Die Polizei Brandenburg stellt ein Anti Terror Fahrzeug vor. (Quelle: rbb/Lisa Steger)
Video: Brandenburg aktuell | 10.11.2017 | Andreas König | Bild: rbb/Lisa Steger

"Survivor" offiziell vorgestellt - Brandenburg schafft Anti-Terror-Fahrzeug an

Die Polizei stellt sich auf mögliche Terroranschläge ein - auch in Brandenburg. In Potsdam stellte die Polizei nun einen 1,4 Millionen Euro teuren Mannschaftswagen vor. Er könnte Schüssen, Explosionen und sogar Chemiewaffen trotzen. Von Lisa Steger

Der dunkelblaue Mannschaftswagen hat Wände, die Kalaschnikov-Salven, Sprengstoff und Chemiewaffen standhalten würden. Die Fenster sind vergittert, an den Seiten gibt es acht Schießscharten. Der Wagen verfügt über ein Räumschild und ein Feuerlöschsystem.

Vor dem gepanzerten Fahrzeug posieren vier vermummte Polizisten des Spezialeinsatzkommandos in Schutzkleidung und mit Maschinenpistolen. Der islamistische Terror sei "eine Umstellung, jedoch ein Phänomen, auf das wir vorbereitet sind", sagt ein 49-jähriger SEK-Beamter, der seinen Namen nicht nennen darf. Berlin, Manchester, Barcelona, Brüssel. Der Beamte hat die Berichte noch im Kopf. "Es kommt darauf an, dass man darauf eingestellt ist, welche Bilder man da möglicherweise zu sehen bekommt", stellt er fest. Der 49-Jährige war vor gut einem Jahr an der Festnahme des Islamisten Jaber Al-Bakr in Chemnitz beteiligt. "Da war man mittendrin", stellt er fest. Es klingt nüchtern.

Zahl der Gefährder nimmt zu

Doch nüchtern heißt nicht blauäugig. "Die Entwicklung macht uns große Sorgen", erklärt Polizeivizepräsident Roger Höppner. In Brandenburg gebe es immer mehr sogenannte "Gefährder"; Höppner geht von einer niedrigen zweistelligen Zahl aus. Gefährder sind Männer, denen die Ermittler jederzeit einen Anschlag zutrauen. Fast täglich erhält die Polizei Hinweise aus Flüchtlingsunterkünften, so Höppner. Oft geht es um Männer, die schon in der Heimat gewalttätige Islamisten gewesen sein sollen.

Die Landespolizei führe aktuell fast 30 Ermittlungsverfahren im Zusammenhang mit mutmaßlichen Terroristen. Diese Verfahren beträfen Zuwanderer, vor allem Syrer und Tschetschenen. "Das ist für uns interessant, denn Brandenburg ist eines der Bundesländer - wenn nicht sogar das Bundesland - mit der größten tschetschenischen Community."

Der Polizeivizepräsident berichtet von einer "größeren Auseinandersetzung zwischen Afghanen und Tschetschenen" Ende Oktober in Perleberg im Kreis Prignitz; ein Tschetschene wurde dabei erschlagen. "Wir sind gegenwärtig dabei, die afghanischen Tatverdächtigen zu schützen", so Höppner, "wir müssen damit rechnen, dass wir auch künftig ähnliche Situationen in der Perspektive hier haben werden."

Fahrzeug international gefragt

Innenminister Karl-Heinz Schröter bestätigt die Angaben gegenüber dem rbb. "Die Zahl der Gefährder hat sich erhöht", so der SPD-Politiker. "Die Gefährder sind ganz überwiegend Menschen aus dem Nordkaukasus, es sind überwiegend Tschetschenen". Der Verfassungsschutz beobachte die Gefährder, "und wenn sie schon Straftaten begangen haben, haben wir polizeiliche Möglichkeiten", sagt der Minister.

In den letzten Jahren hat die Polizei viel Geld in neue Ausrüstung und Schutzkleidung investiert, berichtet Höppner. Das 1,4 Millionen Euro teure Fahrzeug zu erhalten, war allerdings schwer. Denn die Nachfrage nach dem "Survivor" sei groß - nicht nur in Deutschland, sondern international. "Manche Bundesländer bauen konventionelle Fahrzeuge um, wir haben uns für ein neues entscheiden und sind froh, es bekommen zu haben", betont der Polizeivize. In das bisher vorhandene Spezialfahrzeug hätten nur drei Menschen gepasst, "aber wir können mit dem neuen Fahrzeug auch evakuieren, retten und bergen, das konnten wir mit dem alten Wagen nicht."

SEK-Beamte wurden fortgebildet

Der "Survivor" kann bis zu 110 km/h schnell fahren. Er ist in Potsdam stationiert. Sollte jemand etwa in Cottbus – 138 Kilometer entfernt – oder in Wittenberge – 180 Kilometer entfernt – einen Anschlag begehen, so würde der Wagen über eine Stunde für die Anfahrt brauchen. Bis dahin müssten die "Ersteinsatzkräfte", die dafür schon ausgebildet seien, "den Täter binden", erläutert Roger Höppner.

Am Ende der Pressekonferenz stellen sich alle Offiziellen für ein Gruppenfoto vor dem "HMV Survivor" auf. Ihre Gesichter sind ernst; auch Innenminister Karl-Heinz Schröter wirkt ungewohnt bedrückt. Er sagt, er hofft, dass das Anti-Terror-Fahrzeug für immer in der Garage bleibt. Doch sicher könne man da nicht sein.

Sendung: Inforadio, 12.11.2017, 13:30 Uhr

Beitrag von Lisa Steger

Kommentar

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13 Kommentare

  1. 12.

    Gerade dieses Bundesland sollte bezüglich Einsatzes schwerer Technik sehr sensibel sein. Wer den Herbst 89 auf der Brandenburger erlebte, der kann nachvollziehen, was ich meine. Damals war die VP Bereitschaft aus Eiche im Einsatz gegen das eigene Volk. Der RBB veröffentliche dankenswerter Weise entsprechende Bilde.

  2. 11.

    Wer glaubt, dass das Räumschildbexrra für linke Demonstanten angeschafft wurde, hat den Artikel nicht verstanden. Es wird darauf hingewiesen, dass auch die Brandenburger schon länger einen Panzerwagen gaben.

    Witzigerweise sind es aber immer wieder due Verteidiger linker "Aktivisten", due such gegen einen zu wehrhaften Staat aussprechen. Dabei trug die letzte deutsche Diktatur doch genau dieses Etikett. Nur haben auch viele SEDler die eigene Vergangenheit ebenso erfolgreich verdrängt wie meine Grosseltern-Generation deren Verhalten ein paar Jahrzehnte vorher.

  3. 10.

    Schier unglaublich für was dieses Bundesland Geld ausgibt :-(

  4. 9.

    Und wenn dieses Fahrzeug Kettenantrieb und eine Vorrichtung für automatische Waffen hätte, wäre es egal. Dieses Fahrzeug soll Polizeibeamte schützen, die ihre Gesundheit für unsere Gesundheit riskieren. Wer jetzt fabuliert, dass es gegen unbescholtene Bürger und Demonstranten eingesetzt wird, hat wahrscheinlich immer noch nicht verstanden dass unsere Polizei eine Polizei eines demokratischen Landes ist.
    Ich jedenfalls vertraue unserer Polizei wie auch unseren Politikern (egal welcher Partei sie angehören).
    Wer das infrage stellt, sollte sich Politiker und Polizeien anderer Länder anschauen..... oder mal erleben dürfen.
    So, jetzt ist die Wut raus.

  5. 8.

    Na immerhin subtiler als ein Kettenpanzer. Na da werden sich die Wölfe Brandenburgs nun aber warm anziehen müssen! Jetzt werden sie alle platt gemacht, wuharhar! Von sehr, sehr, sehr ängtlichen Jägern/Polizist*innen etc. Wobei, mit einem, in Zahlen 1, Fahrzeug wird das generell und erst recht in Brandenburg, nunja, zur Vermehrung von Wölfen führen. Finde ich gut. :)

    Im Ernst, was für eine Geldverschwendung und was für eine staatliche Subvention von Rüstungskonzernen - widerlich. Wenn das Berlin macht, muss Brandenburg das auch machen. Jaja, das mit dem selbstständigen Denken üben wir aber nochmal, Herr Schröter. Einfach unnötig sowas.

    Was hat es in letzter Zeit nicht alles für islamistische...äh...hm, nee, anders: Was hat es in letzter Zeit nicht für rechtsextreme Anschläge in Brandenburg gegeben. "Überraschung", auch gegen rechtsextreme Taten helfen keine Panzerwagen, sondern Ermittler*innen. Oh, aber bitte keine vom Verfassungsschutz - nicht den Bock zum Gärtner machen. ;)

  6. 7.

    Mit der Karre sollte man mal auf dem Alex aufräumen...

  7. 6.

    Berlin hat ebenfalls ein solches Fahrzeug bestellt - aber eben nur eins. Dabei würden mindesten drei benötigt: Ein Fahrzeug als Streifenwagen für den Wahlkreis von Frau Bayram, eins für Anti-Terror-Einsätze und eins als Reserve.

  8. 5.

    Zitat: "Das sieht eher danach aus, als wolle man mit dem Schieber Demonstranten beiseite schieben. Man selbst verschanzt sich hinter sicherem Stahl und was dann?"

    Davon gehe ich auch aus.
    Ich wette, wir werden das Ding beim nächsten internationalen G-irgendwas-Gipfel sehen, wie es durch eine Sitzblockade aus Frauen und Kindern räumt, während auch den Schießscharten Hektolieterweise Pfefferspray verschossen wird.
    Aber nach G20 in Hamburg fallen ja in D auch angemeldete Demos problemlos unter Terrorismus.

  9. 4.

    Kein bei redlichem Verstand befindlicher Mensch glaubt allen Ernstes
    beim freien Lauf aller Turbolenz-Hunde
    hätte der Staat auch nur eine Spur von Chance
    hinterher zu kommen.
    Ok,die Polizei ist in dem Wagen einigermaßen hermetisch abgeschlossen geschützt
    doch
    was wird aus der drum herum befindlichen Normal-Bevölkerung ?
    Ok,Brandenburg hat evtl. 10 oder 100 solcher Wagen
    bloß
    der Terrorismus kann überall zuschlagen,so dass
    wenn die Wagen an Ort und Stelle sind
    schon längst alles vorbei ist.

  10. 3.

    Das sieht eher danach aus, als wolle man mit dem Schieber Demonstranten beiseite schieben. Man selbst verschanzt sich hinter sicherem Stahl und was dann?
    Wäre es nicht besser, die Rüstungsindustrieexporte einzustellen und die Bundeswehr ausnahmslos nach Hause zu holen? Dann gebe es für keinen "Terroristen" der Welt einen Grund zu uns zu kommen.
    Alles andere ist Pippifax von Beamten am Schreibtisch.

  11. 1.

    E-Auto oder etwa Diesel?

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