Der ehemalige Vorsitzende der IG Keupstraße, Mitat Özdemir, spricht am 17.05.2017 in Köln (Nordrhein-Westfalen) beim "Tribunal NSU-Komplex auflösen". (Quelle: dpa/Henning Kaiser)
Bild: dpa/Henning Kaiser

"Tribunal - NSU-Komplex auflösen" ausgezeichnet - Amadeu Antonio Preis geht an Kölner Kunstprojekt

Der Amadeu Antonio Preis für Menschenrechte und gegen Rassismus geht in diesem Jahr an den Kölner Verein Lückenlos.

Der mit 3.000 Euro dotierte Hauptpreis würdige damit das Kunstprojekt "Tribunal NSU-Komplex auflösen", teilten die Amadeu Antonio Stiftung und die Stadt Eberswalde (Barnim) am Dienstag mit. Das Tribunal-Netzwerk ist in sieben deutschen Städten unterwegs, um an Tatorten des rechtsextremen NSU mit Aktionen den Blick auf die Betroffenen der Mordtaten zu lenken.

Netzwerk kritisiert mangelhafte Aufklärung zum NSU

Der Prozess gegen Beate Zschäpe und die Unterstützer des rechtsextremen NSU nähere sich seinem Ende, die versprochene Aufklärung über die rechten Netzwerke und staatliches Versagen sei dennoch bislang ausgeblieben.

Das Tribunal-Netzwerk aus mehr als 100 Engagierten lenke jedoch immer wieder die Aufmerksamkeit auf die staatlichen Strukturen, "die die Verbrechen des NSU tatenlos beobachtet, indirekt unterstützt oder ihre Aufklärung verschleppt" hätten, hieß es zur Begründung der Auszeichnung.

"träumen auf deutsch ohne untertitel"

Zwei weitere mit jeweils 1.000 Euro dotierte Preise gingen an Evelyn Rack und Billie Mind für die gegen traditionelle Rollenvorstellungen gerichtete interaktive Ausstellung "Add your Heroine!" sowie an Raman Zaya für die literarische Performance "träumen auf deutsch ohne untertitel". Zayas Fluchtgeschichte von Teheran nach Deutschland bilde dabei den Rahmen für eine Performance, "die alle Sinne anspricht und Fragen nach Heimat und Zugehörigkeit neu stellt".

Der Preis erinnert an den Angolaner Amadeu Antonio. Der 28 Jahre alte Gastarbeiter wurde im November 1990 von Rechtsextremen zu Tode geprügelt.

Sendung: Brandenburg aktuell, 28.11.2017, 19.30 Uhr

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2 Kommentare

  1. 2.

    Danke für Ihre Aufmerksamkeit. Geht ja nicht um eine "politisch korrekte Sprache" Sondern um historisch-kritisches Bewusstsein, um Haltung und schliesslich um die Selbstverständlichkeit der Verantwortung, die aus all dem Neues, den Fortschritt unserer Gesellschaft und unseres zusammen Lebens schafft.
    Wie also hängt es zusammen mit der Haltung es seien "Gastarbeiter" wie mit der Vorstellung es seien "Werksvertragsarbeiter" die so oder so Deutschland wieder verlassen werden. Wie reiht es sich in die Lebenslüge ein Deutschland sei kein Einwanderungsland. Wie in die immer wieder mehrheitlich mandatierte Regierungspolitik, die kein Einwanderungsgesetz, Respekt, Rechtssicherheit für Einwanderer schafft.
    Wie also mit dem radikalen Statement des NSU, dem Kern ihrer Mordpraxis, seiner Behauptung den Willen der Mehrheitsbevölkerung umzusetzen: Kein Einwanderer soll denken, er könne sich in Deutschland eine selbstständige ökonomische Existenz, eine gesicherte Perspektive, ein Leben aufbauen.

  2. 1.

    @rbb Wenn ihr schon so veraltete Begriffe wie "Gastarbeiter" verwendet, dann doch bitte den für Ostdeuschland im Jahr 1990 historisch zutreffenden "Werkvertragsarbeiter". Obwohl das im November 1990 wohl auch kein zutreffender Aufenthaltsstatus mehr war, als die Funktionäre bereits an den Abschiebungen der ehemaligen Vertragsarbeiter*innen gearbeitet haben. Wie wärs mit Ehemann und Vater eines deutschen Kindes oder Berufsbezeichnung und Betriebszugehörigkeit ... Ich finde etwas mehr Respekt für den Namensgeber des Preises geht schon. Wenns hier nur für zwei Halbsätze reicht, wie wärs mit einem Link hierher: http://www.amadeu-antonio-stiftung.de/wir-ueber-uns/wer-war-amadeu-antonio/

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