Frieder Otto Wolf, Präsident des humanistischen Verbandes und Ines Scheibe, Präsidiumsmitglied des humanistischen Verbandes, halten am 27.03.2017 ein Plakat mit Thesen an das Abgeordnetenhaus in Berlin. (Quelle: dpa/Sophia Kembowski)
Bild: dpaZSophia Kembowski

Berliner Senat gibt grünes Licht - Humanistischer Verband wird Kirchen gleichgestellt

Beim Humanistischen Verband knallen die Sektkorken - er wird in Berlin den etablierten Kirchen gleichgestellt. Kultursenator Lederer spricht von einem wichtigen Zeichen für das säkulare Berlin, die evangelische Kirche hat auch nichts dagegen. Nur die CDU sieht das ganze kritisch.

Der Humanistische Verband, der die Interessen von Konfessionsfreien vertritt, soll in Berlin mit den Kirchen gleichgestellt werden. Der Senat machte am Dienstag den Weg frei, den eingetragenen Verein als Körperschaft des öffentlichen Rechts anzuerkennen. Damit bekommt er die gleichen Rechte wie die christlichen Kirchen und die Jüdische Gemeinde - er könnte auch Steuern erheben wie die Kirchen. Allerdings sei das nicht beabsichtigt, erklärte ein Sprecher, sondern der Verband erhalte Mitgliedsbeiträge.

Ist er als Körperschaft öffentlichen Rechts anerkannt, braucht er laut dem Senat bestimmte Steuern nicht zu zahlen. Kultursenator Klaus Lederer (Linke) sprach von einer "wichtigen Bereicherung in der kulturell vielfältigen, multireligiösen und eben auch säkularen Stadt Berlin". Der amtierende Verbandspräsident Jan Gabriel erklärte, Berlin komme damit dem Verfassungsauftrag nach, Weltanschauungen und Religionen gleichzustellen. Zwei Drittel aller Berliner seien religionslos.

Dröge: Das ist das "gute Recht" des Humanistischen Verbandes

Der Bischof der evangelischen Landeskirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Markus Dröge, kann an der Entscheidung auch nichts schlechtes finden. Auch andere Bundesländer hatten den Humanistischen Verband gleichgestellt, dies sei das "gute Recht des Humanistischen Verbandes", sagte Dröge dem rbb. Die Entscheidung zeige aber auch, dass das, was die Kirchen als Recht wahrnehmen, kein Privileg sei, sondern eine ganz normale Rechtsform unserer Gesellschaft.

Die oppositionelle CDU-Fraktion hingegen kritisierte die Entscheidung. "Hier wird der humanistische Gedanke, der Deutschland mitgeprägt hat, zu einer Anti-Religion genutzt", erklärte die kirchenpolitische Sprecherin Cornelia Seibeld.

Vier Landesverbände sind bereits anerkannt

Der Humanistische Verband Berlin-Brandenburg bemüht sich schon seit 1997 um die Anerkennung als öffentlich-rechtliche Körperschaft. Ein erster Antrag war unter anderem wegen zu geringer Mitgliederzahl gescheitert. Der neue Antrag lief seit Anfang 2014. Inzwischen hat der Landesverband rund 13.000 Mitglieder und betreibt über 60 Einrichtungen und soziale Projekte in den Bereichen Erziehung, Bildung und Kultur. Zum betreibt er Lebenskundeunterricht an Schulen. Für konfessionslose junge Menschen bietet er statt Konfirmation bzw. Firmung eine sogenannte Jugendfeier an.

In Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen sind die humanistischen Verbände bereits als Körperschaften des öffentlichen Rechts anerkannt. Wirksam wird der Senatsbeschluss mit der Verleihung einer entsprechenden Urkunde. Ein Termin dafür steht noch nicht fest.

Sendung: Abendschau, 14.11.2017, 19.30 Uhr

Kommentar

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17 Kommentare

  1. 17.

    Hallo, da unterliegt aber jemand einem gewaltigen Irrtum.
    Es gibt einen Weltverband der Konfessionslosen.
    WELTVERBAND! (bitte auf der Zunge zergehen lassen!)

    Da sind nicht nur linke Gruppierungen oder Einzelpersonen integriert.
    Menschen, denen das Religiöse und die Unterwanderung der Religion in den Staat und dessen Bereiche, sowie die unproportionale Finanzierung, konfessionsgebundener Einrichtungen und die Bezahlung von Spitzenämtern aus Steuermitteln zum Halse heraus hängt, sind konfessionslos.
    Das hat bei manchen etwas mit LINKS zu tun, bei vielen, den meisten dagegen nicht.
    Es muss kein Mensch eine politische Farbkomponente verinnerlichen, um gegen Religion zu sein!

  2. 14.

    Nichts ist gefeit vor Überhöhung, sei es Religion oder sonstige Weltanschauung. Das liegt nicht an der Religion an und für sich oder an der Weltanschauung an und für sich, sondern an der Verheißung, die Menschen "törichterweise" damit verbinden.

    Aus der befreienden Kraft Luthers wurde teilweise eine Handlangerschaft der Fürsten und aus der befreienden Kraft eines Karl Marx wurde die zum Gefängnis gewordene Doktrin notorischer Besserwisser, die sich für die Herren, Sachwalter und Geburtshelfer DER Geschichte ausgaben.

    Aus Verlautbarungen des Humanistischen Verbandes hörte ich in letzter Zeit nichts verhärmt Antireligiöses heraus und das ist m. E. ein sehr hoffnungsfrohes Zeichen. - Gleich, woran Ihr glaubt, Hauptsache, es hat einen inspirativen Kern und Inspirition richtet sich immer nur auf etwas, für etwas und nicht gegen etwas.

    Dementsprechend meinen Glückwunsch, dass auch der Humanistische Verband sein Positives gefunden hat.

  3. 13.

    Sehr geehrte Sabrina, woher Ihr abgrundtiefer Hass auf Religion kommt, weiß ich nicht. Hoffentlich richtet er sich nicht gegen alle Christen, also z.B. gegen mich. Jedenfalls möchte ich Ihnen versichern, dass ich nicht am Untergang des deutschen Staatswesens arbeite. Allerdings streite ich nicht ab, dass Christen, wenn auch meist ungewollt, mitgewirkt haben am Untergang des deutschen "Arbeiter-und Bauernstaates" . Meinen Sie den? Ihre Sehnsucht nach der "Diktatur des Proletariats", falls Sie die haben, teile ich allerdings nicht. Im übrigen begrüße ich die Gleichstellung des Humanistischen Verbandes mit den Kirchen, wie das auch Bischof Dröge tut. Über eine sachliche Kritik als Ergänzung zu Ihrer emotionalen Polemik, würde ich mich freuen. Mit freundlichen Grüßen - H. Wilhelm

  4. 12.

    Wenn Sie so allgemein Art.137,7 der WRV Weimarer Verfassung zitieren, müßte danach Neonazis als weltanschauliche Grupierung leider gefördert werden: das ist gar nicht gut. Deshalb Religionsgemeinschaft ist juristisch korrekt nicht mit weltanschaulicher Vereinigung gleichzustellen!

  5. 11.

    Noch nicht genug Menschen auf dem Scheiterhaufen verbrannt, um zu erkennen, was Religion wirklich ist?:

    Das Verbot einer von den Herrschern abweichenden Meinung, die diese Leute dann immer als Gottes Wort ausgeben.

    Das verhalten der meisten Leute ist von einer für einen gebildeten Menschen schockierenden "Experten"-Gläubigkeit gekennzeichnet - genau das will Religion - Menschen zu unkritischen Schäfchen der selbsternannten Hirten machen.

    Religion hat damit die Grundlagen für den Untergang des Deutschen Staatswesen gelegt.

  6. 10.

    Artikel 137 Grundgesetz:
    "(7) Den Religionsgesellschaften werden die Vereinigungen gleichgestellt, die sich die gemeinschaftliche Pflege
    einer Weltanschauung zur Aufgabe machen."

  7. 9.

    Also ohne Emotionen und ohne Hass: bitte beharren Sie nicht auf Ihrer Fehleinschätzung. Zulesen ist in GG Art. 4 die Unterscheidung zwischen Religionsausübung und Weltanschauung!!! Daher darf ein weltanschaulicher Verein nicht mit einer verfassungsgemäßen Religionsgemeinschaft gleichgestellt werden! Vor allem muß durch Bildung klargestellt werden, daß es viele menschenverachtende Weltanschauungen gibt. Und GG Art. 140 bezogen auf GG 136-141 spricht nur von Religionsgemeinschaften, die z.B. den Wert des Sonntags für alle Menschen vertreten.

  8. 8.

    In Ihrem Leben war ganz offensichtlich nicht immer eitel Sonnenschein. Anders lässt sich der Hass, der Ekel und die Abneigung, die in den Worten Ihres Kommentars mitschwingen, nicht erklären. Falls ich falsch liege, korrigieren Sie mich bitte. Zwei Ihrer Meinungen sind ein wenig missverständlich formuliert. Zum einen, selbstverständlich existiert der Verfassungsauftrag zur Gleichstellung von Weltanschauungen und Religionen. Ich empfehle Ihnen diesbezüglich die Lektüre der Artikel 4 und 140 unseres Grundgesetzes. Zum anderen behauptet niemand, dass 2/3 der Bewohner die gleiche Weltanschauung hätten. Wie Sie aber den Bogen vom humanistischen Selbstverständnis des HVD hin zu Kommunismus und Nationalsozialismus(allein die beiden Systeme gleichzusetzen verbietet sich meiner Meinung nach)schlagen können, erschließt sich mir nicht. Ich stehe jedenfalls fassungslos vor dieser Gedankenakrobatik. Auch hier dürfen Sie mich gerne eines besseren belehren.

  9. 7.

    Heureka! Das wurde aber auch Zeit. Erstaunt bin ich über die Tatsache, dass es im vergleichsweise religionsfernen Berlin erst jetzt gelungen ist, die Anerkennung als Körperschaft des öffentlichen Rechts zu erlangen. Da waren wohl die Landesverbände in Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen etwas rühriger als hier. Dennoch überwiegt die Freude über die Einsicht des Berliner Senats.

  10. 6.

    Volle Zustimmung! Was soll man allerdings von einem sozialistischen Senat, welcher die rote Fahne hoch hält, erwarten?

  11. 5.

    Der Hum. Verband ist ein Verein mit allen Vorteilen für Vereine; er ist keine verfasste Religionsgemeinschaft.
    Der Senat betreibt unter Mißachtung des Neutralitätsgebotes Klientelpolitik für eine Interessengruppe, die sich in den Vordergrund drängt. Fehlerhaft ist die Darstellung: es gibt keinen Verfassungsauftrag, Weltanschauungen und Religionen gleichzustellen. Keiner kann behaupten, Zweidrittel der Bewohner hätten die gleiche Weltanschauung nämlich gegen Religion zu sein... Kommunismus und ja Nationalsozialismus sind auch Weltanschauungen und mitnichten gleichzustellen...
    Weltanschauungen sind oft areligiös, somit sehr verschieden von allen Religionen, die das Verhältnis Mensch und Gott präzisieren. Der Senat müßte dem religiösen Bildungsmangel von Zweidrittel der Bewohner durch Förderung und nicht Abwehr des Religionsunterrichts Abhilfe schaffen. Der areligiöse Hum. Verband ist somit nicht förderungswürdig!

  12. 4.

    Die neuzeitliche Gleichmacherei nervt. Alles was nicht kirchlich und dafür angeblich weltoffen human ist, wird natürlich von den Linken begrüßt, ganz nach dem Spruch ihres Ziehvaters: "Religion ist Opium für das Volk". Nur haben die neunen weltlichen Herren dann weltweit immer gern diese Lücke mit repressiv-staatlichen Unterdrückungs Elementen für das Volk gefüllt, das dann ohne ihre obere spirituell moralische Richtschnur leichter denen auf den Leim ging.

  13. 3.

    Man hätte den umgekehrten Weg gehen müssen:

    Nicht neben den beiden Kirchen noch ein drittes Indoktrinations-Unternehmen finanziell zu unterstützen, sondern den alten Kirchen diese Anerkennung entziehen.

  14. 2.

    Ja, das ist mal was. Wirklich gut, sollte in der gesamten Republik so sein.

  15. 1.

    Herzlichen Glückwunsch!

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