Ein Wolf (Quelle: dpa/Arno Burgi)
Audio: Inforadio | 17.11.2017 | Dominik Lenz | Bild: dpa/Arno Burgi

Umweltministerkonferenz in Potsdam - Länder wollen Rechtssicherheit im Umgang mit Wölfen

Die Länder-Umweltminister bitten den Bund um gemeinsame Empfehlungen im Umgang mit dem Wolf. Sie wollen Rechtssicherheit und ein einheitliches Vorgehen bei auffälligen Wölfen. Außerdem ging's um den Dieselskandal und bessere Luft in den Städten.  

Die Umweltminister von Bund und Ländern haben sich am Freitag in Potsdam beraten.  In der Herbstkonferenz ging es neben dem Klimaschutz um den Umgang mit Wölfen in Deutschland.

Die Umweltminister beschlossen, die Bundesregierung um die Vorlage entsprechender Empfehlungen sowie um aktuelle Einschätzungen zum Zustand des deutschen Wolfsbestands zu bitten.

Die Länder verlangen ein einheitliches Vorgehen

Die Tiere fühlen sich in Deutschland wieder heimisch und stehen unter strengem Artenschutz. Die Minister haben sich mit der Frage beschäftigt, wann der Wolf eine Gefahr ist und geschossen werden darf. Denn betroffene Landwirte fordern schon länger strenge Maßnahmen gegen die Tiere, weil die Wölfe immer wieder Weidetiere wie Schafe reißen. Umweltschützer berufen sich dagegen auf den Artenschutz.

Die Umweltministerkonferenz stellte fest, dass die Weidehaltung aus ökologischen, ökonomischen, kulturellen und sozialen Gründen und zum Erhalt der Artenvielfalt unverzichtbar ist und dauerhaft gesichert werden muss. Die Länder baten den Bund jetzt um gemeinsam mit ihnen erarbeitete Empfehlungen zum Umgang vor allem mit auffälligen Wölfen. Sie sollen Rechtssicherheit bringen. Enthalten sein sollen darin klare Definitionen, konkrete Präventionsmaßnahmen und praktisch umsetzbare Hinweise, wie die Maßnahmen umgesetzt werden können.

Die schon vorhandene Arbeitsgruppe unter der Leitung des Vorsitzlandes Brandenburg wurde nun von der Umweltministerkonferenz damit beauftragt, zum Thema "Umgang mit auffälligen" Wölfen ein gemeinsames Papier von Bund und Ländern zu formulieren. Der Aspekt "Wolf und Nutztierhaltung" soll darin Raum finden. Das teilte das Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft des Landes Brandenburg am Freitag mit.

Länder fordern mehr Klimaschutz vom Bund

Bei der Herbstkonferenz in Sachen Klimaschutz ging es auch um die Folgen des Dieselskandals und darum, wie man die Luftqualität in den Städten verbessern kann.

Die Umweltminister der Bundesländer haben den Bund zu schärferen Maßnahmen zum Klimaschutz aufgefordert. Der erneute Anstieg der Treibhausgasemissionen in Deutschland zeige, dass die bisherigen Bemühungen nicht ausreichend seien, um die Klimaschutzziele 2020 zu erreichen, heißt es in einem einstimmigen Beschluss der Umweltministerkonferenz zum Abschluss der Herbsttagung in Potsdam.

Beschlüsse zum Braunkohleausstieg wurden nicht gefasst. In einer Protokollerklärung der zehn Bundesländer Baden-Württemberg, Berlin, Hamburg, Hessen, Bremen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein heißt es dazu, die Bundesregierung müsse einen "mit den Sozialpartnern verhandelten umgehenden Ausstieg aus der Kohleverstromung" in Angriff nehmen. Spätestens ab 2019 müsse mit der  Stilllegung nicht systemrelevanter und besonders klimaschädlicher Kohlekraftwerke
begonnen werden, heißt es weiter in der Protokollerklärung.

Der Graben von Wolfsschützern und -gegnern ist tief

Wie tief der Graben zwischen Wolfsschützern und –gegnern ist, zeigte ein Papier des Bundesamtes für Naturschutz, das vor der Konferenz veröffentlicht wurde. Darin enthalten ist die Empfehlung, einen Wolf nur dann zum Abschuss freizugeben, wenn der sich aggressiv gegen den Menschen verhält, nicht aber, wenn er sich Siedlungen oder Weidetieren nähert. Der Landesbauernverband sprach von einer Kriegserklärung an die Weidetierhalter. Entsprechend groß sind die Erwartungen an die Umweltministerkonferenz.

Wolf vor Baum; Quelle: imago/Reiner Bernhardt

Der Wolf galt 150 Jahre lang als ausgerottet in Deutschland. Seit der Jahrtausendwende breitet er sich von Polen kommend über Sachsen und Südbrandenburg wieder aus. Sie sind streng geschützt: Ihr Abschuss gilt wie bei Luchsen und Greifvögeln als Wilderei und ist strafbar.

Seit 2016 können in Brandenburg jedoch Wölfe, die jede Furcht vor Menschen verloren haben und sich nicht durch Spezialzäune an Viehweiden abschrecken lassen, nach einer konkreten Einzelfallprüfung in den Landkreisen legal geschossen werden. Immer wieder werden in Brandenburg aber Wölfe auch illegal mutwillig getötet.

Erst Anfang November war bekannt geworden, dass ein Jäger bei einer Gesellschaftsjagd in der Nähe von Potsdam eine Wölfin erschossen hatte. Die Polizei ermittelt gegen den aus Dänemark kommenden Mann. Der Jagdleiter hatte Anzeige gegen ihn erstattet. Die genaueren Umstände sind in diesem Fall noch unbekannt.

Mehr als 20 Rudel in Brandenburg

Im August war im Landkreis Oder-Spree der insgesamt zehnte Wolf tot aufgefunden worden, der seit 1991 in Brandenburg tatsächlich illegal erlegt wurde. Die Wölfin war - das ergab die Obduktion - erschossen worden. Die Polizei ermittelt hier gegen Unbekannt.  

In Deutschland leben nach Schätzungen zurzeit rund 500 bis 600 Wölfe. Sie sind vor allem in der Lausitz in Brandenburg und in Sachsen wieder heimisch. Aktuell streifen mehr als 20 Wolfsrudel durch Brandenburg. Das sind schätzungsweise 200 Tiere.

Mit Informationen von Dominik Lenz

Kommentar

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16 Kommentare

  1. 16.

    Der Wolf ist nicht "böse" sondern ein Beutegreifer, der seine Nahrung nach dem vorhandenen Angebot sowie der Gegenwehr potentieller Beutetiere auswählt. Daher greift er auch ungern Schwarzwild an. Hat er vor Menschen aber nichts zu befürchten, wird er ihnen nicht mehr ausweichen. Dies können wir z. B. derzeit an Füchsen in der Stadt beobachten, die keinerlei Scheu mehr zeigen. Warum sollte sich der Wolf da anders verhalten?

  2. 15.

    Wenn sogar hier schon ein Forstamtsleiter seine Meinung ü.diese Hybriden kundtut,dann sollte es doch wohl erlaubt sein kritisch mit dem Thema umzugehen.Also einfach mal sachlich bleiben u.von unhaltbare Polemik von @Verwaltungsfreund kann hier gar nicht die Rede sein.Es gibt in Deutschland(leider)auch falschverstandene Tierliebe.Bevor Sie mich kritisieren: ich war u.bin der Ansicht weiterhin,der Wolf gehört zu uns,aber keine Hybriden.

  3. 14.

    Es gibt zur flächendeckenden Entnahme dieser handzahmen (da ausgesetzten) Hybriden keine Alternative.

  4. 13.

    solch einen Blödsinn liest man tatsächlich selten, das immer wiederkehrende Märchen von Rotkäppchen und dem bösen Wort - nichts was sie schreiben entspricht den Tatsachen, reine unhaltbare Polemik

  5. 12.

    So gerne ich den Wolf auch mag,doch diese Bedenken habe ich auch.Es soll ja auch schon alleine in Brandenburg so um die 300 Wölfe geben. Auch gab es wohl schon einen tödlichen Angriff v.Wölfen in Griechenland.Oder war es nur eine Fakenews? Soll aber auch schon vorkommen,das sich hier vereinzelt Wölfe i.bewohnten Gebieten herumtreiben.

  6. 11.

    Die Wölfe werden sich Dank ihrer Anpassungsfähigkeit schnell vermehren und in absehbarer Zeit dank fehlendem Jagddruck jede Scheu vor Menschen verlieren. Da Menschen prinzipiell ins Beuteschema des Wolfs passen, wird es über kurz oder lang auch zu Übergriffen kommen.

  7. 10.

    Ihr Kommentar war nicht wirklich zielführend - oder was hat das Hinterteil des Nutzers mit dem Thema zu tun?

  8. 8.

    Habe einen heissen Tip für Sie:Sie nehmen reichlich Essen und Trinken,sowie ein Diktiergerät und reichlich Zeit,gehen in den Wald,legen sich auf die Lauer.Sollten Sie Glück haben und auf einen Wolf treffen,können Sie mal Persönlich nachfragen wo der,,Kamerad"denn her kommt?. MfG Edmund P.S.Viel Erfolg

  9. 7.

    Ach, immer das gleiche Lied: 'Hilfe, die Wölfe werden uns und unsere Viecher auffressen!' Muss man Leuten erst die Möglichkeit entziehen, Schafzüchter etc. zu sein? Wie wäre es mit Verstand? Wie viele Übergriffe auf Menschen gab es denn? In den letzten 100 Jahren? Und davor?...

    Wie viele Schafe gibt es in Deutschland und wie hoch ist der verhältnismäßige Verlust durch mutmaßliche Wolfsrisse? 2% oder was klingen nicht bedrohlich.

    Wie viel Wild, das sich besonders stark vermehrt und deswegen geschossen wird, wäre optimale Ernährungsgrundlage für den Wolf? Leider gibt es zu viele Jäger, die die Bestände sehr hoch halten - um regelmäßig bejagen zu dürfen. Ähnlich ist die trophäenorientierte Einstellung gegenüber Wölfen.

    Wie wäre es, sich auch im Zusammenhang mit Klimaschutzzielen mal zu einem guten Teil von Vieh- und Weidewirtschaft zu lösen? Da zittern und jammern wieder die Ewiggestrigen. Weidehaltung sei ökologisch etc. unverzichtbar? Da hat man den Bock zum Gärtner gemacht.

  10. 5.

    Unverschämt sind die Kommentare der Wolfsbefürworter. Geht doch nach Polen, ist EU und Wölfe gibt es auch. Wir werden sie hier wieder los.

  11. 4.

    Wo bitte leben Sie denn?.Nehmen Sie zur Vorsorge eine frische Unterhose und eine Rolle Toilettenpapier mit!!!!.Viel Spass in der Natur.

  12. 3.

    Es ist doch erstaunlich, dass die Menschheit früher trotz Wölfe überleben konnte! Aber vielleicht sind die damals auch nicht in den Wald gegangen. Wenn die Wölfe kommen, wird es im Wald auch wieder ruhiger.
    Und dann noch das arme Vieh. Aber was die Wölfe nicht schaffen, das gelingt garantiert wildernden Hunden.

  13. 2.

    Es muss endlich geklärt werden, ob die Wölfe in Deutschland sich von alleine angesiedelt haben oder ob man hier nachgeholfen hat.
    MfG
    Paul

  14. 1.

    Der Wolf wurde nicht umsonst beseitigt. Er ist ein Schädling für die Viehwirtschaft. Danke dass man nicht mehr durch den Wald wandern kann - Danke schön!

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