Eine Mutter mit Kind am U-Bahnhof Warschauer Straße (Quelle: imago/Stefan Zeitz)
Bild: imago/Stefan Zeitz

Zum Nulltarif mit Bus und Bahn - Für umme durch Berlin käme das Land teuer zu stehen

Wäre es eine Illusion oder doch machbar: Tickets zum Nulltarif für Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs? Der Senat rechnet vor, was das mindestens kosten würde – und verpasst Vorstellungen zum ÖPNV für alle einen Dämpfer. Von Vanessa Klüber

Das Land Berlin müsste mindestens 904 Millionen Euro mehr im Jahr aufbringen als bisher, um Bürgern einen kostenlosen öffentlichen Transport zu ermöglichen. Dazu kämen notwendige Investitionen. Das teilte der Berliner Senat auf eine Anfrage der AfD im Abgeordnetenhaus mit. Eine mögliche baldige Umstellung zu einem Ticket zum Nulltarif für alle sieht der Senat vorerst nicht.

2015 zahlte das Land rund 710 Millionen Euro an die BVG, 2016 rund 680 Millionen Euro.

"Erhebliche Maßnahmen zur Ausweitung des ÖPNV-Angebots nötig"

Ein "Konzept des Nulltarifs" würde "erhebliche Maßnahmen zur Ausweitung des ÖPNV-Angebots nötig" machen, hieß es. Und weiter: "Bisherige Erfahrungen in verschiedenen Städten zeigen, dass sich die Fahrgastzahlen mindestens um den Faktor 2 erhöhen."

Dies würde laut Senatn die bereits jetzt schon stark nachgefragten und gut ausgelasteten Korridore und Zeiten betreffen – es müsste daher umfangreich in Fahrzeuge und Infrastruktur investiert werden. "Insofern müsste hier erst im Infrastrukturbereich Vorsorge getroffen werden, bevor tarifliche Entscheidungen zu treffen sind."

Nutzung der S-Bahn nicht inbegriffen

Eine Modellrechnung zum kostenlosen ÖPNV sei dem Senat derzeit nicht bekannt.

Neben den Einschätzungen der Kosten für das Land für einen kostenlosen Nahverkehr für die Nutzer von Verkehrsmitteln der BVG gab der Senat auch weitere Zahlen bekannt (siehe Infokasten).

Selbst wenn es zu kostenfreien Nutzung der Fahrzeuge der BVG kommen würde, könnte man sich noch nicht gratis durch Berlin bewegen: Die Anfrage bezieht sich nur auf die Verkehrsmittel der BVG – nicht auf die Berliner S-Bahn, die von der Deutschen Bahn betrieben wird.

Verschiedene Ideen für günstigen Nahverkehr

Zum günstigen oder gar kostenlosen Ticket zum Nulltarif in Berlin gibt es einige Ideen, die bisher jedoch keine Mehrheit haben. So beispielsweise die eines "Bürgertickets", bei dem jeder eine geringen Preis zahlen muss, egal ob er fährt oder nicht. Es gibt auch den Vorschlag, nur zu bestimmten Stoßzeiten zahlen zu müssen, in den ruhigen Zeiten dafür nicht.

Beitrag von Vanessa Klüber

Kommentar

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22 Kommentare

  1. 22.

    Ums Gefallen geht es nicht, sondern, daß der Gebrauch süd-west-deutscher Dialektwörter eben nicht cool ist.
    In Berlin kauft man z.B. eben keine Wecken oder Berliner.

    Aber was den Artikel selbst angeht, so sollte man bei der Gegenrechnung auch mal die Kosten für Bau und Unterhalt der Straßen mit heranziehen. Ich denke, dann dürfte es schon anders aussehen. Das unnötige Hineinfahren in die Stadt mit dem eigenen Auto trotz Alternativen ist auch immer noch zu billig.

  2. 21.

    Äh ... der Senat findet: Nulltarif geht nicht, weil dann doppelt so viele Menschen Busse und Bahnen nutzen würden?

    Natürlich geht das nicht so einfach und nicht von heute auf morgen. Aber sind bei den Kosten eigentlich auch die immensen Kosten berücksichtigt worden, die der ausufernde Autoverkehr verursacht? Gesundheitsschäden, Umweltschäden, Straßenschäden? Davon ausgehend der volkswirtschaftliche Schaden?

    Der ganze Komplex ÖPNV müsste eben mal neu gedacht werden, ohne Tabus, Vorurteile und die bequemen Aussagen "Das geht sowieso nicht" und "Das haben wir schon immer so gemacht".

    Übrigens fanden Verkehrsbetriebe es auch lange Zeit unvorstellbar, einfach so den deutlichen Rabatt durch Zeitkarten zu gewähren: Zu erschwinglichen Preisen wurden diese nur für den Weg zur und von der Arbeit verkauft, natürlich inhabergebunden.

  3. 20.

    "Berlin AB" inkl. S-Bahn tariffrei (nicht umsonst oder kostenlos). Pro Einwohner zwischen 1 -1,5 Euro am Tag plus Touristenübernachtungsabgabe - das müsste rechtlich durchgesetzt werden, anstatt diesem Fahrscheinwirrwarr.
    Das eigentliche Problem sind tatsächlich die Fahrzeugkapazitäten. Es müssen mehr Busse und Trams statt Autos auf die Straßen. Die Schienen schaffen maximal einen 2 - 3 Minutentakt. Also neue Fahrzeuge braucht die Stadt.

  4. 19.

    Und wo sehen Sie jetzt das Problem? Die Berliner werden den kostenlosen ÖPNV "ausnutzen" indem Sie sinnlos 24 am Tag Bus fahren? Haben Sie diese Wahnvorstellung schon mal im richtigen Leben erlebt? Haben Sie Monatskartenbesitzer dabei beobachtet, wie sie "sinnlos" umhergefahren sind? Also wirklich.

  5. 18.

    Prinzipiell sehe ich das so wie Sie.
    Allerdings sehe ich den Punkt: "Wegfall von Fahrkartenautomaten, Aufwendigen Kontrollen, Schwarzfahrerangelegenheiten, Servicestellen ,usw." kritisch, da: "Besucher hätten sich ein Ticket zu besorgen." Dafür bräuchte es ja dann weiterhin diese Infrastruktur.

    Aber grundsätzlich befürworte ich ebenfalls das Bürgerticket sowie mindestens den aktuellen vollen Beitrag für Touristen.

    Freie Fahrt innerhalb des S-Bahn-Ringes wäre auch noch eine Option über die man mal nachdenken könnte, diese Zone will man ja mittelfristig autofrei haben.

    Man sollte auf jeden Fall weiter im Dialog mit- und untereinander bleiben und auch diejenigen aktiv mit einbinden, die denken, ein solches Projekt wuppe man mal eben so nebenbei und "die Politker" (natürlich alle) seien einfach nur zu blöd, um solche Entscheidungen zu treffen.

  6. 17.

    Das wäre nicht unbedingt ein Hinderungsgrund dafür, anderes ggf. schoh.
    Die Verspätungen und Ausfälle sind ja nicht vom Fahrgast ausgehend, sondern dem vernachlässigten Betrieb geschuldet. Insofern, weil das in die Sphäre der BVG bzw. der Deutsche Bahn-Tochter S-Bahn Berlin GmbH fällt, verlängert sich dementsprechend die Laufzeit der jeweiligen Fahrkarte.

    Allerdings erfordert das eben ein gewisses Standvermögen der Fahrgäste, die selbstverständlich darauf beharren und BVG und S-Bahn Berlin GmbH müssten eben einiges an Recherchearbeit aufwenden, um den Verspätungen und Zugausfällen nachzugehen.

    So, wie eigentlich heute schon, wenn die 2 Stunden Marke überschritten wird. Nicht, weil die Fahrgäste dies vertrödelt haben, sondern weil wieder eine Bahn ausgefallen ist und somit der Anbieter den Fahrplan nicht eingehalten hat, der aber für die Fahrkarte die Grundlage ist.

  7. 16.

    Herr Krüger, das ist leider eine der Optionen, die an sich gut sind, aber in Berlin nicht funktionieren können - aus einem einfachen Grund. Auf die BVG und S-Bahn ist einfach kein Verlass! Es gehört doch zum Alltag 15-20 auf die sich verspätete Bahn / den Bus zu warten... Traurig, ganz traurig

  8. 14.

    In Berlin ändert sich eben nüscht , nüscht , und nüscht
    Ick hör nur Ausrede in der Stadt der Armen und der Lahmen

  9. 13.

    Es ist immer wieder belustigend, dass der Ausbau des Flughafens Schönefeld immer wieder heramgezogen wird, wenn es heisst, dass an anderer Stelle das Geld fehle.

    Solche Argumente kommen gerne von Leuten, die nicnt rechnen können u d auch in anderen Finanzdingen wenig Erfahrung haben. Die direkten Zuschüsse des Landes Berlin zum Ausbau des Flughafens Schönefeld würden nur für eine Zeit kostenlosen ÖPNV reichen. Auch scheinen manche nicht zu wissen, dass die Kredite, die die FBB aufgenommen hat, auch zurückgezahlt werden müssen. Anders als der für die Kunden kostenlose ÖPNV will die dabei aber aus dem Bauvorhaben auch Einnahmen generieren.

  10. 11.

    Da haben Sie ganz recht. Nur sollte sich niemand bei vernünftigen Projekten mit Geldmangel herausreden, wenn er gleichzeitig an anderer Stelle Mittel in Größenordnungen regelrecht verbrennt.

  11. 10.

    Leider hat sich in diesem Land eine Mentalität festgesetzt, dass dasjenige, was nichts kostet, auch nichts wert sei. Das wird dann eben nur abgenutzt. Oder im anderen Fall mehr oder minder sinnlos angehäuft. Jedes mitgenommene Gratis-Prospekt auf der ITB, das hinterher dem Altpapier-Container anheimgegeben wird, gibt davon ein beredtes Zeugnis. Selbst eine Gebühr von -,50 Cent würde da schon dafür sorgen, dass mit Überlegung zugriffen wird.

    Ich selber hielte ein durchschaubereres Preissystem für besser, weil Tarifgerechtigkeit angesichts der unübersehbaren Kombinationsmöglichkeiten zwischen den Haltestellen sowieso unmöglich ist. Für neu gelöste Fahrkarten also:
    1/2 Stunde = 1 Euro
    1 Stunde = 2 Euro
    2 Stunden = 3 Euro
    Hin und her, kreuz & quer, nur die Zeit zählt, innerhalb von Berlin A-B-C.

  12. 9.

    Das heißt, bei dem Beförderungsentgelt handelt es sich in Wirklichkeit um eine ÖPNV-Verhinderungsgebühr. Passt zu den heruntergekommenen Bahnhöfen, Zügen und den ständigen Betriebsstörungen. So bekommt man die Leute bestimmt nicht vom eigenen PKW los!

  13. 8.

    Die Fahrgastzahlen sollen sich also der Erfahrung nach verdoppeln... Heißt im Umkehrschluss doch, dass weniger mit dem Auto gefahren wird. Ergo weniger Staus, weniger Lärm und Abgase sowie (langfristig) weniger Aufwendungen für den Straßenerhalt. Ob das alles monetär bewertet werden kann??
    Das wäre mal ein mutiger Schritt und für Berlin ein Imagegewinn! Wäre doch toll, wenn man mal neidvoll auf Berlin blicken könnte - bisher gibt es ja leider meistens nur mitleidvolle Blicke...

  14. 7.

    der BER ist ja auch keine landesangelegenheit allein -- irgendwie scheinen das alle von den reinen gegnern bis zu TXL-fans regelmässig zu ignorieren (was den verantwortliche aus BB und Bund natürlich sehr zu pass kommt)

  15. 6.

    Da verweise ich den Interessierten auf meine Lieblingsseite: https://www.flughafen-berlin-kosten.de
    Das ist dem Senat komischerweise nicht zu teuer.

  16. 5.

    Für jeden Bewohner Berlin könnten 15 € mtl. Vom Einkommen einbehalten werden.( Wie bei der Rundfunkgebühr).
    Das bringt Ca. 700 Millionen p.A. Zusätzlich gibt's erheblich Einsparungen der Betriebskosten, (Wegfall von Fahrkartenautomaten, Aufwendigen Kontrollen, Schwarzfahrerangelegenheiten, Servicestellen ,usw.) Das könnte ausreichen jedem ständigen Bewohner Berlins eine Jahreskarte AB zu überlassen.
    Ergänzende Restkosten können vom neuen Senat aus Steuern und weiteren Einnahmen gegenfinanziert werden.
    Nur noch Besucher hätten sich ein Ticket zu besorgen.

  17. 4.

    Die Frau Redakteurin hat nie damit gerechnet, dass die Überschrift allen gefällt.

    Beste Grüße
    rbb|24/Vanessa Klüber

  18. 3.

    "Für umme" steht da jetzt also in der Überschrift. Da hat sich der Herr Redakteur aber was total Verrücktes getraut, der Schlawiner. Hat er da vielleicht dem Berliner aufs Maul geschaut und sich gedacht: Ach ich schreib mal, wie das so Karl-Heinz aus Charlottenburg tageintagaus sagt? - Oder hat er vielleicht einfach nicht daran gedacht, dass nur die Schmockies "für umme" sagen, die sich in der armen Mauerstadt dschentifizierend eingewanzt haben? "Für umme" ist es wahrscheinlich auch, ihm zu sagen, das das jetzt nicht die große Brüllerüberschrift ist. Sein "für umme" hatta umsonst.

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