Archivbild - Ausschuss-Mitglieder vor einer Sitzung des NSU-Untersuchungsausschusses im Landtag Brandenburg. (Quelle: imago/Martin Müller)
Audio: Inforadio | 10.11.2017 | Dominik Lenz | Bild: imago/Martin Müller

Brandenburger NSU-Untersuchungsausschuss - Nach mehr als einem Jahr geht es jetzt um "Piatto"

Der V-Mann "Piatto soll dem Brandenburger Verfassungsschutz Hinweise auf das NSU-Trio gegeben haben, weitergeleitet wurden die aber offenbar nicht. Nun nimmt der NSU-Untersuchungsausschuss den Mann näher ins Visier.

Rund eineinhalb Jahre nach seiner Einsetzung ist der Potsdamer NSU-Untersuchungs-Ausschuss zu seinem Kernthema, dem ehemaligen V-Mann "Piatto" vorgedrungen. "Piatto" steht im Zentrum der Untersuchungen, weil er dem Brandenburger Verfassungsschutz bereits im Sommer 1998, noch bevor das rechtsextreme Terrortrio NSU abtauchte, entscheidende Hinweise gegeben haben soll. Diese sollen aber nicht ausreichend an andere Behörden weitergegeben worden sein, angeblich um den V-Mann zu schützen.

Verurteilt wegen versuchtem Mord

Der Ausschuss vernahm zunächst zwei Beamte des Bundeskriminalamtes, die den späteren V-Mann "Piatto" im Februar 1992 nach einer Gründungsfeier des Ku-Klux-Klans mit einer Kreuzverbrennung in Halbe (Dahme-Spreewald) festgenommen hatten. Der damals 21-Jährige habe gute Kontakte zu führenden Köpfen des Ku-Klux-Klans in den USA gehabt, erklärte ein Beamter. "Er war sehr verbohrt und nicht davon zu überzeugen, dass Menschen anderer Herkunft die gleichen Rechte haben wie Deutsche", schilderte er.

Der Mann wurde wieder auf freien Fuß gesetzt. Dabei waren bereits Ende 1991 in seiner Berliner Wohnung bei einer Durchsuchung Materialien für den Bau von Rohrbomben und eine Anleitung zum Kampf im Untergrund gefunden worden. 1995 wurde er wegen versuchten Mordes zu acht Jahren Haft verurteilt, weil er gemeinsam mit anderen Neonazis einen Lehrer aus Nigeria fast totgeschlagen hatte.

Noch in der Untersuchungshaft wurde "Piatto" zum Informanten des Landesverfassungsschutzes. Wann genau und von wem er als V-Mann angeworben wurde, das wollen die Abgeordneten nun klären.

Themenkomplex "Nationale Bewegung" abgeschlossen

Die Ob-Leute in dem NSU-Untersuchungsausschuss hatten sich zuvor lange mit der "Nationalen Bewegung" beschäftigt. Diese rechtsextreme Gruppierung verübte in den Jahren 2000 und 2001 eine Reihe von Anschlägen in Potsdam, verschwand dann aber von der Bildfläche.

Brandenburgs Generalstaatsanwalt Erardo Rautenberg hatte im Ausschuss den Verdacht genährt, der Verfassungsschutz selbst könnte hinter der Gruppierung gestanden haben. Diese Vermutung konnte allerdings nicht erhärtet werden. Der SPD-Ausschussvorsitzende Holger Rupprecht zeigte sich erleichtert, dass dieser Themenkomplex abgeschlossen ist. Am 8. Dezember will der Ausschuss einen Bericht mit den Erkenntnissen zur "Nationalen Bewegung" vorlegen.

Mit Informationen von Dominik Lenz

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