Gedenkstätte auf dem Gelände des ehemaligen NS-Konzentrationslagers Stutthof im polnischen Sztutowo (Quelle: Jane Barkow/dpa)
Bild: dpa

Aufruf gestartet - Polnische Nazi-Opfer sollen ein Denkmal in Berlin erhalten

Sechs Millionen Polen wurden unter der deutschen Besatzung umgebracht. In Berlin soll nun ein Denkmal an die polnischen Opfer der Naziherrschaft erinnern. Einen entsprechenden Aufruf haben bereits viele Prominente unterzeichnet.

Ein Denkmal für die polnischen Opfer der NS-Gewaltherrschaft soll nach dem Willen einer Initiative in der Mitte Berlins entstehen. Es soll an die sechs Millionen Menschen erinnern, die unter der deutschen Besatzung umgebracht wurden.

Mittlerweile haben mehr als 80 prominente Vertreter des öffentlichen Lebens den am Mittwoch vorgestellten Aufruf der Initiative um die ehemaligen Bundestagspräsidenten Rita Süssmuth (CDU) und Wolfgang Thierse (SPD) unterschrieben. Unter ihnen sind der Direktor der Topographie des Terrors, Andreas Nachama, Berlins katholischer Erzbischof Heiner Koch und der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Köln, Aiman A. Mazyek.

Denkmal soll auf den Askanischen Platz

Süssmuth sagte bei der Vorstellung des Aufrufs, gerade angesichts rechtsgerichteter und nationalistischer Tendenzen in Polen halte sie ein Zeichen für Versöhnung und Verständigung für sinnvoll. Bisher sei es trotz aller Versuche nicht gelungen, mit den polnischen Nachbarn - ähnlich wie mit Frankreich - eine Freundschaft auf gleicher Augenhöhe aufzubauen.

Das Denkmal soll auf dem Askanischen Platz gegenüber dem künftigen Dokumentationszentrum der Bundesstiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung im Deutschlandhaus entstehen - nicht weit vom Holocaust-Mahnmal entfernt. Er wünsche sich eine ähnlich breite öffentliche Debatte wie damals und eine Verwirklichung "in nicht allzu weiter Ferne", sagte Thierse.

Sechs Millionen Polen starben unter Naziherrschaft

Mit dem deutschen Überfall auf Polen am 1. September 1939 hatte Hitler den Zweiten Weltkrieg entfesselt. Der Aufruf erinnert daran, dass bis 1945 in deutschen Vernichtungslagern auf polnischem Boden sechs Millionen Juden ermordet wurden - zur Hälfte polnische Staatsbürger. Weitere drei Millionen nichtjüdischer Polen seien ebenfalls Opfer deutscher Verbrechen geworden.

Sendung: Abendschau, 15.11.2017, 19:30 Uhr

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Antwort auf [Ulrich Petzinna] vom 15.11.2017 um 16:15
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16 Kommentare

  1. 16.

    Auch wenn ich es war, der hier mit Zahlen aufgewartet habe: Zahlen besagen und verlangen erst einmal garnichts, sie geben allenfalls nur Anhaltspunkte für eine Größenordnung. So, in diesem Kontext war es auch gemeint gewesen. Von daher "verbietet" sich auch eine Gleichsetzung des fast 40 Mill. Staates Polens mit San Marino.

    In der Tat bedarf es m. E. einer offenen Diskussion über Denkmalkultur. Dass wir mit Denkmalen "zugepflastert" sind, sehe ich nicht, dennoch nehmen sich zu viele Denkmale gleicher oder ähnlicher Ausrichtung gegenseitig die Wirkung.

  2. 15.

    Ich teile Ihre Befürchtungen voll und ganz, Denniskiel.
    Wenn ich Zahlen nenne, dann nicht an exponierter Stelle. Das haben Sie ggf. überlesen oder ich habe mich unzureichend ausgedrückt. "auch wenn Menschen sie nicht vorrangig anführen sollten ..."

    Der Sinn meiner geballten Statistik lag einzig nur darin, dass Ausmaß von Leiden in etwa anzudeuten. Selbstverständlich lassen sich die Fug und Recht die Zuordnungen so treffen und auch anders. Eigentlich war es nur eine "Repblik" darauf, dass das Leid in Polen quasi unter "Ferner liefen" hinabgedrückt werden soll.

    Ich gebe zu, in der Mahnmal-Diskussion auch etwas ratlos zu sein. Zu allgemein gehalten, ist ein Denkmal zu abstrakt und hat keine Betroffenheit, ist es sehr spezifisch, werden Erwartungen geweckt, die gar nicht erfüllbar sind oder dem Gesamten die Wirkung nimmt.

    Das einzige Manko sehe ich ggf. darin, dass nicht offen darüber diskutiert wird, jenseits aller Frontbildung.

  3. 14.

    Unter https://de.m.wikipedia.org/wiki/Tote_des_Zweiten_Weltkrieges ist eine Liste aufgeführt mit allen Ländern, die durch den 2. Weltkrieg Tote zu beklagen haben.
    Und Platz für Denkmäler haben wir in Berlin genug.

  4. 13.

    Ich verstehe Ihr Zahlenspiel nur so: sollten z.B. in San Marino alle Bewohner getötet worden sein, dann wären es 100% und dann wären die Höher, als die der Polen, weil das Land kleiner ist.

    Ich halte mich lieber an Fakten (https://de.m.wikipedia.org/wiki/Tote_des_Zweiten_Weltkrieges)

    Und diese Fakten besagen, dass es neben dem Denkmal für die Gefallenen aus Polen im Friedrichshain kein gesondertes Denkmal bedarf.
    Ach glaube ich, dass nicht jeder freie Platz, Park, Allee u.a. mit einem Denkmal vollgepflastert deren muss.

  5. 12.

    Bitte doch nicht solche Zahlenspiele! Als nächstes ist man dann ganz schnell bei der Frage, wer eigentlich als was einzuordnen ist, als was von den Nazis betrachtet und aus welchem "Grund" ermordet wurde.

    Um nur mal eine Ahnung von den widerwärtigen Debatten zu geben, die man damit beginnt: Macht man sich die Definition der Nazis und anderer Rassisten zu eigen, wer Jude ist?

    Will man Forscher damit beauftragen, zu ermitteln, wer als Jude, wer als Pole, wer als schwul oder vielleicht doch eher als "asozial" ermordet wurde? Werden dann Anteile verteilt oder sind Mehrfachzählungen möglich?

    Aber natürlich bestätigt sich jetzt nur, was bei der Diskussion um das Holocaust-Mahnmal von vielen befürchtet worden ist: Wenn man ein Mahnmal für eine einzelne Opfergruppe baut, warum dann nicht auch für andere? Als nächstes wird die Frage nach der Größe der jeweiligen Mahnmale aufkommen: Stichwort "Wer hat mehr gelitten?".

  6. 11.

    "Bei den 6 Mill. sind überdies 3 Mill. polnische Juden mitgezählt, wenn ich mir diese Anmerkung auch noch erlauben darf."

    ...

  7. 10.

    Ein Mahnmal für Alle...dann ist (hoffentlich) Ruhe. Habe mit dem ganzen Mist überhaupt nichts am Hut. Meine Eltern und meine Kinder auch nicht. Also was soll der ganze Quatsch!? Achso, und meine Großeltern sind tot. Und auch da war nur einer bei der Wehrmacht.

  8. 9.

    "Richtiger wäre zu sagen, daß diese Gebiete dem deutschen Reich wieder angegliedert wurden, ..."

    Nach der Logik könnten die Nachfahren des römischen Reiches Gebiete bis einschl. Trier und Köln für sich beanspruchen und die Franzosen bis nach Berlin.

    Die Geschichte ist eine wahre Fundgrube für den, der alte Gebietsansprüche aufmacht, wir kurz oder lang sie auch immer waren und für verfasst oder unverfasst dasjenige Gebiet war, auf dass sich die Einschlägigen von heute berufen. Mir gruselt´s bei solcher Argumentation.

  9. 8.

    Selbstverständlich gibt es Quellen und Belege.
    Am Höchsten ist tatsächlich der Anteil der getöteten Polen. 22 % der Polen verloren durch den NS-Vernichtungskrieg ihr Leben. Die Sowjetunion war zwar größer, der Prozentanteil allerdings etwas geringer. Ungefähr 15 %. In Deutschland verloren knapp 9 % im Zuge des NS-Vernichtungskrieges iihr Leben, bei den US-Amerikanern waren es 0,3 %.

    Auch wenn solche Zahlenreihen immer etwas sehr nüchternes haben und Menschen sie nicht vorrangig anführen sollten, so sind sie doch ein Beleg über das Ausmaß des Leidens, was die Verteilung über Familen anbetrifft. Wird der Gedanken über die engere Kernfamilie auf die Großfamilie incl. Großeltern übertragen, so hat ausnahmslos jede Familie in Polen ein oder mehrere Opfer zu beklagen.

  10. 7.

    Richtiger wäre zu sagen, daß diese Gebiete dem deutschen Reich wieder angegliedert wurden, denn im wesentlichen(von einigen Erweiterungen einmal abgesehen) entsprachen sie den alten Provinzen Westpreußen(die Grenzgebiete im Westen blieben bei Pommern) und Posen. Die Sache mit der deutschen Ost- bzw. der polnischen Westgrenze ist eine spannende Sache, welche aber den Rahmen eines Kommentares sprengt.
    Bei den 6 Mill. sind überdies 3 Mill. polnische Juden mitgezählt, wenn ich mir diese Anmerkung auch noch erlauben darf.

  11. 6.

    Die Polen waren besonders von der rassistischen Besatzungspolitik der Deutschen betroffen. Zunächst wurden das spätere sog. Warthegau und Danzig-Westpreussen dem Deutschen Reich angegliedert und nach rassischen Kriterien "germanisiert"! "Restpolen" erhielt die Bezeichnung "Generalgouvernement" und galt im Nazijargon als "rassische Müllkippe"! Hier konzentrierten sich die größten Ghettos und Vernichtungslager, hier wurde die vor allem in der SU brutal angewandte Besatzung "erprobt"!! Die Polen beklag(t)en 6 Millionen Opfer, das sind prozentual die höchsten Bevölkerungsverluste, die ein Staat im 2. WK erlitten hat.
    Wenn das nicht ausreichend Gründe sind...
    Ob es nun ein "normales" DenkMal!l sein muss...?? Viel wichtiger finde ich es, die KZ-Gedenkstätte Auschwitz zu erhalten, viele Häftlingseffekten und Dokumente können aus finanziellen Gründen nicht restauriert werden, dafür könnten die Gelder besser genutzt werden!!

  12. 4.

    Zitat: "Die Nation litt am meisten."
    Woran machen Sie das fest?
    Und wo steht, wenn "Die Nation litt am meisten"-Ranking die abermillionen Toten der Sowjetunion?
    Letztlich aber gebe ich @Dr Schiwago Recht, wenn er meint, mit dem Ehrenmal im Fridrichshain ist dem Andenken genüge getan.
    Bebenbei aber kann ich seiner nachfolgenden Forderung nicht unterstützen. Denn wir können nichts dafür, dass hier polnische Glücksritter scheitern.

  13. 3.

    Das sehe ich genauso. Wo will man sonst anfangen, wo aufhören. Russen, Ukrainer, Weißrussen, Letten, Litauer, Esten, Russlanddeutsche, sämtliche Völker des Kaukasus', Belgier, Dänen, Franzosen, Engländer, Türken, arabische Völker..... kann gar nicht alle aufführen. Entweder alle oder keiner. Sonst gibt es nur ein ungutes Gefühl.

  14. 2.

    Wie schon richtig dargestellt, handelt es sich um ein Denkmal für den polnischen Widerstand, wenn jetzt auch nicht mehr nur einseitig aus kommunistischer Sichtweise. Aber wir müssen auch an die Grausamkeiten, die dem ganzen polnischen Volk damals angetan wurden, ehrenvoll gedenken. Die Nation litt am meisten.

  15. 1.

    Seit 1972 gibt es in Berlin Friedrichshain das Denkmal für die polnischen Widerstandskämpfer, seit 1995 wurde erhielt es eine erweiterte Widmung( für "nichtkommunistische" Widerstandskämpfer).
    Diese große , historisch gewachsene Gedenkstätte sollte auch den zahlreichen polnischen Opfern des 2. Weltkrieges und des Nationalsozialismus gewidmet werden.
    Ein 2. Denkmal am Askanischen Platz ist nicht nötig.
    Millionen von Euro könnten zunächst eingespart werden.
    Diese verfügbaren Millionen sollten dann zur Unterkunfsversorgung
    der zunehmend anwachsenden Menge der obdachlosen polnischen Mitbürger in Berlin eingesetzt werden.


    Dr. Schiwago. Berlin 41

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