Leere Stühl im Wartebereich einer U-Bahn-Haltestelle (Quelle: Imago / Welstend61)
Bild: imago stock&people

Debatte um Reformationstag - Kein neuer Feiertag für die Party-City

Berlin hat neun Feiertage, Bayern aber zwölf. Das ist nicht gerecht, argumentiert die AfD und will den Reformationstag als alljährlichen Feiertag einführen. CDU, FDP, Linke, Grüne und SPD sind dagegen. Alle haben für ihre Ablehnung eine andere Begründung.  

Für Berlin besteht wenig Aussicht, dass der Reformationstag am 31. Oktober dauerhaft zum Feiertag wird. Einen AfD-Antrag auf Einführung des Reformationstages als gesetzlichen Feiertag haben die anderen Fraktionen des Berliner Abgeordnetenhauses nicht unterstützt.

Das Landesparlament überwies den Gesetzesantrag am Donnerstagabend in die zuständigen Ausschüsse. Der am 31. Oktober gefeierte Reformationstag ist nur in den anderen ostdeutschen Bundesländern ein gesetzlicher Feiertag, also in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. In diesem Jahr war der 31. Oktober ausnahmsweise auch in Berlin arbeitsfrei - wegen des Reformationsgedenkjahrs.  

Der Osten feiert die Reformtion, Berlin aber nicht

Der seit 2016 mit AfD-Mandat im Berliner Abgeordnetenhaus sitzende Martin Trefzer (AfD) begründete den Antrag seiner Partei auf einen alljährlichen Feiertag am Reformationsjubiläum Ende Oktober mit vergleichbaren Initiativen in Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Hamburg und Bremen. "Berlin ist nicht weniger durch die Reformation geprägt", erklärte er. Der Tag sei nötig zur Besinnung auf die "christlichen Wurzeln". Er wies die Kritik des evangelischen Berliner Bischofs Markus Dröge an dem Antrag zurück. Dröge hatte der AfD am Mittwoch vorgeworfen, das "sinnvolle Anliegen in parteipolitische Auseinandersetzungen" zu bringen.

Berlin ist im Augenblick bei neun Feiertagen, der Bundesdurchschnitt liegt bei 10,5 Feiertagen – da ist aus meiner Sicht nicht der große Skandal zu erkennen.

Frederic Verruycken, Mitglied der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus

Die SPD rechnet und vergleicht

Frederic Verruycken (SPD) plädierte für eine generelle Debatte darüber, ob in Berlin mehr gesetzliche Feiertage sinnvoll seien. Neue Feiertage sollten vielmehr die multikulturell geprägte Stadt repräsentieren: "Etwa einen gemeinsamen Feiertag für die drei monotheistischen Religionen Islam, Judentum und Christentum."

Allerdings machte Verrycken auch aufmerksam auf das rechnerische Berliner Defizit an Feiertagen im Bundesvergleich, sieht aber trotzdem keinen echten Handlungsdruck: "Berlin ist im Augenblick mit Hamburg und Bremen bei neun Feiertagen, der Bundesdurchschnitt liegt bei 10,5 Feiertagen – da ist aus meiner Sicht nicht der große Skandal zu erkennen, dass wir jetzt da richtig aufmuskeln müssen und viele weitere Feiertage einführen müssten."

Warum er aber etwa die Differenz zu Bayern, Baden-Württemberg, dem Saarland und auch zu Brandenburg, wo es jeweils zwölf gesetzliche Feiertage gibt, als richtig empfindet, sagte er nicht.

Zu viel Protestantismus für Berlin

Die Linken-Abgeordnete Regina Kittler allerdings begründete ihre Ablehnung des Antrages damit, dass es die von der AfD ins Feld geführte "protestantische Prägung" der Hauptstadt so nicht gebe. Zwei Drittel der Berliner seien konfessionslos, christliche Feiertage aber habe die Hauptstadt genug. Auch Bettina Jarasch (Grüne) erinnerte daran, dass Protestanten "nicht die Mehrheit in der Stadtgesellschaft bilden".

Cornelia Seibeld (CDU) wies den Gesetzesantrag als "vorgezogen und instrumentalisiert" zurück. Die Einführung eines gesetzlichen Feiertags brauche zuvor eine breite gesellschaftliche Diskussion, unter anderem mit den Kirchen und dem Einzelhandel. In der Frage nach mehr gesetzlichen Feiertagen der Ruhe und Besinnung müsse es auch darum gehen, ob Adventssonntage verkaufsoffen sein müssten.

Die Freien Demokraten argumentierten mit ihrer Ablehnung privatwirtschaftlich: Florian Swyter (FDP) nannte den AfD-Antrag "nicht ausgegoren und ausreichend begründet". Berlin sei in einem "wirtschaftlichen Aufholprozess" und dabei habe die Stadt den Vorteil, dass sie bei den Feiertagen bundesweit "nicht an der Spitze" stehe. Feiertage seien für die Wirtschaft eine Belastung.

Sendung: Inforadio, 01.12.2017, 12 Uhr

Kommentar

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14 Kommentare

  1. 14.

    Die begründung der FDP ist der Grund warum diese Partei keine Daseinsberechtigung besitzt. Ich hoffe die verschwinden wieder von der Bühne.

  2. 12.

    Wieso "entlarven"? Die Argumentation der Linken stimmt doch, die Mehrheit der Berliner Bevölkerung hat mit Christentum nicht viel am Hut. Man soll die christliche Tradition pflegen, aber wenn ein neuer Feiertag, dann bitte einen säkularen Anlass.

  3. 11.

    Habe gerade Nachrichten und Sportnachrichten bei rbb gehört. Heute hat die Damen Handball WM in Deutschland begonnen. Deutschland hat das erste Spiel gewonnen. Wenn ich mich nicht irre, wurde von diesem Sportgroßereignis nichts berichtet. Finde ich richtig schade!!!!

  4. 10.

    Wenn es um die Einführung eines Islamischen Feiertages gehen würde, dann wären Linke und Grüne sofort dabei.

  5. 8.

    Wie sieht es denn in der Realität aus? In der Nacht zu einem Feiertag macht die Jugend Halli-Galli und pennt sich am folgenden Tag ordentlich aus. FEIERTAGE sind nichts anderes als FREIE TAGE (geworden). Mir persönlich ja egal, da ich im rollenden Schichtdienst arbeite. Der eigentliche Sinn dieser Tage - ob religiös oder als Gedenktage klassifiziert - ist längst verloren gegangen. Wie sieht es denn um den Tag der Befreiung (8. Mai) aus? In Tschechien ist es ein Feiertag. In der DDR galt er bis 1967 und 1985 als gesetzlicher arbeitsfreier Feiertag. Da konnte Vati endlich mal den Wartburg waschen und Mutti sich im Garten betätigen. Den Reformationstag benutz(t)en die Brandenburger, um nach Berlin zum Shoppen zu fahren. Alles sehr scheinheilig. Aber was ist im Gegensatz dazu die Diskussion um verkaufsoffene Sonntage? Da werden dann irgendwelche Ereignisse in Berlin als Grund für die Genehmigung herangezogen. Klar - der Umsatz in den Kassen muss stimmen!

  6. 7.

    Anmerkung: Es mag zwar sein, dass Brandenburg 12 gesetzliche Feiertage hat. Zwei davon fallen jedoch generell auf einen Sonntag (Ostersonntag, Pfingstsonntag). Das unterscheidet sich daher noch einmal im Detail zu BW, SL und BY.

  7. 6.

    Ich bin jetzt mal ganz böse.
    Warum dürfen Menschen die nicht Christen sind Christliche Feiertage begehen?
    Was meint ihr dazu ?

  8. 5.

    Genau - in verlotterten Berlin sind sie mittlerweile Halli-Galli.
    Die Normalität sollte anders sein. Also nicht grundsätzlich falsch! Sie haben die falsche Einstellung.
    Bei den konfessionslosen und anders Religiösen ist das natürlich in Berlin zu 80% Bespaßung. War aber nicht Sinn.

  9. 4.

    Falsch! Feiertage sind nur Halli-Galli. Aber leider muss man es ja schön verpacken, um einen zu bekommen. Da nehme ich auch Reformationstag xy - der Name ist schnuppe.

  10. 3.

    Gerade der Reformationstag ist ja kein rein religiöser Feiertag, sondern er steht für die Deutsche Geschichte, für den Beginn eines wichtigen historischen Abschnitts im Sinne von Aufklärung und Weiterentwicklung der Gesellschaft in einem fortschrittlichen Sinn.
    Es ist ein Feiertag, der zu ganz Deutschland gehört und zu den evangelisch geprägten Landstrichen wie auch Berlin erst recht.
    Deswegen ist es ein Gebot der Vernunft, ihn auch in Berlin und letztlich in ganz Deutschland zum Feiertag zu machen.

    Den Antrag nun abzulehnen, nur weil die AfD ihn eingebracht hat - offensichtlich kommen manche Politiker der etablierten Parteien nie aus dem Kindergarten-Niveau heraus.

  11. 2.

    "Zwei Drittel der Berliner seien konfessionslos"

    Vielleicht wird Weihnachten ja auch noch abgeschafft.
    Der Pöbel soll arbeiten - nicht feiern!

    Wieder einmal ist es der AfD gelungen, die etablierten Parteien zu entlarven, insbesondere die Linke.

  12. 1.

    Feiertage sind ja auch kein Hali-galli, sondern für einen bestimmten Anlass. Katholiken- und Protestantenfeiertage unter scheiden sich daher, und ergo in der Anzahl. Wenn es um Religion ginge dann würde und sollte Berlin fast leer aus gehen, weil sich keiner mehr um den Anlass kümmert sondern, jeder seins macht.
    Es geht nur um Freizeit und Brückentage...

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