Wölfe im Wildpark Schorfheide (Quelle: imago/Friedel)
Audio: Inforadio | 28.11.2017 | Dominik Lenz | Bild: imago stock&people/Friedel

Entwurf im Ministerium vorgestellt - Überarbeitete Wolfsverordnung überzeugt Landwirte nicht

Die Landwirtschaftsverbände in Brandenburg haben am Dienstag den überarbeiteten Entwurf für die Wolfsverordnung einsehen können. Ergebnis: Die Kritik an dem Vorhaben ist nicht leiser geworden, der Bauernbund nennt die Regelungen lebensfern.

Brandenburgs Landwirtschaftsverbände üben weiter harsche Kritik an der überarbeiteten Wolfsverordnung des Landes. Das wurde am Dienstag nach einer Informationsveranstaltung des Ministeriums für Landwirtschaft und Umwelt in Potsdam deutlich.

Der Präsident des Landesbauernverbands, Henrik Wendorff, sprach von einem "homöopathischen Beruhigungsplacebo". Der Vorsitzende des Waldbesitzerverbandes, Thomas Weber, fügt hinzu, es fehle das politische Potential für mutige Entscheidungen beim Thema Wolf. Der Bauernbund, der die kleineren Betriebe im Land vertritt, nannte die Verordnung lebensfern.

Vogelsänger: Alle müssen Kompromisse eingehen

Die Wolfsverordnung regelt die Fälle, in denen die streng geschützten Tiere geschossen werden dürfen. Im vorliegenden Entwurf ist das nur dann möglich, wenn ein Wolf sich aggressiv gegen Menschen verhält, nicht aber, wenn er ein Weidetier gerissen hat.

Als Kritik wurde unter anderem genannt, dass die Verordnung nur außerhalb von europäischen Naturschutzgebieten gelten solle. Für betroffene Weidetierhalter innerhalb dieser Gebiete sei das deshalb keine akzeptable Lösung.

Agrarminister Jörg Vogelsänger (SPD) warb um Verständnis. Mit der Wolfsversordnung betrete Brandenburg Neuland. Ziel sei es, bundesweit einheitliche Rechtssicherheit zu schaffen. Das werde aber nur gelingen, wenn alle Beteiligten bereit seien, Kompromisse einzugehen.  

Tierischer Schutz vorm Wolf: Esel, Alpaka, Guanako, Berghund

Konstruktiver Schutz vorm Wolf in Brandenburg (Quelle: rbb/Mark Albrecht)
rbb/Mark Albrecht

Erster Entwurf wurde bereits überarbeitet

Bereits im Mai war ein erster Entwurf der Verordnung präsentiert worden. Das Ministerium erhielt danach rund 40 Stellungnahmen. Der Entwurf wurde dann teilweise überarbeitet. Er befinde sich nun in der Schlussredaktion, hieß es. Am Mittwoch soll die Wolfsverordnung auch im Landtag in Potsdam Thema im Ausschuss für Agrar sein.

Kommentar

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8 Kommentare

  1. 8.

    Man muss schon sehr weit der Wirklichkeit entrückt sein wenn man den Wolf gegenüber Bauern und sonstigen Menschen verteidigt. Was meint Ihr denn wo Euer Essen herkommt? Aus dem Supermarkt? Nee das muss vorher angebaut bzw gezüchtet werden. Tiere und Tierprodukte sind Bestandteile einer gesunden Ernährungsweise. Von "Tierschutz" und "Bäumeumarmen" wird man nicht satt.

    Also noch mal zu mitschreiben.
    Wölfe sind gefährlich. Wölfe sind keine niedlichen Haustiere.
    Essen muss irgendwo herkommen, am Besten regional produziertes Essen.
    Schädlinge müssen bekämpft werden, also braucht man zB Glyphosat.
    Oder wollt ihr mit euren Händen die Schädlinge bekämpfen? Das geht ja allein deswegen schon nicht, weil ihr in der einen Hand euer Iphone haltet (übrigens Hergestellt durch Sklavenarbeit in China und Rohstoffraub in Afrika) und in der anderen euren Latte Macchiato (natürlich jedes Mal in einem neuen Plastikbehälter).

  2. 7.

    Der Wolf war im 19. und 20. Jahrhundert auf dünn besiedelte und abgelegene Gebiete beschränkt. Zudem unterlag er einem intensiven Jagddruck. Nun stößt er wieder in die dichtbesiedelten Gebiete Mitteleuropas vor. Hier ist es in den letzten 200 Jahren zu ganz erheblichen Veränderungen im Landschaftsbild sowie einem enormen Bevölkerungszuwachs gekommen. Die Verhältnisse sind also keineswegs mit denen im 18. Jahrhundert zu vergleichen. Als außerordentlich anpassungsfähige Art wird der Wolf mit den veränderten Bedingungen gut zurechtkommen, was zu einer explosionsartigen Vermehrung führen sollte. Andererseits stellt die Weidetierhaltung eine relativ schonende Art der Landnutzung dar. Die Alternative wäre intensive Stalltierhaltung. Das kann weder im Interesse von Tier- noch Umweltschützern liegen.
    Schließlich fällt auch der Mensch prinzipiell ins Beuteschema des Wolfes. Ohne Jagddruck verlieren Wölfe ihre Scheu, so wie wir es jetzt schon bei Füchsen in Städten sehen können.

  3. 6.

    Bei einer zu erarbeitenden Richtlinie, die maßgeblich auf Bundesebene wirken soll, sollen sich einzelne Bundesländer oder -staaten raushalten? Ich suche noch mal eben den Sinn...

    Und natürlich geht es beim Thema Wolf um Leib und Leben - aber nicht um das des Menschen. Oder wollen Sie mal Belege aus dem Ärmel schütteln, wie oft es in den letzten Jahrhunderten weltweit zu Übergriffen von Wölfen auf Menschen kam? Die Statistik dazu wird mindestens ziemlich dünn ausfallen, um mal mit dem gesamten Zaun zu winken. Ihr Kommentar ist Audruck von Angst, Unwissen und mangelnder Reflexionsfähigkeit.

    Es war von Nutz- und Weidetierhaltern nicht anders zu erwarten, sich gegen Veränderungen zu sträuben. Diese sind aber nötig. Nicht der Wolf ist künstlich in der Natur, sondern die Herdenhalter mit ihren Tieren. Das verdeutlicht auch, wer sich zwingend anpassen muss - und auch kann. Dafür braucht es staatliche Unterstützung, aber auch eigenen Willen.

  4. 5.

    Nein. Man muss einen veganen Wolf züchten durch Kreuzung mit einer Raupe.

  5. 4.

    Wer Kompromisse fordert, will betrügen. Es geh9t um Leib und Leben von Menschen. Da sollten sich Berliner raushalten.

  6. 3.

    Leider hat es die Landesregierung versäumt, in einer mutigen Entscheidung einen tragfähigen Interessenausgleich zwischen Landwirtschaft und Wolfsschützern herbeizuführen. Die Heidetierhaltung stellt eine traditionelle, umwelt- und tierfreundliche Art der Landnutzung dar. Nicht regulierte, sich rasch vergrößernde Wolfsbestände machen diese langfristig unmöglich.
    Der Wolf an sich ist aufgrund seiner hohen Anpassungsfähigkeit, anders als andere Arten, nicht wirklich bedroht. Ohne Jagddruck werden die Wolfsstände rasch überhand nehmen. Eine Überführung des Wolfes ins Jagdrecht nebst koordinierter Bestandsregulierung wäre eine sinnvolle Problemlösung.

  7. 2.

    Ich sehe die Landwirtschaftsverbände mittlerweile als Gefahr für das Leben an sich an. Was die gut finden und was nicht hat mit Umweltfreundlichkeit nichts mehr zu tun. Stets nur an die eigenen Interessen denken und unfähig, Kompromisse einzugegehn: Entweder wirds so gemacht, wie die sich das vorstellen oder es wird so gemacht, wie die sich das vorstellen .... die sollten schnellstens kapieren, dass nichts Alles außerhalb der Städt den Bauern gehört. Da gibts durchaus auch andere Interessenten wie Tiere und Pflanzen und auch Menschen, die die Vielfalt erleben wollen und nicht nur sterile Monokultur. Letztere hat sowieso keine Zukunft, da viel zu aufwendig. Das aber wollen die Verantwortlich nicht sehen, weshalb sie meiner Ansicht nach höchst verantwortungslos handeln und zwar gegenüber allen Lebens !

  8. 1.

    Mindestens einer "Brandenburgs Landwirtschaftsverbände" ist nicht nur "lebensfern" sondern lebensfeindlich! Vergleiche Verlautbarung zu "Glyphosat ist eine gesunde Sache". Alles was stört töten? Den Wolf auch? Was kommt als nächstes?

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