Symbolbild: Türkisch Unterricht in Berlin (Quelle: imago/JOKER)
Audio: rbb | 16.11.2017 | Kirsten Buchmann | Bild: imago/JOKER

Mehr staatlicher Unterricht - Senat bietet Alternative zum türkischen Konsulatsunterricht

Rund 2.300 Kinder bekommen derzeit an Berliner Schulen Türkischunterricht - von Lehrern, die aus der Türkei entsandt wurden. Nach Vorwürfen über nationalistische und religiöse Inhalte hält das Land Berlin nun mit eigenen Angeboten dagegen.

In Berlin soll jetzt Türkischunterricht an Grundschulen angeboten werden. Damit will das Land eine Alternative zu dem umstrittenen türkischen Konsulatsunterricht anbieten. Nach Angaben von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) soll das Angebot durch Lehrer des Landes Berlin zum neuen Schulhalbjahr starten.

Scheeres zufolge gibt es Anfragen aus fünf Bezirken: Mitte, Tempelhof-Schöneberg, Charlottenburg-Wilmersdorf, Neukölln und Spandau. Diese hätten Räumlichkeiten angeboten, wo der Sprachunterricht durchgeführt werden könnte. Derzeit werde an einem Unterrichtskonzept gearbeitet.

Konsulatslehrer unterrichten 2.300 Kinder

Bisher bekommen laut der Bildungsverwaltung rund 2.300 Kinder in Berlin muttersprachlichen Unterricht durch Lehrer des türkischen Konsulats. Dieser Unterricht ist jedoch umstritten - der Vorwurf konservativerpolitischer und religiöser Einflussnahme steht im Raum. In Berlin wurden die Konsulatslehrer zudem bisher nicht kontrolliert, anders als in anderen Bundesländern - obwohl der Unterricht teils in den Räumen der staatlichen Schulen erteilt wurde.

Die SPD-Abgeordnete Maja Lasic sagte dem rbb, bei dem neu geplanten Unterricht solle es um jetzt nur um Sprache und Heimatkunde gehen, nicht aber um religiöse Inhalte. "Das war in den bisherigen Curricula des türkischen Unterrichts so nicht gegeben."

Nicht genug Lehrkräfte vorhanden

Bislang stehen laut Scheeres 28 Lehrer an den Schulen für einen Türkischunterricht bereit. Welche Lehrkräfte darüber hinaus eingesetzt werden, ist noch nicht abschließend geklärt. Wie die Linken-Abgeordnete Regina Kittler sagte, könnten dafür möglicherweise Mitarbeiter der Volkshochschulen gewonnen werden. Auch Quereinsteiger seien denkbar oder Weiterqualifizierungen für türkischsprachige Lehrer.

Stefanie Remlinger von den Grünen forderte, Geldmittel für die nächsten zwei Jahre in den Haushalt einzustellen, um in einem Zentrum für Sprachbildung Berliner Lehrer für Türkisch fortbilden zu können. Die bildungspolitische Sprecherin der CDU, Hildegard Bentele, pocht dagegen darauf, dass für künftige Türkischlehrer ein Studiengang an Hochschulen eingerichtet wird.

Mit Informationen von Kirsten Buchmann

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3 Kommentare

  1. 3.

    Warum gibt's türkischen heimat Unterricht von Lehrkräften , die über keine anerkannte Lehrausbildung verfügen?

  2. 2.

    Konsulatsunterricht - das gehört verboten - dieses Land lässt es zu, dass Kinder bereits in der Schule dogmatisiert werden - es wird immer bekloppter.....
    Wie lange diesem Treiben bereits staatlicherseits zugeschaut wird ist unglaublich.

    Und sich dann wundern, wenn hier immer mehr Hirntote mit unserer Art des Lebens und unserer Kultur nicht klarkommen.

    Das gibts nur hier - wie blöde unsere Politkaste geworden ist, muss der Bürger täglich spüren.

  3. 1.

    @rbb Wird das Angebot auch auf weitere Familiensprachen der Berliner Schulkinder ausgeweitet? Im Koalitionsvertrag wurde doch die Absicht erklärt mehr "muttersprachlichen Unterricht" zu realisieren. Gut das ein Anfang gemacht wird, welche weiteren Sprachen folgen als nächstes? UND ja, entsprechende Lehramtsstudiengänge mit Studienplätzen wären sinnvoll; damit das spätestens für die nächste Generation Kinder mit entsprechend qualifizierten Lehrer*innen umgesetzt werden kann :)

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