Blumen und Kerzen an der Gedenkstelle (Gedenktafel) für den 1992 von Neonazis ermordeten Silvio Meier auf dem U-Bahnhof Samariterstrasse (Quelle: imago)
Bild: imago stock&people

25. Todestag - Warum Silvio Meier starb

Eine Straße in Berlin-Friedrichshain ist nach Silvio Meier benannt, es gibt eine Gedenktafel für ihn und auch ein Preis wird in seinem Namen vergeben: Am 21. November 1992 wurde der Linksaktivist von Neonazis getötet. Er hatte sich wegen eines Aufnähers eingemischt.

Auslöser soll ein Aufnäher mit der Aufschrift "Ich bin stolz, ein Deutscher zu sein" gewesen sein: Silvio Meier und seine Freunde sollen diesen Aufnäher am Abend des 21. November 1992 einem Neonazi von der Jacke gerissen haben. Meier, ein linksalternativer Aktivist und Hausbesetzer aus Berlin-Friedrichshain, und seine Leute wollten anschließend weiterziehen - sie verpassten aber ihre U-Bahn und begegneten dadurch dem Neonazi samt Begleitern im U-Bahnhof Samariterstraße erneut.

Am Westausgang des Bahnhofes kam es dann zu tödlichen Messerstichen. Silvio Meier starb mit 27 Jahren. Zwei seiner Begleiter wurden schwer verletzt.

Die Polizei sah keinen politisschen Hintergrund

Die Polizei sprach damals zunächst von einem Streit zwischen Jugendgruppen. Ein politischer Hintergrund wurde geleugnet. Inzwischen ist Silvio Meier offiziell anerkannt als Todesopfer rechtsextremer Gewalt.

Die Täter wurden zu Jugendstrafen verurteilt. Der 17-jährige Sandro S., der die tödlichen Messerstiche ausgeführt hatte, bekam am 2. Oktober 1993 in einem Jugendstrafverfahren wegen Totschlags eine Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren. Die Mitangeklagten, der 18-jährige Sven M. und der 17-jährige Alexander B., erhielten Freiheitsstrafen von dreieinhalb Jahren beziehungsweise acht Monaten, sie wurden zur Bewährung ausgesetzt.

Seit der Tat wird in Berlin jedes Jahr im November an Silvio Meier erinnert, mit einer Mahnwache samt Demo gegen Rechtsextremismus und Rassismus im U-Bahnhof Samariterstraße. In diesem Jahr findet die Demonstration, zu der Berliner Antifa-Gruppen aufrufen, am 25. November statt.

Gedenktafel, Straße und ein Preis

In der U-Bahn-Station gibt es eine Gedenktafel für Meier, die mehrfach geschändet und wiederholt gestohlen wurde. "Hier wurde Silvio Meier am 21. November 1992 von Faschisten ermordet", steht darauf. Im Friedrichshain ist seit 2013 nach vielen Querelen - vor allem ging es dabei um die einzuhaltende Frauenquote bei der Benennung - die frühere Gabelsbergerstraße nach Meier benannt.

Zudem vergeben Bezirksamt und Bezirksverordnetenversammlung von Friedrichshain-Kreuzberg seit 2016 den Silvio-Meier-Preis. Dieser soll "Menschen, Vereine, Initiativen und Projekte ehren und unterstützen, die sich in herausragender Weise gegen Rechtsextremismus, Rassismus, Ausgrenzung und Diskriminierung einsetzen." Der Bezirk will mit der Auszeichnung nach eigenen Aussagen klar Position gegen Rechts beziehen. Die Preisverleihung fand in diesem Jahr am tatsächlichen Todestag von Silvio Meier statt, nämlich am Dienstag (21. November). Geehrt wurden die Friedrichshainerin Edeltraut Pohl, die sich ehrenamtlich um die Belange von Geflüchteten kümmert, sowie die Ortsgruppe des Kampagnen-Bündnisses "Aufstehen gegen Rassismus", das anti-rassistische Schulungen und andere, vor allem gegen die AfD gerichtete Aktionen organisiert. Die AfD hatte zuvor erfolglos versucht, die Ehrung zu verhindern.

Im vergangenen Jahr war unter anderem "Polit-Putze" Irmela-Mensah Schramm, die seit über 30 Jahren rechtsextremistische Schmierereien und Aufkleber entfernt, mit dem Silvio-Meier-Preis ausgezeichnet worden.

Der 27-Jährige hinterließ einen kleinen Sohn

Silvio Meier war noch vor der Wende aus Quedlinburg im Harz nach Berlin gekommen. Er gehörte zu DDR-Zeiten zur "Kirche von Unten". Der Vater eines damals einjährigen Sohnes hatte sich stets klar gegen rechtes Gedankengut positioniert und soll auch am 17. Oktober 1987 in der Zionskirche dabei gewesen sein, als Neonazis dort das Punk-Konzert der Ost-Band "Die Firma" und der West-Band "Element of Crime" überfielen.

Sendung: Abendschau, 21.11.2017, 19:30 Uhr

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