast verdoppelt, und wir antworten mit einem Jugendraum wo Ballspiele stattfinden sollen. Aha!
    Nein, so wird das nix. Es muss doch möglich sein Straftäter auch festzusetzen. Und nicht nur genau so lange, wie die Anzeigenaufnahme dauert. Kein Wunder, dass es immer heftiger wird, wenn keine wirklichen Konsequenzen folgen.

  8. 5.

    Vielleicht schalten Sie meinen vorangehenden Kommentar nach dem Frühstück doch noch frei.?!?

  9. 4.

    ...auch das wird noch erledigt...mit immer weniger und älterem Personal
    Siehe auch Berliner Zeitung vom heutigen Tag:
    https://mobil.berliner-zeitung.de/berlin/polizei/ex-polizeichef---die-personalausstattung-in-berlin-ist-die-wurzel-allen-uebels--28840276

  10. 3.

    Die Blabla-Maschine ist am Funktionieren.....
    Wie lange gibt es die Probleme bereits?
    Wie lange ist das alles bereits bekannt?
    Nur Lippenbekenntnisse um die Leute ruhig zu stellen, nichts passiert und ein Modularbau, besetzt mit drei Hanseln in Uniform und Ordnungsamt will bitte was bewirken?
    Mir tun die unschuldigen Besucher des Alex und die Beamten der Berliner Polizei und der Ordnungsämter leid, die unter der Armut des Senats zu leiden haben.
    Berlin wird immer widerlicher, leider, da es doch viel schöne Ecken hier NOCH gibt - aber die Senatspolitik ist imstande, dies alles kaputtzumachen - danke dafür.....-

  11. 2.

    Ich verstehe nicht, warum unsere Vorschriften nicht derart angepasst werden, um straffällig gewordene Asylanten auszuweisen.
    Dies könnte auch zum Abbau von Vorurteilen gegenüber rechtskonformen Asylanten beitragen.

  12. 1.

    Wie immer man man hat nichts um gegen Kriminelle dieser Art vorzugehen und will ihnen nun noch Zucker in den .... blasen. Man selbst zieht sich in Schlips und Kragen zur Untersuchungskommission zurück und alles bleibt beim Alten. Außerdem, unser Alexanderplatz ist nun schon genug von Immobilienhaien verschandelt worden. Beseitigt die, die kriminelle und und nicht unseren einstmals schönen Platz.

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