Ein Loch statt der Stoplersteine im Bürgersteig in Berlin Neukölln (Quelle: dpa/Zinken)
Bild: dpa

Diebstahl-Serie reißt nicht ab - Stolperstein in Neuköllner Gretelstraße gestohlen

Am Montag, am Mittwoch, am Freitag: In Berlin-Neukölln ist schon wieder ein Stolperstein zum Gedenken an Holocaust-Opfer gestohlen worden. Die Polizei vermutet hinter der Diebstahlserie ein politisches Motiv.

Die Serie von Diebstählen so genannter Stolpersteine in Berlin-Neukölln reißt nicht ab.

Wie die Polizei am Freitag bekannt gab, wurde in der Nacht ein weiterer Gedenkstein für Opfer des Nationalsozialismus in der Gretelstraße aus dem Gehwegpflaster ausgerissen. Der polizeiliche Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen.

Die Zahl der gestohlenen "Stolpersteine" in Berlin-Neukölln hat sich damit laut Polizei auf mindestens 17 erhöht. Die Steine erinnern an die Opfer des Nationalsozialismus, meist an in Konzentrationslager deportierte und ermordete Juden. Die kleinen glänzenden Metallsteine sind an vielen Orten im Bürgersteigbelag eingesetzt, direkt vor Häusern, in denen die Menschen einst gewohnt haben.

Sie sind ein bundesweites Projekt des Künstlers Gunter Demnig. Die kleinen Betonquader haben eine Oberseite aus Messing, auf der die letzte freigewählte Wohnadresse der Verfolgten eingraviert ist.

Staatsschutz ermittelt

Erst am Mittwoch hatten Anwohner in Neukölln gemeldet, dass drei Stolpersteine aus einem Gehsteig ausgegraben worden seien. Die Behörden vermuten deshalb ein politisches Motiv hinter den Diebstählen und einen Zusammenhang zum 9. November, dem Gedenktag an die Opfer der NS-Reichspogromnacht von 1938. Eine Spur zu den Tätern gibt es bislang nicht.

Bis Dienstagabend waren in Neukölln bereits 13 gestohlene Stolpersteine bemerkt worden. Besonders betroffen ist die Hufeisensiedlung im Stadtteil Britz. Die Gegend gilt als eines der
Aktionsfelder der Berliner rechten Szene.
Hier kam es in den vergangenen Jahren immer wieder zu Attacken gegen Gewerkschafter, Buchhändler, Politiker oder Menschen, die sich gegen Rechts engagieren. Zuletzt brannte im Juli das Auto einer SPD-Politikerin.

In Greifswald verschwanden alle Stolpersteine

Für die Leiterin der Koordinierungsstelle Stolpersteine Berlin, Silvija Kavcic, ist der massive Diebstahl der Gedenksteine in Berlin neu. "In dieser Form gab es das bislang nicht", sagte Kavcic am Mittwoch. Beschmierungen und Schändungen der Steine komme immer wieder vor, aber kein Diebstahl. Einen vergleichbaren Fall habe es 2012 in Greifswald gegeben, als vor dem 9. November alle Stolpersteine in der Hansestadt ausgegraben wurden.

Kavcic kündigte an, dass die gestohlenen Stolpersteine in Berlin zeitnah ersetzt werden. Es gebe eine große Spendenbereitschaft, sagte die Leiterin der Koordinierungsstelle.

Seit 1996 wurden in Berlin weit mehr als 7.000 Stolpersteine verlegt - für Juden, Sinti und Roma, Menschen aus dem politischen oder religiös motivierten Widerstand, Homosexuelle, Zeugen Jehovas, Opfer der "Euthanasie"-Morde und für Menschen, die als vermeintlich
"Asoziale" verfolgt wurden.

Sendung: Inforadio, 10.11.2017, 07.20 Uhr

Kommentar

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5 Kommentare

  1. 5.

    Auch für Sie und zum wiederholten Mal: Wert der einzelnen Messingplatte beim Altmetallhändler - 10 Ct. (Laut Künstler) Kilopreis Messing Aktuell /Durchschnitt 3,20. Irrt sich der Künstler, so doch sicher nicht über ca. 30 Ct hinaus.
    Was also lässt Ihre Gedanken derart weit schweifen? Zumal ähnliches bereits eine Geschichte in Greifswald 2012 hatte? Inzwischen ist im Bundestag eine Partei zweistellig vertreten, die mit dem Begriff "Denkmal der Schande" keineswegs die Erinnerung an ein schändliches Verbrechen meinte, sondern die Erinnerung daran was uns allen daraus zu Verantwortung verpflichtet - und nicht zum Schuldgefühl. Im quasi öffentlichen Diskurs der(Neu)Nationalen sind die Stolpersteine immer schon ein "Denkmal der Schande" in diesem Sinne. In Britz /Neukölln machen die so Ermächtigten ausserparlamentarischen Ernst. Bereits mit einer langen Historie, den öffentlichen Raum zu beherrschen. Alle bekannt. Ich würde dort auf Trophäensuche gehen. Sie die Freude teuer bezahlen lassen.

  2. 4.

    Messing erzielt auch einen hohen Preis als Altmetall. Es wurden auch schon mal Kupferleitungen der Bahn u. in Osteuropa ganze Bahnschienen demontiert. Gegen einfachen Diebstahl würde mE aber die regionale Begrenzung der Taten sprechen (außer, das ist eine Art Gassi-Gehen des/der Täter).
    Darf man von Kriminellen Pietät erwarten?

  3. 3.

    Wie geistig behindert sind eigentlich Leute die so etwas tun??
    Der IQ liegt bestimmt 100% im minus.

  4. 2.

    Wo bleiben eigentlich hier die Kommentare derer die sonst immer zahlreich und lautstark die "Meinung der gesellschaftlichen Mitte" vertreten wollen?

    Merkwürdig...

  5. 1.

    Diese Diebstähle sind unterrstes Niveau, eigentlich zum Fremdschämen geeignet!

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