ARCHIV - Der beurlaubte Bürgermeister von Guben, Klaus-Dieter Hübner (FDP, l), unterhält sich am 17.02.2014 in Cottbus (Brandenburg) im Landgericht vor Prozessbeginn mit seinem Anwalt Peter Zuriel (Quelle: dpa).
Video: Brandenburg Aktuell | 20.12.2017 | Daniel Jorewitz | Bild: dpa-Zentralbild

Umstrittener FDP-Politiker - Gubens suspendierter Bürgermeister Hübner verstorben

Der suspendierte Bürgermeister von Guben, Klaus-Dieter Hübner, ist tot. Im vergangenen Jahr wurde er zum wiederholten Mal ins Rathaus gewählt, wegen einer Bewährungsstrafe jedoch von den Stadtverordneten suspendiert.

Der suspendierte Bürgermeister von Guben, Klaus-Dieter Hübner, ist in der Nacht auf Mittwoch im Alter von 66 Jahren überraschend verstorben. Das hat die Stadtverwaltung am Mittag bestätigt. Hübner ist 2001 erstmals zum Bürgermeister der Stadt Guben (Landkreis Spree-Neiße) gewählt worden. 2009 und 2016 wurde er wiedergewählt.

Hausverbot im Rathaus

Hübner war in den vergangenen Jahren sehr umstritten und trug wegen eines Korruptionsverfahrens gegen ihn den Beinamen "Berlusconi von der Neiße". Das Landgericht Cottbus hatte ihn 2015 wegen Bestechlichkeit und Untreue zu einer Bewährungsstrafe von anderthalb Jahren verurteilt. Deswegen wurde er von seinem Amt als Bürgermeister suspendiert und hatte Hausverbot im Rathaus. 

Die Wiederwahl des vorbestraften FDP-Politikers hatte bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Der Landkreis Spree-Neiße hatte gegen Hübner im Sommer 2016 ein Disziplinarverfahren geführt. Die Amtsgeschäfte führt seither Hübners Stellvertreter Fred Mahro (CDU). Dem rbb sagte er zu Hübners Tod, er sei "persönlich sehr getroffen" und denke fest an die Familie des Verstorbenen. Mahro werde das Amt des stellvertretenden Bürgermeisters weiter ausüben. Zu seiner beruflichen Zukunft - etwa als möglicher Nachfolger Hübners - wollte sich Fred Mahro "mit Rücksicht auf die Trauer dieser Stadt" am Mittwoch nicht äußern.

2018 muss Guben einen neuen Bürgermeister wählen

Harald Altekrüger (CDU), Landrat des Spree-Neiße-Kreises, sagte dem rbb, er sei "sehr traurig" über den "viel zu frühen Tod" von Klaus-Dieter Hübner. Seine Verdienste als Bürgermeister seien "sehenswert“, er habe "viel für die Stadt Guben getan" und Gubens Mitte "baulich vorangetrieben". "Davor kann man nur den Hut ziehen", so Altekrüger.

Während Hübners Amtszeit wurde in Guben ein neues Rathaus gebaut, eine Musikschule und eine Bibliothek. Außerdem siedelte sich das umstrittene Plastinarium von Gunther von Hagen in der Stadt an. Landrat Altekrüger lobte außerdem Hübners Leistungen für die deutsch-polnische Zusammenarbeit: Er habe für Guben in diesem Bereich "viele Projekte rangeholt und umgesetzt". Nach einer Zeit der Trauer um Hübner werde es 2018 wieder Bürgermeisterwahlen in Guben geben. Ein genauer Termin steht allerdings noch nicht fest.

"Lex Guben": Keine vorbestraften Bürgermeister mehr

Im Korruptionsprozess gegen Hübner ging es von 2012 bis 2015 vor allem um eine Gartenbaufirma, die vom Bürgermeister Aufträge zugeschanzt bekommen haben soll. Im Gegenzug soll der Betrieb kostenlos sein Privatgrundstück gepflegt haben.

Trotz der Verurteilung im Februar 2015 trat Hübner bei den Bürgermeisterwahl im Sommer 2016 wieder in Guben an und bekam eine Mehrheit der Stimmen. Für manche Gubener war er ein Straftäter, viele andere schätzten sein Engagement für die Stadt. In einer rbb-Umfrage äußerte sich eine Gubenerin betrübt über Hübners Tod und seine Suspendierung: "Schade, dass man ihn rausgeschmissen hat, dass man ihn nicht mehr – nachdem wir wollten, dass er Bürgermeister wird – ins Rathaus reingelassen hat."

Der Landtag in Potsdam hatte im März diesen Jahres mit großer Mehrheit eine "Lex Guben" beschlossen. Damit soll künftig ausgeschlossen sein, dass im Land Brandenburg vorbestrafte Kandidaten zu hauptamtlichen Bürgermeistern oder Landräten gewählt werden.

Kommentar

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14 Kommentare

  1. 14.

    Ich finde, die schreibende Zunft darf keine Flüchtigkeitsfehler machen, weil das Schreiben zum Kerngeschäft gehört. Die sind ja bei der Arbeit und nicht auf der Flucht. Meine Frage, ob der RBB über ein Lektorat verfügt, wurde ja auch wohlweislich nicht beantwortet.
    Ist nur schön, dass sich das deutlich weniger gravierend auswirkt als etwa bei Ärzten oder Piloten, bei denen ich stets bete, dass sie bei mir keine "Flüchtigkeitsfehler" machen.
    Nehmt besser [Moinsen], der/die verzeiht das sicher leichter als ich.

  2. 12.

    Ganz einfach: In diesem Bundesland wurde noch viel viel mehr Korruption geduldet, ohne dass je der Staatsanwalt eingriff. Stichwort Krampnitz Affäre usw. usf. Herr Hübner war vorbestraft und wurde trotz dieser Strafe gewählt. Warum machte man dann also so ein Gewese darum und hinderte in der grössten Demokratie, die es je in Brandenburg gab einen gewählten Bürgermeister daran, sein Amt auszuüben. Ist es nicht endlich an der Zeit Verantwortliche für das BER wie weitere Desaster vor ein Gericht zu stellen? So meinte ich meine Antwort.

  3. 10.

    Vielleicht tat der Verstorbene mehr für das Land Brandenburg, als man sich vorstellen kann.

  4. 9.

    Wo fängt es an? Womit hört es auf? Die Medien sollten Vorbild sein. Ich jedenfalls bin sehr für den Erhalt und die Bewahrung der deutschen Sprache und verfolge mit Sorge deren Verfall.

  5. 8.

    Was genau wird schlimmer?Es war ein Fehler, dieser wurde beseitigt. Sie machen wohl nie Fehler? Also, nicht immer übertreiben...

  6. 7.

    Und???Fühlen Sie sich nun besser? Mal kurz "Anderen" Ihre Fehler unter die Nase reiben? Das ist wirklich schwerer zu ertragen, als ein Flüchtigkeitsfehler. Aber bei Ihnen nicht. Leute wie Sie sind immer fehlerlos.

  7. 6.

    Ich stimme Ihnen aus vollstem Herzen zu! Wenn schon die Presse keinen Wert auf den Erhalt der deutschen Sprache legt, kann es nur noch schlimmer werden.

  8. 3.

    Muss da wirklich erst eine "Lex Guben" beschlossen werden, damitz ein vorbestrafter nicht Bürgermeister werden darf? Ich finde das sollte eigentlich selbstverständlich sein,oder?? Aber er wäre ja nicht der erste der als Vorbestrafter ein hohes öffentliches Amt ausgeübt hätte.

  9. 2.

    Ob der Mann tatsächlich "überrascht verstorben" ist, wird man wohl nicht mehr von ihm erfahren.

  10. 1.

    ... ist überrascht gestorben ... ist überraschend gestorben ...
    So viele Zweifelsfälle der deutschen Grammatik. Und so viele Rechtschreibfehler finde ich bei rbb24. Schreiben nur noch unbezahlte Praktikanten die Artikel? Kann eine Redaktion mit dem Begriff "Lektorat" noch etwas anfangen oder müssen Sie dafür erst einmal bei Wikipedia nachschlagen?
    Kurz: ich fände es ganz schön, wenn wenigstens die öffentlich-rechtlichen Journalisten mehr Wert auf ihr Handwerk der deutschen Sprache legen würden.
    Es grüßt ein verärgerter Stammkunde.

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