Protest gegen Deutsche Wohnen. (Quelle: imago/Peter Homann)
Bild: imago/Peter Homann

Immobilienriese beklagt Aggressionen - Deutsche Wohnen sichert sich mit Zaun vor Angriffen

Die Konzernzentrale ist mit einem massiven Zaun gesichert, der Zugang erfolgt nur mittels Codewort und Anmeldung. Die Deutsche Wohnen sieht sich gezwungen, so ihre Mitarbeiter und ihr Eigentum vor "radikalisierten Menschen" zu schützen. 

Mit mehr als 100.000 Wohnungen ist die Deutsche Wohnen Berlins größter Vermieter und der, der am meisten in der öffentlichen Kritik steht. Mieter beschweren sich über Mieterhöhungen, die teurer als die Vergleichsmiete seien, ausgefallene Heizungen, Schimmel, fehlende Instandhaltung. Die Deutsche Wohnen sieht sich nach eigenen Angaben Aggressionen ausgesetzt. "Es gibt bestimmte Gruppen, die massiv Stimmung gegen uns und andere Immobilienunternehmen machen", sagte Vorstandschef Michael Zahn der "Berliner Morgenpost" am Donnerstag.

Ein Zaun zum Schutz vor Wut und Radikalisierung

Die Konzernzentrale in Wilmersdorf werde deshalb nun durch einen massiven Zaun geschützt, der auch tagsüber nur mit Anmeldung und Codekarte zu passieren ist. Zahn spricht von radikalisierten Menschen, vor denen Mitarbeiter und Eigentum geschützt werden müssten. "Wir sehen uns in Zeiten, wo Wohnraum sich immer weiter verknappt, auch mit der Wut von Menschen konfrontiert, die bei Wohnungsbesichtigungen leer ausgehen." Zur Anhörung im Berliner Abgeordentenhaus wegen des Vorwurfs fehlender Instandhaltung kam Zahn sogar mit Personenschützern, da er nach eigenen Angaben bereits persönlich bedroht wurde.

Der CEO der Deutsche Wohnen AG, Michael Zahn. (Quelle: dpa/Roland Schlager)
Michael Zahn von Deutsche Wohnen | Bild: dpa/Roland Schlager

100 Interessenten auf acht Euro kalt

Bis zu 100 Interessenten melden sich laut Zahn mittlerweile für freie Wohnungen. Durchschnittlich zahlen Mieter bei der Deutschen Wohnen demnach 6,40 Euro kalt je Quadratmeter. Bei der Neuvermietung verlange das Unternehmen im Schnitt acht Euro.

Aus Zahns Sicht ist das Klima Vermietern gegenüber feindlicher als zuvor, seit Berlin im vergangenen Jahr einen rot-rot-grünen Senat erhielt. Dennoch hat das milliardenschwere Unternehmen im Oktober seinen Hauptsitz von Frankfurt am Main in die Hauptstadt verlegt. In Berlin befinden sich 100.000 der bundesweit 160.000 Wohnungen des Konzerns. Kritik an dem Vermieter kommt vor allem von der Berliner Linken.

Kritik an Deutscher Wohnen

Die Deutsche Wohnen steht schon seit längerem in der Kritik. Dem privaten Unternehmen wird unter anderem vorgeworfen, den Mietspiegel zu missachten. Der Berliner Mieterverein wirft dem Immobilienriesen zudem vor, die Instandhaltung von Wohnungen so lange zu vernachlässigen, bis für die Mieter kostspielige Modernisierungen fällig würden. Vertreter des Unternehmens wurden deshalb bereits zu einer Anhörung ins Abgeordnetenhaus geladen.

Sendung: Kulturradio, 8.12.2017, 12.10 Uhr
 

Kommentar

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17 Kommentare

  1. 16.

    Eben. Er nimmt Kollateralschäden in Kauf, schreibt aber mit keinem Wort, dass dies keinesfalls Personenschäden sein dürfen. Also sind diese eingeschlossen.

    Ganz abgesehen davon möchte ich auch einen Aufruf zu gewaltsamen Protesten unter Inkaufnahme von Sachschäden nicht auf der Webseite eines öffentlich-rechtlichen Senders sehen.

  2. 15.

    Ich möchte mir das statement vom user Matze nicht vollumfänglich zu Eigen machen. Aber wo schreibt er da etwas von "Personenschäden"? Sehe ich nicht.

    Bemerkenswert.

  3. 14.

    Dieses merkwürdige statement des Herrn Zahn ist mir auch aufgefallen. Passt aber ins Gesamtbild einer solchen Firma. Ich denke: Deutsche wohnen besser woanders solange Deutsche Wohnen sich nicht bessert.

  4. 13.

    "Von mir aus darf der Protest auch gerne maximal robust sein, unter bestmöglicher Vermeidung von Kollateralschäden."

    User "Matze" plädiert also für gewaltsame Proteste ("maximal robust") unter Inkaufnahme ("bestmögliche Vermeidung" bedeutet nicht "unbedingte Vermeidung") von Personenschäden. Und der RBB läßt das auf seinen Seiten stehen.

    Bemerkenswert.

  5. 12.

    Ja es ist schlimm wie Deutsche Wohnen und andere Profitorientierte Grovermieter mit ihrem Bestand und den Mietern umgehen... Aber hier ist es wie überall, die Nachfrage regelt den Preis... So lange die so viele Interessenten für jede Wohnung haben und ohne Mühe jede "Hundehütte" vermieten können, wird sich wenig bis nix ändern! Das kann man doof finden aber ohne Nachfrage müssten die sich ganz schön drehen. Wer also eine Hundehütte von denen mietet, nur um erstmal ne Wohnung zu haben und sich dann beschwert über die vielfach bekannten Machenschaften dieser Vermieter wird nix ändern! So bitter wie das klingen mag, ich denke Boykott könnte helfen.

  6. 11.

    Als in dem Gebäude noch die GEHAG saß, ursprünglich eine gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft, hatte sie es nicht nötig, sich so zu verbarrikadieren.

    Die GEHAG versuchte allerdings auch nicht, ein System wie den Mietspiegel, das der Immobilienspekulation und der Verdrängung weniger begüterter Schichten wenigstens etwas Einhalt gebieten soll, zu Fall zu bringen, um dann noch fröhlicher Mieter (oder, über den Umweg Wohngeld etc. die Steuerzahler) zu schröpfen.

    Aber ein Fleißsternchen für Herrn Zahn: Wie er, als Verantwortlicher, sich als Opfer geriert, ist wirklich mustergültig. Und dazu noch Nebelkerzen werfen, von wegen "die Leute sind verärgert, weil sie bei Wohnungsbesichtigungen leer ausgehen". Sehr witzig.

  7. 10.

    Wer 8 Euro je Quadratmeter kalt verlang, der hat jede Bodenhaftung verloren und darf sich nicht wundern, wenn Leute angesichts dieser Wucher-Mieten wütend sind.

    Kapitalismus im pervertierten Endstadium.

  8. 9.

    Der Zaun darf nicht von Steuergelder sondern von den reichen Miethai bezahlt werden
    Die müssen sich auch an die Gesetze halten
    .Die Miethaie müssen für immer vernichten werden

  9. 8.

    Ob das was bringt, wenn sie der Erhöhung nicht zustimmen? ich denke, dann werden sie sicher rausgeschmissen.
    Habe selber heute eine Mieterhöhung bekommen von der Vonovia, von derzeit 390 auf 520 Euro, die ganzen Miet Aasgeier nehmen sich alle nix!

  10. 7.

    Mein Mitleid mit diesem Vermieter hält sich in Grenzen. Vielleicht einfach mal weniger gierig sein, seine Mieter besser behandeln und öfter mal nach dem Bestand sehen, dann klappts auch mit dem Nachbarn. Andere Wohnungsbaugenossenschaften müssen ihre Zentrale nicht so verbarrikadieren wie dieser Wohnkonzern es tun muss. Die machen also etwas anders...

  11. 6.

    Ein Milliarden schwerer Konzern treibt die Mietpreise in die Höhe, ruiniert Existenzen.
    Diese Gier nach Macht und Geld ist unersättlich.
    Wäre schön diese Menschen würden immer hinter Ihrem Zaun bleiben!!!

  12. 5.

    Ich habe vor jedermann Verständnis, der seinen Protest gegenüber dieser miesen Firma und ihren Handlangern äußert. Meinungsfreiheit garantiert immerhin unser Grundgesetz noch, menschenwürdiges Wohnen leider nicht.

    Von mir aus darf der Protest auch gerne maximal robust sein, unter bestmöglicher Vermeidung von Kollateralschäden. Um es im NATO-Jargon zu beschreiben. Mag das jeder für sich selbst übersetzen ...

  13. 4.

    Dass die Deutsche Wohnen angefeindet wird, wundert mich nicht. Regelmäßig flattern Mieterhöhungen ins Haus. Die stehen in keinem Verhältnis zu den Zuständen der Wohnungen. Ich stehe mit denen im Augenblick auch auf Kriegsfuß, weil ich der Mieterhöhung nicht zugestimmt habe. Ich war sogar so nett und hab denen mitgeteilt, weshalb ich dem ganzen nicht zustimme. Aber darauf nicht reagiert. Als Antwort kommt nur, unterschreib, sonst verklagen wir dich. Na dann sollen sie mal. Ich warte ^^

  14. 3.

    Hätte man das Geld statt in Hochsicherheitsanlagen und Personenschützer vorher in schimmlige und mit voller Absicht völlig heruntergekommene Wohnungen investiert hätte man sich ersteres sparen können.

    Wer dann noch seine Mieter schikaniert und terrorisiert...

    "Man kann auch einen Menschen mit einer Wohnung erschlagen wie mit einer Axt"

    Heinrich Zille

    Heute noch so gültig wie zu Zilles Zeiten.

  15. 2.

    Wen wundert es bei diesen negativen Schlagzeilen bei diesem Unternehmen.
    Wer seine Miteter so behandelt brauch sich nicht wundern.

  16. 1.

    Den Vermietern muss klar sein, dass jeder Euro der für Miete draufgeht, beim Essen, bei Kleidung, bei Schulbüchern etc. einfach fehlt. Eure Mietwucher sind keine abstrankten Zahlen in einer Excel-Tabelle, sondern das merken die Leute sofort in ihrem täglichen Leben. Bei so einem Verhalten wird ein Zaun wahrscheinlich nicht genug sein. Sondern man muss das Verhalten ändern.

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