Der stellvertretende Vorsitzende der Partei Alternative für Deutschland (AfD), Alexander Gauland (l), und der Berliner AfD-Vorsitzenden Georg Pazderski (Quelle: dpa/Stache)
Audio: ARD | 30.11.2017 | Cecilia Reible | Bild: dpa/Stache

Kampfkandidatur um AfD-Spitze? - Gauland will Pazderski verhindern

Vor dem AfD-Bundesparteitag am Wochenende brodelt es in der Partei: Der gemäßigte Berliner AfD-Mann Pazderski will für die Parteispitze kandidieren - dem rechten Flügel passt das offenbar so gar nicht. Nach ARD-Informationen erwägt Gauland, gegen ihn anzutreten.

In der Bundes-AfD bahnt sich offenbar ein neuer Machtkampf um die Parteiführung an. Nachdem der Berliner Landeschef Georg Pazderski Anfang der Woche erklärt hatte, jetzt auch auf Bundesebene Parteichef werden zu wollen, hängt sich nun auch Alexander Gauland rein: Nach Informationen des ARD-Hauptstadtstudios vom Donnerstag schließt der AfD-Fraktionschef im Bundestag eine Kandidatur nicht aus.

Der 76-jährige Gauland werde vom rechtsnationalen Flügel gedrängt, für den Parteivorsitz anzutreten, heißt es aus Kreisen der Partei. Damit solle verhindert werden, dass der als gemäßigt geltende Pazderski an die Parteispitze gewählt wird. Gauland will demnach kurzfristig auf dem Parteitag entscheiden, ob er sich zur Wahl stellt.

Vor dem Parteitag der AfD in Hannover hat der Berliner Landeschef Georg Pazderski seine Kandidatur für die Bundesparteispitze verteidigt. "Wir werden sehen, wer am Wochenende alles als Sprecher antreten wird. Meine Kandidatur steht jedenfalls fest", erklärte Pazderski am Freitag. Die Frage nach einem "Ost-West-Proporz" stelle sich in der Berliner AfD nicht. "Dahin möchte ich auch im Bund."

Kandidatur bei einer Niederlage Meuthens?

Derzeit wird die AfD auf Bundesebene eigentlich von einer Doppelspitze geführt. Zur Zeit amtiert allerdings Jörg Meuthen allein als Bundesvorsitzender, nachdem die einstige Co-Vorsitzende Frauke Petry aus der Partei ausgetreten ist. Meuthen hat seine erneute Kandidatur bereits angekündigt und wird darin von Gauland unterstützt. Die "Bild" (Freitag) berichtete, Gauland wolle - sollte er kandidieren und gewählt werden - eine Doppelspitze bilden.

Dass Pazderski jedoch neben Meuthen, der sich selbst zur Mitte der Partei zählt, einen Platz an der Spitze der Partei erobert, will Gauland aber offenbar verhindern. Pazderski gilt als gemäßigt. Er will die AfD professionalisieren und mittelfristig als Partner für Mitte-Rechts-Koalitionen etablieren. Dem rbb sagte er am Mittwoch, die AfD müsse sich in dem "Vakuum" rechts der CDU positionieren, er betonte aber auch: "Unser Ziel muss es sein, dass wir eine konservative Volkspartei werden, die auch für größere Wählerschichten wählbar ist."

Gauland sprach sich jedoch in einem Interview mit der Oldenburger "Nordwest-Zeitung" am Donnerstag deutlich gegen die Kandidatur von Pazderski für den Bundesvorsitz aus. Er würde jemanden aus den neuen Bundesländern bevorzugen, weil die AfD dort besonders stark sei, sagte der Gauland dem Blatt. Gauland war bei der Bundestagswahl als Direktkandidat in Frankfurt (Oder) angetreten, unterlag aber dem CDU-Abgeordneten Martin Patzelt. Gauland zog über die Landesliste der AfD ein.

Pazderski konterte noch am selben Tag: "Das Argument ist an den Haaren herbeigezogen." Kein anderer Landesverband stehe so für Ost und West wie die Berliner AfD.

Streit um die Doppelspitze

Möglicherweise hofft Gauland, dass sich neben Meuthen noch ein geeigneter Kandidat aus dem rechten Flügel findet. Der 76-Jährige selbst wollte seine eventuelle Kandidatur am Donnerstag nicht bestätigen. Dazu sage er nichts, wird er von der Nachrichtenagentur Reuters zitiert. 

Hintergrund für Gaulands Zurückhaltung könnte auch sein, dass er sich für den Parteitag und mögliche Kursänderungen verschiedene Optionen offen hält. Unter anderem könnte die AfD auf ihrem Parteitag die Doppelspitze abschaffen, wie es der rechtsnationale Parteiflügel anstrebt. Aus Sachsen-Anhalt liegt ein Antrag vor, die Satzung dorthin gehend zu ändern, dass auch nur ein Vorsitzender möglich wäre.

Gauland sprach sich in der "Nordwest-Zeitung" erneut dafür aus, eine Doppelspitze beizubehalten. "Der Versuch, die Partei alleine zu führen, ist bei Bernd Lucke ebenso gescheitert wie bei Frauke Petry", sagte er der Zeitung. Ideal wäre seiner Meinung nach "eine Führungsspitze mit Vertretern aus den neuen Ländern und aus dem Westen, die den liberalen und den konservativen Flügel vertreten."

Pazderski will Berliner Ämter behalten

Mehrere bisherige Mitglieder des Vorstandes haben allerdings bereits abgewunken. Dirk Driesang, bislang Beisitzer und einer der führenden Köpfe der moderaten Alternativen Mitte, erklärte, er wolle sich aus der politischen Arbeit zurückziehen. Alice Weidel, neben Gauland Fraktionschefin im Bundestag, sagte, sie habe keine Ambitionen, dem nächsten Bundesvorstand anzugehören. Weidel, derzeit dort Beisitzerin, will sich nach eigener Aussage darauf konzentrieren, die Fraktion im Bundestag aufzubauen und die AfD bis 2021 regierungsfähig zu machen.

Pazderski ist derzeit in Berlin Parteichef und Fraktionsvorsitzender. Nach Ankündigung seiner Kandidatur hatte er erklärt, diese Posten wolle er auch als Bundesvorsitzender behalten. Dadurch sollten die Berliner Landes- und die Bundesebene stärker miteinander verbunden werden. Rein rechtlich ist das möglich - unklar ist, ob er auch für eine solche Vielzahl von Parteijobs auch gewählt würde.

Mit Informationen von Cecilia Reible, ARD-Hauptstadtstudio / Holger Hansen, rbb-Landespolitik

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereKommentar-Regeln und Hilfe zu Kommentaren zum Kommentieren von Beiträgen.

7 Kommentare

  1. 6.

    Wann tritt Gauland endlich ab!?!
    Er benimmt sich wie ein alter, seniler Narr!

  2. 5.

    Es ist doch schön wenn sich diese "Partei" selbst zerfleischt. Postengerangel und Flügelkämpfe.

    Erinnert mich an DVU, Reps, Schillpartei...

    Es ist doch gut wenn wir sowas ganz schnell wieder los sind.

  3. 4.

    Ganz "toll", rbb-Redaktion, wie Sie ohne weiteres die Selbstinszenierungen der AfD undistanziert wiedergeben und dieser Partei selbst dann noch medialen Platz einräumen, wenn außer internen Spesen nichts gewesen ist - vermutlich, um sich vom chronisch jammernden rechten Mob nicht den Vorwurf anhören zu wollen, man würde die Partei ja übergehen, ausblenden etc.

    Die AfD als normale, demokratische Partei zu hofieren und zu normalisieren, erweist der Partei einen Dienst, den sie in einer wehrhaften Demokratie nicht erfahren sollte! "Gemäßigte" und einen "liberalen Flügel" kann man so manch' anderen Parteien noch zustehen, aber nicht exakt denjenigen, die nahezu komplett die freiheitlich-demokratische Grundordnung, Menschenrechte für alle inklusive, ablehnen! Als öffentlich-rechtliches Medium steht es Ihnen nicht zu, in Teilen rechtsextreme, inkl. rassistische, völkische, heterosexistische, kurzum antiegalitäre und -demokratische Ideologie zu fördern!

  4. 3.

    Zitat:

    "Pazderski ist derzeit in Berlin Parteichef und Fraktionsvorsitzender. Nach Ankündigung seiner Kandidatur hatte er erklärt, diese Posten wolle er auch als Bundesvorsitzender behalten. Dadurch sollten die Berliner Landes- und die Bundesebene stärker miteinander verbunden werden."

    Na er will die Bundespartei auf das Niveau der Berliner AfD drücken.

  5. 2.

    Zitat:

    "Möglicherweise hofft Gauland, dass sich neben Meuthen noch ein geeigneter Kandidat aus dem rechten Flügel findet."

    Dem RBB ist nicht bekannt, dass Poggenburg wahrscheinlich antreten wird, wenn sich Pazderski anders nicht verhindern lässt?

  6. 1.

    Es ist schon echt erstaunlich wie der von einem ehemaligen SED Kader in Brandenburg installierte AfD Landesvorsitzende Brandenburg agiert. Langsam müssten doch nun auch die letzten merken, welchen Bauernfängern sie die bei der AfD auf den Leim gingen. So naiv kann man doch gar nicht sein.

Das könnte Sie auch interessieren