Ein junger Mann fotografiert in Eberswalde die Gedenktafel für den getöteten Amadeu Antonio (Quelle: dpa/Ralf Hirschberger)
Video: Brandenburg aktuell | 06.12.2017 | Bild: dpa/Ralf Hirschberger

Gedenken in Eberswalde - Vor 27 Jahren töteten Nazis Amadeu Antonio

Mit einer Gedenkveranstaltung ist am Mittwoch in Eberswalde (Barnim) an den 27. Todestag von Amadeu Antonio erinnert worden. Der 28-jährige Angolaner war in der Nacht vom 24. zum 25. November 1990 bei einem Angriff einer rund 50-köpfigen Gruppe Rechtsextremer schwer verletzt worden. Er starb am 6. Dezember 1990 an den Folgen.

Amadeu Antonio, der in der DDR Vertragsarbeiter war, gilt als eines der ersten Todesopfer rechter Gewalt nach der Wiedervereinigung. Sein Tod präge die Stadt Eberswalde für immer, betonte die Stadtverwaltung in der Einladung zu der Gedenkveranstaltung.

Spezielle Veranstaltungen für Jugendliche

Eingeladen zu dem Gedenken hatten die Stadt Eberswalde, die Initiative "Light me Amadeu" und der afrikanische Kulturverein Palanca - in "Erinnerung an den Menschen und als Mahnung, dass sich ein solches Ereignis in Eberswalde nie wieder wiederholen darf".

Im Anschluss an die Gedenkveranstaltung waren Workshops für Jugendliche über Rassismus und Menschenrechte geplant. Hintergrund sei, dass immer weniger Jugendliche in der Stadt über den Vorfall Bescheid wüssten, hieß es. Bei einer "Eberswalder Nacht der Jugend" sollten daher, gemeinsam mit der Berliner Illustratorin Kitti Kahan, Jugendliche an einem Comic über Amadeu Antonio Comic. Dazu waren Gesprächsrunden, aber auch Musikveranstaltungen geplant.

Der Bürgermeister von Eberswalde, Friedhelm Boginski, betonte, die Jugendlichen müssten sich mit der Geschichte auseinandersetzen "und damit auch einen Blick in die Zukunft wagen: Sie sollen sich mit Rassismus auseinandersetzen, mit Fremdenfeinlichkeit - weil wir allen müssen aus der Geschichte lernen."

Stadt verleiht auch Amadeu-Antonio-Preis

Am 28. November hatte die Stadt in Erinnerung an die Tat bereits zum zweiten Mal den Amadeu-Antonio-Preis für kreatives Engagement für Menschenrechte verliehen. In diesem Jahr ging er an den Kölner Verein Lückenlos und würdigte das Kunstprojekt "Tribunal "NSU-Komplex auflösen"".

Das Tribunal-Netzwerk des Vereins ist mit mehr als 100 Aktivisten in sieben deutschen Städten unterwegs, um an Tatorten des rechtsextremen NSU mit Aktionen wie Umbenennung von Straßen und Kundgebungen den Blick auf die Betroffenen der Mordtaten zu lenken. Zu einem Tribunal im Mai 2017 in Köln mit Filmen, Theateraufführungen und Ausstellungen kamen mehr als 3.000 Menschen.

Kommentar

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2 Kommentare

  1. 2.

    Sehr geehrter Max Mustermann,
    Übergriffe auf Menschen anderen Glaubens, anderer Herkunft, anderer Gebräuche, anderen Aussehens oder anderer sexueller Orientierung sind seit der Wiedervereinigung nicht weniger geworden. Gerade in den letzten Jahren war die Berichterstattung fast gesättigt mit solchen Schlagzeilen. Demzufolge ist dieses Thema up to date. Um zu verdeutlichen, wohin dieser Hass führen kann, sollte besser nicht nur der erste tödliche Übergriff zurück ins Bewusstsein der Menschen geholt werden, sondern jeder einzelne in unserer Region. Denn hinter jedem Opfer steckt ein Mensch mit einer Geschichte und Angehörigen, die um ihn trauern.


  2. 1.

    Lieber RBB haben wir wirklich keine andere Sorgen? Waren es etwa auch Nazis, die dieser Tage vor dem Brandenburger Tor Flaggen Israels verbrannten?

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