Modellfoto für den Architekturwettbewerb <<Modulare KITA-Bauten für Berlin>>. (Quelle: Baukammerberlin.de)
Audio: Radio Berlin | 30.12.2017 | Ricardo Westphal | Bild: Baukammerberlin.de

Für jeweils bis zu 150 Kinder - Berlin will zehn Schnellbau-Kitas schaffen

In vielen Berliner Kiezen müssen junge Eltern monatelang nach einem Kita-Platz suchen. Abhilfe können nur tausende neue Plätze schaffen - doch Neubau kostet. Daher will Bildungssenatorin Scheeres nun Schnellbau-Kitas aus Fertigteilen errichten lassen.

Wegen des stark wachsenden Bedarfs an Kinderbetreuungsplätzen entstehen in Berlin 2018 erste "Schnellbau- Kitas". Geplant sind zunächst zehn dieser Kindergärten aus Fertigteilen, wie Familiensenatorin Sandra Scheeres (SPD) im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur ankündigte. Die Grundstücke seien bereits mit den Bezirken abgestimmt.

Mit der Fertigstellung der ersten sogenannten "Modularen Kita-Bauten" (Mokib) sei voraussichtlich Anfang 2019 zu rechnen. Damit beschreitet das Land bei Kitas einen ähnlichen Weg wie bei Schulen. Auch hier sollen zum Teil modulare Gebäude entstehen.

Auch dreigeschossige Fertigkitas sind geplant

Den Realisierungswettbewerb für diese Schnellbau-Kitas hat der Senat im August unter Architekten ausgeschrieben (Link als PDF). Die Fertigbauten sollen demnach nicht nur schnell, sondern auch kostengünstig und ökologisch errichtet werden können.

Laut der Ausschreibung hat der Senat insgesamt sogar bis zu 35 Schnellbau-Kitas im Sinn. Konkret soll es zwei Typen von Fertigbau-Kitas geben: ein zweigeschossiger Typ mit 60 Plätzen und ein dreigeschossiger, in dem sogar bis zu 150 Kinder betreut werden können. Die kleineren Kitas sollen pro Neubau rund 1,8 Millionen Euro kosten, die größeren rund 4,5 Millionen Euro.

Wir müssen ausbauen, ausbauen, ausbauen

Der Bedarf an Kita-Plätzen steigt stetig, da die Stadt wächst. So leben heute laut Senatsverwaltung für Familie 220.000 Kinder im Kita-Alter in Berlin, 50.000 mehr als noch vor zehn Jahren. Viele Eltern merken das daran, dass sie dutzende Absagen bekommen, wenn sie einen Kita-Platz für ihren Nachwuchs suchen. Laut dem jüngsten Kitabedarfsatlas, der im Frühjahr veröffentlicht wurde, gibt es in mehr als der Hälfte aller Berliner Kieze einen hohen oder besonders hohen Bedarf an neuen Kita-Plätzen.

"Berlin boomt, die Geburtenrate steigt", sagte Scheeres. "Das ist ein Lob für die Stadt, dass sie spannend und lebenswert für Familien ist. Wir haben ein starkes Interesse, dass die Infrastruktur mitwächst." So habe der Senat seit 2012 rund 30.000 neue Plätze geschaffen, bis 2021 sollen noch einmal 25.000 weitere Plätze dazukommen. Scheeres räumte aber ein, dass das Tempo des Ausbaus bislang nicht ausreicht. "Wir haben viele Bewilligungen auf dem Weg. Aber es ist knapp, das muss man schon sagen, weil wir einfach mehr Kinder haben." Puffer gebe es kaum. "Deshalb müssen wir ausbauen, ausbauen, ausbauen."

Scheeres kritisiert Kita-Träger: Viele Plätze unbesetzt

Scheeres will zudem auch an einem anderen Punkt ansetzen: "Wir haben eine große Anzahl genehmigter Plätze, die nicht belegt sind. Da haben wir Reserven, die noch zu aktivieren sind." Im November waren nach ihren Angaben in Berlin 6.500 Plätze nicht belegt. Gründe können etwa Bauarbeiten sein, allerdings nutzten manche Träger Räume auch für andere Zwecke. Das könne nicht so weitergehen. "Wenn wir den Rechtsanspruch gewährleisten wollen, müssen wir hier handeln", so Scheeres.

Nach ihren Worten verweisen Kita-Träger oft auch auf fehlendes Personal. "Dieses Argument gilt nicht mehr", betonte die Senatorin. Denn inzwischen dürften in Berlin auch Ergo-Therapeuten, Logopäden oder Heilpädagogen als Erzieher arbeiten. Auch Sozialassistentinnen dürften übergangsweise eingestellt werden, wenn sie sich verpflichten, innerhallb von zwei Jahren eine Erzieherinnenausbildung beginnen.

"Es kann also keiner sagen, ich finde keine Erzieherinnen, deswegen kann ich den Platz nicht belegen", folgerte sie. "Es muss nur getan werden.

FDP fordert bessere Bezahlung für Erzieher

Der bildungspolitischer Sprecher der Berliner FDP-Fraktion, Paul Fresdorf, kritisierte diese Aussage der Bildungssenatorin. Den Erziehermangel löse man nicht allein durch Quereinsteiger. "Wir müssen den Beruf Erzieher attraktiver gestalten, die Bezahlung muss angepasst werden und wir müssen ihn von Verwaltungsaufgaben befreien."

Zudem müssten Quereinsteiger ausreichend qualifiziert werden, indem sie "vor dem ersten Tag durch eine 4 wöchige Qualifizierungsmaßnahme gehen". Dort müssten dann Themen wie Kinderschutz, Elterngespräche und rechtliche Rahmenbedingungen erklärt werden.

Sendung. Inforadio, 30.12.2017, 12:30 Uhr

Kommentar

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8 Kommentare

  1. 8.

    1) Wie @Frank schon erwähnte: wer kann es sich heutzutage schon leisten mit nur einem Gehalt auszukommen?
    2) Vllt wird das ein oder andere Kind "abgeschoben", aber die Majorität sicher nicht. Ich bin froh endlich einen Platz für meine 16 Monate alte Tochter gefunden zu haben. Die Kleine braucht, m.E., ausreichend Umgang mit gleichaltrigen Kindern. Wir beschäftigen uns viel mit der Kleinen, aber das ist einfach nicht das Gleiche. Kinder brauchen sowohl als auch - liebevollen Umgang der Eltern und Begegnung mit gleichaltrigen.

  2. 7.

    "...Nicht jede Mutter muss so schnell wieder arbeiten gehen..." Das klingt so herrlich nach "Frauen an den Herd", dass ich sicher bin, sie haben noch nicht gemerkt, dass das dritte Jahrtausend angebrochen ist. Erstens könnten genausogut die Väter zu Hause bleiben und zweitens kann sich - bei der derzeitigen Ausbeutungssituation - in Berlin kaum eine Familie leisten mit nur einem Verdienst auszukommen.

  3. 4.

    Ergo-Therapeuten, Logopäden, Heilpädagogen, Sozialassistentinnen - das sollen qualifizierte Erzieher/innen sein? Ernsthaft? Ich möchte, dass mein Kind nicht nur verwahrt, sondern von dafür ausgebildeten Personen betreut wird.

  4. 3.

    Zeitgemäß ist heute die Kinder so schnell wie möglich abzuschieben damit man seiner Karriere nachgehen kann
    bzw seine Ruhe hat.

  5. 1.

    Warum muss ein kleine, gerade mal anderthalbjähriges Kind eigentlich tagsüber unbedingt in eine Kita abgeschoben werden? Nicht jede Mutter "muss" so schnell wieder arbeiten gehen. Die ersten Jahre mit einem Kind gehen so schnell vorbei, da sollte es doch machbar sein, sich mal zwei, drei Jahre Zeit zu nehmen und sich um sein Kind zu kümmern, anstatt das "auszulagern". Wenn all diejenigen, denen es möglich wäre, zu Hause zu bleiben und sich selbst um ihren Nachwuchs zu kümmern, das auch tun würden, gäbe es genug Plätze für diejenigen, die ihn dringend benötigen.

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