Der AfD-Fraktionsvorsitzende Alexander Gauland spricht am 02.12.2017 beim Bundesparteitag der AfD in Hannover. (Quelle: dpa/Julian Stratenschulte)
Video: Abendschau | 02.12.2017 | Boris Hermel | Bild: dpa/Julian Stratenschulte

Pazderski in zwei Wahlgängen gescheitert - Gauland neuer Co-Chef der Bundes-AfD

Georg Pazderski hat es nicht an die Spitze der Bundes-AfD geschafft. In zwei Wahlgängen bekam Berlins Landeschef nicht die erforderliche Mehrheit. Stattdessen führt nun Alexander Gauland, der zunächst gar nicht angetreten war, die AfD zusammen mit Jörg Meuthen.

Auf dem AfD-Parteitag in Hannover ist der Chef der Bundestagsfraktion Alexander Gauland zum Co-Vorsitzenden neben dem zuvor bestätigten Jörg Meuthen gewählt worden. Gauland erhielt am Samstagabend als einziger Kandidat 68 Prozent der Stimmen.

Gauland entschloss sich zur Kandidatur, nachdem zwei vorangegangene Wahlgänge keine Entscheidung gebracht hatten. Der Berliner Landeschef Georg Pazderski scheiterte in beiden Wahlgängen ebenso wie Schleswig-Holsteins Landeschefin Doris von Sayn-Wittgenstein, beide traten daraufhin nicht mehr zu einem dritten Wahlgang an. Pazderski wurde schließlich zum ersten stellvertretenden Parteichef gewählt. 

Meuthen sagte, der Ausgang der Wahl sei so nicht erwartet worden; es sei aber ein "gutes und ehrliches Ergebnis". Die AfD sei nicht gespalten. Es sei völlig normal, dass es unterschiedliche Flügel gebe. 

Gauland hatte Pazderski-Kandidatur abgelehnt

Gauland, ein Vertreter des rechten Flügels innerhalb der AfD, hatte seine Kandidatur damit begründet, die Strömungen der Partei zusammenhalten zu wollen. Die AfD sei Teil einer Bürgerbewegung, aber auch konservative Reformpartei. "Ich habe mich in die Pflicht nehmen lassen", sagte er am Samstagabend beim Parteitag in Hannover. Er wäre gerne stellvertretender Vorsitzender geworden. Die Partei sei bei der Wahl des Vorstands aber in einer gefährlichen Situation gewesen. Eine Kandidatur von Pazderski hatte Gauland in den vergangenen Tagen abgelehnt.

Pazderski erklärte nach seiner Niederlage bei der Wahl zum Parteivorsitz: "Man muss in der Politik auch einmal etwas wagen." In den vergangenen Wochen hatte er vor allem im gemäßigten Lager um Unterstützung geworben. Am Samstagmorgen sprach sich Pazderski im rbb für eine Politik der Mitte aus. "Die AfD ist eine Partei der konservativen rechten Mitte", sagte er. "Wir müssen deutlich machen, dass wir eine Heimstatt sind für alle, die von der CDU enttäuscht sind, die von der FDP enttäuscht sind und die wirklich auch ehrliche Politik für Deutschland und die deutschen Wähler wollen."

Sonntag soll restlicher Bundesvorstand gewählt werden

Die AfD hatte bei der Bundestagswahl 12,6 Prozent erzielt und ist drittstärkste Kraft im Parlament. Alexander Gauland war bei der Bundestagswahl als Direktkandidat in Frankfurt (Oder) angetreten, unterlag aber dem CDU-Abgeordneten Martin Patzelt. Gauland zog über die Landesliste der AfD ein. Die AfD ist am Samstag erstmals nach ihrem Einzug in den Bundestag zu einem Parteitag zusammengekommen. 

Am Sonntag setzt die Partei ihr Treffen fort. Nach der Wahl der neuen Doppelspitze und den drei stellvertretenden Parteichefs soll der restliche Bundesvorstand neu gewählt werden. Auf der Tagesordnung für die knapp 580 Delegierten steht zudem unter anderem ein Antrag des Thüringer AfD-Chefs Björn Höcke, rasch ein Rentenkonzept zu verabschieden. Außerdem gibt es einen Antrag aus Brandenburg an den Parteitag, das gegen Höcke laufende Parteiausschlussverfahren aufzuheben.

Demonstranten sorgen für Verzögerung

Demonstranten blockieren am 02.12.2017 die Straße zum Congress Centrum in Hannover, wo die AfD tagt. (Quelle: rbb/Tina Friedrich)

Der AfD-Bundesparteitag begann mit fast einstündiger Verspätung, da Demonstranten am Samstagmorgen die Zufahrtswege zum Tagungsort in Hannover blockierten. Das Kongresszentrum, wo sich die rund 600 Delegierten bis Sonntag versammeln, wird durch ein großes Polizeiaufgebot abgesichert. Die Polizei setzte einen Wasserwerfer ein, um eine Sitzblockade aufzulösen. Dabei wurden mehrere Polizisten und mindestens ein Demonstrant verletzt.

Am Mittag formierte sich ein Demonstrationszug mit vielen hunderten AfD-Gegnern. Insgesamt haben mehrere Tausend Menschen in Hannover gegen die AfD protestiert. Vertreter von Parteien, Gewerkschaften und Kirchen riefen zum Widerstand gegen Rassismus und Populismus auf. Größtenteils blieben die Proteste friedlich.

Mit Informationen von Cecilia Reible, ARD-Hauptstadtstudio / Holger Hansen, rbb-Landespolitik

Sendung: Abendschau, 02.12.2017, 19:30 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereNetiquette zum Kommentieren von Beiträgen sowie unsere Richtlinien zum Datenschutz.

8 Kommentare

  1. 8.

    Ich glaube, die Wähler, die die AfD gewählt haben, hatten keine Lust mehr von den etablierten Parteien verschaukelt zu werden. Und sie taten gut daran. "Wir schaffen das" und "Mit mir wird es keine Maut geben" u.a. Sprüche haben den ehrlichen Wähler verschreckt. Und die derzeitige Politik treibt der AfD immer noch mehr Wähler zu.

    Nicht, dass Sie sich mal umschauen müssen.

  2. 7.

    Haben sie was anderes von diesen rechten Schaumschlägern erwartet?

    Jeder der dieser "Partei" seine Stimme gegeben hat, sei es aus Protest oder gar Überzeugung, wird sich noch umgucken.

    Das sage und schreibe ich seit Monaten!

  3. 6.

    Ehrliche Politik? Ham wa da jelacht. :-)))

  4. 5.

    Ich habe mir die Bewerbungsreden auf Phönix angehört.
    Wie man es von den etablierten kennt.
    Eine Aneinanderreihung inhaltsleerer Plattitüden.
    Konzeptionslos aber viel Kraft.
    Und die Rede von Pazderski war noch schwächer, als die von dieser Tante aus Schleswig-Holstein.
    Irgendwie hatte man immer den Eindruck, es sei ein Parteitag der SPD.
    Schade um das Geld, das diese Leute (die etablierten Parteien eingeschlossen) den Steuerzahler kosten.

  5. 3.

    Welches Zeichen?

    Das es neben Nazis auch noch andere Rechte in dieser "Partei" gibt?

    Man muß schon ordentlich Kreide gefressen haben wenn man "konservative rechte Mitte" meint.

  6. 2.

    "Der Vorsitzende der AfD-Fraktion im Bundestag, Alexander Gauland, verzichtet nach Medieninformationen auf dem Bundesparteitag in Hannover auf eine Kandidatur für den Parteivorsitz. Damit mache er den Weg dafür frei, dass der bisherige Vorsitzende Jörg Meuthen und der Berliner Landes- und Fraktionschef Georg Pazderski die Partei gemeinsam als Doppelspitze führen könnten, berichteten die Onlineportale faz.net und und "Spiegel Online" am Samstag unter Berufung auf Parteikreise."

    Das halte ich für eine Zeitungs-Ente.

    Das entscheidet in der AfD auch nicht Gauland, sondern dort wird gewählt - und Pazderski durchfallen.

  7. 1.

    Drücken wir Berlins Landeschef Pazderski die Daumen zur Wahl zum Bundesvorsitzender der AfD. Das wäre eine Stärkung des gemäßigten Flügels und ein Zeichen an den Berliner RRG-Senat.

Das könnte Sie auch interessieren