Flüchtlinge arbeiten am 30.10.2017 in einer Werkstatt der Ausbildungsstätte Arrivo (Quelle: dpa/Kembowski)
Audio: Inforadio | 06.12.2017 | Nina Amin | Bild: dpa/Kembowski

Ein Jahr Rot-Rot-Grün - r2g sucht den Königsweg bei der Integration

Der größte Erfolg für Senatorin Breitenbach im ersten Regierungsjahr ist, dass viele Geflüchtete aus Notunterkünften ausziehen konnten. Aber sowohl bei der Vermittlung in Wohnungen als auch in Arbeit gibt es noch viele Baustellen. Ein Konzept ist in Arbeit. Von Nina Amin

Die Integrationspolitik war ein wichtiges Thema während der Koalitionsverhandlung von Rot-Rot-Grün vor einem Jahr – auch weil damals noch viele Geflüchtete in Notunterkünften und Turnhallen lebten. Der größte Erfolg seither ist für Integrationssenatorin Elke Breitenbach (Die Linke): "Dass wir einen ganzen Schritt weitergekommen sind beim Freizug der Notunterkünfte und viele Menschen in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht haben."

Opposition: Senat hat kein Konzept

Dabei konnte Rot-Rot-Grün allerdings auf die Vorarbeit des vorherigen Senats zurückgreifen: Zehn Containerdörfer und acht Wohnblöcke für Geflüchtete sind fertiggestellt und bezogen worden. Weitere Häuser sind im Bau oder in Planung. Allerdings sollen da langfristig im Sinne von besserer Integration nicht ausschließlich Geflüchtete leben. "Wir werden diese Häuser so schnell wie möglich öffnen", sagt Breitenbach. Das Ziel: von Flüchtlingsunterkünften wegkommen und hin zu "ganz normalen Wohnhäusern, in denen sehr unterschiedliche Menschen leben".

Der Opposition gehen die Integrationsbemühungen von Rot-Rot-Grün nicht weit genug. Der Senat habe kein Konzept, kritisiert die integrationspolitische Sprecherin der CDU-Fraktion, Cornelia Seibeld. Die Vermittlung in normalen Wohnraum funktioniere nicht. Auch die Vermittlung in den ersten Arbeitsmarkt, in Maßnahmen oder in Ausbildung sei "bestenfalls gerade angelaufen" und falls zahlenmäßig kaum ins Gewicht.

Erst einige hundert Geflüchtete in Ausbildung

Berlins Integrationsbeauftragter Andreas Germershausen kennt die Schwierigkeit, Geflüchtete in Jobs zu bringen. Deshalb investiere das Land Berlin viel Geld in Sprachkurse. Denn die deutsche Sprache ist Voraussetzung für einen guten Job. Gerade für junge Neu-Berliner sei eine Ausbildung der beste Weg ins Arbeitsleben, meint Germershausen. " Das Handwerk ist interessiert, aber auch alle anderen Ausbildungsbereiche."

Allerdings haben erst einige hundert Geflüchtete eine Lehrstelle bekommen. Sorgen machten ihm aber besonders diejenigen, die schon etwas älter seien. "Da müssen wir noch nachbessern."

Abschiebungen als letztmögliches Mittel

Auch das wird Teil eines Gesamtkonzeptes für die Integration von Geflüchteten sein, sagt der Integrationsbeauftragte. An dem Konzept werde mit Hochdruck gearbeitet. Kontraproduktiv sei allerdings, wenn Azubis während ihrer Ausbildung abgeschoben werden.

Zu diesem Thema hatte sich die rot-rot-grüne Koalition einen Paradigmenwechsel in ihren Vertrag geschrieben: Abschiebungen sollen nur als das letzte mögliche Mittel durchgeführt werden; das Aufenthaltsrecht soll integrationsfreundlich interpretiert werden. Im kommenden Jahr will der Senat dazu eine Expertenkommission einsetzen. 

Beitrag von Nina Amin

Kommentar

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3 Kommentare

  1. 3.

    So ist es.

  2. 2.

    ...können sie dem Praktikanten mal mitteilen, dass diese merkwürdigen Synonyme , wie z.B R2G langsam immer absurder werden, darauf kann der Großteil der Bevölkerung sicher gut Verzichten.
    Danke!

  3. 1.

    Es gibt keinen Königsweg der Integration. Es gibt nur konsequente Umsetzung der UN Flüchtlingskonvention.

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