Der Stolperstein für Stanislaw Kubicki, welcher in der Onkel-Bräsig-Straße 46 eingesetzt wurde. (Quelle: rbb/Miriam Keuter)
Video: Abendschau | 04.12.2017 | Kerstin Breinig | Bild: rbb/Miriam Keuter

Erste gestohlene Mahnmale ersetzt - Spendenüberschuss für "Stolpersteine" geht an Schulen

In einer feierlichen Zeremonie sind die ersten der 16 in Berlin-Neukölln gestohlenen "Stolpersteine" ersetzt worden - sie wurden in Beton gegossen. Spenden, die für die Wiederverlegung nicht benötigt werden, fließen in einen "Erinnerungsfonds" für Schüler.

Rund einen Monat nach dem Diebstahl von 16 "Stolpersteinen" in Berlin-Neukölln sind am Montag die ersten beiden Exemplare neu verlegt worden. Man habe mit dem schnellen Ersatz ein Zeichen gegen diejenigen setzen wollen, die das friedliche Zusammenleben im Bezirk und die Erinnerung an die Verbrechen der Nationalsozialisten stören wollen, sagte Neuköllns Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) bei der feierlichen Zeremonie in der Hufeisensiedlung.

Spenden in Höhe von 11.000 Euro eingegangen

Giffey lobte das "außergewöhnliche zivilgesellschaftliche Engagement" aller, die geholfen hatten, die gestohlenen Steine zu ersetzen. Zudem dankte sie den Spendern, die insgesamt 11.000 Euro auf Spendenkonten eingezahlt hätten.

"Es sind weit mehr Spenden zusammengekommen, als wir für die Wiederverlegung benötigen", sagte die SPD-Politikerin. Damit könnten 40 "Stolpersteine" verlegt werden - sehr viel mehr als gestohlen worden waren. "Das ist ein großartiges Signal", so Giffey.

Die Mehreinnahmen, die für die Wiederverlegung der gestohlenen Steine nicht benötigt würden, sollen nun aber nicht in zusätzliche Steine investiert, sondern in einen "schulpädagogischen Erinnerungsfonds" überführt werden, kündigte die Bezirksbürgermeisterin an. Das hätten der Bezirk und das Museum Neukölln gemeinsam beschlossen. Wenn Schulkassen für neue "Stolpersteine" recherchieren und dann einen Stein verlegen sollten, könnten die Kosten aus dem Fonds gedeckt werden.

Wie die Britzer Anwohnerinitiative "Hufeisern gegen Rechts" mitteilte, gingen Spenden nicht nur aus Berlin, sondern auch aus anderen Bundesländern und sogar Brasilien ein.

"Fulminante und klare politische Antwort"

Udo Gößmann, Leiter des Museums Neukölln und Initiator der dortigen "Stolpersteine", sagte dem rbb nach der Zeremonie, es sei unbegreiflich gewesen, dass jemand auf diese Art und Weise "Gewalt an bürgernahen Gedenkorten" ausgeübt und diese Orte geschändet habe. Dieses Ereignis habe ihn persönlich sehr getroffen. Dass die gestohlenen Steine nun rasch ersetzt werden können, nannte Gößmann eine "fulminante und klare politische Antwort".

Bis Mittwoch alle Steine ersetzen

Der am Montag neu verlegte "Stolperstein" in der Onkel-Bräsig-Straße erinnert an den Künstler und Widerstandskämpfer Stanislaw Kubicki, der 1941 in Warschau ermordet wurde. Zuvor hatte er in der Britzer Hufeisensiedlung gelebt. Sein Sohn nahm an der Zeremonie teil. Die Musikschule Paul Hindemith Neukölln begleitete die Gedenkfeier musikalisch.

Anschließend wurde ebenfalls in der Onkel-Bräsig-Straße gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern der Fritz-Karsen-Schule der Stein für Hans-Georg Vötter erneuert. Der Kommunist wurde 1943 in Plötzensee ermordet.

Am Dienstag werden dann in der Parchimer Allee und am Mittwoch in der Gielower Straße weitere Stolpersteine ersetzt.

Nach Angaben des Bezirksamtes werden die neuen "Stolpersteine" in ein Betonfundament eingelassen, um den Diebstahl künftig zu erschweren. Bis Mittwoch sollen alle 16 Steine ersetzt werden.

Suche bislang erfolglos

Die Suche nach den entwendeten Steinen blieb bislang erfolglos. Auch der Seegrund des Fennpfuhls in Berlin-Britz wurde von Polizeitauchern abgesucht. Anfang November waren insgesamt 16 "Stolpersteine" an 13 Tatorten aus dem Boden gerissen worden. Sieben Steine verschwanden allein in der Britzer Hufeisen-Siedlung. Da die Steine kurz vor dem 9. November gestohlen wurden, vermuten die Behörden, der Diebstahl könnte mit dem Gedenken an die Opfer der Pogromnacht von 1938 im Zusammenhang stehen.

Die kleinen glänzenden Metallsteine erinnern an Opfer des Nationalsozialismus, meist an in Konzentrationslager deportierte und ermordete Juden. Sie sind an vielen Orten in den Bürgersteigbelag eingesetzt, direkt vor Häusern, in denen die Menschen gewohnt haben. Nach Angaben von Gunter Demnig wurden von den weltweit rund 63.000 Steinen rund 600 gestohlen.

Von den Anfang November gestohlenen Exemplaren fehlt weiter jede Spur.

Die kleinen glänzenden Metallsteine erinnern an Opfer des Nationalsozialismus. Sie sind an vielen Orten in den Bürgersteigbelag eingesetzt, direkt vor Häusern, in denen die Menschen gewohnt haben.

Sendung: Abendschau, 04.12.2017, 19.30 Uhr

Kommentar

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3 Kommentare

  1. 3.

    Da gebe ich ihnen ausnahmweise mal recht!

    Die meisten Nazis sind Idioten und es laufen entschieden zuviele davon herum, besonders in der Hufeisensiedlung.

  2. 2.

    "Ein Stolperstein kostet einschließlich der Verlegung 95 Euro. Hinzu kommen eventuell Übernachtungskosten für Gunter Demnig und seinen Fahrer sowie, falls sie einen Vortrag wollen, ein Honorar von 200,- Euro (zuzüglich Mehrwertsteuer)." (http://www.aktionsbuendnis-brandenburg.de/wie-organisiere-ich-eine-stolpersteinverlegung)

    Wird die Aktion des Entfernens so vielleicht sogar zum Bumerang, weil nun noch mehr Geld für weitere Steine zur Verfügung steht und die Schicksale der Opfer der NS-Terrorherrschaft wieder in den Vordergrund gerückt wurden. Kann durch den schnellen Ersatz der Steine nicht sogar ein positives Signal in die Welt gesendet werden, das da sagt, dass solche Verbrechen hier in unserer heutigen deutschen Gesellschaft nicht toleriert werden und uns das Andenken an die Opfer dieses unmenschlichen Leids immer noch wichtig ist. Ich freue mich über die große Spendenbereitschaft.

  3. 1.

    Man will die Täter finden, da muss die Polizei nur nach Idioten suchen. Und davon laufen anscheinend noch zuviele rum!

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